 | Besprechung von 11.10.2011 |
Und wenn Felix Krull nach Bukarest gegangen wäre?Jan Koneffke erzählt von einem Mann, der in den Wirren des Zweiten Weltkrieges zum Lebenskünstler wider Willen wird. Es ist ein Schelmenroman, bei dessen Lektüre einem das Lachen schnell vergeht.
Wer auf Flohmärkten Stöße alter Fotografien durchwühlt, möchte am liebsten den fremden Gesichtern darauf ihre Geschichten entlocken, die ihnen unlesbar eingeschrieben sind. Manchmal gelingt es der Literatur, solche Schwarzweißabzüge längst vergessener Ferienfreuden an aus der Mode gekommenen Badestränden wieder zu Leben zu erwecken, ohne dass das Ganze dabei zur unechten, nachkolorierten Operettenkiste geraten muss. Diese Gefahr kommt in Jan Koneffkes neuem Roman gar nicht erst auf. Zu fern von den Klischees einer goldenen Vorkriegszeit sind Orte, Menschen und Handlung seiner Geschichte, die sich gar nicht so leicht einem Genre zuordnen lässt. Ein Schelmenroman? Wenn, dann einer, bei dem einem mit der Zeit das Lachen im Halse stecken bleibt.
Felix Kannmacher, Koneffkes fiktiver Autobiograph, kommt auf der Flucht vor den Nazis, die ihm wegen Klavierspielens in einem "Judenlokal" die …
"Ein geborener Erzähler erzählt von Liebe Verrat und Tod. (...) Koneffkes Stärke ist die Anschaulichkeit seiner Prosa, die Bildhaftigkeit, die sich mit den Personen und Schauplätzen wie von selbst einzustellen scheint. (...) Es gibt Szenen voller irrwitziger Komik und voller Grausamkeit (...), so gut erzählt, dass beim Lesen ein unwiderstehlicher Sog entsteht." -- FAS<br/><br/>"Rumänien, Metrik und absurder Humor." -- FRANKFURTER RUNDSCHAU / BERLINER ZEITUNG<br/><br/>"Koneffke schafft eindringliche Stimmungen, große Spannungsbögen in einem plastischen Gesellschaftspanorama ... Ein packender Roman." -- DER STANDARD
Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension
Jan Koneffke, den Rezensentin Verena Auffermann als leidenschaftlichen Erzähler schätzt, hat mit seinem neuen Roman "Die sieben Leben des Felix Kannmacher" ein deutsch-rumänisches Geschichtsbuch geschrieben, das der Kritikerin ein ganz anderes Bild Rumäniens vorstellt, als sie es etwa aus den Büchern Herta Müllers kennt. Koneffke schildere mit "schelmischer Gelassenheit" die Ereignisse des Landes zwischen den Jahren 1935 und 2001 und so erlebt die Rezensentin hier ein politisches Kräftefeld, in dem sich Nazis und Kommunisten und selten Gerechtigkeit breit macht. Neben vielen Figuren, die ihr wie aus dem "Aquarellkasten von Otto Dix" erscheinen, begleitet sie hier aber insbesondere Koneffkes verträumten und von Überlebenswillen getriebenen Protagonisten, der als Johann Gottwald aus Nazi-Deutschland nach Rumänien flieht, wo er nicht nur eine neue Identität als Felix Kannmacher annimmt und in verschiedenen Jobs als "Kinderfrau" oder Kellner arbeitet, um schließlich ein gefeierter Pianist zu werden, sondern vor allem auch von einer unerreichbaren Frau an die nächste gerät. Mit Freude hat Auffermann diesen ebenso leichthändigen wie "opulenten" Roman als Geschichte eines liebenswerten, aus der Bahn geworfenen Menschen gelesen.
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 | Besprechung von 13.12.2011 |
Hinter dem Mann am Klavier steht der Vampir
Wenn die Realgeschichte sich den Balkanmythen fügen muss: Jan
Koneffkes neuer Roman „Die sieben Leben des Felix Kannmacher“
Ein Füllhorn von Geschichten hat Jan Koneffke gesammelt und
ersonnen, und er gießt es schwungvoll über dem Kopf des Lesers aus.
Der Autor will unser Bild von Rumänien ändern, unser allzu trübes,
von der Ceausescu-Ära geprägtes Bild. Koneffke, 1960 in Darmstadt
geboren, ist mit einer rumänischen Architektin verheiratet und lebt
in Wien, Bukarest und Maneciu am südlichen Rand der Karpaten. Es
ist also nur allzu verständlich, dass er seine Erfahrungen
literarisch fruchtbar machen möchte. Seltsamerweise erzählt er aber
nicht von der Gegenwart Rumäniens, sondern reaktiviert noch einmal
dessen Mythen und Geschichten, die er gegen den Verlauf der
Geschichte in Anschlag bringt.
Dafür schickt er Felix Kannmacher, den verschollenen Großonkel
seiner 2008 erschienenen pommerschen Familiensaga „Eine nie
vergessene Geschichte“, nach Rumänien, und zwar als Emigrant. Felix
Kannmacher, der in seinem Ostseestädtchen von einer Karriere als
Klaviervirtuose träumte, strandete als Barpianist …
"Ein Schriftsteller, der sich auf das Handwerk des Erzählens, in all seinen Facetten und Kniffen, blendend versteht. Nicht nur, wenn es schauerromantisch und hochpoetisch zugeht, sondern auch in denjenigen Partien, die eher spitzbübisch, urkomisch, todtraurig ausfallen. Die Stimmungspalette in diesem Roman ist nämlich enorm. Die Anteilnahme des Lesers erst recht. Jan Koneffke erzählt tempogeladen, dialogsicher, [...] wie im Film. [...] Nach 510 durch Welten und Zeiten bewegte, wandernde, stürzende, tappende, taumelnde und rasende Seiten, gelesen in einem Rutsch, legt der geneigte Leser das wunderbare Buch beglückt zur Seite." DIE WELT Frisch fabulierend, abenteuerliche Figuren über sieben Jahrzehnte verfolgend, und das immer am Puls der jeweiligen Gegenwart, mit minutiös ausgeführten rumänischem Lokalkolorit. Alles in einer Sprache, die in Wortwahl und Satzbau nicht selbstverständlicher und heutiger wirken könnte. WIENER ZEITUNG "Koneffkes Roman ... gelingt etwas, was man eigentlich nicht für möglich hält eine Schelmengeschichte aus den Zeiten der linken und rechten Diktaturen zu erzählen, aber gleichzeitig die Tragödien dieser Jahre präsent zu halten. Felix Kannmachers Geschichte steht geradezu exemplarisch für die absurden Seitenwege und Kehrtwendungen der europäischen Geschichte". FALTER "Eine Sprache, von der man dachte, die könne es gar nicht mehr geben. So melodiös, so stilsicher, so reich an Einfällen." DAS MAGAZIN Ein großes und großartiges Buch! NEUES DEUTSCHLAND Wortgewaltige poetische Verdichtungskraft. FAZ Koneffke tradiert eine osteuropäische Erzählkultur ( ). Er strickt ein vertracktes Erzählmuster aus Politik und Liebe, Korruption und Verrat. ZÜRCHER TAGESANZEIGER Die Gabe zum berstenden Erzählen in orientalischer Opulenz und balkanischer Komik, die muss Jan Koneffke sich aus seinen Träumen mitgebracht haben. [...] Alles ist literarische Erfindung, aber eine der glaubwürdigsten, schrecklichsten und wundervollsten. FRANKFURTER RUNDSCHAU Ein Fest der erzählerischen Fantasie ( ). Eine grandios fabulierte Geschichte eingebettet in ein penibel recherchiertes historisches Panorama, das durch seine ungewöhnliche Perspektive fesselt. ( ) Es ist eines jener Bücher, deren letzte Kapitel man besonders langsam liest, weil man den Abschied von dieser Geschichte hinauszögern möchte. DARMSTÄDTER ECHO Eine furios erzählte Geschichte und bewegende Parabel über die Behauptung des Humanen in inhumaner Zeit. KÖLNER STADTANZEIGER "Koneffke schafft eindringliche Stimmungen, große Spannungsbögen in einem plastischen Gesellschaftspanorama ... Ein packender Roman." DER STANDARD Ein geborener Erzähler erzählt von Liebe Verrat und Tod. ( ) Koneffkes Stärke ist die Anschaulichkeit seiner Prosa, die Bildhaftigkeit, die sich mit den Personen und Schauplätzen wie von selbst einzustellen scheint. ( ) Es gibt Szenen voller irrwitziger Komik und voller Grausamkeit ( ), so gut erzählt, dass beim Lesen ein unwiderstehlicher Sog entsteht. FAS Das bislang eindrucksvollste Werk eines hochbegabten Autors verdient breiteste Empfehlung. EKZ BIBLIOTHEKSSERVICE
"Ein Schriftsteller, der sich auf das Handwerk des Erzählens, in all seinen Facetten und Kniffen, blendend versteht. Nicht nur, wenn es schauerromantisch und hochpoetisch zugeht, sondern auch in denjenigen Partien, die eher spitzbübisch, urkomisch, todtraurig ausfallen. Die Stimmungspalette in diesem Roman ist nämlich enorm. Die Anteilnahme des Lesers erst recht. Jan Koneffke erzählt tempogeladen, dialogsicher, [...] wie im Film. [...] Nach 510 durch Welten und Zeiten bewegte, wandernde, stürzende, tappende, taumelnde und rasende Seiten, gelesen in einem Rutsch, legt der geneigte Leser das wunderbare Buch beglückt zur Seite." DIE WELT "Frisch fabulierend, abenteuerliche Figuren über sieben Jahrzehnte verfolgend, und das immer am Puls der jeweiligen Gegenwart, mit minutiös ausgeführten rumänischem Lokalkolorit. Alles in einer Sprache, die in Wortwahl und Satzbau nicht selbstverständlicher und heutiger wirken könnte." WIENER ZEITUNG "Koneffkes Roman ... gelingt etwas, was man eigentlich nicht für möglich hält - eine Schelmengeschichte aus den Zeiten der linken und rechten Diktaturen zu erzählen, aber gleichzeitig die Tragödien dieser Jahre präsent zu halten. Felix Kannmachers Geschichte steht geradezu exemplarisch für die absurden Seitenwege und Kehrtwendungen der europäischen Geschichte". FALTER "Eine Sprache, von der man dachte, die könne es gar nicht mehr geben. So melodiös, so stilsicher, so reich an Einfällen." DAS MAGAZIN "Ein großes und großartiges Buch!" NEUES DEUTSCHLAND "Mit rarer Leichtigkeit hat Jan Koneffke ein deutsch-rumänisches Geschichtsbuch geschrieben. [...] In einem sehr eigenen Ton, farbig, mit Hang zur Groteske, manchmal opulent, immer plastisch und immer leicht. [...] In dieser Fülle historischen Stoffs [...] ist aus dem 51-jährigen Jan Koneffke ein großer Erzähler geworden. Die vielen Geschichten in der Geschichte meistert er mit schelmischer Gelassenheit." Literaturbeilage der ZEIT "Wortgewaltige poetische Verdichtungskraft." FAZ "Koneffke tradiert eine osteuropäische Erzählkultur (...). Er strickt ein vertracktes Erzählmuster aus Politik und Liebe, Korruption und Verrat." ZÜRCHER TAGESANZEIGER "Die Gabe zum berstenden Erzählen in orientalischer Opulenz und balkanischer Komik, die muss Jan Koneffke sich aus seinen Träumen mitgebracht haben. [...] Alles ist literarische Erfindung, aber eine der glaubwürdigsten, schrecklichsten und wundervollsten." FRANKFURTER RUNDSCHAU "Ein Fest der erzählerischen Fantasie (...). Eine grandios fabulierte Geschichte eingebettet in ein penibel recherchiertes historisches Panorama, das durch seine ungewöhnliche Perspektive fesselt. (...) Es ist eines jener Bücher, deren letzte Kapitel man besonders langsam liest, weil man den Abschied von dieser Geschichte hinauszögern möchte." DARMSTÄDTER ECHO "Eine furios erzählte Geschichte und bewegende Parabel über die Behauptung des Humanen in inhumaner Zeit. KÖLNER STADTANZEIGER "Koneffke schafft eindringliche Stimmungen, große Spannungsbögen in einem plastischen Gesellschaftspanorama ... Ein packender Roman." DER STANDARD "Ein geborener Erzähler erzählt von Liebe Verrat und Tod. (...) Koneffkes Stärke ist die Anschaulichkeit seiner Prosa, die Bildhaftigkeit, die sich mit den Personen und Schauplätzen wie von selbst einzustellen scheint. (...) Es gibt Szenen voller irrwitziger Komik und voller Grausamkeit (...), so gut erzählt, dass beim Lesen ein unwiderstehlicher Sog entsteht." FAS "Das bislang eindrucksvollste Werk eines hochbegabten Autors verdient breiteste Empfehlung." EKZ BIBLIOTHEKSSERVICE
Jan Koneffke, geb. 1960 in Darmstadt, studierte Philosophie und Germanistik in Berlin und lebt als Schriftsteller und Publizist seit seinem Villa-Massimo-Stipendium (1995) in Rom. Er erhielt u.a. den Leonce- und Lena-Preis für Lyrik und den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis.
Leseprobe zu "Die sieben Leben des Felix Kannmacher" von Jan Koneffke
Der dritte Tod (S. 251-252)
Heute kommt es mir vor, als sei meine Erinnerung eine erfundene Geschichte. Oder der Traum eines anderen. Ein beklemmender Traum, in dem man nicht vom Fleck kommt, um der Gefahr auszuweichen, die einen zermalmen wird. Es verging eine Reihe von Tagen, bis ich zur Besinnung kam und mir wieder vor Augen stand, was ich erlebt hatte, in weißen, das Dunkel aufsprengenden Blitzen:
Meine Flucht aus der Wohnung auf die Straße, auf der ich besinnungslos zitternd im Regen stand (und nicht im geringsten bemerkte, zu frieren und nackt zu sein), von Menschen umringt, die den Schutthaufen anstarrten, der mein Zuhause gewesen war, nichts als eine Halde aus Steinen und felsgroßen Brocken, verbogenen Gittern und Gips (bis aufs Dachgeschoß, das auf dem Haus, als es in sich zusammenfiel, seitlich zur Straße gerutscht war), und die mir eine Decke umlegten; sie machten den zwei Kompanien Soldaten Platz (deutschen Soldaten in Hakenkreuzuniformen), die als erste vorm formlosen Buckel auftauchten, halb verborgen von dunstiger Nachtluft und Staub, Steine wegrollten, mit Spaten im Schutt gruben und einen Kadaver im Rinnstein ablegten; ich hatte den hageren Landser vor Augen, der auf seinen Armen Jenis Leichnam ins Freie trug, den er mit dem zerfetzten Brokatkleid bedeckt hatte (und das Gesicht mit dem flachen, breitkrempigen Filzhut) und auf einen Holzkarren hievte; er nahm seinen Helm ab, den er mit dem Ellbogen gegen die Taille preßte (als wolle er sich vor der Toten veneigen), und zu seinem Nebenmann sagte er:
»Schauerlich, es war ein Eisenstab, mitten ins Herz. Bohrte sich aus dem Fußboden in die Matratze. Diese Frau steckte regelrecht an einem Spieß«; ich erinnerte mich an zwei dampfende, unwillig scharrende Pferde vorm Holzkarren, auf dem sich die Leichen zu stapeln begannen (sie witterten den sich in Regen und Staubluft verbreitenden Todesgeruch); an Gendarmen, die die Menge ermahnten, mehr Abstand zu halten (»es herrscht Explosionsgefahr, Leute!«);
man schob mich zum Karren und legte zerschmetterte, klumpige, blutig verschmierte Gesichter frei, um zu erfahren, wer mir von den Toten bekannt sei, und als man den Filzhut von Jenis Gesicht nahm, das unversehrt war und entsetzlich verloren wirkte, kippte ich auf den Stapel mit Leichen; schleunigst zog man mich hoch und vermerkte den Namen auf einem Etikett, das man an Jenis Zehen befestigte, und ich taumelte wieder zum Bordstein;
ich erinnerte mich an den Mann mit Melone und milchweißen Handschuhen, der in die Hocke ging und mir seinen Arm um die Schulter schlang, und den ich zu Anfang nicht wiedererkannte; er eilte zu einem der Gendarmen, mit dem er verhandelte, wieder und wieder auf mich zeigend, und als meine Decke zu Boden glitt und ich erneut splitternackt auf dem Bordsteinrand kauerte, durfte Haralamb Vona ins Dachgeschoß klettern, mit der Lampe, die er vom Gendarmen entliehen hatte (ein gelblicher Kegel flog in meinem Zimmer von Mauer zu Mauer, wie eine irrlichternde Seele), das er mit zwei Koffern verließ.
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