Die Sache mit dem Glück - Hedaya, Yael

Yael Hedaya 

Die Sache mit dem Glück

Erzählung

Aus d. Hebr. v. Ruth Melcer
Buch mit Leinen-Einband
 
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Die Sache mit dem Glück

Matti, Ehemann und Vater zweier kleiner Söhne, ist sein Leben lang nicht über die unglückliche Liebe zu einer Fünfzehnjährigen hinweggekommen. Seine Frau weiß, daß sie für ihn immer nur ›zweite Wahl‹ war, und doch hofft sie, daß die Gegenwart eines Tages mehr wiegen würde als die Vergangenheit, doch vergebens. Sie beginnt die Phantasiegeliebte ihres Mannes zu hassen – bis sie ihr eines Tages gegenübersteht.

Mira führt einen Kampf, den sie nicht gewinnen kann: Ihr Ehemann vergiftet die Ehe mit seinen Erinnerungen an eine damals fünfzehnjährige Geliebte, die ihn nach einem Jahr sitzenließ. Mira hatte gehofft, daß der erinnerungskranke Matti mit den Jahren und durch die beiden Söhne, die sie ihm gebar, allmählich in die Realität zurückfinden würde – statt dessen wird er unheilbar krank. Die Ärzte stellen einen inoperablen Hirntumor fest. Mira pflegt ihren Mann, solange die Kräfte reichen. Sie ist verzweifelt und fühlt sich vom Leben betrogen. Und das alles wegen einem Teenager namens Alona! Und dann taucht die inzwischen Fünfundzwanzigjährige im Krankenhaus auf und begegnet Mira auf dem Flur.


Produktinformation

  • Verlag: Diogenes
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 158 S.
  • Seitenzahl: 158
  • Deutsch
  • Abmessung: 19 cm
  • Gewicht: 230g
  • ISBN-13: 9783257065473
  • ISBN-10: 3257065477
  • Best.Nr.: 20836172

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Als außergewöhnlich lobt Rezensent Manuel Gogos sowohl die atmosphärische Dichte als auch die literarische Qualität dieses Romans, dessen Autorin ihn besonders mit ihrer Fähigkeit zu fesseln weiß, den "Gefühlshaushalt" ihrer Figuren mit unbestechlicher psychologischer Präzision auf den Punkt zu bringen. Im Zentrum steht Gogos zufolge ein todkranker Mann, an dessen Krankenbett sich die ungeliebte Ehefrau und eine mythenumflorte Jugendliebe begegnen. Mit großer erzählerischer Finesse schildere die israelische Autorin nun, wie die Frauen einen Pakt schließen und sich die Wertungen plötzlich umkehren, und die Frage, worin Glück im Leben eigentlich besteht, durch ein luzides Ineinander- und Umbrechen der Perspektiven plötzlich nicht mehr so einfach zu beantworten ist.

© Perlentaucher Medien GmbH
Yael Hedaya, geboren 1964 in Jerusalem, dort Studium der Philosophie und Anglistik und New York Kreatives Schreiben. Heute tätig als Journalistin für verschiedene israelische Zeitschriften und wohnt bei Tel Aviv.

Kundenbewertungen zu "Die Sache mit dem Glück" von "Yael Hedaya"

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Bewertung von R.E.R. am 09.07.2010 ***** sehr gut
Glück und Unglück beginnen mit einem Käsesandwich

Mira bringt ihren Mann Matti ins Krankenhaus. Er leidet seit einiger Zeit unter Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindelgefühl und vorübergehender Blindheit. Es ist jedoch nicht der erhoffte Virus, den die Ärzte diagnostizieren. Sondern ein schnell wachsender Tumor im Gehirn. Eine Therapie ist nicht mehr möglich. Mira weint und Matti holt sich erst mal ein Käsesandwich. Während die Krankheit ihren Mann dahinrafft, lässt Mira das Leben mit ihm Revue passieren. Die Ehe auf der von Anfang an der Schatten seiner großen Liebe lag.

Matti lernt Alona kennen, als diese 15 Jahre alt ist und seit zwei Jahren den Gedanken wälzt sich “herzuschenken”, weil sie sich in diesen Begriff verliebt hat. Matti verliebt sich ebenfalls, isst aber erst noch sein Käsesandwich auf, bevor er sie anspricht. Noch am selben Tag beginnen die beiden eine Affäre. Mira lernt Matti kennen, als dieser bereits ein gebrochener Mann ist, weil Alona die Beziehung beendet hat. Mira weiß von Anfang an von dieser großen Liebe. Aber sie ist verzweifelt genug, dieses Häufchen Elend von einem Mann in ihr Leben zu lassen. Er weckt den mütterlichen Instinkt in ihr.

Yael Hedaya erzählt ihre Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Mira und Alona. Klar, einfach und stringent. Alona ist die Kindfrau mit Angst vor der eigenen Courage. Der Sex mit Matti und seine vereinnahmende Liebe empfindet sie schon bald als Käfig. Matti verhilft ihr nicht etwa zum Aufbruch ins Erwachsenwerden. Durch seine kindische Eifersucht hat Alona das Gefühl selber wieder Rückschritte in Richtung Kindheit zu gehen.

Mira ist die liebe, praktische Ehefrau. Die ihrem Mann eine Zuflucht bietet. Die schweigend darüber hinwegsieht, das ihr Mann nur noch eine leere Hülle ist. Matti ist Mittel zum Zweck. Endlich ein Lebensgefährte, auch wenn es nur der “Kinderschänder” ist. Eigene Kinder und eine vorzeigbare Existenz. Dafür pflegt sie ihren Mann zu Hause aufopferungsvoll, bis ein Platz im Sterbehospiz frei wird.

Am Ende treffen sich Mira und Alona vor Mattis Zimmer im Hospiz. Aus den parallel verlaufenden Erzählsträngen wird ein Dialog zwischen den Frauen. Die Ängste der einen fließen in das Mitleid der anderen über. Die Gedanken pendeln wie an einem Faden von einer Seite zur anderen. Die Frauen verstehen sich, trösten sich, weinen gemeinsam. Sie haben beide einmal den selben Mann geliebt. Einen schwachen Mann. Einen Mann ohne Kontur. Einen Mann der erst sein Käsesandwich aufisst. Egal ob er gerade seiner Traumfrau begegnet ist oder dem Tod.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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