Die Krankheitserfinder - Blech, Jörg

Jörg Blech 

Die Krankheitserfinder

Wie wir zu Patienten gemacht werden

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Die Krankheitserfinder

Lesen Sie dieses Buch, bevor Sie zum Arzt gehen!

»Wo Therapien gegen Geißeln wie Krebs fehlschlagen, wo Siege über Seuchen wie Aids ausbleiben, wo lukrative Pharmapatente ablaufen, wo wütende Forschungsanstrengungen keine Durchbrüche bringen, da wenden Mediziner und Pharmaforscher sich den Gesunden zu.«
(Jörg Blech)

Die Pharmaindustrie definiert die Gesundheit des Menschen gegenwärtig neu.
Viele normale Entwicklungsphasen des Lebens - Geburt, Alter, Sexualität und Tod - werden systematisch zu Krankheiten umdefiniert. Global operierende Konzerne sponsern die Erfindung von "Krankheiten" und Behandlungsmethoden und schaffen so ihren Produkten die Märkte.
Häufig genug stehen hinter alarmierenden, aufklärenden Nachrichten über Krankheiten finanzkräftige Marketingstrategien.
In diesem Zusammenhang erscheinen beispielsweise Osteoporose, das sogenannte Zappelphilipp-Syndrom, Bluthochdruck und die männliche Menopause in neuem Licht.
Wo ist die Grenze zwischen seriöser Medizin und raffinierter Marketingkampagne?



Produktinformation

  • Verlag: FISCHER (S.), FRANKFURT
  • 2003
  • Aktualisierte und erweiterte Ausgabe
  • Ausstattung/Bilder: aktualis. u. überarb. Ausg. 2005. 269 S.
  • Seitenzahl: 255
  • Deutsch
  • Abmessung: 19 cm
  • Gewicht: 383g
  • ISBN-13: 9783100044105
  • ISBN-10: 310004410X
  • Best.Nr.: 11788835
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.09.2003

Die Pille für Gesunde
Jörg Blech therapiert den eingebildeten Kranken
Dieses Buch wird nicht viele Freunde finden, nicht unter Ärzten, nicht in Kreisen der Pharmaindustrie und auch nicht unter Patienten. Vor allem den Patienten wird es den ungetrübten Spaß am Arztbesuch nehmen. Spiegel-Autor Jörg Blech schreibt gegen die fortschreitende Medikalisierung unserer Gesellschaft an. Seine Arbeitshypothese lautet: Weil den Pharmakonzernen und der Medizin seit Jahrzehnten kein großer Wurf gelungen ist, erfinden sie neue oder definieren alte Krankheiten um. Ein Drittel ihres Geldes setzt die Pharmaindustrie für Marketing ein. Da gegen die bestehenden, am Gesundheits-Markt bereits eingeführten Krankheiten keine neuen, wirksamen Therapien mehr gefunden werden, müssen eben zu den bereits am Markt eingeführten Therapien neue, passende Krankheiten erfunden werden.
„Erektionsstörungen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Ich würde es tun”, behauptet der frühere brasilianische Fußballstar Pelé in großformatigen Anzeigen. Pelé wirbt für eine Krankheit, die es noch nicht gibt und die im Medizinerjargon „erektile Dysfunktion” genannt wird. Nirgends ist erkennbar, …

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literaturtest.de<br /> Leiden Sie an Paradies-Depression?<br /> Haben Sie schon einmal von der "Paradies-Depression" gehört, die zum Beispiel Rentner befällt, die ihren Altersruhesitz nach Mallorca verlegt haben? Oder von der "generalisierten Heiterkeitsstörung", die sich in Symptomen wie Sorglosigkeit und Realitätsverlust äußert? Nein, Sie befinden sich nicht in der <em>Harald Schmidt-Show</em>, sondern mitten im Wunderland unseres Medizinsystems. Anhand dieser und ähnlicher "Krankheitsbilder" dokumentiert <em>Spiegel</em>-Redakteur Jörg Blech einen medizinischen Megatrend: die "Medikalisierung" unseres Daseins, verbunden mit der Erfindung von Krankheiten als wichtigem Marketinginstrument.<br /> Allianzen des Profits<br /> Pharmafirmen sind Wirtschaftsunternehmen und versuchen als solche, ständig neue Märkte zu erschließen. So weit, so nachvollziehbar. Was aber, wenn Firmen vermeintliche Krankheiten wie Marken aufbauen, um ihre Medikamente besser verkaufen zu können? Wenn die Anwendungsbereiche eines Wirkstoffs immer weiter ausgedehnt werden, so dass etwa Alzheimer-Medikamente zur Leistungssteigerung bei Managern eingesetzt werden? Dann wird, so der Autor, "Krankheit zum Industrieprodukt". Die Angst der Menschen vor verminderter Leistungsfähigkeit, Alter, Krankheit und Tod wird regelrecht ausgeschlachtet. Oft in Zusammenarbeit mit PR-Agenturen, Journalisten und Medizinern (so genannten "Mietmäulern") werden normale Daseinsprozesse wie Haarausfall oder persönliche Probleme wie Schüchternheit so dramatisiert, dass die "Patienten" in ihrer "Not" dankbar zu den entsprechenden Präparaten greifen.<br /> Zielgruppe "Kind"<br /> Besonders bedenklich ist dieser Trend in Bezug auf die Zielgruppe "Kind". Ein Beispiel: Die medikamentöse Bekämpfung des so genannten "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom" (ADS) hat mittlerweile epidemische Ausmaße angenommen. <em>Ritalin</em> und seine Konkurrenzprodukte dürfen zwar in Deutschland nur nach den strengen Auflagen des Betäubungsmittelgesetzes abgegeben werden. Trotzdem verabreichen manche Ärzte das Medikament auch Kindern unter sechs Jahren – legal! Auch wenn man sich mitunter ein etwas differenzierteres Herangehen gewünscht hätte: Jörg Blech hat ein aufrüttelndes Buch zu einem hoch aktuellen Thema geschrieben.<br /> (Roland Große Holtforth)<br/><br/>

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Was ist "redeskriptive Medizin"? Schauen Sie im Buch des kritischen Medizinjournalisten Jörg Blech nach, empfiehlt Michael Adrian. Dieser decke nämlich auf, wie "Pharmaindustrie, Ärztegruppen und PR-Firmen" zusammenarbeiten, um für vorhandene Medikamente Krankheiten zu erfinden, Volkskrankheiten am besten. So werden aus natürlichen Alterungsprozessen Mangelerscheinungen, gegen die dann massenhaft Testosteronmittel verschrieben und verkauft werden. So wird aus den Wechseljahren der Frau eine Krankheit, gegen die Östrogenpräparate helfen. Und die Krankenkassen müssen für diesen "Großtrend im Gesundheitswesen" zahlen. Blechs Buch, schreibt Adrian, sei populär geschrieben und überaus erhellend. Er hätte sich allerdings gewünscht, der Autor hätte seine "spektakulären Zahlen" manchmal besser belegt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.09.2003

Das sollten Sie wissen, bevor Sie wieder zu Ihrem Arzt gehen
Volkskrankheit Leben: Jörg Blech und Gerd Gigerenzer brillieren mit zwei skeptischen Studien über die Versprechen der Medizin

Viagra ist nur der populärste Fall, in dem ein ursprünglich für eng umgrenzte, physiologisch bedingte (und eher seltene) Fehlfunktionen zugelassenes Präparat durch geschickte Werbekampagnen der Pharmaindustrie einer breiten Masse nahegebracht werden soll. Soziale, emotionale Unlust wird zur "Gesundheitsstörung" umgebogen, die der Hersteller dann jedem zweiten Mann zwischen dem vierzigsten und siebzigsten Lebensjahr attestieren kann. Für den Medizinjournalisten Jörg Blech handelt es sich bei dieser Vorgehensweise um einen neuen Großtrend im Gesundheitswesen. Medizinische Fachveröffentlichungen und gesundheitspolitische Artikel auswertend, trägt sein Buch "Die Krankheitserfinder" zahlreiche Fälle zusammen, in denen zu einem vorhandenen Medikament die passende, möglichst massenhaft verbreitete "Krankheit" gestrickt wurde.

Im Falle des "Aging Male Syndrome" verrät bereits der Name, daß der natürliche Prozeß des Alterns medikalisiert werden soll. Ein …

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"Eine sorgfältige Recherche zum Geschäft mit der Krankheit." Die Zeit
Jörg Blech, geboren 1966, studierte Biologie und Biochemie in Deutschland und England. Er hat die Hamburger Journalistenschule besucht und ist seit 1994 Medizin- und Wissenschaftsredakteur zunächst beim "Stern", dann bei der "ZEIT". Seit 1999 arbeitet er für den "Spiegel", wo er zahlreiche Titelgeschichten veröffentlicht hat.

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