Die Stunde, in der ich zu glauben begann - Lamb, Wally

Wally Lamb 

Die Stunde, in der ich zu glauben begann

Roman

Aus d. Engl. v. Charlotte Breuer u. Norbert Möllemann
Gebundenes Buch
 
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**** sehr gut
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Die Stunde, in der ich zu glauben begann

Gibt es eine göttliche Vorsehung? Oder wird die Welt vom Chaos regiert? Als ein un- begreifliches Gewaltverbrechen über Caelum und seine Frau Maureen hereinbricht, gerät ihr Leben vollkommen aus den Fugen. In einer Welt, die scheinbar jeglichen Sinn verloren hat, schickt Wally Lamb seine Figuren auf eine Reise, von der sie erst durch einen ungeheuren Akt der Hoffnung erlöst werden.

Erst vor Kurzem sind Caelum und seine Frau Maureen nach Colorado gezogen. Doch was ein Neubeginn für ihre Ehe sein soll, findet durch den Amoklauf an der Columbine Highschool ein abruptes Ende. Mitten in dem blutigen Massaker: Maureen, die den Anschlag versteckt in einem Wandschrank überlebt. Traumatisiert flüchtet sie in eine eigene Welt und zwingt so auch Caelum, sich seinen Ängsten zu stellen und jenes dunkle Rätsel seiner Herkunft zu lösen, vor dem seine Tante ihn zu schützen versuchte. Eine Tour de force durch die Abgründe der menschlichen Seele, mit der Wally Lamb sein erzählerisches Können und sein Gespür für die großen Themen des Lebens unter Beweis stellt.


Produktinformation

  • Verlag: Pendo
  • 2009
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 749 S.
  • Seitenzahl: 749
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 138mm x 52mm
  • Gewicht: 984g
  • ISBN-13: 9783866122062
  • ISBN-10: 3866122063
  • Best.Nr.: 25571855
»Eine hinreißende Geschichte darüber, wie die Liebe über das Böse siegen kann. Ein wahres Epos und ein Plädoyer für mehr Mitgefühl.« Für Sie.

»Eine hinreißende Geschichte darüber, wie die Liebe über das Böse siegen kann. Ein wahres Epos und ein Plädoyer für mehr Mitgefühl.« Für Sie
Wally Lamb, geboren 1950; lange Zeit als Englischlehrer an einer Highschool an der Ostküste der USA tätig, gibt Lamb seit einigen Jahren in einem Frauengefängnis Kurse in Creative Writing und setzt sich auch politisch für eine Verbesserung der Bedingungen der Gefangenen ein.

Leseprobe zu "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" von Wally Lamb

Wally Lamb

Die Stunde, in der ich zu glauben begann

Roman

An dem Abend schoben die beiden ihre letzte Schicht im Blackjack Pizza, was jedoch außer ihnen niemand wusste. Eins musste man ihnen lassen: Sie waren gut im Hüten von Geheimnissen. Geduldige Planer. Sie hatten alles seit einem Jahr vorbereitet und ihre Absichten vor aller Augen auf Papier, auf Videokassetten und im Internet verborgen. Am Ende des letzten Schuljahrs hatte einer ins Jahrbuch des anderen geschrieben: "Gott, ich kann's gar nicht erwarten, dass sie sterben. Ich schmecke schon ihr Blut." Und der andere hatte sich revanchiert mit dem Spruch: "Unsere Feinde töten, alles in die Luft jagen, Cops abschlachten! Mein Zorn wird wie der Zorn Gottes sein!"

Mein Zorn wird wie der Zorn Gottes sein: Vielleicht ist das ein Anhaltspunkt. Vielleicht war ihre Fähigkeit, alle hinters Licht zu führen, die Berechtigung zu ihrem Handeln. Wenn wir uns zum Narren halten ließen, dann waren wir auch Narren; sie konnten sich überlegen fühlen, in der Lage, Chaos zu stiften. Aber ich weiß es nicht. Ich bin bloß einer von vielen Chaostheoretikern, der sich ebenso wenig im Labyrinth zurechtfindet wie alle anderen.

Es war Freitag, der 16. April 1999, vier Tage bevor sie das Feuer eröffneten. Ich war nach dem Unterricht noch wegen eines Elternabends und einer Gewerkschaftsversammlung in der Schule geblieben und hatte Maureen angerufen, um ihr zu sagen, dass ich von unterwegs etwas zu essen mitbringen würde. Das Blackjack Pizza lag auf meinem Heimweg.

Es war noch früh. Der Freitagabendansturm auf die Pizzaläden hatte noch nicht begonnen. Er stand an der Kasse, die Ellbogen auf den Tresen gestützt, und unterhielt sich mit einem jungen Mädchen in einem Frisörkittel. Das heißt, viel geredet wurde nicht. Auf dem Tresen lag ein Handy, das er immer wieder mit dem Zeigefinger anstieß, sodass es sich drehte, er starrte das kreiselnde Handy an und nicht das Mädchen. Ich weiß noch, dass ich mich fragte, ob ich gerade ein Liebespaar beim Streit gestört hatte. "Ich muss los", sagte die junge Frau. "Bis morgen dann." Auf ihrem Kittel stand "Great Clips", woraus ich schloss, dass sie im Laden nebenan arbeitete, zu dem Maureen immer ging.

"Zum Abschlussball verabredet?", fragte ich. Das große Ereignis sollte am folgenden Abend im Design Center in Denver statt finden. Von dort würden anschließend alle zusammen zur Schule zurückfahren, wo die Party danach steigen sollte, für die ich als Aufsicht eingeteilt war.

"Zu so einer verlogenen Veranstaltung gehe ich nicht", antwortete er. Dann rief er über die Schulter: "Wann ist die Champignon-Hackfleisch-Pizza fertig?" Sein Kumpel öffnete die Ofentür und lugte hinein. Dann drehte er sich um und reckte den Daumen hoch.

"Und?", fragte ich. "Habt ihr mal wieder eine von euren berühmten Mehlschlachten veranstaltet?"

Er grinste. "Sie erinnern sich daran?"

"Klar. Der beste Aufsatz, den du im ganzen Halbjahr geschrieben hast."

Ich hatte ihn im Jahr zuvor, in der elften Klasse, im Englischunterricht gehabt. Ein ehrgeiziger, systematisch arbeitender Schüler, der lieber Vokabeln und Shakespeare-Verse auswendig lernte, als sich mit kreativen Dingen zu beschäftigen. Aber sein Aufsatz über die Mehlschlachten im Blackjack Pizza, den er als eine Art Kriegssatire verfasst hatte, war das Lebendigste, was er im ganzen Schuljahr abgeliefert hatte. Ich erinnere mich noch, dass ich unter seinen Aufsatz geschrieben hatte: Du solltest im nächsten Jahr "Kreatives Schreiben" als Wahlfach nehmen. Und das hatte er sogar getan. Er war in Rhonda Baxters Kurs. Aber Rhonda mochte ihn nicht - sie fand ihn überheblich. Es ging ihr auf die Nerven, wie er über die Kommentare seiner Mitschüler die Augen verdrehte. Rhonda und ich hatten eine gemeinsame Freistunde, und wir tauschten uns häufig über unsere Schüler aus. Ich für meinen Teil konnte weder sagen, dass ich ihn besonders mochte, noch, dass ich ihn nicht ausstehen konnte. Er hatte mich einmal gebeten, ihm einen Empfehlungsbrief zu schreiben; wofür er ihn brauchte, weiß ich schon gar nicht mehr. Aber ich erinnere mich noch gut daran, wie ich dasaß und mir den Kopf zerbrach, was ich schreiben sollte.

Er tippte den Betrag für meine Bestellung ein, und ich reichte ihm das Geld. "Was ist denn für nächstes Jahr geplant?", fragte ich. "Hast du von den Unis, an denen du dich beworben hast, schon was gehört?"

"Ich gehe zu den Marines", sagte er.

"Wirklich? Tja, ich hab gehört, dass die immer gute Leute suchen." Er nickte, ohne zu lächeln, und gab mir mein Wechselgeld.

Sein Kumpel kam mit der Pizzaschachtel. Er wirkte nicht mehr so jungenhaft, wie ich ihn von vor einigen Jahren in Erinnerung hatte, sondern war zu einem schlaksigen jungen Mann herangewachsen. Er hatte eine Hakennase und ein ausgeprägtes Kinn wie Jay Leno und trug das Haar zu einem dünnen Pferdeschwanz zusammengebunden. "Und wie sehen deine Pläne fürs kommende Jahr aus?", fragte ich ihn.

"University of Arizona."

"Klingt gut", sagte ich. Mit einer Kopfbewegung deutete ich auf die Red-Sox-Mütze, die er trug. "Auf den Spuren der Sox?"

"Sozusagen. In meinem Fantasy-Team bin ich grade für Garciaparra eingesprungen."

"Guter Schachzug", sagte ich. "Als ich auf dem College war, hab ich mir jedes Spiel der Sox angesehen. Boston University. Fenway war nur fünf Minuten entfernt."

"Cool", meinte er.

"Vielleicht ist das ihr Glücksjahr?"

"Kann sein." Es klang nicht so, als würde es ihn wirklich interessieren.

Auch er war in Rhondas Kurs für Kreatives Schreiben. Einmal war sie ganz aufgebracht ins Lehrerzimmer gekommen. "Lies das mal", sagte sie. "Das ist doch krank, oder?" Er hatte eine zweiseitige Geschichte über einen geheimnisvollen Rächer in einem schwarzen, mit Nieten besetzten Trenchcoat geschrieben. Als ein paar Sportfans und "College-Kids" gerade eine volle Kneipe verlassen, nimmt der Held Pistolen und Sprengstoff aus seiner Sporttasche, bringt sie alle um und geht grinsend von dannen. "Meinst du, ich sollte mal seine Eltern anrufen?", hatte Rhonda gefragt.

Ich hatte die Achseln gezuckt. "Viele Jungs schreiben so einen Mist. Zu viele Videospiele, zu viel Testosteron. Ich würde mir keine Gedanken darüber machen. Wahrscheinlich braucht er einfach eine Freundin." Aber sie hatte sich trotzdem Gedanken gemacht und die Eltern um ein Gespräch gebeten. Eine Woche später hatte sie das Treffen als "reine Zeitverschwendung" beschrieben.

Die Tür wurde aufgerissen, und fünf oder sechs Jugendliche kamen grölend ins Blackjack. "Also, bis dann", sagte ich.

"Bis dann", sagte er. Ich weiß noch, wie ich dachte, er würde einen guten Marine abgeben. Ernst, gewissenhaft, das gebügelte T-Shirt in die mit Bügelfalte versehenen Shorts gesteckt. Ein paar Jahre, dachte ich, und er würde die Offizierslaufbahn einschlagen können.

Beim Abendessen schlug Maureen vor, ins Kino zu gehen, aber ich redete mich mit der Begründung heraus, ich hätte eine anstrengende Arbeitswoche hinter mir. Sie spülte, ich fütterte die Hunde, dann zogen wir uns an unseren jeweiligen Fernseher zurück. Um zehn saß ich, den Bauch voll mit Pizza, in meinem Sessel und sah mir Homicide mit Untertiteln an. Für die Werbepausen lag eine aufgeschlagene Newsweek auf meinem Schoß, zwischen die Schenkel hatte ich mir eine Dose Bier geklemmt, und aus meinem Kopfhörer dröhnte Van Morrisons Astral Weeks von 1968, dem Jahr, in dem ich siebzehn geworden war.

An jenem Freitagabend war ich siebenundvierzig. In einem Musik-Chatroom, den ich seit einer Weile besuchte, hatte vor einem Monat jemand gefragt: "Welche sind die zehn Meisterwerke der Rock-¯Ära?" Daraufhin hatten wir alle angefangen, unsere Platten durchzugehen, vorläufige Listen ins Netz zu stellen und uns gegenseitig wegen unserer Auswahl zu beschimpfen. (Ich stellte mir meine Cyber-rockenden Brüder als einen einzigen Fettwanst mit Halbglatze und in einem Batik-T-Shirt Größe XL vor, der eigentlich eins in Größe XXL gebraucht hätte.) Meine Zusammenstellung der Meisterwerke war genauso widersprüchlich wie die aller anderen. Zum Beispiel zog ich den Zorn mehrerer Cyberkumpel auf mich, als ich Nebraska von Springsteen auf meine Liste setzte, Born to Run und Born in the USA dagegen nicht. "Hey, Alter! Als Sprecher der WAHREN Springsteen-Fans", schrieb mir ein Ingenieur für Recyclingtechnik aus Michigan, "muss ich dir leider mitteilen, dass dein Gehirn noch aufgeweichter ist als ein Brot in der Suppe!" Natürlich habe auch ich nach Kräften ausgeteilt, wenn auch nicht immer erfolgreich. Ein Professor für Mediävistik fühlte sich tödlich beleidigt, als ich behauptete, dass der Stammbaum der Backstreet Boys sich bis zu jener anderen, ebenso geistlosen, völlig überschätzten Boygroup namens Beach Boys zurück verfolgen lasse. Der Gelehrte fragte, ob er mir privat etwas zukommen lassen könne, und ich gab ihm meine Adresse. Eine Woche später erhielt ich einen Fed-Ex-Briefumschlag, Porto bezahlt von der Princeton University, der eine elfseitige, profunde (wenn auch nicht überzeugende) Verteidigungsschrift des Albums Pet Sounds enthielt.

Wochenlang war ich mit kaum etwas anderem beschäftigt, als Platten hören und Listen zusammenstellen. Sergeant Pepper oder Songs in the Key of Life? Aretha oder Etta James? Den zehnten Platz auf meiner Liste hatte ich für den unorthodoxen, aber immer interessanten Van Morrison reserviert, konnte mich jedoch nicht so recht entscheiden zwischen dem eleganten Moondance und dem emotionaleren, wilderen Astral Weeks. Deswegen hatte ich an jenem Freitagabend die Kopfhörer auf.

Aber heute ist mir klar, dass dies alles ein Schutzpanzer war: der Fernseher, die aufgeschlagene Zeitschrift, der akustische Rückblick auf mein Leben, das Klappern der Tastatur. Ich hatte mich hinter einem multimedialen Kettenhemd verschanzt, um mich gegen emotionale Attacken von Maureen zu schützen.

Ein Schatten huschte über den Teppichboden, und ich hob den Blick. "Caelum?", sah ich sie fragen. Sie hielt ein Korbtablett mit zwei Gläsern Rotwein und einer brennenden Kerze. Ich beobachtete, wie der Wein in den Gläsern schwappte, während sie auf eine Antwort wartete. Die Kerze duftete nach irgendeinem Gewürz. Damals stand sie auf Enya und Aromatherapie.

Ich hob meinen Kopfhörer an. "Ja, in ein paar Minuten", sagte ich. "Ich lasse die Hunde raus und seh mir noch kurz die Nachrichten an, dann komme ich rauf."

Enttäuscht und mit hängenden Schultern drehte sich Maureen mitsamt dem Weintablett um und ging die Treppe hoch. Selbst von hinten konnte ich sehen, was in Mo vorging, aber sehen und reagieren ist zweierlei. "Starrt nicht bloß auf die Buchseiten", ermahnte ich meine Schüler immer wieder. "Versetzt euch in die Figuren hinein. Lebt in dem Buch." Und sie hockten da und glotzten mich an wie ein außerirdisches Wesen vom Planeten Belanglosigkeit.

Maureen ist meine dritte Ehefrau, mein letzter Versuch und, soweit ich weiß, die einzige der drei, die mich je betrogen hat. Diese brennende Kerze auf dem Tablett war eins der Zeichen, die wir uns damals in Connecticut ausgedacht hatten, 1994, während der demütigenden Paartherapie - sieben Sitzungen, die wir uns verschrieben hatten, nachdem Maureens Fickorgien mit Paul Hay im Courtyard Marriott ans Licht gekommen waren.

Paul Hay, der Mann, dem ich ein paarmal auf ihren Betriebsfeiern begegnet war. Dessen Nummer in unserem Rolodex stand. Wenn ich's mir recht überlege, stand unsere Nummer wahrscheinlich auch in seinem Rolodex.

Kundenbewertungen zu "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" von "Wally Lamb"

29 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.2 von 5 Sterne bei 29 Bewertungen **** sehr gut)
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Bewertung von KimVi aus Niedersachsen am 08.02.2011 ***** sehr gut
Das Cover und der Titel haben mich überhaupt nicht angesprochen, deshalb hätte ich es in der Buchhandlung sicher nicht in die Hand genommen. Aufgrund des Titels habe ich ein sehr religiöses Buch erwartet und auch der Strohhut des abgebildeten Mannes erinnerte mich an Amish - People und brachte mich somit auf eine völlig falsche Spur.

Vom spannenden, aber trotzdem gefühlvollen Schreibstil des Autors war ich sofort begeistert. Trotz der hohen Seitenanzahl habe ich das Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen. Das lag auch an den sehr gut beschriebenen und menschlich geschilderten Hauptprotagonisten. Besonders Caelum, mit all seinen Fehlern und Schwächen, war mir sehr sympathisch. Trotz der vielen Schicksalsschläge die beide erleiden, wirkte die Erzählung auf mich nicht unglaubwürdig. Im Gegenteil, selten hat mich ein Roman so gefesselt und berührt.

Das Nachwort des Autors hat mich auch sehr beeindruckt, denn immerhin hat Wally Lamb neun Jahre an diesem Buch geschrieben. Die Ereignisse dieser Jahren, wie zum Beispiel der 11. September, Hurrikan Katrina, Feuersbrünste und der Krieg im Irak wurden ebenfalls gut in die Geschichte integriert. Besonders intensiv wurde natürlich auf das Schulmassaker von Littleton eingegangen. Wally Lamb hat hier die echten Namen der Attentäter, der Getöteten und der Verwundeten benutzt, lediglich die Akteure dieses Romans wurden hinzugefügt. Die Beschreibung des Amoklaufs ist gut gelungen, da die Panik und Angst der Betroffenen glaubhaft vermittelt wurde.

Im zweiten Teil des Buchs stieß Caelum auf alte Briefe, Zeitungsberichte und Tagebucheinträge. Dadurch erhielt man einen Rückblick in die Familienverhältnisse und das Leben auf der geerbten Farm im 19. Jahrhundert. Auch dieser Teil war gut recherchiert und wunderbar geschrieben. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und deshalb empfehle ich es gerne weiter.

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Bewertung von Silke B. aus Köln am 18.03.2010 ***** ausgezeichnet
Mein erster Eindruck zu "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" war, dass es sich hier um ein religiös motiviertes Buch rund um die Auswirkungen des Columbine Massakers handelt. Ich wurde jedoch sehr positiv überrascht von einem themenübergreifenden Roman, mit Tiefgang und Gefühl, der sich auf aktuelle Ereignisse des Weltgeschehens bezieht. Wally Lamb hat mit Caelum eine Figur geschaffen, mit der ich als Leser mitfühlen konnte.
Mir persönlich haben dabei die Kapitel, die sich Caelums eigener Vergangenheitsbewältigung widmen, am besten gefallen. Wie die Teile eines Puzzles ergaben die Details immer mehr die ganze Geschichte und so ist "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" nicht nur Caelums Geschichte, sondern auch die der amerikanischen Frauenvollzugsanstalten und der Frauen, die diesen mit begründet haben.
Wally Lamb hat es geschafft, dass mir das Buch nie zu langatmig wurde und ich immer wieder gespannt war, wie es nun weiter geht. Bei einem über einen Kilo schweren Schmöker ist das schon eine Kunst. Doch wie schon bei "Früh am Morgen beginnt die Nacht" ist es gerade die Komplexität, und das Augenmerk auf Details, dass mich hier fasziniert hat. Wer schon eins der anderen Bücher von Wally Lamb gelesen und gemocht hat, der wird auch von diesem Buch begeistert sein!

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Bewertung von goldfisch am 27.09.2009 ***** sehr gut
Amerikanische Familiensaga mit aktuellem Bezug
"Die Stunde, in der ich zu glauben began" wird vom Ich-Erzähler Caelum Quirk erzählt. Er ist Lehrer, seine Frau Maureen ist Krankenschwester. Beide wuchsen in mehr oder minder kaputten Familien auf und sie führen eine problematische Ehe. Um ihre Ehe zu retten und um näher bei Maureens Vater zu wohnen, ziehen sie von Connecticut nach Colorado. Dort arbeiten beiden an der Columbine Highschool. Als Caelums Tante schwer erkrankt, fliegt er nach Connecticut. Maureen ist noch in Colorado und erlebt das Massaker mit. Sie überlebt zwar, schafft es aber nicht mehr, ein normales Leben zu führen. So folgt ein weiterer Umzug, diesmal zurück nach Connecticut, wo Caelum das Anwesen seiner Tante geerbt hat. Es beginnt eine Odyssee, auf der Caelum und Maureen um Maureens Gesundheit und ihre gemeinsame Zukunft kämpfen und auf der Caelum mehr über seine Familie erfährt, als er je wissen wollte.

Der neuste Roman von Wally Lamb ist ein Porträt der amerikanischen Bevölkerung in den letzten zehn Jahren, sowie eine Familiensaga, die sich über einen Zeitraum von mehr als einhundert Jahren erstreckt. Caelum und Maureen sind beide Opfer der beiden jugendlichen Attentäter an der Columbine Highschool, auch wenn diese Opfer in den Medien zunächst nicht als solche gesehen wurden. Immerhin hat Maureen überlebt und Caelum war am Tag des Massakers nicht in der Schule. Und doch gehören sie zu denen, die unmittelbar und langfristig von der Gewalt betroffen sind. Die Schilderungen des Massakers und der Situation vor Ort in den Tagen und Wochen danach ist sehr beeindruckend. Anders als bei "Wir müssen über Kevin reden" von Lionel Shriver oder "Neunzehn Minuten" von Jodi Picoult wird hier aus der Perspektive der Betroffenen erzählt. Dies geschieht auf eine unerwartet undramatische Art und Weise, die mich vielleicht gerade deshalb so mitnahm. Durch Caelum übt Wally Lamb auch Kritik an den Medien und kirchlichen Organisationen, die versuchten Profit und aus den Ereignissen zu schlagen, statt tatsächlich zu helfen teilweise noch mehr Schaden bei den Opfern anrichteten. Maureen bekommt kaum echte Hilfe, muss auf eigene Kosten von Arzt zu Arzt pilgern und wird letztendlich abhängig von den Medikamenten, die ihr von den hilflosen Medizinern verschrieben werden. Genauso hilflos ist ihr Mann, der immer wieder versucht, ihr zu helfen, aber fast ohnmächtig dabei zuschauen muss, wie sie immer tiefer abrutscht und sie sich entfremden.

Im zweiten Erzählstrang wird die Geschichte von Caelums Familie erzählt, von dem Ort an dem Caelum aufwuchs und an dem er jetzt wieder lebt. Auch dieser Teil des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die Schilderung der Gründung des Frauengefängnisses und der Gesellschaft vor über einhundert Jahren war gut zu lesen und durch die alten Briefe und Tagebücher von Caelums Vorfahrinnen besonders interessant. Caelum wird durch die neuen Informationen über seine Familie schwer erschüttert und gerade jetzt wünscht er sich die Anwesenheit seiner Tante, der Schwester seines Vaters. Doch jene Tante starb einen Tag vor dem Massaker in Columbine und so muss er nicht nur alleine versuchen, Maureen zu helfen, sondern auch die Familiengeheimnisse zu entwirren und seine Herkunft wirklich zu verstehen.

"Die Stunde, in der ich zu glauben begann" ist ein sehr ehrgeiziges Projekt, in dem es um Liebe, Hoffnung, Familie, Gewalt und deren Folgen geht. Ein Buch, das mich in seinen Bann zog und trotz der 752 Seiten innerhalb weniger Tage verschlungen habe. Dem Leser wird vor Augen geführt, dass die Geschichte sich wiederholt, im Großen wie im Kleinen, aber dass man nie die Hoffnung und vor allem sich selbst aufgeben sollte.

Trotz des sehr ernsten Themas ein letztendlich positives Buch, mit einem ansprechenden Cover und eher unpassendem Titel,

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Bewertung von stjerneskud aus Stuttgart am 12.07.2009 ***** gut
Zuviel hineingepackt und kein Schreibstil, der mich ansprach

Caelum Quirk zieht mit seiner Frau Maureen nach Colorado, um ihre Ehe zu retten, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und noch einmal von vorne beginnen zu können. Anfangs klappt alles wie gedacht, aber das Massaker an der Columbine Highschool, das Maureen versteckt in einem Schrank miterlebt, wirft sie komplett aus der Bahn und bestimmt ihr zukünftiges Leben. Mit dem Umzug auf die Farm in Connecticut, die Caelum von seiner Tante Lolly geerbt hat, wollen sie den Abstand zu den immer wiederkehrenden Erinnerungen gewinnen, aber vor den Geistern der Vergangenheit kann man nicht davon laufen.

Das war ein ganz schön dicker Brocken & ich bin sehr froh, dass ich jetzt endlich den Schlusspunkt erreicht habe und das Buch damit aus den Händen legen kann. Mittendrin wollte ich nicht abbrechen, obwohl ich mich ganz schön durch das Buch durchquälen musste und oftmals kein Anlaß bestand weiterzulesen. Ich weiß zwar nicht, was ich mir genau von dem Roman versprochen hatte, aber das was ich zu lesen bekam auf jeden Fall nicht und meines Erachtens stopfte Wally Lamb viel zu viel in die 738 Seiten hinein. Aus der Themenmenge hätten gleich mehrere Bücher gemacht werden können.

So wie das Buch geschrieben ist, war es überhaupt nichts für mich. Es konnte mich weder fesseln, noch mitreißen und mir viel zu wenige Gefühle entlocken. Caelum, Maureen und Velvet gingen mir oftmals total auf die Nerven, obwohl man ja eigentlich mit ihnen mitfühlen und mitleiden sollte und ohnehin wurde mir Caelum nie richtig sympathisch. Manches war einfach zu viel, wie z.B. das Hin- & Herspringen zwischen verschiedenen Zeitpunkten, die Ausflüge in die tief zurückliegende Vergangenheit, Caelums gescheiterte Ehen, zu viele Details, die nicht hätten sein müssen und immer wieder mussten noch weitere neue Figuren eingeführt werden. Auch die Wahl der Ich-Form empfand ich als wenig geglückt und dass die Geschichte aus Caelums Sicht heraus erzählt wird. Dadurch kommt nicht richtig rüber was Maureen miterleben musste, bzw. warum Velvet sehr viel weniger Blessuren von dem Amoklauf davonträgt, obwohl sie ihn ebenfalls hautnah miterlebte.

Am allerbesten gefiel mir die Stelle, in der Lydia von dem Abend in Mark Twains Haus berichtet. Es war das erste Mal, dass mich in diesem Buch etwas richtig in seinen Bann zog und ich gefesselt in der Geschichte versank. Davon hätte ich gerne mehr gelesen.

Weiterempfehlen würde ich das Buch nicht. Abschnittsweise liest es sich großartig, aber die Stellen muss man ja erst einmal finden.

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Bewertung von redfox aus Sachsen am 31.05.2009 ***** sehr gut
Die Geschichte eines Mannes und seiner Familie - grandios
Wally Lamp erzählt in über 700 Seiten die Geschichte von Caelum Quirk - seiner Vorfahren und seiner Familie. Ein Lehrer, zum dritten Mal verheiratet, kinderlos, Sohn eines Alkoholikers, meistert mehr oder weniger sein Leben. Er muß doch mehr Schicksalsschläge als normal hinnehmen, versucht aber immer irgendwie das beste draus zu machen und bleibt dabei menschlich und macht Fehler.
Die Figuren sind so lebensecht geschildert, dass man bereits nach wenigen Seiten das Gefühl hat, sie persönlich zu kennen, als Nachbarn oder gute Freunde. Man geht als Leser zusammen mit Caelum und Maureen durch die schwere Zeit nach dem Massaker an der Columbine High, nach dem von Maureen verursachten Unfall und fiebert zusammen mit Caelum mit, als er auf die Suche nach der Wahrheit über seine Mutter und seine Ahnen geht.
Der Schreibstil ist einfühlsam, ohne Übertreibungen und ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Wenn man mit diesem Buch fertig ist, braucht man noch ein bißchen, um die ganze Geschichte zu verarbeiten.
Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage ausgelesen und konnte es kaum aus der Hand legen. Ich war ergriffen, musste schmunzeln und hatte Tränen in den Augen. Ich kann es nur empfehlen.
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Bewertung von Silke Schröder, hallo-buch.de aus Hannover am 06.04.2009 ***** ausgezeichnet
Wally Lamb ist ein Meister der fabulösen Erzählkunst. Kaum jemand schafft es, eine so opulent ausgeschmückte und dramatische Geschichte zu erzählen, in die noch jede Menge weitere Geschichten und Anekdoten eingeflochten sind. In einem einfühlsamen und anspruchsvollen, aber dennoch leicht lesbaren „Schmökerstil“ beschreibt er das Leben eines Ehepaars, das trotz schwerer Schicksalsschläge seinen Weg geht. Ausgehend von den Ereignissen an der Columbine High School, die sich gerade zum zehnten Mal jähren, setzt sich Lamb mit der lang anhaltenden Wirkung von traumatischen Erinnerungen bei den Opfern solcher Verbrechen auseinander.

Nicht der Amoklauf selbst steht dabei im Mittelpunkt, sondern die Geschichte eines Mannes, der durch seine Erlebnisse am Ende etwas kennenlernt, an das er glauben kann. Dabei geht es dem Autor nicht um religiöse Glaubensbekenntnisse, sondern um die Frage, ob im Leben ein „göttliches Schicksal“ oder doch eher die Chaostheorie das Sein bestimmt.

Auch wenn die mehr als 700 Seiten des Wälzers vielleicht erst einmal etwas abschreckend wirken, versinkt man schnell in der faszinierenden Geschichte – nicht nur, weil „Die Stunde, in der ich zu glauben begann“ durch den Amoklauf von Winnigen im März 2009 eine neue, grausame Aktualität gewonnen hat. Wer John Irving mag, sollte an Wally Lamb auf keinen Fall vorbeigehen. Herzergreifend, realistisch und mit viel Gefühl.

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Bewertung von Karin aus Frankfurt am 23.03.2009 ***** gut
Wally Lamb ist nicht der erste Autor der sich am Thema Familiengeschichte versucht.
An sich nicht schwierig darüber zu schreiben und einen Spannungsbogen mit Gefühl zu verbinden. Wally Lamb versucht die Geschichte mit einem brisanten Thema zu verbinden, dem Amoklauf an der Columbine Highschool.

Ich hatte lange Schwierigkeiten in das Buch hinein zu kommen. Ich hatte hier eigentlich etwas anderes erwartet.
Erzählt wird die Geschichte von Coleum in der Ich-Perspektive.
Immer wieder driftet er in die Vergangenheit und versucht meiner Meinung nach seine Kindheit zu verarbeiten. Sein Vater, Alkoholiker, hat sich schon früh das Leben genommen. Seine Mutter war eher lieblos. Ein engeres Verhältnis hat er jedoch zu seiner Tante Lolly.

Probleme in seiner Ehe veranlassen das Paar zusammen nach Colorado zu ziehen. Dort sind sie beide an der Columbine Highschool beschäftigt. Was der Neubeginn ihrer Ehe sein soll wird mit dem Amoklauf an der Schule zu einer noch größeren Herausforderung.
Während Caelum sich um die Beerdigung seiner Tante Lolly kümmern muss wird seine Frau Maureen Zeuge des Amoklaufs. Sie ist völlig traumatisiert von den Ereignissen und nimmt Tabletten.
Als es ihr scheinbar wieder gut geht ziehen sie wieder zurück nach Connecticut, hauptsächlich um nicht mehr an den Amoklauf erinnert zu werden.
Wie im wahren Leben kann man aber seinen Ängsten nicht davon laufen, noch ist der Kampf nicht zu Ende. An dieser Stelle endet mein Inhaltsbericht, um die wenige Spannung die ich im Buch entdecken konnte nicht ganz zum Erlöschen zu bringen.

Wally Lamb hat es leider nicht geschafft mich tiefgründig und emotional zu erreichen. Ich habe mich weiterhin durch die vielen Seiten des Romans kämpfen müssen. Der Roman hat für mich zu viele Längen und bricht genau an den Stellen ab, die Spannung versprechen. So hätte man eigentlich den Streit mit Velvet (einer Schülerin, aber auch engen Vertrauten von Maureen) viel besser ausbauen können, hätte auf den „Abschiedsgruß“ im Wandschrank eingehen können, den Maureen Caelum während des Amoklaufes hinterließ, als immer wieder auf der Farm in seiner Kindheit zu landen. Ich habe eigentlich immer öfter Quer gelesen, was ich sonst eigentlich nie mache. Eigentlich ist man sich am Ende des Buches gar nicht sicher was einem erzählt werden sollte. Das ist wie bei einem dieser Filme die mitten im Geschehen abbrechen und man während der Abspann läuft nachdenkt, was das jetzt genau gewesen ist.

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Bewertung von anette1809 - katzemitbuch.blogspot.com aus Sulzheim am 06.03.2009 ***** ausgezeichnet
Vor diesem Roman "Die Stunde in der ich zu glauben begann" hatte ich zwar schon von Wally Lamb gehört, aber bisher nichts von ihm gelesen. Ein Fehler, den ich bald beheben werde. Schon lange hat mich ein Roman nicht mehr so gefesselt, dass ich ihn kaum aus der Hand legen mochte!

Erzählt wird die Geschichte von Caelum und seiner Frau Maureen, die im Laufe der Geschichte von Schicksalschlägen schwer getroffen werden. Caelum ist Lehrer an der Columbine Highschool, in der 1999 ein Amoklauf von zwei Schülern stattfand. Caelum ist am 20. April 1999 nicht vor Ort, weil seine Tante in Conneticut einen Schlaganfall erlitten hat, und er ihr einziger lebender Verwandter ist. Kurz darauf verstirbt seine Tante, und er bleibt einige Tage länger auf ihrer Farm als geplant, nur seine Frau Maureen ist noch in Colorado, sie ist Krankenschwester auf der Columbine Highschool und erlebt den Amoklauf direkt mit. Caelum erfährt von dem Vorfall aus dem Fernsehen und eilt nach Hause, so schnell er kann, weil er um das Leben seiner Frau fürchtet. Maureen überlebt zwar das Attentat, aber nach dem Drama von Columbine ist in Caelums und Maureens Leben nichts mehr so wie es vorher war. Maureen behält schwere psychische Schäden, denen sie sich nicht stellen kann und verfällt in eine Medikamentensucht. Immer wieder kommen neue Rückschläge für Caelum und Maureen, und manchmal kann man kaum glauben, dass die beiden noch am Leben festhalten können.

Wally Lamb schafft es meisterhaft den Opfern von Columbine - und nicht nur den Toten! - mit seinem Roman ein außergewöhnliches Denkmal zu setzen. Ich fand es auch sehr gut und mutig von ihm, die Originalnamen von Opfern und Tätern des Amokslaufs beizubehalten.

Desweiteren liefert Wally Lamb ein Stück amerikanische Geschichte der letzten 10 Jahre beim Leser ab: der Wirbelsturm Katrina, 9/11, der Iran-Krieg... alles wird zu einem Netz verwoben und greift mehr oder weniger in Caelums Leben ein.

Das Buch war einfach wunderbar, und lässt einem nicht mehr los. Oft hätte ich mit Caelum weinen können! Die zweite Hälfte des Buches wird zwar etwas ruhiger, weil mehr auf die Geschichte von Caelums Ahnen eingegangen wird, trotzdem blieb ich gefesselt und war auch davon begeistert. Caelums Leben ist von Trauer, Leid und Chaos überschattet - und trotzdem schafft es Wally Lamb uns am Schluss Hoffnung mit auf den Weg zu geben.

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Bewertung von Anne aus Berlin am 05.03.2009 ***** ausgezeichnet
Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen? Nach einer schwierigen Kindheit und mehreren Scheidungen wird Cealum Quirks Frau Maureen ein überlebendes Opfer des Amoklaufs in Columbine. Nachdem es schon zu mehreren Todesfällen in seiner Familie kam, wird ihm bewusst, dass seine Frau der größte Verlust in seinem Leben wäre. Maureen überlebt und starb doch an diesem Tag. Traumatisiert lebt sie in den Tag hinein, versucht sich zu betäuben, will es schaffen und kann es nicht. Tablettensucht, Verkehrsunfall und Gefängnis. Der Kampf gegen die Schulden, um die eigene Existenz und die ganze Zeit fragt man sich: Was wäre wenn? Was wäre wenn Sie an diesem Tag nicht zur Arbeit gegangen wäre, wenn ich das Richtige gesagt hätte, wenn ich bei ihr gewesen wäre, wenn sie die Medikamente nicht genommen hätte. Mit diesem „Wenn“ quält sich Cealum. Er kann sich diese Fragen noch so oft stellen, sein Leben und das seiner Frau ist geprägt von Leid und Trauer. In dem Roman folgt eine Tragödie der Anderen. Doch am Anfang steht immer Columbine. Wie ein Virus hat es sich in das Leben der Beiden festgesetzt, lässt sie nicht mehr los und bestimmt ihre Zukunft.
Das Buch lässt mich an die Hiobsbotschaft denken. Als würden Cealum und Maureen getestet werden, wann sie aufgeben. Dieses Buch hat kein Happy End. Doch die Tatsache, dass die Beiden durchhalten, schließt die Lücke, die am Ende eines solch traurigen Buches sonst entstehen würde.
Anfangs hat mich der Titel ein wenig abgeschreckt. „Die Stunde, in der ich zu glauben begann“ hört sich nach einem Roman an, der das Ziel verfolgt, zum richtigen Glauben zu führen. Dass dies nicht zwingend etwas mit dem einen Gott zu tun haben muss, beweist der Protagonist Cealum, der am Ende des Romans auf seine Weise zu glauben lernt.
Ich lese selten Bücher, die mehr als 400 Seiten schwer sind und ich habe noch nie ein solches Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen. Der breite Themenumfang lässt nicht zu, dass das Lesen in irgendeinem Moment langweilig zu werden droht. Es ist ein traurigschöner Roman, der Aufmerksamkeit verdient.

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Bewertung von vöglein aus B.-W. am 04.03.2009 ***** sehr gut
Die Banalität des Bösen
49 Jahre hat der Autor Wally Lamb (geb. 1950) benötigt um diesen "Wälzer" mit ca. 750 Seiten entstehen zu lassen.

9 Jahre in der unsere Welt durch Amokläufer, den 11. September, Hurrikans und den Irak Krieg in Wanken geraten ist.

Caelum und seine Frau Maureen Quirk sind erst vor kurzem nach Colorada gezogen, der für sie einen Neubeginn ihrer Ehe werden sollte. Als Caelum wegen eines Trauerfalles nicht Zuhause ist, überlebt seine Frau, in einem Schrank versteckt, einen schrecklichen Amoklauf mit vielen Toten.

Maureen flüchtet total traumatisiert in ihre eigene Welt, zu der Caelum der Zutritt verwehrt bleibt. Sie wird Medikamentenabhängig und durch einen Autounfall schuldig am Tod eines Jungen. Sie landet für 5 Jahre in genau dem Frauengefängnis, dass ihre Großmutter ca. 100 Jahre vorher gegründet hatte.

Caelum möchte seine Frau sowie seine Liebe zu ihr retten und stellt sich seiner Vergangenheit, die durch viele Zeitsprünge in die Vergangenheit verdeutlicht werden.

Der Leser hat Anteil an Caelums Kinder- und Jugendtagen, ebenso am Weltgeschehen dieser Zeit.

Insgesamt ein wirklich schönes, gelungenes Werk.

Viele Stellen regen zum Nachdenken an, veranlassen das eine oder andere nachzuschlagen bzw. nachzulesen. Einige Passagen waren etwas langatmig, hätte man evtl. etwas straffen können.

Das Cover finde ich absolut passend, vom Titel her hätte ich das Buch wahrscheinlich niemals gelesen, da er mir zu sehr in Richtung Religion/Glauben geht, was aber dem Inhalt nicht entspricht.

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