Die Odyssee des Fälschers - Schaper, Rüdiger

Rüdiger Schaper 

Die Odyssee des Fälschers

Die abenteuerliche Geschichte des Konstantin Simonides, der Europa zum Narren hielt und nebenbei die Antike erfand

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Die Odyssee des Fälschers

Konstantin Simonides war ein begnadeter Hochstapler, der geschickteste und schamloseste Fälscher von alten Manuskripten und Papyrusrollen im 19. Jahrhundert. Rüdiger Schaper ist eine hinreißende biographische Erzählung gelungen, die sich zugleich auf anschauliche Weise mit der Frage nach Originalität und Fälschung auseinandersetzt. Das Buch weckt nicht nur Sympathien für seinen skurrilen Helden, sondern beschwört zugleich die Antikensehnsucht vom 19. Jahrhundert bis heute und zeigt, wie sich das moderne Europa seine Antike erfand.

"Es ist schwierig, eine Biografie über jemanden zu schreiben, der sich und seinen Lebenslauf immer wieder neu erfand, der Spuren legte und verwischte und über den es kaum Verbürgtes in Archiven gibt. Konstantin Simonides war so ein Mensch. Er war ein Fälscher, Betrüger und Hochstapler. Der Journalist Rüdiger Schaper hat jetzt trotzdem den Versuch unternommen, Simonides Leben aufzuzeichnen. Und das ist ihm überzeugend gelungen." -- Deutschlandradio Kultur, 4.2.2011

"Eine spannende biographische Erzählung, die sich wie ein aktueller Krimi liest." -- DER TAGESSPIEGEL, 08.03.2011

"Rüdiger Schaper, Leiter des Kulturressorts beim "Tagesspiegel", hat Simonides vor dem Vergessen bewahrt. Der Journalist lässt den Fälscher, dessen Leben auf dem Heiligen Berg Athos und die gesamte Epoche auferstehen." -- FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 16.03.2011


Produktinformation

  • Verlag: Siedler
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 205 S. m. Abb., 1 einfarb. Kte.
  • Seitenzahl: 205
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 135mm x 25mm
  • Gewicht: 340g
  • ISBN-13: 9783886809660
  • ISBN-10: 3886809668
  • Best.Nr.: 31326893
"Es ist schwierig, eine Biografie über jemanden zu schreiben, der sich und seinen Lebenslauf immer wieder neu erfand, der Spuren legte und verwischte und über den es kaum Verbürgtes in Archiven gibt. Konstantin Simonides war so ein Mensch. Er war ein Fälscher, Betrüger und Hochstapler. Der Journalist Rüdiger Schaper hat jetzt trotzdem den Versuch unternommen, Simonides Leben aufzuzeichnen. Und das ist ihm überzeugend gelungen." (Deutschlandradio Kultur, 4.2.2011)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.04.2011

Narretei aus Griechenland
Ein Buch über den genialen Fälscher Konstantin Simonides
Ein Teenager begeht ein Giftattentat auf seine Eltern. Sie überleben das Arsen im Essen und verbannen ihren Sohn auf den Klosterberg Athos, einen abgeschiedenen Ort der Bildung, der Askese und der Sodomie. Bald entdeckt Konstantin seine Bestimmung: uralte Manuskripte. In einem Geheimversteck lagern Hunderte und Tausende Pergamentrollen. Athos, der heilige Berg, das soll Konstantins Schule werden und ein sicheres Nachschublager für seine Geschäfte mit vor Begeisterung erblindeten Sammlern und Philologen in ganz Europa. Er wird der Dealer für ihr Bestreben und ihre Sucht, die Antike mit Originaltexten wissenschaftlich zu erschließen. Nur mit der Originalität nimmt es Konstantin Simonides nicht so genau. Am Ende seiner Karriere wird man ihn den größten Schriftenfälscher des 19. Jahrhunderts nennen. Die Hitlertagebücher von Konrad Kujau nehmen sich gegen sein Werk aus wie Fingerübungen.
Simonides wird 1820 oder 1824 auf der kleinen Insel Symi geboren, in der östlichen Ägäis, gleich vor der türkischen Küste. Seine Biographie zu erzählen, ist nicht leicht. Die Quellen …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Auch wenn Rezensent Uwe Walter dieses Buch durchaus mit "Spannung" und "Vergnügen" gelesen hat, ist er nicht mit allem einverstanden, was Rüdiger Schaper, Kulturchef des "Tagesspiegels", in seiner "Odyssee des Fälschers" schreibt. Dass Schaper gründlich recherchiert hat und voller Ehrgeiz die Stationen seines Protagonisten Konstantin Simonides selbst bereist hat, will der Rezensent gar nicht in Abrede stellen. Wie er aber Simonides, der sich seiner Zeit einer zweifelhaften Berühmtheit erfreute, da er das antikenbegeisterte Europa mit gefälschten, antiken Manuskripten versorgte, heroisiert und dessen freien Umgang mit Quellen mit dem Hinweis entschuldigt, "wer schreibe, fälsche a priori", erscheint dem Rezensenten als Herabwürdigung von Historismus und Wissenschaft als Denk- und Lebensform. Nichtsdestotrotz hat der Kritiker "Erhellendes" über die Praxis der Philologen jener Zeit, "Kluges" über die Auseinandersetzung mit der Antike im 19. Jahrhundert und Interessantes über Simonides' Lebensgeschichte, etwa dessen Missbrauch durch seinen Onkel, gelesen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.05.2011

Blass muss die Tinte beim Verfertigen sensationeller Palimpseste sein
Von der freien Arbeit an der Überlieferung: Rüdiger Schaper tut dem Fälscher Konstantin Simonides mit der Promotion zum Erfinder der Antike etwas zu viel der Ehre an

Der kurze Artikel "Literarische Fälschung" in der "Encyclopedia Britannica" widmet Konstantin Simonides einen einzigen Satz: ein Abenteurer, der echte Handschriften und merkwürdige Produkte von eigener Hand verkaufte und dabei auftrat, wie Fälscher das auch sonst gelegentlich täten, "with a certain specious glamour". Der fast vergessene Name wurde unlängst noch einmal genannt, als der streitbare Luciano Canfora den Artemidor-Papyrus zur Schöpfung des geheimnisumwitterten Griechen erklärte. Wie zur Bestätigung dieser These sehen sich selbst die Befürworter der Echtheit des vor fünf Jahren für eine siebenstellige Summe erworbenen Stücks gezwungen, eine sehr komplizierte Geschichte von Verwendungen, Beschriftungen und Zweitverwendungen zu erzählen, beinahe würdig der Lebensgeschichte des Simonides, die von diesem immer wieder neu und anders gemodelt wurde.

Ein Stenogramm des halbwegs Gesicherten wäre …

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»Rüdiger Schaper, Leiter des Kulturressorts beim "Tagesspiegel", hat Simonides vor dem Vergessen bewahrt. Der Journalist lässt den Fälscher, dessen Leben auf dem Heiligen Berg Athos und die gesamte Epoche auferstehen.«

»Rüdiger Schaper, Leiter des Kulturressorts beim "Tagesspiegel", hat Simonides vor dem Vergessen bewahrt. Der Journalist lässt den Fälscher, dessen Leben auf dem Heiligen Berg Athos und die gesamte Epoche auferstehen.«
Rüdiger Schaper, Jahrgang 1959, leitet das Kulturressort des Berliner Tagesspiegel, für den er seit 1999 tätig ist. Zuvor war er zehn Jahre lang Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in Berlin.

Leseprobe zu "Die Odyssee des Fälschers" von Rüdiger Schaper

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Leseprobe zu "Die Odyssee des Fälschers" von Rüdiger Schaper

VON BÜCHERNARREN UND SAMMLERWAHN (S. 96-97)

Der Fälscher macht dem British Museum seine Aufwartung. Sir Thomas Phillipps, der wahnsinnige Büchersammler, wird sein Kunde. In Oxford begegnet man Simonides mit Vorsicht.

ER TRÄGT Schwarze Kleidung. Nicht den speckigen Mönchsrock, der bis auf die Knöchel fällt, auch nicht die schwarze Kappe, sondern einen kirchliche Strenge verströmenden Anzug. Ein Mann zwischen dreißig und vierzig, mit dem geliehenen Ernst eines Novizen. Das Haar mittellang, lockig und schwarz, Oberlippenbart. Sein Habitus, der aus der Nähe dann doch etwas klösterlich Ungepflegtes hat oder auch nur die Zerstreutheit eines Schriftgelehrten, will allzu respektabel scheinen.

Ein Fremder, der das Fremdsein kultiviert. Ein Abgesandter aus höheren Sphären. Wer ihm begegnet, ist verwirrt von der gespielten Erhabenheit, denn sie wirkt lächerlich und unheimlich zugleich. Als Theaterfigur wäre er eindeutig ein Tartuffe: die Bigotterie aus dem Bilderbuch. Aber niemand braucht vor dieser Gestalt seine Ehefrau zu verstecken. Es liegt keine Verstellung in seinem Auftritt, und da ist auch keine Maske, die man ihm abreißen könnte: Es ist jetzt schon Natur. Das unterschwellig Unangenehme der Erscheinung, es ist der Geruch lange eingeübter Einsamkeit.

London, im Februar 1853. Simonides steuert das British Museum an, damals schon eine hundertjährige, ehrwürdige Institution und anfangs auch die einzige ihrer Art. Ein für die Öffentlichkeit zugängliches National-Universalmuseum und zu der Zeit die wahrscheinlich größte Baustelle der Welt. Die Sammlungen wuchsen in beängstigender Geschwindigkeit, und mit ihnen die Bauten. Schon bei der Eröffnung 1759 besaß das British Museum, neben allen anderen Dingen, über 40 000 alte Bücher und Manuskripte.

Ein Moloch. »Jede Gesellschaft, jede Generation fälscht das, was sie am höchsten schätzt«, heißt es im Katalog zur Ausstellung »Fake!«, die das British Museum Ende des 20. Jahrhunderts organisiert - zum Großteil aus eigenen Beständen. Der Moloch muss fressen. Erstaunlicherweise unterläuft da den peniblen Kuratoren ein aufschlussreicher Fehler. Es ist die Rede von »Konstantin Simonides, einem griechischen Mönch vom Berg Athos«, hier unter der Katalognummer 178 vertreten mit einem gefälschten

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