Die Umsiedler - Schmidt, Arno

Arno Schmidt 

Die Umsiedler

Prosastudie. Textgrundlage ist d. setzfehlerbericht. Bargfelder Ausgabe d. Werke Arno Schmidts

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Die Umsiedler

Zwischen 1944 und 1950 waren mehr als 12 Millionen Deutsche infolge von Krieg und Vertreibung auf der Flucht. Sie suchten in dem verwüsteten Land eine neue Heimat. Kein Schriftsteller hat das Elend der erzwungenen Auswanderung mit solcher Eindringlichkeit geschildert wie Arno Schmidt in seinem 1953 erschienenen Kurzroman "Die Umsiedler".
Eine verregnete Dezembernacht des Jahres 1950: Ein Mann verlädt sein spärliches Hab und Gut auf einen Güterzug. Wie viele andere erhofft er sich mit der Übersiedelung aus dem Niedersächsischen nach Rheinhessen einen neuen Anfang. Kurz vor Abfahrt am frühen Morgen lernt der Umsiedler eine resolute junge Frau kennen, die im Krieg ihren Mann verloren und selbst einen Fuß eingebüßt hat. Auf der mehrtägigen Bahnfahrt nach Süden kommen sich der bücherversessene Erzähler und seine neue Bekannte näher.
Der Roman zeigt in einer raschen Bilderfolge die Enge und den Mangel nicht nur des jungen Paares. Momentaufnahmen von der Ankunft in dem kleinen D orf, von der Schwierigkeit, sich in einer schäbigen Kammer einzurichten, von Briketts und Brühwürfeln, vom Argwohn der Einheimischen und von zarter Hoffnung auf ein gemeinsames Leben zucken vorüber und prägen sich dem Leser ein. "So leben wir zunächst zusammen; wie es weiter wird, weiß ich noch nicht."


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 54 S.
  • Seitenzahl: 54
  • Best.Nr. des Verlages: 41357
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 130mm x 8mm
  • Gewicht: 132g
  • ISBN-13: 9783518413579
  • ISBN-10: 3518413570
  • Best.Nr.: 10846783

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Die Umsiedler" ist ein früher Roman von Arno Schmidt, von dem uns Reinhard Jirgl erzählt, dass er 1953 ursprünglich erschienen ist. Dann holt er weit aus, um uns Arno Schmidt zu erklären, der selbst ein "Umsiedler" war und aus Schlesien über Niedersachsen nach Rheinhessen kam. Jirgl stellt uns den Großmeister vor als "Kleinbürger", der über das schrieb, was er "am besten kannte", das Milieu, das er früh zu "verachten" lernte. Aber, so Jirgl, Schmidt schrieb mit "plebejischem Ernst" und wurde zum "Meister eines neuen Realismus", dessen "vollkommen neuartige Prosaformen" zu Anfang "als manieriert und pessimistisch verkannt" werden mussten, weil keiner es so genau wissen wollte. Es geht in diesem "Kurzroman" um "die Tage und Wochen auf dem Treck", auf dem der namenlose Held, Bücherliebhaber und Übersetzer, eine "resolute Frau" trifft, die sich mit ihm verbündet. So geht es, schreibt Jirgl, "einerseits" um das "kleinbürgerliche Leben: Monogamie und ein eigenes Heim unterm Regiment des Hauslöwen", andererseits aber auch um "die geistige Kraft" der beiden, um die "vereinte Renitenz gegen das falsche Leben". Das "Geheimnis" dieses Textes liegt für Jirgl "im Entstehen einer …

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Momentaufnahmen der Vertreibung Arno Schmidt hatte angedroht, sich zu seiner Umsiedlung im Jahr 1950 literarisch zu äußern. In seiner drei Jahre später erschienenen Prosastudie erinnert er sich an die damit verbundenen Schwierigkeiten, an die bornierten Leute und die störrischen Behörden. Obwohl er den Erzähler anonym bleiben lässt und eine Liebesgeschichte dazudichtet, erzählt er zumindest teilweise seine eigenen Erlebnisse. Das tut er nicht in klassischer Tagebuchform, sondern indem er ein „Fotoalbum“ mit vielen skurrilen, eigenwilligen Bildern aufschlägt. Jedes von ihnen ist ein Stück Erinnerung, das sich nach und nach mit weiteren Details der Reise vermischt, die den Erzähler und seine Bekanntschaft Katrin zu ihrem neuen Bestimmungsort führt. Ironisch und bisweilen zynisch kommentiert Schmidt seine Gegenspieler und spart nicht mit bissigen Kommentaren zu Kirche und Religion. Genau das hat ihm für das folgende Buch (Seelandschaft mit Pocahontas) eine Klage und viele miese Kritiken eingebracht. Hier jedoch passt es in die Gefühlswelt des Vertriebenen, der Gott und die Welt anklagt. Ein frühes Werk, das mithalf, den Avantgarde-Autor und „deutschen James Joyce“ zu etablieren.
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Arno Schmidt, geboren am 18. Januar 1914 in Hamburg, starb am 3. Juni 1979 in Celle. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft arbeitete er als Übersetzer und Schriftsteller. Seit 1949 veröffentlichte Schmidt zahlreiche Erzählungen, literarische Radio-Essays und eine umfangreiche Fouque-Biographie (1958). Seit "Zettels Traum" (1970) erschienen seine Prosawerke in großformatigen Typoskriptbänden. Arno Schmidt erhielt den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main

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