Die Welt ist blau - Wolff, Victoria

Victoria Wolff 

Die Welt ist blau

Ein Sommer-Roman aus Ascona

Hrsg. von Anke Heimberg
Broschiertes Buch
 
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Die Welt ist blau

Eine Wiederentdeckung voll klugem Witz

Ascona im Sommer 1933: Eine junge Frau und ihr Geliebter verbringen die Sommerfrische in dem 'beglückenden Nest' am Lago Maggiore. Unbeschwert Urlaub wollten sie machen, die Sonne genießen, die Seele baumeln lassen, doch nach und nach wird ihre Reise zu einem emotionalen Abenteuer, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Denn inmitten einer bunten Schar von Lebenskünstlern geraten die beiden - jeder auf seine Weise - in Versuchung ...

"Ich fordere, daß die Welt blau ist, auch wenn sie grau scheint, muß sie blau sein!" Victoria Wolff

"'Die Welt ist blau' stellt die junge Ursula Eisenlohr ins Zentrum, die ganz dem Typus der emanzipierten, intelligenten und eigenwilligen Frau der 20er Jahre entspricht. Wolff schildert sie psychologisch genau und aus der Innensicht der Protagonistin, was sich im leichtfüßigen, munter bewegten und charmanten Erzählton des Buches widerspiegelt." Olga Hochweis, DeutschlandRadio Kultur

"Ein schöner Urlaubsroman über eine sommerliche Romanze im mondänen, intellektuellen Ascona der 30er-Jahre." ELLE


Produktinformation

  • Verlag: Btb
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 187 S.
  • Seitenzahl: 187
  • btb Bd.74034
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 118mm
  • Gewicht: 204g
  • ISBN-13: 9783442740345
  • ISBN-10: 3442740347
  • Best.Nr.: 26285014
»Ich fordere, daß die Welt blau ist, auch wenn sie grau scheint, muß sie blau sein!« Victoria Wolff

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Rezensentin Christiana Puschak freut sich sehr über die Neuausgabe dieses Romans aus den dreißiger Jahren von Victoria Wolff. Denn das im Schweizer Exil entstandene Buch ist aus ihrer Sicht mit seinen "filigranen Andeutungen" und Anspielungen nicht nur "einnehmend" und "nachdenklich machend" geschrieben, auch seine Ausstattung mit Landkarten und historischen Aufnahmen überzeugt sie. In diesem Zusammenhang lobt die Rezensentin auch den edierenden Aviva-Verlag für die Möglichkeit, nun diese vergessene Autorin wieder entdecken zu können. Allerdings ist Puschak das Nachwort eine Spur zu ausführlich ausgefallen.  Soviel Erklärung hätte diese berührende Geschichte über die Reise eines verliebten Paares. dessen Beziehung in den politischenKontext Deutschlands im Jahre 1933 gerückt wird und welches die Liebe als Absage an ein menschenverachtendes Regime zelebriert, nach Ansicht der Rezensentin gar nicht nötig gehabt.

© Perlentaucher Medien GmbH

»Ich fordere, daß die Welt blau ist, auch wenn sie grau scheint, muß sie blau sein!« Victoria Wolff
Victoria Wolff wurde 1903 als Tochter eines jüdischen Lederfabrikanten in Heilbronn geboren. Sie verfasste Reportagen, Reiseerzählungen und Romane über die Lebenswelten moderner Frauen. Direkt nach der Machtergreifung Hitlers emigrierte sie mit ihren Kindern ins Künstlerdorf Ascona, wo sie sich mit Tilla Durieux, Leonhard Frank, Erich Maria Remarque und Ignazio Silone anfreundete.
Den von ihr als 'himmelblaue Zeit' beschriebenen Aufenthalt im Tessin erlebte sie als literarisch äußerst produktiv. Sie schrieb dort Romane, musste die Schweiz jedoch 1939 wegen ihrer illegalen schriftstellerischen Tätigkeit verlassen und ging in die USA. Dort konnte sie sich als Hollywood-Drehbuchautorin und Schriftstellerin etablieren. Sie starb 1992 in Los Angeles.

Leseprobe zu "Die Welt ist blau"

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Leseprobe zu "Die Welt ist blau" von Victoria Wolff

Am Bahnhof steht ein Mädchen und wartet; wartet schon lange; macht ja nichts, am Bahnhof fängt alles Schöne an, eigentlich sollte er Glückshof heißen ...? Oder? Nein, heute nicht weiter denken, heute nur freuen.
Brav wie ein Hündchen steht ein schwarzer Koffer neben diesem Mädchen Ursula Eisenlohr; er soll sich auch freuen, er darf mit! Gleich wird Peter kommen mit dem Silbergrauen, und dann geht es los, irgendwohin ins Blaue, irgendwohin. Die Welt ist überall schön.
Die Freude auf das Kommende gibt dem wartenden Mädchen einen fast unerschöpflichen Reichtum an Geduld, ja einen Reichtum an allen guten Gefühlen.
Sie schaut nach der Uhr, sie schaut über die Menschen, die sich im Lärm des ersten Juliferientages drängeln, sie hört die Zeitungsrufer, die Autohupen, sie spürt die Asphalthitze und lächelt.
Heute ist alles gut, heute ist alles schön. Dann beschattet sie mit der linken Hand das Auge, um besser Ausschau halten zu können. Kommt er denn nicht dahinten, kommt er denn nicht endlich, dieser Peter; dieser unpünktliche Junge. Sie hat doch auch punkt zwölf alles an den Nagel gehängt, die Geflügelfarm, die Pflicht und die Vergangenheit, den Vater und was damit zusammenhängt. Peter natürlich läßt sich wieder vom Beruf tyrannisieren.
Um zwölf Uhr geht der Zug, hat sie sich vorgesagt und war pünktlich gewesen. In Wahrheit geht gar kein Zug, sie wollen nichts wissen von Fahrplänen und fremden Menschen, der Bahnhof dient diesmal gar nicht seiner ursprünglichen Bestimmung; er dient seiner nachträglichen Großzügigkeit, ein Ort zu sein, an dem man sich mittags um zwölf ungestört den Begrüßungskuß geben kann.
Wenn Ursula so steht, mit der Hand über den grünen Augen, den tanzenden Sonnenflecken auf dem hellen Mantel, und dem kräftigen Willen ihrer zwanzig Jahre, gleicht sie jenen Plakaten der Reisebüros, die in Blau und Ockergelb ausrufen: "Auf in den sonnigen Süden!" Aber sie ist alles andere als ein fertiges Plakat oder ein festgefügter Begriff. Sie fühlt selbst, wie sehr sie gerade jetzt im Werden ist; ja, diese Reise mit Peter Mack und dem Silbergrauen muß ihr helfen, Antwort zu finden auf ein paar Fragen, die ihr das Leben stellt. Deshalb soll diese Reise auch mehr sein als eine sommerliche Freude, mehr als der Inhalt von Vorfreude - Erfüllung - und Erinnerung, sie soll Einsicht bringen und Entscheidung.
Aber vorher sollte sie doch endlich Peter bringen. Wo steckt er denn so lange, dieser Junge?
Dieser Junge, der Rechtsanwalt Peter Mack, arbeitet währenddessen auf seinem Bureau. Es ist wie immer am letzten Tag eine tolle Hetze.
Fräulein Kleine kommt noch einmal mit dem Stenogrammblock.
"Was ist denn schon wieder los, zum Kuckuck? Habt Ihr noch nicht kapiert, daß ich fort muß?"
"Die Adresse, Herr Doktor. Wir haben ja noch keine Anweisung für die Post."
Wieder denkt der Mann an das Mädchen Ursula. Die Adresse steht bei Ursula; sie wird immer noch warten, die Arme. Ob sie wohl sehr ungeduldig geworden ist? Wenn sie ihn nur ein einziges Mal in seiner Arbeit hier auf dem Bureau sehen könnte, jetzt gerade zum Beispiel, in diesen letzten Hetzminuten. Sie sollte in irgend einer Ecke sitzen und ihm still zuschauen. Man würde sich dann in vielem besser verstehen.
"Ja so, die Adresse! Ich weiß noch keine, ich schreibe. Hast du noch etwas, Busse? Nein?
Dann vertragt euch schön, ihr beiden; behandelt meine Klienten gut, schimpft nicht so viel über den Chef. Rufe nachher meine Eltern an, Busse, sage ihnen einen schönen Gruß, es hätte mir beim besten Willen nicht mehr gereicht. Ich muß jetzt fort; addio Busse, adieu Fräulein Kleine. Paßt gut auf!"
Zu ist die Türe; herunter die Treppe, rein ins Auto, das ihm blitzblank entgegenstrahlt, und los. Eine herrliche Hetze!
Hetze und Freude ist gar nicht wie Äpfel und Birnen, die sich nicht zusammenzählen lassen. Man muß nur den gemeinsamen Nenner finden.
Der Nenner ist die Liebe, denkt der Mann, der sich hupend einen Weg

Leseprobe zu "Die Welt ist blau" von Victoria Wolff

Am Bahnhof steht ein Mädchen und wartet; wartet schon lange; macht ja nichts, am Bahnhof fängt alles Schöne an, eigentlich sollte er Glückshof heißen ...? Oder? Nein, heute nicht weiter denken, heute nur freuen.
Brav wie ein Hündchen steht ein schwarzer Koffer neben diesem Mädchen Ursula Eisenlohr; er soll sich auch freuen, er darf mit! Gleich wird Peter kommen mit dem Silbergrauen, und dann geht es los, irgendwohin ins Blaue, irgendwohin. Die Welt ist überall schön.
Die Freude auf das Kommende gibt dem wartenden Mädchen einen fast unerschöpflichen Reichtum an Geduld, ja einen Reichtum an allen guten Gefühlen.
Sie schaut nach der Uhr, sie schaut über die Menschen, die sich im Lärm des ersten Juliferientages drängeln, sie hört die Zeitungsrufer, die Autohupen, sie spürt die Asphalthitze und lächelt.
Heute ist alles gut, heute ist alles schön. Dann beschattet sie mit der linken Hand das Auge, um besser Ausschau halten zu können. Kommt er denn nicht dahinten, kommt er denn nicht endlich, dieser Peter; dieser unpünktliche Junge. Sie hat doch auch punkt zwölf alles an den Nagel gehängt, die Geflügelfarm, die Pflicht und die Vergangenheit, den Vater und was damit zusammenhängt. Peter natürlich läßt sich wieder vom Beruf tyrannisieren.
Um zwölf Uhr geht der Zug, hat sie sich vorgesagt und war pünktlich gewesen. In Wahrheit geht gar kein Zug, sie wollen nichts wissen von Fahrplänen und fremden Menschen, der Bahnhof dient diesmal gar nicht seiner ursprünglichen Bestimmung; er dient seiner nachträglichen Großzügigkeit, ein Ort zu sein, an dem man sich mittags um zwölf ungestört den Begrüßungskuß geben kann.
Wenn Ursula so steht, mit der Hand über den grünen Augen, den tanzenden Sonnenflecken auf dem hellen Mantel, und dem kräftigen Willen ihrer zwanzig Jahre, gleicht sie jenen Plakaten der Reisebüros, die in Blau und Ockergelb ausrufen: "Auf in den sonnigen Süden!" Aber sie ist alles andere als ein fertiges Plakat oder ein festgefügter Begriff. Sie fühlt selbst, wie sehr sie gerade jetzt im Werden ist; ja, diese Reise mit Peter Mack und dem Silbergrauen muß ihr helfen, Antwort zu finden auf ein paar Fragen, die ihr das Leben stellt. Deshalb soll diese Reise auch mehr sein als eine sommerliche Freude, mehr als der Inhalt von Vorfreude - Erfüllung - und Erinnerung, sie soll Einsicht bringen und Entscheidung.
Aber vorher sollte sie doch endlich Peter bringen. Wo steckt er denn so lange, dieser Junge?
Dieser Junge, der Rechtsanwalt Peter Mack, arbeitet währenddessen auf seinem Bureau. Es ist wie immer am letzten Tag eine tolle Hetze.
Fräulein Kleine kommt noch einmal mit dem Stenogrammblock.
"Was ist denn schon wieder los, zum Kuckuck? Habt Ihr noch nicht kapiert, daß ich fort muß?"
"Die Adresse, Herr Doktor. Wir haben ja noch keine Anweisung für die Post."
Wieder denkt der Mann an das Mädchen Ursula. Die Adresse steht bei Ursula; sie wird immer noch warten, die Arme. Ob sie wohl sehr ungeduldig geworden ist? Wenn sie ihn nur ein einziges Mal in seiner Arbeit hier auf dem Bureau sehen könnte, jetzt gerade zum Beispiel, in diesen letzten Hetzminuten. Sie sollte in irgend einer Ecke sitzen und ihm still zuschauen. Man würde sich dann in vielem besser verstehen.
"Ja so, die Adresse! Ich weiß noch keine, ich schreibe. Hast du noch etwas, Busse? Nein?
Dann vertragt euch schön, ihr beiden; behandelt meine Klienten gut, schimpft nicht so viel über den Chef. Rufe nachher meine Eltern an, Busse, sage ihnen einen schönen Gruß, es hätte mir beim besten Willen nicht mehr gereicht. Ich muß jetzt fort; addio Busse, adieu Fräulein Kleine. Paßt gut auf!"
Zu ist die Türe; herunter die Treppe, rein ins Auto, das ihm blitzblank entgegenstrahlt, und los. Eine herrliche Hetze!
Hetze und Freude ist gar nicht wie Äpfel und Birnen, die sich nicht zusammenzählen lassen. Man muß nur den gemeinsamen Nenner finden.
Der Nenner ist die Liebe, denkt der Mann, der sich hupend einen Weg

11 Marktplatz-Angebote für "Die Welt ist blau" ab EUR 3,50

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
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gebraucht; sehr gut 16,09 2,20 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), offene Rechnung, Banküberweisung Tolle-Buecher! 98,9% ansehen
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