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Die langen Linien der Allmählichkeit
Roman. Nachw. v. Carel ter Haar
Aus d. Niederländ. v. Gregor Seferens
- Einband: Buchleinen
- Buch mit Leinen-Einband
Produktinformation
- Verlag: Manesse
- 2002
- Ausstattung/Bilder: 2002. 476 S.
- Seitenzahl: 500
- Manesse Bibliothek der Weltliteratur
- Deutsch
- Abmessung: 154mm x 99mm x 25mm
- Gewicht: 236g
- ISBN-13: 9783717520085
- ISBN-10: 3717520083
- Best.Nr.: 10647081
Produktbeschreibung zu "Die langen Linien der Allmählichkeit"
Kurzbeschreibung
Die Ehe der wohlhabenden Den Haager Bürgerin Cornelie liegt in Scherben. Resigniert flieht sie nach Rom, wo sie bald Bekanntschaften schließt und eine Affäre mit dem attraktiven Patriziersohn Duco beginnt. Doch die steht von Anfang an unter einem schlechten Stern: Während er sich für die antike Schönheit der Stadt begeistert, brennt in Cornelie der Wunsch, ganz im Heute zu leben und sich schreibend von der Vergangenheit zu emanzipieren. Die Liebenden bleiben sich fremd, scheitern am ewigen Widerspruch von Kunst und Leben. Dekadenz und Pessimismus des niederländischen Bürgertums sind die Themen dieses Roman, der seit über acht Jahrzehnten wieder in einer Neuübersetzung vorliegt. In ihm ist auch sein früher sozialkritischer Ansatz noch deutlich erkennbar: Als Cornelie am Ende ihr Vermögen verliert, steht ihre Ungebundenheit auf dem Spiel. Schmerzhaft werden ihr "die langen Linien der Allmählichkeit" bewusst.
Beschreibung
"Der Titel schlägt das Zentralthema an: Wie finden die Menschen die 'Linie' ihres Lebens? Der Begriff changiert komplex zwischen der Idee des sinnvollen Lebensplans; der Vorstellung von einer gültigen Form, die dem Wesen des Individuums entspricht; und so etwas wie der charakteristischen, befriedigenden Kontur der Existenz... Die Lektüre dieses 100 Jahre alten Romans hat etwas unerwartet Bewegendes. Die Wiederkehr des vertrauten, banalen, unzufriedenen Kummers... ist im Kostüm von 1900 beunruhigend. Er gehört unabgegolten zur longue durée einer Neuzeit, in der als die aktuellen Fragen benannt werden: der Feminismus, der Sozialismus, der Friede." -- FAZ
08.10.2002
Muß ich Rom mögen?
Louis Couperus beunruhigt noch heute / Von Joachim
Kalka
Der Manesse Verlag legt einen Band aus dem umfangreichen Werk von
Louis Couperus (1863-1923) vor. Die Versuche, den Autor in den
letzten Jahren den deutschen Lesern vorzustellen, waren wenig
erfolgreich. Daß es diesem Buch anders erginge, wäre zu hoffen.
Couperus, dessen Vater als Regierungsbeamter auf Java tätig war,
verbrachte dort fünf Jahre seiner Kindheit und Jugend; eine
lebenslange Neigung zum Exotismus, der als Trumpfkarte gegen die
honette Bourgeoisie seiner Heimat ausgespielt wurde, mag mit diesem
frühen Erleben zusammenhängen. Sein erster Roman jedoch, nach
dessen großem Erfolg 1889 der Autor seinen Lehrerberuf aufgeben
konnte, war eine realistische Gesellschaftsschilderung aus seiner
Heimatstadt Den Haag. Fortan wechselten sich in dem umfangreichen
OEuvre Realismus und Exotik ab - letztere gerne im Bunde mit einer
phantastisch überhöhten Antike: Heliogabal, Alexander. In
glücklichen Momenten nähert sich das Schaffen Couperus' jener
eigenartigen Synthese aus exaktem Naturalismus und phantastischem
Symbolismus, wie sie in jener Zeit vor allem auf dem Theater …
04.12.2002
Die blitzenden Messer der Eifersucht
Päpstliche Prinzen, reiche Amerikanerinnen, schwüle Ateliers, steigende Scheidungsraten: Louis Couperus macht Rom um 1900 zur glitzernden Hauptstadt der Décadence
Cornélie de Retz van Loo ist eine selbstbewusste schöne Frau aus besten Haager Verhältnissen, doch trotz ihrer jungen Jahre – sie zählt erst 24 – hat sie schon eine Scheidung hinter sich. Der Roman „Die langen Linien der Allmählichkeit” des niederländischen Autors Louis Couperus beginnt mit der Ankunft dieser fortschrittlichen Dame in einer römischen Pension. In Rom, der sich gemach modernisierenden Kapitale, will Cornélie sich für eine längere Zeit aufhalten – das erlaubt es ihr, den Zimmerpreis bei der geldgierigen Wirtin ein wenig zu drücken. Wir befinden uns in vollem Fin de siècle, kurz vor 1900, und so sieht die Gesellschaft an der Table d’hôte des kleinen Hotels auch aus: Es ist ein europäisch-amerikanischer Tisch, an dem römische Jesuiten das Gespräch mit kunstinteressierten englischen Damen, einer deutschen Offiziersgattin samt Töchtern, einer Landsmännin von Cornélie, sowie mit der reichen Tochter eines amerikanischen …
04.12.2002
Gustav Seibt charakterisiert den Roman des niederländischen Autors,
der zwischen 1863 und 1923 lebte, als "Schlüsselwerk" in
der Diskussion um den Feminismus. Er spielt in Rom um 1900, in
"vollem Fin de siecle" und stellt als Hauptfigur eine
24jährige geschiedene Frau vor, die eine trauscheinlose Beziehung
zu einem Maler eingeht, erzählt der Rezensent aus dem Inhalt.
Besonders die Beschreibungen der römischen Atmosphäre preist er
wegen ihrer "duftigen Akkuratesse" und an der Stelle, wo
die weibliche Heldin auf ein mittelalterliches Schloss reist,
begeistert sich Seibt für die "grandiosen Bilder" mit der
Couperus die "spinnwebhaft stickige Atmosphäre"
darstellt. Ab da wird es allerdings etwas
"kolportagehaft", warnt der Rezensent, der auch das Spiel
mit der Titelmetapher "Linie" im Sinne von Lebensbahn und
Leine etwas "aufdringliche" findet. Insgesamt beurteilt
er den Roman zwar durch sein Ende als "ästhetisch
misslungen" und er sieht im Auftauchen des Exmannes der
Protagonistin mit "peinlicher Direktheit" Obsessionen des
Autors widergespiegelt. Dennoch preist er Couperus als
"wunderbaren Romancier" und sieht in dem Ende, das den
Roman für die Forschung zu einem "antifeministischen"
Buch gemacht hat, am ehesten einen "Akt der
Selbstzerstörung" und den Roman selbst dadurch als berückend
"modern" an.
© Perlentaucher Medien GmbH
Rezensionen und Kritik
«Der Titel schlägt das Zentralthema an: Wie finden die Menschen die 'Linie' ihres Lebens? Der Begriff changiert komplex zwischen der Idee des sinnvollen Lebensplans; der Vorstellung von einer gültigen Form, die dem Wesen des Individuums entspricht; und so etwas wie der charakteristischen, befriedigenden Kontur der Existenz... Die Lektüre dieses 100 Jahre alten Romans hat etwas unerwartet Bewegendes. Die Wiederkehr des vertrauten, banalen, unzufriedenen Kummers... ist im Kostüm von 1900 beunruhigend. Er gehört unabgegolten zur longue durée einer Neuzeit, in der als die aktuellen Fragen benannt werden: der Feminismus, der Sozialismus, der Friede.»
Rezensionen und Kritik
«Was sich wie das humoristische Setting für einen eleganten Konversationsroman ausnimmt, stellt sich schon bald als Ausgangspunkt für ein tragisches Lebensexperiment heraus, das der Autor mit dem Willen zur äußersten Konsequenz durch einen schicksalhaften Kreis treibt. Wir lesen heute die Bücher der europäischen Décadence mit einem fast geschwisterlichen Interesse, denn in der Zeit vor 1914 wurde so freimütig und kühn über alternative Lebensformen in Familie, Ehe und Liebe debattiert und dabei so viel ausprobiert wie erst wieder seit Mitte der 1960er Jahre. Frauenemanzipation, antiautoritäre Erziehung, Befreiung der Homosexualität, freie Liebe, Promiskuität: die Themen der Hippie-Bewegung standen in Europa schon einmal auf der Tagesordnung.» Süddeutsche Zeitung
Autorenporträt zu "Louis Couperus"
Louis Couperus (1863 - 1923), Sohn einer wohlhabenden niederländisch-indischen Beamtenfamilie, verbrachte einige Jahre seiner Kindheit im heutigen Jakarta. In den Achtzigern schloß er sich den "Tachtigers" an, einer Gruppe junger Autoren, die einen revolutionären Neubeginn der niederländischen Literatur forderten.
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