Die Ruine am See / Emma-Graham-Roman Bd.3 - Grimes, Martha

Martha Grimes 

Die Ruine am See / Emma-Graham-Roman Bd.3

Roman

Deutsch v. Cornelia C. Walter
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Die Ruine am See / Emma-Graham-Roman Bd.3

"Emma Graham ist pfiffiger, witziger und raffinierter als die meisten sogenannten Erwachsenen." -- New York Times

'Martha Grimes' Bücher sind eine wohltuende Alternative zu reißerischen Thrillern.' -- DPA

'Sie schürt die Spannungsflamme erfolgreich und fängt dabei die Stimmung der ländlichen amerikanischen Hinterlandidylle sehr gut ein.' -- AP

Die perfekte Idylle für einen kleinen Mord

Die 12-jährige Emma ist in ihrem Heimatort La Porte am Spirit Lake schon eine kleine Berühmtheit. Das kecke, altkluge Mädchen hat nämlich zwei Kriminalfälle aufgedeckt und verfolgt bereits eine neue heiße Spur. Die Ruine des einstigen Luxushotels, birgt nämlich so manches Geheimnis. So erzählen die alten Stammgäste im Hotel von Emmas Mutter nach dem einen oder anderen Gläschen Likör von einer mysteriösen Entführung, die sich vor vielen Jahren im Belle Rouen zutrug: In einer rauschenden Ballnacht wurde das Baby eines amerikanischen Ehepaares entführt - ohne dass jemals Lösegeld gefordert oder der Fall polizeilich weiterverfolgt wurde. Die Ungereimtheiten häufen sich, und Hobbydetektivin Emma kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass es entweder gar kein Kind gab, oder dass die Eltern bei der Entführung ihre Finger mit im Spiel hatten. Mit Feuereifer begibt sich Emma auf die Spur des verschwundenen Mädchens ...

Eine geheimnisvolle Hotelruine in den Bergen. ein verschwundenes Baby, nach dem niemand sucht. Und eine 12-jährige Ermittlerin, die schneller ist als die Polizei erlaubt.


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 412 S.
  • Seitenzahl: 412
  • Emma Graham Bd.3
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 135mm
  • Gewicht: 590g
  • ISBN-13: 9783442311231
  • ISBN-10: 3442311233
  • Best.Nr.: 26246111
"Emma Graham ist pfiffiger, witziger und raffinierter als die meisten sogenannten Erwachsenen." (New York Times)

"Martha Grimes versteht es ebenso meisterhaft, Stimmungen und Gefühle heraufzubeschwören, wie es ihr gelingt, raffinierte und mitreißende Krimihandlungen zu ersinnen." (Wall Street Journal)

"Martha Grimes ist der unumstrittene Star des Kriminalromans!" (Newsweek)
Martha Grimes wurde in Pittsburgh, USA, geboren und studierte Englisch an der University of Maryland. 2012 wurde Grimes von den "Mystery Writers of America" als "Grand Master" ausgezeichnet. Sie lebt in Washington und in Santa Fe.
Martha Grimes gilt vielen als "der unumstrittene Star des Kriminalromans" (Newsweek). Im Jahr 2012 wurde sie mit dem Edgar Award ausgezeichnet.

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"Nicht kann sie Ruhm hinwelken, täglich Sehn an ihr nicht stumpfen/Die immerneue Reizung."

Dwayne zitierte Shakespeare oder jedenfalls behauptete er, es sei von Shakespeare. Eigentlich müsse es "Alter" heißen und nicht "Ruhm", meinte er. Das habe er aber geändert, weil das besser auf mich passte. "Alter" (sagte er) könnte ja wohl keine Bedrohung darstellen für ein Mädchen, das zwölf Jahre alt ist ("und das schon lange", hätte er nicht extra hinzufügen müssen, fand ich). Meine jüngste Heldentat hat in Spirit Lake tatsächlich mächtig Aufsehen erregt. So etwas ist hier, nun ja, noch nie passiert. Dwayne sagte, Shakespeare würde in den Zeilen Kleopatra beschreiben, die zu ihrer Zeit ebenfalls berühmt war, fast genauso berühmt wie ich. Das erzählte er mir, während er unter Bobby Stucks altem Studebaker lag. Dwayne ist nämlich Meistermechaniker.

Ich saß auf einem Stapel neuer Reifen in Abel Slaws Autowerkstatt. Eigentlich durfte ich gar nicht hier drin sein bei den ganzen Autos und Werkzeugen und Hebekränen. Also wartete ich immer ab, bis Abel Slaw sich ins Büro verdrückte, und schlich mich dann in die Werkstatt. Ich hab noch nie jemanden gesehen, der so viel an der Strippe hängt wie der.

Dwayne schob sich auf so einem flachen Ding mit Rollen dran unter dem Studebaker hervor und guckte unter die Kühlerhaube. Das Dumme ist, dass ich Dwayne in der Werkstatt nie richtig ins Gesicht schauen kann. Wenn er unter dem Auto ist, sehe ich gar nichts von ihm, und wenn er sich unter die Kühlerhaube beugt, sehe ich ihn nur von der Seite. Ich kann also nicht erkennen, ob er sich insgeheim schieflacht über mich. Er witzelt immer ganz schön herum, und ich weiß deshalb nie so recht, woran ich bin, wenn ich sein Gesicht nicht sehe.

Ich weiß, es hört sich so an, als wäre ich schon ewig zwölf Jahre alt. Das liegt aber bloß daran, dass in den letzten paar Wochen eine Menge passiert ist und ich so viele Details in meine Geschichte reinpacken muss, zum Beispiel, dass Dwayne "Meister"-Mechaniker ist. Ein Detail, das ich wahrscheinlich doch wieder beiseitelassen werde, was ich ihm auch gesagt habe.

"Na, so ein Glück."

So viel von Dwayne, mit dem Kopf unter der Kühlerhaube des Studebaker.

Ich will die Ereignisse mal kurz zusammenfassen, nicht die ganze Geschichte (die Sie ja schon kennen sollten, wenn Sie richtig aufgepasst haben), sondern bloß das Ende, wo ich zu Ruhm und Ehren komme. (Aus den Zeitungsartikeln über mich habe ich mir ein paar schlaue Ausdrücke zugelegt.) Mein Ruhm ist das, was "im Nachhinein" geschah. Das Verbrechen und sein Nachspiel. Das Verbrechen war wirklich Wahnsinn, mit Blut und Schießerei und allem. Doch manchmal glaube ich fast, das, was danach kam, ist sogar noch wichtiger als das Verbrechen selbst.

Bei dem Nachspiel saßen die Reporter vor dem Hotel Paradise auf der Veranda, wippten in den dunkelgrünen Schaukelstühlen, tranken Kaffee oder Martinis (je nachdem, wer die Gastgeberin war, meine Mutter oder Lola Davidow), als wären sie zahlende Hotelgäste, und stellten mir Fragen über das, was im Bootshaus am Spirit Lake geschehen war, und ob ich keine Angst gehabt hätte und so weiter.

Damit will ich sagen: Die Reporter waren meinetwegen da. Für meine Mutter und Mrs. Davidow und deren un-berühmte Tochter Ree-Jane - ganz besonders für Ree-Jane - war das schwer zu glauben. Es war schwer zu glauben, weil ich in meinen ganzen zwölf Jahren nie großartig Aufmerksamkeit geerntet hatte. Dass all diese Zeitungsgeschichten von mir handelten, na, das war einfach zu viel. Meine Mutter freute sich, dass ich berühmt war, Lola Davidow freute sich über einen Anlass, eine Flasche Gordon's Gin aufzumachen, und Ree-Jane freute sich ganz und gar nicht.

Da saßen wir also auf der Veranda, die Reporter, meine Mutter, Mrs. Davidow, Ree-Jane und ich. Mein Bruder Will war nicht dabei. Der ist prinzipiell nie bei irgendwas dabei. Der steckt die ganze Zeit nur in der großen Garage mit seinem besten Freund, dem Musikgenie Brownmiller (den wir "Mill" getauft haben), und die beiden denken sich Songs und Bühnenbilder für ihr Theaterstück aus. Mein Bruder ist viel zu beschäftigt, um sich um so was wie Ruhm zu scheren, nicht mal um seinen eigenen, was wahrscheinlich viel über ihn aussagt. Ich teile diese Haltung nicht. Ehrlich gesagt, für meinen Geschmack könnte ich gar nicht berühmt genug sein.

Die Details häuften sich, was, wie man mir sagte, eins der Probleme bei dieser Geschichte ist. Sie ertrinkt in Details. Wie Mary-Evelyn Devereau im Spirit Lake ertrunken ist. Wie ich dort fast auch ertrunken wäre.

Ree-Jane meinte, ich würde mich völlig verzetteln und kein Ende finden; dass es langweilig sei, jedes noch so kleine Ding zu erwähnen, und dass ich genauso langweilig sei und das nicht kapiere.

Aber wie gesagt: Es ist meine Geschichte. Es geht um das Hotel Paradise und um Ben Queen und Cold Flat Junction. Es könnte eine unendliche Geschichte werden, die wie ich kein Ende findet. Ich könnte nämlich ewig so weitermachen, unverwelkt und immer neu gereizt wie Kleopatra. Nicht, dass ich mich vergleichen will.

"Pass aber auf, wenn du im Wald bist. Die Jäger sind hinter den Hirschen her", sagte Dwayne, den Kopf fast auf gleicher Höhe mit dem Motor.

Ich inspizierte gerade die Profile an dem Stapel Reifen unter mir. Als ob ich ein Auto hätte. "Für Hirsche hat die Jagdsaison doch noch gar nicht begonnen."

"Für Waschbären auch nicht, aber das hält manche Leute bekanntlich nicht davon ab." Er piekste eine Dose Sinclair-Öl auf, als wäre es ein Bier, und jetzt endlich konnte ich sein Gesicht sehen. Im Schatten der Kühlerhaube sah er sogar noch attraktiver aus.

"Wen denn wohl", fragte ich scheinheilig. Er musterte mich. "Warst du wieder in der Schonzeit unterwegs?"

"Ich nicht. Du."

So hatte ich ihn nämlich kennengelernt. In einem anderen Teil des Waldes, nicht im Hirschgehege, sondern in der Nähe vom Lake Noir. Es war schwer zu sagen, wo ein Wald aufhörte und ein anderer anfing. Damals hatte ich Brokedown House ausgekundschaftet, wenn man auf einen Baum klettern als "auskundschaften" bezeichnen kann.

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Bewertung von Silke Schröder, hallo-buch.de aus Hannover am 10.08.2009 ***** sehr gut
Martha Grimes ist eigentlich für ihre Superinspektor Jury – Stories bekannt. Jetzt hat sie mit der vorwitzigen und sehr pfiffigen Emma Graham eine neue Heldin erfunden. Die agiert zwar manchmal etwas zu erwachsen für ihre zwölf Lebensjahre, schlägt sich sonst aber bravourös durch ihre Geschichten. Im mittlerweile dritten Fall „Die Ruine am See“ fängt Martha Grimes sehr überzeugend die beschauliche Stimmung des ländlichen Amerikas ein. Auch Emmas Recherche um das verschwundene Baby ist eher eine genau beobachtete Sozialstudie der manchmal etwas schrulligen Landbewohner, als ein aufregender Action-Fall.

Wer für spannende Krimiunterhaltung auf Mord und Totschlag verzichten kann und mehr Wert auf die feinfühlige Beschreibung der scheinbar geruhsam-idyllischen Stimmung von Land und Leuten legt, ist hier genau richtig. Ein amüsanter Krimi um die junge Spürnase Emma Graham.

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