Wissenschaftlicher Aufsatz aus dem Jahr 2011 im Fachbereich
Geschichte - Weltgeschichte - Altertum, einseitig bedruckt, Note:
-, -, Sprache: Deutsch, Abstract: "Konstantinische
Wende". Sie hat sich in der gesamten theologischen und
spätantiken Literatur umfassend und weitgehend unbezweifelt
eingenistet. Sie sei "das einschneidende Ereignis der antiken
Religionsgeschichte", meint der Düsseldorfer Althistoriker B.
BLECKMANN. Andere Autoren sekundieren: Mit Konstantin habe
"ein geschichtlicher Wendepunkt ersten Ranges",
"eine welthistorische Weichenstellung", eine
"epochemachende geistige Revolution" begonnen. E.
SCHWARTZ vermeint sogar, den "dämonischen Scharfblick des
Weltbezwingers" und eine "Zeitenwende ungeheuren
Ausmaßes" zu erkennen, "jäh und plötzlich [habe
Konstantin] dem Steuerrad der Geschichte in die Speichen"
gegriffen . Der Historiker EHRHARD erkennt den "Anbruch einer
neuen Zeit", sogar "frei von Schmerz und Trauer"
soll diese neue Zeit gewesen sein . A. ALFÖLDI spricht vom
"Glück der Menschheit" und der französische Althistoriker
P. VEYNE kann seine überschäumende Wende-Begeisterung kaum zügeln:
Die historische Bedeutung Konstantins sei "gigantisch",
seine Wendung zum Christentum "das entscheidende Ereignis
[...] der Weltgeschichte" . Der historisch-literarische
Begeisterungstaumel ist also ein allgemeiner. Dabei gibt es
durchaus Anlaß, an einer "Wende" Konstantins zum
Christentum im Oktober 312 zu zweifeln. Nicht nur, weil er seine
eigene Familie in einem barbarischen Akt auslöscht, nicht nur weil
er sein Volk mit einem zwölfjährigen Krieg überzieht, um die
Alleinherrschaft zu erringen, sondern auch weil der Herrscher eine
Fülle von Signalen aussendet, mit denen er zu verstehen gibt, dass
andere Götter und nicht Christus seine Lieblingsgefährten sind.Der
wichtigtste Einwand jedoch kommt unerwartet: Das uralte Kreuzsymbol
und das Sternsymbol mit Halbdiskus, später zum
"Christogramm" avanciert, sind zur Zeit Konstantins noch
keine christlichen Symbole.