Die Welt der Wikinger - Krause, Arnulf

Arnulf Krause 

Die Welt der Wikinger

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Die Welt der Wikinger

Hörnerhelme und Drachenboote
Die Geschichte der Wikinger ist ein buntes Panorama des frühen Mittelalters.Wie kein zweites Volk prägten sie ihre Zeit als wagemutige Entdecker, einfallsreiche Handwerker und gewiefte Händler.

Eines der Erfolgsgeheimnisse: Ihre Boote waren die schnellsten. Diesen technischen Vorsprung wussten die Wikinger geschickt für den Aufstieg zur größten Seemacht ihrer Zeit zu nutzen. Ihr Einfluss reichte von Nordamerika bis Zentralasien, von Grönland bis Nordafrika. Und noch heute gehen viele skandinavische Feste und Bräuche auf die Wikingerzeit zurück. Arnulf Krause zeichnet das große Bild vom Leben der Nordmänner und entführt uns in die Welt der Wikinger.


Produktinformation

  • Verlag: Campus Verlag
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 297 S. m. Abb., meist farb. Abb. u. Ktn. auf 16 Taf.
  • Seitenzahl: 297
  • Deutsch
  • Abmessung: 256mm x 182mm x 25mm
  • Gewicht: 827g
  • ISBN-13: 9783593377834
  • ISBN-10: 3593377837
  • Best.Nr.: 20843414
Arnulf Krause ist promovierter Germanist und Experte für germanische Heldensagen und die Dichtungen der Edda. Er ist Lehrbeauftragter der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Leseprobe zu "Die Welt der Wikinger"

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Leseprobe zu "Die Welt der Wikinger" von Arnulf Krause

Wikinger - dieses Wort weckt Bilder von Drachenbooten in tiefen Fjorden und auf stürmischer See, von wagemutigen Männern mit rauen Sitten, von Waffenklang und reichen Schätzen. Damit verbinden sich Abenteuerlust und Beutegier, Fernweh und Skrupellosigkeit ohne moralische Schranken. Die Wikinger gelten als die letzten Heiden des Nordens, die Odin, Thor und zahlreiche andere Gottheiten anbeteten. Ihr viel zitierter Schicksalsglaube sah sie als Schlachttote in Walhall einziehen, dem Kriegerparadies Odins, wo ihnen Walküren den Met ausschenkten. Doch selbst dort fanden die Wikinger keine ewige Ruhe, sondern bereiteten sich auf die letzte Schlacht am Ende aller Zeiten vor: In der Götterdämmerung würden sie gegen die dämonischen Mächte der Finsternis ins Feld ziehen und mit ihren Göttern untergehen ...

Dergestalt genießen die Männer aus Nordeuropa Berühmtheit und anscheinend unsterblichen Ruhm fast ein Jahrtausend nach ihrer Zeit. Mit den ihnen zugesprochenen Schlagworten wie Ehre, Mut, Rache, Runen, Edda und Sagas sowie den sagenhaften Drachenbooten bedienen sie romantische Gefühle, fantastische Geschichten und esoterische Bedürfnisse. Vor 1945 vereinnahmte man in Deutschland die Skandinavier sogar als historische Blutsverwandte, gewissermaßen als vorbildgebende Zierde des Germanentums.

Hinter solchen Gespinsten aus Mythen, Klischees und Ideologien verbirgt sich ein Volk des frühen Mittelalters: die Vorfahren der Dänen und Schweden, der Norweger, Isländer und Färöer. Was es von ihnen nach bestem Wissen zu berichten gibt, entlarvt nicht alles Gesagte als falsch, entpuppt die Wikinger aber doch als ganz anders!

In die Annalen der Jahrhunderte von 793 bis 1066 trugen sie sich als beutegierige Piraten ein, denen Menschenleben wenig galten. Von Irland bis nach Italien und vom Ebro bis zur Elbe verbreiteten ihre Schiffe Angst und Schrecken. Klöster, Handelsplätze, ganze Städte ließen sie in Flammen aufgehen. Für das Reich der Franken, aus dem Deutschland und Frankreich hervorgingen, symbolisierte ein Ereignis am sinnfälligsten die Schmach jener Überfälle und Raubzüge: Die Männer aus dem Norden entweihten die ehrwürdige Aachener Pfalzkapelle Karls des Großen als Pferdestall.

Aber solche Schreckensmeldungen sind nur ein Teil der historischen Wahrheit um die sagenumwobenen Wikinger. In Wirklichkeit nutzten die Nordleute vom Rande Europas als gute Pragmatiker schlicht die Gelegenheiten, die sich ihnen boten. So machten sie aus dem frühen Mittelalter ihr Zeitalter - das der Wikinger. Sie waren die Global Player ihrer Epoche.

Dabei entwickelten sie eine Dynamik, die ihresgleichen suchte. Obwohl die Skandinavier daheim in bescheidenen Bauerngesellschaften lebten, bestimmten sie die Geschicke Europas entscheidend mit. Die Wikinger waren nicht die Herren der Welt und begründeten keine Imperien; gleichwohl hinterließen sie Spuren bis in die Gegenwart - von Amerika bis Russland. Um Beute und Gewinn zu machen, um ertragreiche Landwirtschaft zu betreiben und Macht zu erringen, schlüpften sie in die verschiedensten Rollen: Als Bauern und Fischer kolonisierten sie Island und die anderen Inseln des Nordatlantiks; als Entdecker kamen sie nach Grönland und Kanada; als Piraten terrorisierten sie Europa; als Söldner kämpften sie in England, an der Seine und am Bosporus; als Händler erschlossen sie neue Routen, die sie tief nach Russland und bis Bagdad führten; als Krieger und Politiker errangen sie zeitweilig den englischen Königsthron, begründeten die nordfranzösische Normandie (das "Land der Nordmänner") und waren maßgeblich an den Gründungen der frühen russischen Staaten von Nowgorod und Kiew beteiligt.

Die Wikinger erwiesen sich als ausgesprochene Realisten, die zur Erreichung ihrer Ziele alle Möglichkeiten ausschöpften und eine erstaunliche Flexibilität an den Tag legten. Sie arbeiteten als Bauern und Fischer, aber auch als Händler, Seeräuber und Söldner. Mancher Skandinavier des frühen Mittelalters vereinte sämtliche Rollen in einer Person - um den zumeist kargen Lebensumständen des Nordens zu entkommen und Profit zu machen. Noch immer gibt der Boden Nordeuropas und ehemaliger Wikingergebiete Schätze preis, die von den wie auch immer erworbenen Reichtümern zeugen: Tausende von Silbermünzen aus vieler Herren Länder, Schmuckstücke, ehemalige Kirchenschätze und vieles mehr.

So trugen die Wikinger zum Wandel der Welt vor 1?000 Jahren bei - und veränderten sich selbst. Entgegen dem Klischee vom traditionsverbundenen nordgermanischen Krieger und Anhänger Odins setzten sie sich auch in ihren Heimatländern mannigfaltigen Einflüssen aus. Aus allen Himmelsrichtungen strömten Waren, Reisende, Ideen und Glaubensvorstellungen dorthin. Die Skandinavier standen für fast drei Jahrhunderte im Brennpunkt der Weltgeschichte und wurden zu einem Versuchsfeld der Kulturen. Schließlich waren sie in ihrer Zeit den größten Veränderungen ausgesetzt: Die modernen Nationen Nordeuropas entwickelten sich, ihre Sprachen veränderten sich, ihre Menschen nahmen das Christentum an, Städte wurden gegründet ...

Und damit wurden die Pragmatiker der Macht und des Gewinns letztendlich selbst Geschichte, denn fortan hatten sich die nun herrschenden christlichen Könige und Gesellschaften der Wikinger den Glaubensbrüdern des Abendlandes anzupassen. Was blieb, war die Erinnerung an jene Zeit, als ein an sich unspektakuläres Bauernvolk auszog, in der Welt berühmt und berüchtigt zu werden. Bei aller aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse gebotenen Nüchternheit verbinden sich Geschichte und Abenteuer selten so intensiv wie in der Zeit der Wikinger. Das vorliegende Buch trägt dem Rechnung: Ohne zu dämonisieren oder zu idealisieren, bietet es ein vielfarbiges Kaleidoskop der Welt der Wikinger mit all ihren bunten wie düsteren Farben.

Leseprobe zu "Die Welt der Wikinger" von Arnulf Krause

Von Piraten und Händlern zu Kolonisten und Königen - Die Wikinger auf den Britischen Inseln Lindisfarne: Privater Raubzug oder Zeitenwende? (S. 47-48)

Im Frühsommer des Jahres 793 machten sich mehrere Dutzend Männer auf den Weg zu ihren Schiffen – irgendwo im westlichen Skandinavien, an der norwegischen oder dänischen Küste. Ihre Boote waren von ähnlicher Bauart wie das dreißig Jahre jüngere berühmte Osebergschiff: elegant geschnitten, leicht und mit geringem Tiefgang, mit einem Mast für ein großes Segel und Ruderplätzen versehen. Die Wikinger trugen kein martialisches Äußeres zur Schau, sie trugen die übliche Alltagskleidung und hatten allenfalls Lederjacken und -kappen dabei. Aber sie waren bewaffnet: mit Speeren, Schwertern, Äxten und Ähnlichem. Ihr Ziel war die nordenglische Küste.

Nichts ist von dieser Fahrt überliefert, ihre Teilnehmer haben keine Nachrichten hinterlassen. Aber man weiß, dass sie aus Skandinavien kamen, dass sie nach England fuhren und dass sie dort ein christliches Kloster ausplündern wollten. Wahrscheinlich verdienten die meisten von ihnen ihren ziemlich kargen Lebensunterhalt als Bauern und Fischer. Vielleicht zählten zu ihnen junge Männer, die ihre kämpferischen Tugenden beweisen wollten und die wie die anderen auf reiche Beute aus waren.

Moderne Vorstellungen von einer zivilen Gesellschaft, deren Menschen human miteinander umgehen, waren diesen Skandinaviern fremd. Dagegen gehörte es zu ihrer traditionellen Vorstellung von Männlichkeit, dass ein freier Mann auch ein Krieger war. Moralische Skrupel hegten sie kaum – genauso wenig übrigens wie viele Christen jener Zeit, denen Nächstenliebe und Barmherzigkeit wenig bedeuteten. Außerdem existierte in Nordeuropa noch kein Staat, der die Plünderungszüge seiner Bürger unterbunden hätte. Dazu hatten damals weder die Ynglinge am Oslofjord noch die Skjöldunge auf Seeland die Macht.

Skandinavien war, wie oben geschildert, nicht aus der Welt des frühen Mittelalters, man registrierte die Geschehnisse im Süden und Westen und hatte zahlreiche Informanten, insbesondere Händler, die weit herumkamen. Durch sie wussten die heidnischen Nordgermanen von den reichen Tempeln des Christengottes, die so gut wie ungeschützt von dessen Dienern bewohnt wurden. Eines dieser Klöster lag gewissermaßen vor ihrer Haustür und war in kurzer Zeit mit den Schiffen zu erreichen: Lindisfarne auf Holy Island vor der Küste Northumberlands.

Die Türme und Dächer der »Heiligen Insel« sahen die Wikinger am Horizont auftauchen, als sie der Wind über die See getragen hatte. Kurz vor der Küste holten sie das Segel ein und ruderten mit ihren Drachenbooten unmittelbar auf den langen Sandstrand zu. Der Rest erwies sich für die hoch motivierten Kämpfer als ein Kinderspiel. Sie sahen das Kloster ungeschützt und ahnungslos vor sich liegen. Ihre Taktik war darum denkbar einfach: Schlachtschreie rufend und Waffen schwingend stürmten sie los und machten im Kampfrausch alles nieder, was ihnen in die Quere kam.

Es wurde gebrandschatzt und geplündert, vor allem die kostbaren Schätze im christlichen Tempel, bei denen man mit Gold und Silber nicht gespart hatte. Alles rissen die Eindringlinge heraus und trugen es zu ihren Schiffen. Die Wikinger hinterließen ein Feld der Verwüstung. Berauscht vom Sieg und den klösterlichen Weinvorräten trieben sie mit den überlebenden Mönchen und Bewohnern der Insel ihr brutales Spiel. Nahmen sie Sklaven mit sich? Wurden sie ihrer schon bald überdrüssig und warfen sie diese ins Meer? Die unheimlichen Schiffe verschwanden so schnell über dem Meer, wie sie von dort aufgetaucht waren. Lindisfarne bot ein Bild der Verwüstung: brennende Häuser, überall Tote, stöhnende Verletzte und Verstümmelte, herumirrende und klagende Menschen.

Inhaltsangabe

Inhalt
Vorwort 7
1.Die Wikinger - Ein Volk im Brennpunkt der Geschichte 11
2.Krieger, Gold und Mythen - Skandinavien vor und während der Wikingerzeit 22
3.Von Piraten und Händlern zu Kolonisten und Königen - Die Wikinger auf den Britischen Inseln 47
4."Bald brennen die Herzen dieses gierigen Volkes nach dem Empfang des Geldes" - Die Wikinger umzingeln Europa 75
5.Von der Ostsee bis zu Bosporus und Tigris - Die Wege der Waräger 108 6.Am Rande der Welt, wo die Midgardschlange haust - Die Wikingerkolonien im Nordatlantik 147
7.500 Jahre vor Christoph Kolumbus - Die Wikinger in Amerika 183
8.Herrscher und Christen - Die skandinavischen Könige und das Ende der Wikingerzeit 198
9.Die Normannen - Französische Nachfahren der Wikinger 241
10.Die Verklärung zum edlen Wikinger - Das Nachleben der skandinavischen Kultur des frühen Mittelalters 255
Anhang
Zeittafel 275
Auf den Spuren der Wikinger 280
Literaturverzeichnis 287
Verzeichnis der Abbildungen und Karten 290
Orts-, Personen- und Sachregister 291
Exkurse
Das Wikingerschiff 22
Die Götterwelt der Wikinger 38
Die Krieger und ihre Waffen 56
Das Alltagsleben der Wikinger 80
Die Welt des Handels 110
Die Wikinger und der Tod 124
Die Runen 140
Die Sagainsel Island und der Gelehrte Snorri Sturluson 152
Die Skalden - Sprachkünstler der Wikinger 160
Die Gesellschaft Skandinaviens 174
Die Wikingerin 192
Magie bei den Wikingern 208
Völuspa - Die Weissagung der Seherin 220
Walhall - Das Kriegerparadies 236
Die Kunst der Wikinger 263

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