Die Stimmung in Wie wenn am Feiertage... von Friedrich Hölderlin und in Melancholie von Gottfried Benn
Studienarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich
Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft, Note:
1,3, Freie Universität Berlin (Peter Szondi-Institut für Allgemeine
und Vergleichende Literaturwissenschaft), Veranstaltung:
Perspektiven der Forschung: Stimmungen, Stimmungskunst,
Stimmungslyrik. Eine Einführung, Sprache: Deutsch, Abstract:
Stimmungen gehören zu Empfindungen. Im Gegensatz zu Gefühlen sind
sie jedoch nicht konkret auf einen Gegenstand gerichtet. Anders
gesagt stehen Stimmungen in Verbindung zu Kognitionen, während
Gefühle zu Handlungen führen. Ein in diesem Zusammenhang immer
wieder aufgegriffenes Beispiel für den Unterschied zwischen Gefühl
und Stimmung ist der Unterschied zwischen Furcht und Angst. Obwohl
wir sprachlich mit beiden Begriffen das Gleiche ausdrücken können,
ist die Angst per definitionem objektunbestimmt. Angst kann man
haben, während man sich vor etwas fürchten muss. Diesen
Gedankengang weiterführend, kann man sagen, dass Gefühle Stimmungen
präzisieren. Eine Stimmung der Feierlichkeit schließt womöglich
mehrere Gefühle ein, wie Stolz, Glück, Hoffnung, sogar
Müdigkeit.Gleichzeitig sind Stimmungen mit Atmosphären verbunden.
Man kann über die Atmosphäre vor einem Sturm berichten oder die
Stimmung auf einer Versammlung als verlogen oder skeptisch
verstehen. Auf eine gewisse Weise gestimmt oder gelaunt kann man
sowohl alleine sein und dadurch die Umgebung entsprechend
wahrnehmen, als auch in Gesellschaft, wobei die Stimmung da eine
kommunikative, sozial vereinigende Rolle spielen kann. Abgesehen
von pathologischen Ausnahmen wie zum Beispiel Schizophrenie kann
man feststellen, dass Stimmungen vereinheitlichend wirken. Sie sind
wie emotionale Glocken, die eine Landschaft, eine Gruppe von
Subjekten oder eine Einzelperson umschließen.Wenn man wissen will,
auf welche Weise Stimmungen entstehen, muss man vor allem deren
Eigenschaften festlegen. Mit dem Erkennen dieser Charakteristika
sind wir als Künstler oder als Wissenschaftler in der Lage, eine
Stimmung zu produzieren oder genau zu definieren. Was sind also die
Regeln, nach denen eine bestimmte Stimmung entsteht?Um diese Frage
zu beantworten, empfiehlt es sich, zunächst die unterschiedlichen
theoretischen Ansätze zum Stimmungsbegriff kurz darzustellen.Das
Wort Stimmen stammt ursprünglich aus der Musiktheorie, wo es ein
In-Verhältnis-Setzen von Teilen mit dem Ziel der Harmonisierung von
Instrumenten bezeichnet. Diese Tatsache versetzte den Begriff der
Stimmung in der deutschen Lyrik für immer in den unendlichen Raum
der Metapher.
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