Die Umkehrbilder des Schweigens - Ritsos, Jannis

Jannis Ritsos 

Die Umkehrbilder des Schweigens

Gedichte. Griech.-Dtsch.

Aus d. Griech. u. m. Nachw. v. Klaus-Peter Wedekind
Gebundenes Buch
 
Vergriffen, keine Neuauflage
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Die Umkehrbilder des Schweigens

Ritsos' Gedichtzyklus, eine Art literarisches Testament, das 1986 und 1987 entstand, wurde erst nach dem Tod des Autors veröffentlicht. In den achtundsechzig Gedichten dieses Gedankentagebuchs eines letzten strahlenden Ägäissommers unterzieht Jannis Ritsos (1909-1990) die tragenden Ideen seines literarischen und politischen Lebens einer illusionslosen Prüfung. Sie wird im Zeichen des nahe bevorstehenden Endes vollzogen. Radikal in der Bestandsaufnahme, läßt Ritsos als letzte Gewißheit nur mehr die der Selbsterneuerung fähige künstlerische Produktivität gelten - losgelöst von jeder externen Zwecksetzung.
Ein Höhepunkt innerhalb von Ritsos' Oeuvre ist dieses Alterswerk dadurch, daß die ideologischen und persönlichen Abschiede als Augenblicke intensivster Wirklichkeit des Verabschiedeten gestaltet sind. Ritsos' tiefe Trauer um die Schönheit der Welt, die er verlassen muß, macht diese desto überzeugender wahrnehmbar für die Lesenden.



Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 165 S.
  • Seitenzahl: 165
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 125mm x 17mm
  • Gewicht: 260g
  • ISBN-13: 9783518412954
  • ISBN-10: 3518412957
  • Best.Nr.: 09828397
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.01.2002

Fahnen von einst
Vexierbilder: Das lyrische Vermächtnis des Jannis Ritsos

Als Kind, so erzählt der Dichter, sei er auf dem Schulweg am Schlachthaus vorübergerannt, um dem Geschrei der verendenden Tiere zu entkommen. Dann aber habe er sich zum Gehen gezwungen und schließlich das Gebäude betreten: "Ich wollte mich nicht mehr an den Tod gewöhnen - ihn bekämpfen wollte ich." Wie Elias Canetti, der große Verneiner des Todes, hat auch der 1990 gestorbene Dichter Jannis Ritsos sein Leben als Revolte gegen den Tod verstanden, als "endlose Schlacht gegen den Tod".

Diese Schlacht hat der junge Ritsos zunächst ganz unmetaphorisch gegen die Tuberkulose geführt. Die Jahre 1927 bis 1931 verbrachte er in verschiedenen Sanatorien. In der Armenabteilung einer solchen Klinik hatte er, angeregt durch die Leküre von Gorkis "Mutter", angefangen, sich mit sozialistischen Ideen zu beschäftigen. Kommunistische Freunde führten ihn 1934 in die Partei und 1941 in den Widerstand. Aber Ritsos' politische Wirkung basierte von Anfang an auf seiner Arbeit als Dichter. "Epitaphios", ein Zyklus, der die Toten einer vom General Metaxas niedergeschlagenen Demonstration …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Jannis Ritsos, 1990 mit 81 Jahren an Krebs verstorben, galt in ganz Europa "als Inbegriff des politischen Dichters" - nicht zuletzt, weil Mikis Theodorakis viele seiner Gedichte vertonte, weiß Hugo Dittberner. 1987 hatte der Dichter und Künstler von seiner Krebserkrankung erfahren und nutzte fortan jeden Tag, "im Bewusstsein des Abschieds", um ein bis drei Gedichte zu schreiben, berichtet der Rezensent. Klaus Dieter Wedekind hat diese Gedichte nun in einer "sehr schönen" und "schlanken" Übersetzung zweisprachig veröffentlicht und mit einem "aufschlussreichen" Nachwort versehen, lobt Dittberner den Herausgeber und Übersetzer. Aber auch die Gedichte selbst haben den Rezensenten zutiefst bewegt. Ritsos "letztes Projekt" sei eine "ungemein dichte, bewegende und letztlich erhebende Folge" von Gedichten, in denen der Autor "die Schönheit der kleinen Dinge und des Selbstverständlichen" würdige. Diese Gedichte sind, denkt der Rezensent, ein Abschied von und ein Vermächtnis für eine Welt, die Ritsos selbst verlassen musste.

© Perlentaucher Medien GmbH
Der Lyriker Jannis Ritsos (1909 - 1990) zählt mit den Nobelpreisträgern Giorgos Seferis und Odysseas Elytis zu den bedeutendsten Dichtern der sogenannten "Generation von 1930", die eine modernistische Wende in der griechischen Dichtung herbeiführten. Als jüngster Sohn einer vornehmen Familie von Landbesitzern in Monemvassia (Lakonien) geboren, erlitt er als Kind schwere Schicksalsschläge: Seine Mutter starb bereits 1921 an Tuberkulose, er selbst musste wegen dieser Krankheit auf ein Studium verzichten und war später immer wieder gezwungen, Sanatorien und Kliniken aufzusuchen. Auch den wirtschaftlichen und sozialen Niedergang der Familie erlebte Ritsos bereits als Kind: Sein Vater verlor Grundbesitz und Vermögen. Anders als Seferis und Elytis sympathisierte Ritsos ab 1931 mit der kommunistischen Partei Griechenlands, was beginnend beim autoritären Metaxas-Regime bis hin zur Obristendiktatur immer wieder Verfolgung und Inhaftierung für ihn bedeutete. Ritsos verbrachte mehrere Jahre

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