Die Jungen von Burg Schreckenstein - Hassencamp, Oliver

Oliver Hassencamp 

Die Jungen von Burg Schreckenstein

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Die Jungen von Burg Schreckenstein

Seit über 40 Jahren begeistern Oliver Hassencamps Internatgeschichten Millionen von Leserinnen und Lesern. Nachdem sie fünf Jahre vom Markt verschwunden waren, sind sie jetzt endlich wieder lieferbar, erstmals als Taschenbuchausgabe. Der Text wurde behutsam modernisiert und die Bände neu illustriert. Diese neue Ausgabe wird viele neue Leserinnen und Leser zu echten Schreckensteinern machen! Burg Schreckenstein und Schloss Rosenfels - zwei Schulen, mal gegeneinander, mal miteinander. Die Jungen auf Burg Schreckenstein genießen die liberalen Erziehungsmethoden und lassen keine Gelegenheit aus, Streiche auszuhecken. Manchmal sind die Mädchen des recht streng geführten Schloss Rosenfels Zielscheibe ihrer Aktivitäten, mal sind sie aber auch die Verbündeten. Seit über 40 Jahren begeistern Oliver Hassencamps Internatgeschichten Millionen von Leserinnen und Lesern. Nachdem sie fünf Jahre vom Markt verschwunden waren, sind sie jetzt endlich wieder lieferbar, erstmals als Taschenbuchausgabe. Der Text wurde behutsam modernisiert und die Bände neu illustriert. Diese neue Ausgabe wird viele neue Leserinnen und Leser zu echten Schreckensteinern machen! Burg Schreckenstein und Schloss Rosenfels - zwei Schulen, mal gegeneinander, mal miteinander. Die Jungen auf Burg Schreckenstein genießen die liberalen Erziehungsmethoden und lassen keine Gelegenheit aus, Streiche auszuhecken. Manchmal sind die Mädchen des recht streng geführten Schloss Rosenfels Zielscheibe ihrer Aktivitäten, mal sind sie aber auch die Verbündeten.


Produktinformation

  • Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann
  • 2000
  • 2000.
  • Ausstattung/Bilder: 122 S. m. Illustr. v. Silvia Christoph
  • Seitenzahl: 122
  • Omnibus Taschenbücher Bd.20801
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Deutsch
  • Gewicht: 140g
  • ISBN-13: 9783570208014
  • ISBN-10: 357020801X
  • Best.Nr.: 08976752
Oliver Hassencamp (1921-1988), war Schüler des berühmten Internats Salem am Bodensee und studierte später Rechtswissenschaft, Kunstgeschichte und Psychologie. 1946 begann er als Regieassistent an den Münchener Kammerspielen und nahm gleichzeitig Schauspielunterricht. Seine ersten großen Bühnenerfolge feierte er zusammen mit Erich Kästner und vielen bekannten Schauspielern im berühmten Münchener Kabarett "Die kleine Freiheit", für das er auch brillante Texte verfasste. Schon der erste Band seiner Schreckenstein-Serie war ein riesiger Erfolg.

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Der Mann mit der Nase

Eigentlich stand Neustadt zu seinem Namen im Widerspruch, es war nämlich eine sehr alte Stadt. Mit Türmen, Toren, Giebeln, prächtigen Fassaden und winkeligen Gassen hatte es sich zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. An sonnigen Feiertagen glich der Marktplatz vor dem Münster eher dem Parkplatz vor einem Sportstadion.

So malerisch Neustadt für die Fremden sein mochte - die Einwohner empfanden es als eng. Am allerengsten ging's in der ältesten Schule zu. Dort saßen die zum Lernen Verurteilten so gedrängt, dass sie bei Klassenarbeiten um das Abschreiben gewissermaßen gar nicht herumkamen. Vor lauter fremden Heften rechts und links sah man das eigene kaum noch. Sogar die Lehrer fanden, dass es so nicht weitergehen könne. Direktor Meyer hatte bei der letzten Schulfeier offen von "unhaltbaren Zuständen" gesprochen. Der Bürgermeister war rot geworden wie eine Verkehrsampel. Wahrscheinlich hatte er ein schlechtes Gewissen, weil sein Sohn in die moderne und geräumige Franz-Joseph-Schule ging.

Der Rex, wie Direktor Meyer genannt wurde, nahm selten ein Blatt vor den Mund.

Eines Tages herrschte große Aufregung.

"Heut dauert der Unterricht nur bis elf!", ließ Fritz alle wissen. An und für sich wäre das ein Anlass zur Freude gewesen, trotzdem war keinem recht wohl dabei. Irgendjemand behauptete nämlich, der Rex habe alle Eltern zu einer Unterredung in den Rathaussaal gebeten. Das war noch nie vorgekommen und daher verdächtig, schon weil niemand den Grund kannte.

Nicht einmal Dampfwalze, der größte und stärkste Schüler, hatte eine Ahnung. Und Dampfwalze wusste sonst alles, denn seiner Mutter gehörte die Weinstube Zum guten Tropfen. Und dort hatten die Lehrer ihren Stammtisch.

"Sicher geht es um die Schule", stellte Musterschüler Strehlau fest.

"Was du nicht sagst! Wir dachten, es geht um deine Großmutter!" Mücke sah über seine Brille an dem langen Lernwunder hinauf. Den Spitznamen verdankte er seiner kleinen Gestalt und seiner scharfen Zunge, mit der er sozusagen zustach, fix, eben wie eine Mücke.

Die Umstehenden lachten und Ottokar, wohl der Besonnenste von den Großen, meinte: "Dann gehen wir um elf ins Capri!" Sein Vorschlag wurde mit Freudengeheul aufgenommen, denn es war ein schwüler Tag und im Capri, nur einen Steinwurf vom Rathaus entfernt, gab es das beste Eis in der Stadt. Ottokar hatte immer gute Ideen.

Jeder mit seinem Kleingeld klimpernd, standen die Jungen der wenigen Klassen aus dem Uraltschulhaus bald Schlange vor der Konditorei. Unter ihnen auch Ralph, der Sohn des Besitzers. Wie meist während der Woche war der Marktplatz fast leer. So konnten die Jungen ab und zu Stimmen aus dem Rathaussaal hören. Was Eltern und Lehrer dort besprachen, war jedoch nicht zu verstehen.

"Schau mal, was da kommt!", sagte Dieter zu seinem Freund Klaus und deutete auf einen Geländewagen, der gerade beim Rathaus vorbeifuhr.

"Allradantrieb! Bis aufs Reserverad natürlich", kommentierte Witzbold Klaus.

Das hochbeinige Gefährt hielt, der Fahrer sprang heraus, lief um den Kühler herum, öffnete die rechte Tür und half einem spindeldürren Mann mit unmäßig großer Nase beim Aussteigen.

"Mensch, das ist doch der Graf von Schreckenstein! Was will der denn hier?", wunderte sich Dampfwalze, während die große Nase hinter der Rathaustür verschwand.

"Woher kennst du diesen Flachmann?", fragte Dieter.

"Durch meine Mutter", brummte Dampfwalze und zog ein Gesicht, als ob das zu wissen zur Allgemeinbildung gehöre.

"Eine Nase wie 'ne Mauersäge!", meinte Mücke und alle lachten.

"Der geht in die Sitzung!", vermutete Hans-Jürgen und schleckte an seiner Riesenportion.

"Soll er!" Dampfwalze stibitzte Strehlau die Kirsche von seinem Eis. "Und was machen wir jetzt?"

Ottokar hatte sofort eine Idee. "Wenn alle mit dem Eis fertig sind, können wir ja ein bisschen singen."

"Schau dir den an!" Werner deutete auf den Fahrer des Geländewagens, der an der Schlange der Jungen vorbeiging und sich mit dem Satz "Lasst mich vor, ich bin im Dienst!" eine Waffeltüte mit drei Eiskugeln verschaffte, von denen zwei beim Verlassen der Konditorei auf das Pflaster klatschten. Er unterdrückte einen Fluch und ging zu dem Wagen zurück.

"He, Sie haben vergessen zu streuen!", rief Klaus ihm nach.

Als die Zungen sich den Fingern näherten, die den Waffelstumpf festhielten, stellte sich der Chor ebenso schnell wie leise unter den Fenstern des Sitzungssaals auf. Das zu singende Lied stand fest: Ein Jäger aus Kurpfalz, weil das der Gesangslehrer, Gießkanne mit Spitznamen, nicht leiden konnte, jedenfalls nicht, wenn die Jungen es sangen.

Die erwartete Wirkung blieb nicht aus. Schon nach den ersten Takten erschien ein umwölktes Lehrergesicht am Fenster. Andere folgten und verschwanden wieder wie im Kasperltheater. Die Bitte um Ruhe blieb ungehört. Je kürzer die Schlange vor dem Capri wurde, desto lauter schallte der Gesang am Rathaus hinauf. Schließlich kam Dr. Waldmann persönlich herunter, um den Gesang zu beenden. Er war ein eigenartiger Mensch. Manchmal streng und unnahbar, dann wieder nachsichtig und lustig. Da er sich zuletzt im Unterricht von seiner sonnigen Seite gezeigt hatte, wurde er sofort mit Fragen nach dem Grund der geheimnisvollen Versammlung bestürmt.

Dr. Waldmann hob und senkte die Hände wie ein Dirigent, der das Orchester dämpft. "Wenn ihr mir versprecht, augenblicklich still zu sein, sag ich's euch: Ihr bekommt eine größere Schule."

Auf diese Enthüllung hin wurde es zunächst noch lauter, bis Ottokar sich für eine Frage Ruhe verschaffte. "Und was tut der Graf hier? Der ist doch auch in der Sitzung?"

"Der verschafft uns die Schule", antwortete Dr. Waldmann. "Wir ziehen um in seine Burg."

"Auf den Schreckenstein?" Dampfwalze schnaubte. "Der ist doch gut vierzig Kilometer weit weg."

"Wie kommen wir denn dahin und wieder nach Hause?", fragte Strehlau, der Musterschüler.

"Darüber reden wir gerade mit euren Eltern", fuhr Dr. Waldmann fort. "Ihr müsstet auf der Burg wohnen. Platz wär genügend vorhanden."

"Wir auf der Raubritterburg Schreckenstein? Mann, das wär ja..." Selbst Mücke fiel kein passendes Wort ein und er rollte ersatzweise die Augen.

Dr.Waldmann ging ins Rathaus zurück.

"Sorgen Sie dafür, dass es klappt!", rief Ottokar ihm nach.

An Gesang war nicht mehr zu denken. Die neue Lage musste umgehend besprochen werden.

"Da werden die in den andern Schulen ganz schön staunen!", meinte Hans-Jürgen.

Doch es gab auch lange Gesichter. "Was machen wir denn da oben, wenn wir 'n Eis wollen?", fragte Eugen.

Später, beim Mittagessen zu Hause, druckste manches Elternpaar herum. Bodo Graf von Schreckenstein, der fortan nur noch Mauersäge hieß, hatte auf seiner Burg Schul- und Wohnraum zur Verfügung gestellt. Die Eltern erklärten sich bereit, monatlich eine Summe zu bezahlen, die ungefähr dem entsprach, was ihre hungrigen und durstigen Jungen auch zu Hause kosteten. Und so fuhren nach den Sommerferien zwei Omnibusse voller Koffer, Räder, Sportgeräte und deren mit gemischten Gefühlen ringenden Besitzern aus Neustadt hinauf in das Raubritternest.

Rittertum verpflichtet

Die Burg Schreckenstein, im Osten und Norden von Wald, im Westen von Feldern umgeben, lag an einem Hang, der nach Süden zu einem größeren Gewässer hinunterschwang, das auf der Karte als Kappellsee ausgezeichnet war. Der alte Wehrbau bildete ein Rechteck mit zwei Innenhöfen. Hier gab es alles, wovon man nur träumen konnte. Einen Burgfried, Zinnen, Schießscharten, einen Wehrgang, Burggraben, Zugbrücke und eine richtige Folterkammer mit kompletter Einrichtung. Es gab drei Wohnflügel: Nord-, West- und Südflügel.

Der Rex und Dr.Waldmann teilten Zimmergemeinschaften ein, die meisten zu vier Mann, die Lehrer bekamen Einzelzimmer. Es war ungewohnt, mit den Erziehern Tür an Tür zu leben, doch bei der weitläufigen Anlage empfanden es die Jungen keineswegs als störend.

"Ein irrer Laden!", freute sich Mücke. "An sich rollschuhpflichtig."

Und nichts fehlte. Ganz Neustadt schien sich am Ausbau der Schule zu beteiligen. Eine Möbelfabrik hatte Betten, Schränke sowie Tische und Stühle für die Klassenzimmer geliefert. Und der größte Neustädter Klempnerbetrieb installierte Toiletten und Duschräume. Dampfwalzes Mutter hatte einen Koch aus ihrer Wirtschaft zum Umzug auf die Burg überredet. Heini hieß er und kochte, dass allein schon der Gedanke an die Mahlzeiten ein Genuss war, und irgendwie machte die Burgluft maßlos Appetit. Täglich gab es neue Mampfrekorde: acht hart gekochte Eier in Senfsoße, zwölf Frikadellen mit Kartoffelbrei. Den absoluten Mengenrekord stellte Ottokar mit vierzehn Königsberger Klopsen auf. Das war aber nicht seine einzige Leistung. Mit Hilfe der väterlichen Elektrohandlung bastelte er die gesamte Klingel- und Lichtanlage für die Schule. Überhaupt half jeder nach seinen Fähigkeiten mit. Pummel und Eugen strichen die Boote, die Mauersäge der Schule überlassen hatte, die Mehrheit aber war mit der Anlage eines Sportplatzes beschäftigt, unter Sportlehrer Rolles fachkundiger Anleitung. Überhaupt entwickelten die Lehrer Eigenschaften, die keiner in ihnen vermutet hätte.

"Unser Lehrkörper ist begabter, als er im Unterricht erkennen lässt!", witzelte Klaus.

Von einer neuen Seite zeigte sich auch der Rex. "Solange nichts beschädigt wird und niemand drunter zu leiden hat, könnt ihr hier herumtoben, so viel ihr wollt", verkündete er gleich bei der ersten Schulversammlung im so genannten Wohnzimmer, einem großen Eckraum mit acht Fenstern, Kachelofen, Fernseher und einem ausgewachsenen Konzertflügel.

Mauersäge, der Burgherr, ließ die neue Nachbarschaft völlig in Ruhe und sie ihn zunächst auch. Er war ein komischer alter Herr, der beim Sprechen seltsame Zischlaute von sich gab. Er bewohnte den hinteren Teil der Burg. Manchmal sah man ihn an einem Fenster der Westseite in den kleinen Park hinunterschauen, der dort geometrisch sauber angelegt war. Hier fand morgens unter Leitung von Rolle ein Dauerlauf statt, den Hans, der Diener, Koch, Gärtner, Chauffeur und Hausmeister des Grafen, anfangs argwöhnisch beobachtete. Aus Gründen der Vornehmheit nannte er sich selber Jean.

Gleich vom ersten Tag an hatten sich die großen Jungen in der Folterkammer breit gemacht, einem düsteren Raum seitlich unter dem Burgfried. Außer den Marterwerkzeugen befand sich hier auf einem Steinsockel ein steinerner Richtertisch und an einer Wand ein schwarzer Kasten, den niemand öffnen konnte, bis eines Abends Hans-Jürgen, der Dichter in der Schülerschaft, auf eine Holzleiste trat, die vor dem Richtertisch im Steinboden eingelassen war. Quietschend sprang die Tür des Kastens auf und ein staubiges Skelett mit Sense neigte sich heraus.

Die Anwesenden erschraken mehr, als sie zugeben wollten. Dampfwalze, der auf der Streckbank lag, rollte sich wie ein Igel zusammen. Am schnellsten fasste sich Mücke. Er ging hin, schob das Skelett wieder hinein, schloss die Tür und sagte: "Komm, Paule, bleib drin. Du erkältest dich ja!"

Dass der Knochenmann von Stund an Paule hieß, versteht sich von selbst.

Rascher als erwartet gewöhnten sich die ausgesiedelten Neustädter Schüler auf der Burg ein. Sie vermissten höchstens das Eis aus der Konditorei Capri.

Eines Nachts gingen Dampfwalze, Mücke und Dieter von Zimmer zu Zimmer und rüttelten alle wach. "Los, aufstehen! Wichtige Versammlung in der Folterkammer!"

An den Zimmern der Lehrer vorbei schlich die gesamte Belegschaft über die Freitreppe in den Burghof und unter einem Kreuzgewölbe die steilen Stufen zur Folterkammer hinunter. Nur drei Kerzen erhellten den Raum. Sie verbreiteten eine ebenso gespenstische wie feierliche Stimmung.

Ottokar, der neben Dampfwalze und Mücke auf dem dritten Richterstuhl saß, erhob sich. "Wir wollen euch was sagen", begann er. "Der Schreckenstein ist keine gewöhnliche Schule, sondern eine Burg. Unsere Burg! Die Ritter, die hier früher gehaust haben, waren harte Burschen. Sie haben für ihr Recht gekämpft, offen und ohne Hinterhalt, und sie sind für ihre Taten eingestanden. Wir finden, daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Oder was meint ihr?"

Alle waren derart beeindruckt, dass keiner ein Wort sagen konnte. Ottokar hatte genau das ausgesprochen, was jeder fühlte.

Pummel fand als Erster die Sprache wieder. "Klar. Hier muss man einfach Ritter sein."

Jetzt erhob sich Dampfwalze. "Das haben wir erwartet", sagte er. "Aber es ist nicht leicht. Dazu gehört Mut und vor allem Aufrichtigkeit. Der Rex hat gesagt, wir dürfen alles tun, solange nichts kaputtgeht und niemand darunter zu leiden hat. Das bedeutet, dass auch der Rex wie ein Ritter denkt. Ich finde, wir sollten uns daran halten und aufhören, einander zu belügen. Eine Gemeinschaft sein, keine Grüppchenwirtschaft. Was die Ritter früher mit Leuten gemacht haben, die sich nicht an ihre Regeln hielten, seht ihr ja hier."

Mancher Blick ging zu den Marterwerkzeugen, keiner sagte ein Wort.

Da erhob sich Mücke. "Bei uns ist natürlich jeder frei in seiner Entscheidung. Aber es wäre schon gut, wenn alle mitmachten. Auf einer Ritterburg kann man nur als Ritter leben. Wer also mittun will, der schwöre mit uns den Rittereid:

Ich will auf Schreckenstein allzeit fair und ehrlich sein!"

Selbst der Musterschüler Strehlau konnte sich der Wirkung dieser Worte nicht entziehen. Er hob die Hand und sprach im Chor mit allen die Eidesformel nach.

"So. Jetzt sind wir Ritter!", schloss Ottokar die Versammlung.

Die Lehrer hatten von dem nächtlichen Schwur nichts gehört. Sie sollten jedoch bald etwas merken, denn die ritterliche Gesinnung zeitigte ihre ersten Folgen. Sie beeinflusste das gesamte Leben auf der Burg, sogar den Unterricht. Schießbude - wie der schmale Erdkunde- und Mathematiklehrer genannt wurde - verbreitete sich in einer Klasse gerade über geografische Fragen. "Heute braucht man solche Kenntnisse schon zum Zeitunglesen", verkündete er und fuchtelte mit einem Zeigestock vor der aufgehängten Landkarte herum. "Ich nenne euch jetzt verschiedene Orte in aller Welt und ihr kommt vor und zeigt sie mir. Einer nach dem andern. Mücke, wo liegt Bagdad?"

Die Morgensonne schien in das Klassenzimmer im Ostflügel. Der Aufgerufene gab dem Alleswisser Strehlau einen Taschenspiegel und flüsterte ihm zu: "Blink hin! Aber irr dich ja nicht!"

Strehlau nickte ergeben. Trotz des Ritterschwurs fühlte er sich noch als Außenseiter und vermied jeden Ärger.

Langsam, um ihm Zeit zu geben, bewegte sich Mücke. Nach der Formel "Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel" drehte Strehlau den Spiegel, während Klaus, dem nichts entgangen war, Schießbude mit Fragen ablenkte, bis der Musterschüler den Lichtfleck auf der Karte zur Ruhe gebracht hatte. Mücke tippte mit dem Zeigefinger auf die Stelle.

"Erstaunlich!", lobte Schießbude. "Die neue Umgebung scheint deinem Interesse an meinem Unterricht gut zu tun."

"Im Gegenteil", erwiderte Mücke seelenruhig. "Ich habe mir Bagdad zeigen lassen. Von wem, kann ich ihnen allerdings nicht sagen. Weil ich niemanden verpetze."

Mit offenem Mund stand der schmächtige Lehrer vor der Klasse, die ihn mit ähnlicher Kieferhaltung ansah.

Mücke hatte völlig Recht. Selbst die Beschwindelung eines Lehrers war mit dem Ritterschwur nicht vereinbar. Das hatte der schlaue Mücke als Erster erkannt und entsprechend gehandelt. Dafür zollten ihm alle Achtung.

Auch Schießbude zeigte sich von dem Geständnis beeindruckt und sagte mit hörbarem Wohlwollen in der Stimme: "Sehr anständig von dir, das zuzugeben. Ich werde auch nicht fragen, wer dir geholfen hat."

"Keine Strafe. Mannomann!", flüsterte Klaus.

Also hatte der Geist der Ritter neben der ehrenhaften auch eine praktische Seite. Wenn man einem anderen offen gegenübertritt, kann der nicht böse werden. Und der Lehrer wuchs im Ansehen von der "Schießbude" zum "Schießstand".

Der Vorfall sprach sich herum und machte Schule. Das Verhältnis zu den Erziehern änderte sich schlagartig. Auch sie gaben immer mildere, freundlichere Töne von sich.

"Wenn das so weitergeht, werden das noch Freundschaften fürs Leben", lästerte Hans-Jürgen.

"Ein Lehrer ist wie ein Gerichtsvollzieher", stellte Mücke fest. "Solange er seinen Beruf ausübt, kann ihn kein Mensch nett finden. Aber wir leben ja zusammen."

Das war es. Während der Schulstunden konnten sich die Lehrer, vom Unterrichtsstoff gehindert, einfach nicht entfalten. Aber danach waren sie mitunter wie ältere Mitschüler. Es wurde viel geblödelt und gelacht. Als Ottokar den Rekord für Dampfnudeln mit heißer Vanillesoße auf zehn Stück hinaufschraubte, machte der Rex, an dessen Tisch er saß, eigenhändig die Striche auf dem Kontrollblock.

Zu Hause wäre so etwas unvorstellbar gewesen. Doch die Arbeit am Sportplatz und in Heinis neu angelegtem Gemüsegarten, der die Schule mit Schnittlauch, Salat, Tomaten und anderen Vitaminträgern versorgte, schafften den nötigen Appetit. Auch bei den Lehrern, die überall dabei waren."Man hat gar keine Lust mehr, die Kerle zu ärgern!", stellte Klaus fest.

Kundenbewertungen zu "Die Jungen von Burg Schreckenstein"

8 Kundenbewertungen (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 8 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von hendrikh aus Jülich am 31.03.2013 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch hat mir mein Vater geschenkt. Er hat es selbst als Kind gelesen und fand es ganz toll. Das Buch handel von einer Schule, die nicht genug Platz für die Schüler hat. Deshalb zieht ein Teil der nicht, sie lügen nicht, sie geben nicht an. Als ein neuer Junge, Stephan, auf die Schule kommt, will er nicht so wie die anderen leben. Sie versuchen ihn zu überzeugen und spielen ihm schliesslich einen Streich, durch den sich Stephan ändert. Bei einem Leichtatletikfest kann er den anderen zeigen, dass er zu ihnen gehört. Plötzlich erfahren sie, dass Graf Mauersäge, der Besitzer der Burg, die Burg verkaufen will... Schaffen die Jungen es ihre Schule zu retten? Lies selber weiter...
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist lustig und auch spannend. Ich empfehle es für Kinder ab 8 Jahre.

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Bewertung von Batrix aus Aachen am 10.01.2013 ***** ausgezeichnet
...und Jungenträume werden wahr

Als Kind haben wir die Bücher ja regelrecht verschlungen und ich gebe offen und ehrlich zu, dass wir sie heute auch noch immer wieder gerne lesen.
Das Hörbuch ist aber auch sehr Klasse – da werden Kindheitsträume wieder wach.....
Hier in Band Eins beginnt der Schreckenstein-Spass. Aus Platzgründen wird ein Teil der ältesten Schule von Neustadt in die 40 km entfernt gelegene Burg Schreckenstein verlegt. So werden aus Stadtschülern wie z.B. Ottokar, Mücke und Dampfwalze Internatsschüler, die schnell erkennen, dass es auf einer echten Raubritterburg auch ritterlich zugehen muss, also werden sie Ritter und jeder Neue wie z.B. Stephan, der sich nicht an die Regeln hält, wird erstmal umerzogen. Hier ist eben alles anders, heir will niemand wieder weg. Die Lehrer sind jetzt auch Freunde – für Streiche entdeckt man ja Schloss Rosenfels......

Oliver Hassencamp hat seine Bücher mit viel Humor und sehr lebendig geschrieben. Stundenlang haben wir sie gelesen und davon geträumt einer von denen zu sein. Rufus Beck lässt die Träume wieder wach werden. Er liest das Buch richtig gut vor. Seine stimme hat den richtigen Witz. Ich mochte ihn schon bei Harry Potter.
Es ist nur schade, dass man nicht alle 27. Bände als Hörbuch veröffentlicht oder folgen sie noch?

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD

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Bewertung von A. Fink aus Brombachtal am 07.12.2010 ***** ausgezeichnet
Als Kind habe ich die Bücher verschlungen und werde sie nun meinem Sohn zu lesen geben. Diese Bücher sind einfach ein Muss.

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 18.12.2007 ***** ausgezeichnet
Alle Schreckensteinbücher sind gut geschrieben und für Kinder spannend (nicht nur für Jungen). Allerdings finde ich es sehr schade, dass der Text aktualisiert worden ist. Wenn man das Original kennt, wird man wohl die neuen Auflagen nicht lesen wollen.

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Bewertung von Lippoldes, Matze aus Winnigstedt am 03.03.2003 ***** ausgezeichnet
Ich habe 15 Bücher in einem halben Jahr gelesen und 12 doppelt oder dreifach verschlungen. Es tut mir leid, dass der Autor schon so früh gestorben ist und es keine weiteren Bände geben wird. Dieses Buch ist eine sehr lesenswürdige Lektüre.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 05.06.2002 ***** ausgezeichnet
Absolut empfehlenswerte Lektüre für "Heranwachsende", auch ich habe sie als Kind alle gelesen und bedauere den frühen Tod des Autors.

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 10.05.2002 ***** ausgezeichnet
Das "Hanni & Nanni" für Jungs! Ich hab sie alle als Kind gelesen. Herrlich spannend und lustig zugleich. Schade, dass der Autor so früh gestorben ist und es keine weiteren Bücher mehr geben wird.

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Bewertung von Ploch aus Wesel am 11.11.2001 ***** ausgezeichnet
Meine Lieblingsbuchreihe als Kind. Spannend und amüsant. Man verschlingt die Bücher. Meine Kinder sind auch schon angesteckt.

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