Die Schwalben von Kabul - Khadra, Yasmina

Yasmina Khadra 

Die Schwalben von Kabul

Roman

Übersetzer: Keil-Sagawe, Regina
Gebundenes Buch
 
Nicht lieferbar
Nicht lieferbar
9 Angebote ab € 4,50
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Die Schwalben von Kabul

Mohsen Ramat ist zehn, als gepanzerte Raubvögel den afghanischen Himmel überziehen und dem unbeschwerten Lachen seiner Kindheit ein jähes Ende bereiten. Den Raubvögeln folgen die Taliban. Fortan ist das Lachen Sünde, und Mohsens bildschöne Frau Zunaira, eine ehemalige Juristin, muß in den monströsen Tschadri schlüpfen, dieses wandelnde Zelt, das ihre Verbannung und ihr Kerker ist, während der Abscheu in ihr gärt.


Kabul in den Jahren der Talibanherrschaft: Anhand der Schicksale des armen Wärters im Kabuler Frauengefängnis, Atiq Shaukat, und des ehemals vornehmen und gebildeten Mohsen Ramat beschreibt Yasmina Khadra den Zustand einer völlig aufgelösten, fundamentalistisch beherrschten Gesellschaft, wo Moral, Sitte und Kultur nichts mehr gelten. Er gibt einen Einblick in ein uns auch heute noch weithin fremdes Land und vermittelt eine Ahnung davon, wie schwer der Wiederaufbau einer afghanischen Zivilgesellschaft sein wird.
"Nur die stärksten Gefühle können den ewigen Kreislauf von Wut, Ohnmacht und Gewalt durchbrechen – tröstliche Lektüre in Zeiten eines drohenden Kriegs." – urteilte die FAZ, die seit dem 6. März den Roman seriell vorabdruckt.


Produktinformation

  • ISBN-13: 9783351029685
  • ISBN-10: 3351029683
  • Best.Nr.: 11226952
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.06.2003

Das Lachen der Frauen hat Hiebe und Schläge verdient
Yasmina Khadras Roman „Die Schwalben von Kabul” ist mehr als kühner Kitsch
Mit seiner Kriminaltrilogie um den Kommissar Llob, der sich in Algier zwischen blutrünstigen Fundamentalisten und korrupten Militärs zu behaupten versucht, hat Yasmina Khadra zuwegegebracht, was nur selten gelingt: politische Aufklärung mittels literarischer Kolportage zu betreiben. Einst Offizier der algerischen Armee, ist der Autor vor einigen Jahren ins französische Exil gegangen, wo er das Genre wechselte, den Namen seiner Frau als Pseudonym verwendete und mit dem düsteren Epos „Wovon die Wölfe träumen” einen internationalen Bestseller schrieb. Mit seinem neuen Roman hat er Algerien als Versuchsstation des Weltuntergangs verlassen und sich einer anderen Vorhölle zugewandt. Hatte er es bisher mit Kolportage gehalten, versucht er sich in „Die Schwalben von Kabul” des Kitsches zu bedienen, um sein Anliegen zu verfechten. Mit geteiltem Erfolg.
In Kolorit, Stimmung, Dekor entwirft Yasmina Khadra das schauerliche Bild einer zerstörten Gesellschaft, die sich aller zivilisatorischen Errungenschaften beraubt hat. Der …

Weiter lesen

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Das Buch ist furchtbar kitschig, gesteht Karl-Markus Gauß, und im Übermaß seines Kitsches fast schon wieder kühn, behauptet er. Der Kitsch also ist es nicht, der den Rezensenten letztlich doch dazu bringt, das Buch als misslungen anzusehen. Khadra, erklärt Gauß, ist ein Pseudonym, das sich der ehemalige Offizier der algerischen Armee zugelegt und unter dem er mehrere erfolgreiche Romane über die Verhältnisse in Algerien veröffentlicht hat. Khadra lebt im Exil in Frankreich. In seinem jüngsten Roman hat er sich nun Afghanistan zur Zeit der Taliban vorgeknöpft, doch um sein Programm der "politischen Aufklärung mittels literarischer Kolportage" in jedem Fall zum Erfolg zu verhelfen, so Gauß, habe Khadra diesmal zu drastischen Mitteln gegriffen, nämlich zum Kitsch. Der ist keineswegs mit orientalischer Erzählweise zu verwechseln, meint der Rezensent. Die Geschichte von zwei Ehepaaren, deren Wege sich auf unheilvolle Weise kreuzen, erscheint ihm ziemlich hanebüchen, was Gauß dem Autor durchgehen ließe, hätte dieser sich nicht zu unmittelbar ins Geschehen eingeschlichen, indem er sich scheinbar in die Psyche einer analphabetischen Afghanin versetzt und damit Gauß zufolge die Glaubwürdigkeit der Geschichte riskiert hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

"...beschreibt auf eindrucksvolle Weise das nicht mehr vorhandene Leben in einem durch Krieg und Fundamentalismus zerstörten Land." (Buchmarkt 27.03.03)<br/><br/>"Lyrisch bewegt und doch in dichter, präziser Sprache wird ein Teufelskreis aus Gewalt und Abstumpfung, aus Zorn und Wut beschrieben." (Tagesspiegel 27.03.03)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.03.2003

Die Schwalben von Kabul
Yasmina Khadras Roman als Vorabdruck in der F.A.Z.

Nur ein Lidschlag liegt zwischen Demütigung und Aggression, Hingabe und Abscheu, Ratlosigkeit und Fanatismus. Dieser Moment, der nette junge Männer zu überzeugten Mördern und Gläubige zu gewalttätigen Fanatikern werden lassen kann, ist das Thema von Yasmina Khadra. Der Schriftsteller, der eigentlich Mohammed Moulesshou heißt und einst als Offizier der algerischen Armee den Namen seiner Frau als Pseudonym wählte, um der Zensur zu entgehen, hat den algerischen Bürgerkrieg als Schule der Gewalt, als persönlichkeitsveränderndes Erlebnis beschrieben. In seinem neuen Roman "Die Schwalben von Kabul", den wir von heute an vorabdrucken, nimmt Khadra einen anderen, geistig verwandten Schauplatz ins Visier seiner literarischen Handkamera: Afghanistan in den Jahren der Talibanherrschaft. Wie Khadras frühere Werke ist auch dieser Roman ein Buch voller Zorn. Unverändert ist der lyrische, aber präzise Ton, mit dem der Autor das Grauen diagnostizierend beschreibt. Und doch ist "Die Schwalben von Kabul" in seiner parabelhaften Eindeutigkeit anders als Khadras frühere …

Weiter lesen
Regina Keil-Sagawe, geboren 1957 in Bochum, Studium der Romanistik, Germanistik und Orientalistik. Lehre an den Universitäten Heidelberg, Brüssel und Rabat. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Literatur des Maghreb sowie Übersetzungen aus dem Französischen. Die Autorin lebt in Heidelberg.

Blick ins Buch "Die Schwalben von Kabul"


Leseprobe zu "Die Schwalben von Kabul" von Yasmina Khadra

"Und wenn wir eine Runde über den Markt drehten?" schlägt Mohsen vor. "Wir haben doch keinen Pfennig." "Wir brauchen ja nichts zu kaufen. Wir können uns einfach nur den alten Plunder ansehen, den sie als Antiquitäten ausgeben." "Und was bringt uns das?" "Nichts, aber immerhin ein bißchen Bewegung." Zunaira lacht leise, amüsiert von der pathetischen Stimmung ihres Mannes. "Fühlst du dich hier nicht wohl?" Mohsen wittert die Falle. Er kratzt sich verlegen die kreuz und quer abstehenden Härchen auf seinen Wangen, verzieht leicht das Gesicht. "Das hat damit nichts zu tun. Ich habe einfach Lust, mit dir auszugehen. Wie in alten Zeiten." "Die Zeiten haben sich geändert." "Aber wir doch nicht." "Und wer sind wir?" Mohsen lehnt sich gegen die Wand, verschränkt die Arme über der Brust. Er meditiert eine Weile über die Frage seiner Frau, findet sie übertrieben: "Warum sagst du solche Dummheiten?" "Weil es die Wahrheit ist. Wir sind doch nichts mehr. Wir haben unsere Errungenschaften nicht zu bewahren verstanden, und die Mullah-Lehrlinge haben alles an sich gerissen. Ich würde gern mit dir ausgehen, jeden Tag, jeden Abend, meine Hand unter deinen Arm schieben und mich von deinem Schwung mitreißen lassen. Es wäre wunderbar, du und ich, nebeneinander, vor einem Schaufenster oder an einem Tisch, plaudernd und die kühnsten Pläne schmiedend. Aber heute ist das nicht mehr möglich.

Überall werden stinkende Vogelscheuchen lauern, bis an die Zähne bewaffnet, um uns zur Ordnung zu rufen und uns zu verbieten, an der frischen Luft den Mund aufzumachen. Bevor ich mich dem aussetze, mauere ich mich lieber zu Hause ein. Da muß ich mich wenigstens nicht hinter meinen Armen verstecken, wenn mir der Spiegel mein Bild zurückwirft." Mohsen ist nicht einverstanden. Er verzieht noch stärker das Gesicht, weist auf die Armseligkeit des Zimmers hin, auf die verschlissenen Zeltplanen vor den verrotteten Fensterläden, auf die Mauern, von denen der Kalk bröckelt, und die baufälligen Balken über ihrem Kopf. "Das ist doch gar nicht unser Zuhause, Zunaira. Unser Zuhause, in dem wir uns unsere "Welt erschaffen haben, hat eine Granate weggerissen. Das hier ist nur ein Unterschlupf. Ich wünschte mir, daß er nicht zu unserem Grab würde. Wir haben unser Vermögen verloren, verlieren wir nicht auch unsere Kultur. Die einzige Waffe, die uns bleibt, um Willkür und Barbarei zurückzustoßen, ist, uns auf unsere Erziehung zu besinnen. Wir sind als Menschen erzogen worden, mit einem Auge auf dem Teil, der des Herrn ist, und dem anderen Auge auf dem Teil der Sterblichen, die wir sind; wir haben Kronleuchter und Straßenlaternen hinreichend gut gekannt, um nicht an die alleinige Erleuchtung durch Kerzenlicht zu glauben, wir haben die Freuden des Daseins genossen und sie für ebenso gut befunden wie die ewige Seligkeit. Wir können nicht dulden, daß man uns wie Vieh behandelt." "Sind wir nicht schon längst dazu geworden?" "Da bin ich mir nicht so sicher. Die Taliban haben einen Moment des Übergangs ausgenutzt, um einen furchtbaren Schlag gegen die Besiegten zu führen. Doch das war noch lange nicht der Gnadenstoß. Das müssen wir uns unbedingt klarmachen." "Und wie?" "Indem wir ihr Diktat mit Füßen treten. Wir werden ausgehen. Du und ich. Natürlich werden wir uns nicht bei der Hand fassen, aber nichts hindert uns daran, nebeneinander herzugehen." Zunaira schüttelt den Kopf. "Ich lege keinen Wert darauf, mit schwerem Herzen nach Hause zu kommen, Mohsen. Was ich auf der Straße sehe, wird mir den Tag sinnlos verderben. Ich bin nicht fähig, an etwas Grausigem einfach vorbeizugehen und so zu tun, als wäre nichts. Außerdem lehne ich es ab, den Tschadri zu tragen. Von allen Bürden ist er die erniedrigendste. Ein Nessusgewand würde meine Würde nicht so angreifen wie diese düstere Aufmachung, die aus mir eine Sache macht, mein Gesicht ausradiert und mir meine Identität nimmt. Hier wenigstens bin ich ich, Zunaira, die Frau des Mohsen Ramat, zweiunddreißig Jahre alt, vom Obskurantismus entlassene Juristin, entlassen ohne Prozeß und ohne Schadensersatz, aber noch genügend beieinander, um mich täglich zu kämmen und über meine Kleidung zu wachen wie über meinen Augapfel. Mit diesem verfluchten Schleier bin ich weder ein menschliches Wesen noch ein Tier, nur ein Affront oder ein Schandfleck, den man wie ein Gebrechen verstecken muß. Das ist unerträglich. Vor allem für eine ehemalige Anwältin, eine Frauenrechtlerin. Ich bitte dich, denke nur nicht, daß ich mich ziere. Ich würde mich, wenn ich könnte, schon ganz gerne zieren, aber der Sinn steht mir nicht danach. Leider.

Verlange nicht von mir, auf meinen Vornamen zu verzichten, auf meine Gesichts züge, meine Augenfarbe und die Fülle meiner Lippen, für einen Spaziergang durch Elend und Trostlosigkeit; verlange nicht von mir, weniger noch als ein Schatten zu sein, ein namenloses Geraschel, das man in feindliche Gefilde entläßt. Du weißt doch, wie empfindlich ich reagiere, Mohsen; ich würde es mir verübeln, dir etwas zu verübeln, wo du doch nur versuchst, mir eine Freude zu machen." Mohsen hebt die Hände. Zunaira hat plötzlich Mitleid mit diesem Mann, dem es nicht gelingt, in einer völlig durcheinander geratenen Gesellschaft noch seinen Platz zu finden. Schon vor der Machtergreifung der Taliban fehlte es ihm an Entschlossenheit, und er begnügte sich damit, von seinem Vermögen zu leben, statt sich der Herausforderung anspruchsvoller Projekte zu stellen. Er war nicht faul; doch ihm graute vor jeder Art von Schwierigkeit, und er ging allen Komplikationen aus dem Weg. Er war jemand, der ohne Ausschweifungen von seinen Einkünften lebte, ein wunderbarer Ehemann, liebevoll und zuvorkommend. Er enthielt ihr nichts vor, schlug ihr nichts ab und gab so leicht ihren Bitten nach, daß sie oft das Gefühl hatte, seine Freundlichkeit zu mißbrauchen. So war er nun einmal, großherzig, schneller mit einem Ja zur Stelle als bereit, kritische Fragen zu stellen.

Die zahllosen Umwälzungen, die durch die Taliban hervorgerufen wurden, haben ihn völlig aus der Bahn geworfen. Mohsen hat keine Orientierungsmarken mehr noch die Kraft, sich neue zu erfinden. Er hat seine Güter und Privilegien, seine Verwandten und seine Freunde verloren. Abgesunken in den Rang eines Unberührbaren, vegetiert er von einem Tag zum nächsten dahin und verschiebt das Vorhaben, sich wieder in den Griff zu bekommen, auf später. . "Gut", gibt sie nach, "einverstanden, laß uns ausgehen. Lieber gehe ich tausend Risiken ein, als dich derart deprimiert zu sehen." "Ich bin nicht deprimiert, Zunaira. Wenn du zu Hause bleiben willst, ist das auch in Ordnung. Glaub mir, ich nehme dir das nicht übel. Du hast recht. Die Straßen von Kabul sind gräßlich. Man kann nie wissen, was einen erwartet." Zunaira lächelt über die Sprüche ihres Mannes, die in deutlichem Kontrast zu seiner trübenMiene stehen. Sie sagt: "Ich gehe nur schnell meinen Tschadri holen."

9 Marktplatz-Angebote für "Die Schwalben von Kabul" ab EUR 4,50

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
leichte Gebrauchsspuren 4,50 1,10 Banküberweisung bea521 100,0% ansehen
wie neu 4,70 1,15 Selbstabholung und Barzahlung, PayPal, Banküberweisung julchen66 100,0% ansehen
wie neu 4,80 1,20 Banküberweisung Denises-Buecher kiste 100,0% ansehen
wie neu 5,00 1,10 Banküberweisung Lüneburg11 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 6,50 1,10 Banküberweisung ccondor 100,0% ansehen
wie neu 7,00 2,00 Banküberweisung Strandsegler63 98,4% ansehen
8,00 1,90 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), Banküberweisung Antiquariat Wolfgang Rüger 99,6% ansehen
gebraucht; gut 8,00 2,00 offene Rechnung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) Antiquariat Schwörer 99,6% ansehen
10,00 1,50 offene Rechnung, Banküberweisung Antiquariat Stefan Küpper 100,0% ansehen
Mehr von