Die Bilder des vorliegenden Bandes führen uns in den Januar des
Jahres 1961 zurück. Chubby Checker hatte gerade den Twist erfunden,
Walter Ulbricht hatte die Berliner Mauer noch nicht gebaut. Und
Richard Avedon, einer der herausragenden jungen Photographen
Amerikas, hatte den Auftrag bekommen, den soeben zum neuen
Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählten Senator John F.
Kennedy vor dessen Amtseinführung für die große Illustrierte Look
und die Modezeitschrift Harper's Bazaar zu
photographieren.
Das Shooting fand in der Winterresidenz der Kennedys in Palm Beach,
Florida, statt. Richard Avedon photographierte den jungen Senator,
der sich anschickte, einer der mächtigsten Männer der Welt zu
werden, seine schöne junge Frau Jackie, die Amerika und die Welt
bezaubern sollte, die Tochter Caroline und den kleinen Sohn John
John jr.
Unser Buch "Die Kennedys: Portrait einer Familie" enthält
75 Avedon-Photographien, die bei dieser Gelegenheit entstanden und
bisher unveröffentlicht sind. Avedons Bilder wurden jüngst in der
Sammlung der Smithsonian Institution in Washington entdeckt. Sie
sind anrührend und betörend zugleich.
Richard Avedon porträtiert die Familie Kennedy
Süß sehen die beiden aus, das kleine Mädchen im leichten
Sommerkleid mit dem Kreuz aus weißen Perlen um den Hals und der
Vater im dunklen Anzug, dem sie so zärtlich und fest die Hand
drückt. „Als ich das Foto von Caroline mit ihrem Vater machte,
diktierte er seiner Sekretärin gerade Memos”, schreibt Richard
Avedon zu seinen Bildern (Richard Avedon. Die Kennedys – Portrait
einer Familie. Schirmer/Mosel, München 2007, 128 S., 29,80 Euro).
Die Memos, die John F. Kennedy diktiert, beschäftigen sich mit der
Kuba-Krise. Wenige Tage später wird er in das Präsidentenamt
eingeführt. Avedon besuchte die Kennedys am 3. Januar 1961 auf
ihrem Anwesen in Palm Beach, um sie für Harper's Bazaar und
Look zu porträtieren. Als einziger Fotograf durfte er so kurz vor
der Vereidigung Aufnahmen machen. Inmitten der Hektik suchte Avedon
in seinen Studien von Vater und Tochter, Mutter und Sohn und vom
Präsidentenpaar selbst das Private, ohne die Intimsphäre zu stören.
Kennedy empfand den Vormittag als „reine Zeitverschwendung”. Dem
muss man widersprechen. fils
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Richard Avedon wurde am 15. Mai 1923 in New York City geboren. Sein Vater war als jüdisch-russischer Einwanderer in die USA gekommen und in einem New Yorker Waisenhaus aufgewachsen. Zu Avedons Markenzeichen gehört der weiße, leere Hintergrund, auf dem nichts vom Motiv ablenkt. Neben den Schönen und Prominenten der Welt lichtete der Künstler das Leben von Arbeitern, Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, Kriegsopfer und Landstreicher ab. Zum Jahreswechsel 1989/90 fotografierte er eine Reportageserie über Berliner nach dem Mauerfall. Seine Bilder gelten als schonungslos und detailgenau. 2004 starb Richard Avedon, der einer der berühmtesten Mode- und Porträtfotografen der Welt war.
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