Leslie Kaplan reflektiert in ihren Essays jene Suche, als deren
Ergebnis man ihre Prosa ansehen kann: die immer neue Suche nach der
Begegnung der realen Welt und der dichterischen Kunst, die, wenn
sie gelingt, nach dem Vorbild der Traumarbeit verschobene,
verdichtete und symbolische Elemente zur Deutung an die Hand gibt.
Ihr Anliegen, gleich ob explizit oder in immer wieder neu
ansetzenden, annähernden Kreisbewegungen, ist nichts weniger als
ein Entwurf (und eine Anmahnung) einer Ethik des Denkens und
Schreibens. Inmitten einer »trostlosen Welt nackt, dem Froste
dieses unglückseligen Zeitalters ausgesetzt« (Kafka), inmitten
einer Welt der »totgeborenen Kinder« (Dostojewski) und inmitten
einer gefährlichen Freiheit (man kann alles denken, auch den Mord)
schlägt Kaplan Breschen, die Licht, die Hoffnung Einlaß gewähren,
indem sie auf dem »lebendigen Leben« (Dostojewski) beharrt. Kaplans
Arbeit ist die Öffnung des Wahrnehmens, des Denkens und Schreibens
- und ermöglicht »Blickwinkel des Staunens«, so könnte man sie mit
sich selbst kommentieren. Zu den wichtigsten ihrer Gewährsleute,
die stets Thema in ihren Essays sind, gehören Flaubert, Balzac,
Blanchot, Dostojewski, Kafka, aber auch Filmregisseure wie
Cassavetes, Buñuel, Godard und Rivette.
Leslie Kaplan, geboren 1943 in New York City, ist eine französische Schriftstellerin, die aus einer jüdischen Familie polnischer Herkunft stammt. Sie wuchs in Paris auf, wo sie heute lebt.
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