Die Welt hinter Dukla - Stasiuk, Andrzej

Die Welt hinter Dukla

Roman

Andrzej Stasiuk 

Aus d. Poln. v. Olaf Kühl
Gebundenes Buch
 
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Die Welt hinter Dukla

Dukla ist ein verschlafenes Nest in Südpolen, am Rande der Karpaten, nicht weit von der slowakischen Grenze entfernt. Auf dem Marktplatz hat sich alle Leere der Welt versammelt. Ein Wind herrscht, der direkt aus Alaska und Sibirien herüberweht. Mit seinem bröckelnden Mauern und dem Schloss der Fürsten von Brühl, den beiden Barockkirchen und der niedergebrannten Synagoge ist Dukla ein Ort, der eine magische Anziehungskraft auf Stasiuks Ich-Erzähler ausübt. Wie unter Zwang kehrt er immer wieder in das Städtchen zurück, "um es bei unterschiedlichem Licht, zu unterschiedlichen Tageszeiten anzusehen". Sein Versuch, den Geist des Ortes zu fassen, der Materie ihr Gedächtnis zu entreißen, macht die Spurensuche zu einer dichterischen Expedition. Andrzej Stasiuk beschreibt sein Buch als einen 'schwer zu beschreibenden Akt atheistischer Mystik, eine sehr meditative Prosa. Es geht um ein tiefes Eintauchen in jedes Ereignis, darum, all das, was sichtbar ist, zu notieren - um ein postreligiöses Erleben der Gegenwart.' (LITERATUREN)

'Die Welt hinter Dukla' besticht durch eine ebenso präzise wie lyrische Prosa, deren Metaphorik sich auf eindringliche Weise der Landschaft und den dort lebenden Menschen annähert. 'Es ist ein erotisches Buch des Sehens, eine sexuelle Prosa. Es geht um das konkrete Berühren der Welt.' (wdr nachtkultur leselust)


Produktinformation

  • Abmessung: 21 cm
  • Gewicht: 233g
  • ISBN-13: 9783866155138
  • ISBN-10: 3866155131
  • Best.Nr.: 22739836
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.07.2007

Leuchtspuren der Provinz
Andrzej Stasiuk: „Die Welt hinter Dukla”
Es gibt viele großartige Romananfänge, dieser ist einer der hinreißendsten: „Um vier Uhr früh hebt die Nacht langsam ihren schwarzen Hintern, steht vollgefressen vom Tisch auf und geht schlafen”, lautet der erste Satz von Andrzej Stasiuks „Die Welt hinter Dukla”. Ton und Thema sind damit furios gesetzt, denn Protagonist dieser Weltliteratur aus der Hinterwelt der polnischen Provinz ist nichts anderes als das Licht selbst. Und wer in den Mikrokosmos dieses Buches eingetreten ist, meint zu wissen, warum die Sonne im Westen versinkt. Die Nacht, die das Licht frisst und also den Geist, diese „Streichholzflamme im Wind”, das ist zugleich das aufziehende Abendland, das alles in der Amnesie des Materiellen vergehen lässt: „Das Leben nimmt Fertigformen an, es spiegelt und bricht das Licht”, „die Dinge treten zwischen die Ideen und zerreißen mit ihren scharfen Kanten ihre feinen Ränder, und alles Allgemeine landet schließlich auf dem Müllhaufen des Besonderen”.
Der Ich-Erzähler flieht vor dem Universalismus der Fertigformen an den östlichsten Punkt seiner Welt, nach Dukla, …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.10.2000

Ich kenne den Weg zum durchsichtigsten Ort der Welt
Wenn der Himmel durch zu große Leere schreckt, suchen wir nach Zeichen auf der Erde: Andrzej Stasiuk findet den Geist der Karpaten und gründet eine neue Hauptstadt der Literatur

Als der Teufel die große Ebene hinter Dukla erreichte, betrachtete er diese weite Welt, und siehe: Sie war ihm gleichgültig. Er folgte den geraden Straßen, an denen hinfällige Häuser aufgereiht hockten wie die Spatzen auf einem Telegraphendraht. Er sah die Dörfer, die Städte, die wie Feuerstellen zwischen den windigen Viehweiden auf dem flachen Land lagen. "Gute Nacht", sagte der Teufel, immer wieder "gute Nacht". Aber er machte damit keinen großen Eindruck, niemand wollte sich so richtig fürchten. Die letzten Lichter gingen aus, die Dunkelheit nahm die Straßen, die Häuser und ihre Bewohner auf, ein Lastwagen dieselte durch die Finsternis. Nichts Wichtiges konnte hier geschehen.

Doch dieser Landschaft ist ein Buch gewidmet, so neu und so unerhört, daß man fortan nicht nur die polnische Literatur mit anderen Augen wird lesen müssen. Andrzej Stasiuk, vierzig Jahre alt und hierzulande noch kaum bekannt, hat …

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"Mit einem einzigen, wunderbar leichten Wurf hat die Literatur eine neue Hauptstadt erhalten: Es ist Dukla." Thomas Steinfeld Frankfurter Allgemeine Zeitung

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"`Mit einem einzigen, wunderbar leichten Wurf` jubelt Thomas Steinfeld im Aufmacher der Literaturbeilage, was schon für sich den Stellenwert einer Höchstwertung hat, `hat die Literatur eine neue Hauptstadt erhalten: Es ist Dukla.` Dann tastet er sich vorsichtig an dieses Städtchen am Rande der Karpaten heran, dem das Buch gewidmet ist. Berichtet zwischendurch sogar von einer Reise dorthin, wo er seinen Autor persönlich getroffen hat. Steinfeld findet das Buch `so neu und so unerhört`, dass man fortan `nicht nur die polnische Literatur mit anderen Augen wird lesen müssen.` Denn hier hätte einer die `Naturgeschichte einer verlorenen Welt` geschrieben,, und zwar in einer `hochpoetischen, klaren, luziden Sprache`. Vergleiche mit Handkes `St.Victoire`, G. Swifts `Waterland` oder Paveses `Piermont` fallen. Aber Steinfeld meint trotzdem: sucht man nach Vorbildern für dieses Buch, wird man kaum fündig. Die Weltanschauung Stasiuks erinnert ihn an `eine in die technische Welt übertragene Naturreligion` und der Kritiker wird nicht müde, in Metaphern, Bildern und Gedanken dieses Buchs zu schwelgen, in dem er Mitteleuropa wiederkehren sieht: als `Kaleidoskop der letzten Hoffnung, am Ende der großen Lehren`.

© Perlentaucher Medien GmbH"

Leuchtspuren der Provinz

Andrzej Stasiuk: „Die Welt hinter Dukla”

Es gibt viele großartige Romananfänge, dieser ist einer der hinreißendsten: „Um vier Uhr früh hebt die Nacht langsam ihren schwarzen Hintern, steht vollgefressen vom Tisch auf und geht schlafen”, lautet der erste Satz von Andrzej Stasiuks „Die Welt hinter Dukla”. Ton und Thema sind damit furios gesetzt, denn Protagonist dieser Weltliteratur aus der Hinterwelt der polnischen Provinz ist nichts anderes als das Licht selbst. Und wer in den Mikrokosmos dieses Buches eingetreten ist, meint zu wissen, warum die Sonne im Westen versinkt. Die Nacht, die das Licht frisst und also den Geist, diese „Streichholzflamme im Wind”, das ist zugleich das aufziehende Abendland, das alles in der Amnesie des Materiellen vergehen lässt: „Das Leben nimmt Fertigformen an, es spiegelt und bricht das Licht”, „die Dinge treten zwischen die Ideen und zerreißen mit ihren scharfen Kanten ihre feinen Ränder, und alles Allgemeine landet schließlich auf dem Müllhaufen des Besonderen”.

Der Ich-Erzähler flieht vor dem Universalismus der Fertigformen an den östlichsten Punkt seiner Welt, nach Dukla, einem verschlafenen Nest am Rande der Karpaten, „von dem aus es nirgendwo mehr hingeht”. Dieses Dukla wird ihm zu einem Rückzugsort der Vergewisserung und der Versenkung, zur Endstation Sehnsucht. „Wie ein Dorftrottel, ein Weichsel-Buddhist, ein abgeworfener, aus allen Wolken gefallener Herzbube” sucht er den Genius loci einzufangen, bevor die fragilen Spuren der Vergangenheit überstrichen und zubetoniert sind. Die Botanisiertrommel seiner gesammelten Eindrücke ist die Sprache, „er balsamierte das Städtchen, schmolz es ein in durchsichtigem Bernstein, als sollte es in alle Ewigkeit so bleiben, als Wunder der Natur oder als Warnung einer gründlich vertanen Zeit”.

Denn diese literarische Suchbewegung auch nach der eigenen Herkunft ist kein Ostalgietrip, sie ist der Weg eines Wünschelrutengängers zu den verborgenen Quellen des Seins. Dukla, das ist diesem Mystiker das „Vergrößerungsglas, das Loch in der Erde, in Körper und Zeit. Kaleidoskop der letzten Hoffnung und metaphysische Peepshow”, denn „wenn der Himmel durch Leere schreckt, suchen wir nach Zeichen auf der Erde”. Und natürlich ist die begehrenswerteste Gestalt, in der sich die Idee verkörpert, „damit wir nicht vor Sehnsucht sterben”, die einer unerreichbaren Frau. Eine aus der Ferne angehimmelte Schöne der Nacht von „schwerer, sinnlicher Beweglichkeit”, die barfüßig tanzt auf einem Sommerfest der Jugend, liefert das Inbild aller Vergeblichkeit. Ihre Gesten besaßen die animalische „Trägheit der Materie” wie „warmes Quecksilber”. In ihr lebt der Geist der Schutzpatronin des Ortes, der Amalia von Brühl, deren sterbliche Überreste in der Kirche modern, als „kondensierte Gegenwart dessen, was immer abwesend war”, als Bild, „das zum Urbild zurückstrebt”. Ihr Gegenbild aber ist ein kahl geschorenes Punker-Mädchen, eine Streunerin, die sich auf der Suche nach einem Schlafplatz nachts in Amalias Kirche einschließen lässt. Dabei trägt diese räudige Epiphanie der transzendentalen Obdachlosigkeit ein T-Shirt mit der Aufschrift „I hate religion”. Doch wie um Stasiuks diesseitige Gebete zu erhören und den Geist mit dem Fleisch zu versöhnen, steht das Wort Religion „genau auf ihren kleinen Brüsten”. CHRISTOPHER SCHMIDT

Andrzej Stasiuk Foto: Brigitte Friedrich

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Andrzej Stasiuk, der in Polen als wichtigster jüngerer Gegenwartsautor gilt, wurde 1960 in Warschau geboren, debütierte 1992 mit dem Erzählband "Mury Hebronu" (Die Mauer von Hebron) , in dem er über seine Gewalterfahrung im Gefängnis schreibt. Stasiuk wurde 1980 zur Armee eingezogen, desertierte nach neun Monaten und verbüßte seine Strafe in Militär- und Zivilgefängnissen. 1986 zog er nach Czarne, ein Bergdorf in den Beskiden.
Er ist freier Mitarbeiter bei der Zeitschrift "Czas Kultury" und bei der Wochenzeitung "Tygodnik Powszechny".
2002 erhält er den von den Partnerstädten Thorn(Polen) und Göttingen gemeinsam gestifteten Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis.

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