Die Welt des Juan Carlos Onetti - Vargas Llosa, Mario

Mario Vargas Llosa 

Die Welt des Juan Carlos Onetti

Aus d. Span. v. Angelica Ammar
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Die Welt des Juan Carlos Onetti

Mario Vargas Llosa gehört zu den frühen Lesern Onettis; bereits 1967 hat er emphatisch auf ihn als den "eigentlichen Meister" hingewiesen. Seine lebenslange Faszination hat er in diesem Essay mit der ihm eigenen Klarheit dargelegt, als Gang durch Leben und Werk des großen Autors aus Lateinamerika.
Er schreibt über Onettis Erzählkosmos Santa María, sein Verhältnis zu Roberto Arlt, den Einfluß von Faulkner und Céline, die ambivalenten Bezüge zwischen der Literatur Borges' und Onettis. Vargas Llosa taucht ein in das Werk Onettis und zeigt, auf welch subtile und zugleich kraftvolle Weise dort die parallele Welt dargestellt wird, die die Menschen sich neben dem faktischen Leben schaffen.
Seine Bewunderung resümiert Vargas Llosa so: "Das ist das Geheimnis des geglückten künstlerischen Werkes: Wir genießen: leidend, werden verführt und bezaubert, während es uns eintaucht in das Böse, das Grauen. Diese paradoxe Metamorphose ist den wahren Schöpfern vorbehalten, deren Werke sich über Zeitund Raum ihres Entstehens hinwegsetzen. Onetti war einer von ihnen."


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 200 S.
  • Seitenzahl: 220
  • Best.Nr. des Verlages: 42088
  • Deutsch
  • Abmessung: 201mm x 132mm x 28mm
  • Gewicht: 362g
  • ISBN-13: 9783518420881
  • ISBN-10: 3518420887
  • Best.Nr.: 25548179

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Zufrieden scheint Hans-Peter Kunisch mit diesem biografischen Essay "Die Welt des Juan Carlos Onetti" von Mario Vargas Llosa. Als "verlässliche" Biografie will er das Buch zwar nicht gelten lassen. Dennoch findet er es bisweilen recht aufschlussreich. Besonders hebt er Llosas Bericht über seine Begegnung mit Onetti in den sechziger Jahren hervor. Überzeugend findet er dessen These, Onettis Phantomstadt Santa Maria, in der seit seinem Roman "Für diese Nacht" beinahe alle Romane spielen, müsse auch vor dem Hintergrund des Niedergangs des südamerikanischen Musterstaats Uruguay betrachtet werden.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.07.2009

Als letzter Fluchtweg bleibt der Traum

Juan Carlos Onetti, der heute vor hundert Jahren in Montevideo geboren wurde, ist einer der bedeutendsten Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. Sein früher Roman "Für diese Nacht" wurde nun erstmals ins Deutsche übersetzt; Mario Vargas Llosa hat Onetti einen Essay gewidmet.

Wer als Künstler am dunkelsten Punkt der Weltgeschichte steht, wird ganz von selbst auf die Frage gestoßen, in welchem Verhältnis seine Fiktionen zur Wirklichkeit stehen. Geht er von der Welt aus, einer Welt voller Katastrophen, Niedertracht, Zerstörung und Unheil, werden seine Werke Dokumente der Hoffnungslosigkeit sein, der vollständigen Verfinsterung, der unerreichbaren Horizonte. Der Ausweg, sich in der Kunst und Literatur Gegenwelten, Nicht-Orte und Phantasie-Orte zu konstruieren, liegt nahe, zu ihrer Realisierung aber bedarf es literarischer Meisterschaft, um nicht in den Verdacht des billigen Eskapismus zu geraten.

Als Juan Carlos Onetti 1942 seinen Roman "Für diese Nacht" schrieb, lag der Erdball in tiefster Finsternis. Der Faschismus beherrschte fast ganz Europa, Japan triumphierte in Fernost, und man konnte als …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.09.2009

Unter Hunden
Der Bürgerkrieg ist verloren, wie lebt man weiter? „Für diese Nacht”, ein früher Roman von Juan Carlos Onetti ist erstmals auf Deutsch erschienen
Wer erschießt wen, wer flüchtet vor wem? Geht es nur darum, wegzukommen oder um das edle Ziel einer Exilregierung? Die Kommunisten einer spanischsprachigen Hafenstadt sind zerstritten. Der Bürgerkrieg ist verloren, Zwistigkeiten brechen aus, und da gibt es die „Bouwer”, ein Schiff, das morgen früh den Hafen verlässt. Es nimmt nur Kommunisten mit, aber wer ist das denn noch? Einige haben sich längst auf die andere Seite geschlagen. Wie Morasàn, jetzt Chef der politischen Polizei, also einer der „Hunde”, wie er selber meint. Ossorio, die Hauptfigur in „Für diese Nacht”, einem frühen Roman von Juan Carlos Onetti, der jetzt erstmals auf Deutsch zu lesen ist, hat es noch nicht so weit kommen lassen. Aber ist es besser, sich zwei Passagen auf der Bouwer zu sichern, und den, der sie vermittelt hat, an Morasàn zu verraten?
Glaubt man Onetti, dem neben Borges zweiten großen Paten einer international orientierten lateinamerikanischen Literatur, war der Anlass des Romans eine zufällige …

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"Er war ein Pionier der literarischen Moderne, Wegbereiter für den Lateinamerika-Boom der sechziger Jahre. [...] Einsam steht sein Werk in der literarischen Landschaft Lateinamerikas. (Auf Augenhöhe zu seiner Zeit: nur Borges' Erzählungen.)"<br />Uwe Stolzmann Neue Zürcher Zeitung

»Vargas Llosa gelingt es in seinem Essay, die wegweisende Bedeutung Onettis für die lateinamerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts fachlich fundiert und gleichzeitig persönlich überzeugend darzustellen.«
Mario Vargas Llosa wurde am 28. März 1936 in Arequipa (Peru) geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Bolivien, Piura (Nordperu) und Lima. Im Alter von 18 Jahren heiratete er Julia Urquidi, mit der er neun Jahre zusammenlebte. Diese Beziehung verarbeitete er später in seinem Roman Tante Julia und der Kunstschreiber . Bereits während seines Studiums der Geistes- und Rechtswissenschaften in Lima und Madrid (Promotion über Gabriel García Márquez) schrieb er für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und veröffentlichte erste Erzählungen. 1963 erschien sein erster Roman La ciudad y los perros (dt. Die Stadt und die Hunde ), der auf eigenen Erfahrungen in der Kadettenanstalt Leoncio Prado in Lima beruht. Der Roman wurde in Spanien mehrfach ausgezeichnet und in über 20 Sprachen übersetzt. Vargas Llosa war als Gastprofessor in Washington, Puerto Rico, London, New York und Cambridge tätig. 1989 bewarb er sich als Kandidat der oppositionellen Frente Democrático für die peruanischen Präsidentschaftswahlen und unterlag 1990 im zweiten Wahlgang. Daraufhin zog er sich aus der aktiven Politik zurück. Mario Vargas Llosa ist Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europäischer Universitäten und hielt Gastprofessuren unter anderem in Harvard (1992), Princeton (1993) und Oxford (2004). 2010 erhält er den Nobelpreis für Literatur "für seine Kartografie von Machtstrukturen und seine energischen Bilder des individuellen Widerstands, der Rebellion und Niederlage". Heute lebt Mario Vargas Llosa mit seiner Frau Patricia in Madrid und Lima.
Er gehört zu den bekannten lateinamerikanischen Autoren. Sein umfangreiches Gesamtwerk umfasst neben Romanen auch Erzählungen, politische Betrachtungen, Theaterstücke und Essays. 1977 gewählt zum Präsidenten des Internationalen P.E.N.-Clubs. 1996 ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2008 mit dem Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung. 2010 erhielt Mario Vargas Llosa den Nobelpreis für Literatur.

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