Eine verlorene Zivilisation, eine gefährliche Jagd und ein
tödliches Geheimnis - das Abenteuer kann beginnen!Die Jagd nach dem
legendären Atlantis hat schon viele Menschen in den Untergang
getrieben. Das weiß die Archäologin Nina Wilde nur zu genau,
schließlich waren ihre eigenen Eltern bis zu ihrem Tod davon
besessen, das verschwundene Inselreich zu finden. Doch jetzt glaubt
Nina selbst zu wissen, wo sie suchen muss. Und mit der finanziellen
Unterstützung des milliardenschweren Kristian Frost kann sie sich
auf die Jagd begeben. Allerdings setzt der Anführer einer geheimen
Bruderschaft alle Mittel ein, um zu verhindern, dass Nina dem
Geheimnis auf die Spur kommt ...
Andy McDermott arbeitete als Redakteur und Journalist für verschiedene Magazine, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. 'Die Jagd nach Atlantis' ist sein erster Roman. Andy McDermott lebt in Bournemouth, wo er derzeit bereits an seinem nächsten Roman um die schöne Archäologin Nina Wilde arbeitet.
Leseprobe zu "Die Jagd nach Atlantis"
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Leseprobe zu "Die Jagd nach Atlantis" von Andy McDermott
Leseprobe zu "Die Jagd nach Atlantis" von Andy McDermott
Tibet
Noch war die Sonne über den Gipfeln des Himalajas nicht aufgegangen, aber Henry Wilde war bereits wach. Seit zwei Stunden wartete er auf den Moment, in dem das erste Sonnenlicht die Berge berühren würde.
Er wartete schon länger als zwei Stunden, überlegte er. Es waren eher Jahre, es war der größte Teil seines Lebens. Was als jugendlicher Wissensdurst begonnen hatte, war im Laufe der Zeit ausgewachsen zu einer ... er zögerte, das Wort Besessenheit zu verwenden, doch das war es geworden. Eine Besessenheit, die ihm Hohn und Spott vonseiten der akademischen Welt eingebracht und fast sein ganzes Vermögen aufgezehrt hatte.
Doch diese Besessenheit hatte ihn auch mit einer der beiden bemerkenswertesten Frauen zusammengebracht, die er je kennengelernt hatte.
"Wie lange noch bis zum Sonnenaufgang?", fragte Laura Wilde, seit fast zwanzig Jahren Henrys Frau, die sich in ihrem dicken Anorak neben ihn setzte. Die beiden waren sich im Studium an der New Yorker Columbia University begegnet. Zwar hatten sie einander schon vorher bemerkt - da Henry einen Meter fünfundneunzig groß und strohblond war und Laura feuerrotes Haar hatte, wäre ihnen das Gegenteil auch schwergefallen -, doch erst als Henrys Referat über das Objekt seiner Besessenheit vor dem gesamten Kurs von seinem Professor verrissen wurde, kamen sie miteinander ins Gespräch. Lauras erste drei Worte bewirkten bei Henry, dass er sich auf der Stelle in sie verliebte.
Sie lauteten: "Ich glaube dir."
"Sie geht jeden Moment auf", sagte Henry mit Blick auf seine Uhr und legte liebevoll den Arm um Laura. "Ich wünschte nur, Nina wäre hier und könnte es sich mit uns ansehen." Ihre Tochter Nina war die zweite der beiden bemerkenswerten Frauen, die er kannte.
"Das hast du davon, eine Expedition während ihres Examens anzusetzen", rügte Laura.
"Mach nicht mich dafür verantwortlich, sondern die chinesische Regierung! Ich wollte nächsten Monat kommen, aber sie ließen sich nicht umstimmen, meinten, entweder jetzt oder nie ..." "Schatz?" "Ja?"
"Ich habe nur Spaß gemacht. Ich mache dich nicht dafür verantwortlich. Ich wollte diese Gelegenheit doch auch nicht verpassen. Und ja, auch ich wünschte, Nina wäre hier."
"Eine Postkarte aus Xulaodong ist kein wirklicher Ersatz dafür, oder?", seufzte Henry. "Wir schleppen sie um die ganze Welt, von einer Sackgasse zur nächsten, und wenn wir dann endlich auf eine echte Spur stoßen, dann kann sie nicht mitkommen!"
"Wir glauben, auf eine echte Spur gestoßen zu sein", korrigierte ihn Laura.
"Gleich werden wir es wissen, nicht wahr?" Er deutete auf die Aussicht, die sich ihnen bot. Jenseits des zerklüfteten Plateaus, auf dem sie ihr Lager aufgeschlagen hatten, erhoben sich drei schneebedeckte, in etwa gleich hohe Gipfel. Gegenwärtig lagen sie im Schatten der größeren Bergkette im Osten, doch das würde sich ändern, sobald die Sonne über dieses Hindernis stieg. Und wenn das, was sie gehört hatten, stimmte, würde es sich auf spektakuläre Art und Weise ändern.
Henry stand auf und reichte Laura die Hand, um ihr aufzuhelfen. Während sie sich erhob, atmete sie ein kleines Nebelwölkchen aus; das Plateau lag mehr als dreitausend Meter über dem Meeresspiegel, und die Luft war so dünn und kalt, wie keiner der beiden es je zuvor erlebt hatte. Aber sie war auch sehr klar und rein.
Irgendwie wusste Henry, dass sie das finden würden, wonach sie suchten.
Das erste Tageslicht erreichte die drei Gipfel.
Genauer gesagt erreichte es einen von ihnen, worauf der makellos weiße Schnee auf dem mittleren Gipfel im Licht glänzend und golden erstrahlte. Beinahe wie eine Flüssigkeit strömte das Sonnenlicht den Gipfel hinab. Die beiden Berge an seinen Seiten blieben im Schatten, da das Sonnenlicht nach wie vor von der größeren Bergkette verdeckt wurde.
"Es stimmt .", flüsterte Henry mit ehrfurchtsvoller Stimme.
Laura war etwas weniger ehrfürchtig. "In meinen Augen sieht das ganz wie ein goldener Gipfel aus."
Er schenkte ihr ein Lächeln, bevor er sich wieder dem Naturschauspiel vor ihnen zuwandte. Im Dämmerlicht glühte der Berg geradezu. "Sie hatten Recht. Verdammt, sie hatten Recht."
"Irgendwie ist das fast deprimierend", sagte Laura. "Dass ein Haufen Nazis vor über fünfzig Jahren zuerst davon erfuhr und so nahe dran war, es zu entdecken."
"Aber sie haben es nicht entdeckt." Henry machte ein entschlossenes Gesicht. "Wir werden es tun."
Der Goldene Gipfel - bis heute nur eine Legende, ein Teil uralter Sagen - war das letzte Stück in dem Puzzle, das Henry im Laufe seines ganzen Lebens zusammenfügte. Was genau er dort finden würde, wusste er nicht. Dafür war er davon überzeugt, dass es ihm all das geben würde, was er benötigte, um sein großes Ziel zu erreichen.
Die ultimative Legende.
Atlantis.
Das atemberaubende Lichtspektakel auf dem Goldenen Gipfel dauerte nur etwa eine Minute, bevor die Sonne so weit emporgestiegen war, dass sie die beiden benachbarten Gipfel in Licht tauchte. Als die Gruppe mit dem Aufstieg am Osthang begann, stand die Sonne hoch über ihnen. Da seine Nachbarn nun aus dem Schatten hervortraten, ließ sich der Berg im grellen Tageslicht nicht mehr von denen in seiner Umgebung unterscheiden.
Die Expedition bestand aus sieben Personen: drei Amerikanern und vier Tibetern. Letztere waren als Träger und Führer angeheuert worden; zwar kannten sie die Gegend, doch waren sie genauso überrascht davon, dass sich eine Volkssage bewahrheitet hatte. Selbst nach tibetischen Maßstäben war die Gegend hier öde und abgeschieden, und Henry erkannte, dass sie womöglich die ersten Westler waren, die Augenzeugen dessen wurden, was sie soeben gesehen hatten.
Außer vielleicht denen, die sie überhaupt erst hierhergeführt hatten.
Henry ließ die Gruppe anhalten. Während die anderen dankbar den Schnee von nahegelegenen Felsbrocken abwischten und sich darauf setzten, nahm er seinen Rucksack ab und holte vorsichtig eine dünne Mappe aus einer seiner Taschen. Laura gesellte sich zu ihm, während er die in Schutzhüllen verpackten Seiten durchblätterte.
"Gehst du es schon wieder durch?", fragte sie ihn neckisch. "Ich dachte, du könntest es mittlerweile auswendig."
"Deutsch zählt nicht zu meinen stärksten Sprachen", hielt er ihr vor, während er an einer bestimmten Seite hängen blieb. Das Papier war verfärbt und durch Feuchtigkeit und altersbedingt fleckig geworden.
Die geheimen Dokumente der Forschungsgemeinschaft Ahnenerbe - Teil der SS und unter direktem Befehl von Heinrich Himmler - waren hinter Ziegelsteinen verborgen im Keller der Wewelsburg in Nordrhein-Westfalen gefunden worden. Die Wewelsburg war eine Kultstätte der SS und ein Zentrum des nationalsozialistischen Wahns von Mythologie und Okkultismus gewesen. Bei Kriegsende war der Befehl erteilt worden, die Burg mitsamt Inhalt zu zerstören, doch irgendjemand hatte sich dieser Order widersetzt und die Dokumente stattdessen versteckt.
Und jetzt waren sie im Besitz der Wildes.
Im vergangenen Jahr hatte Bernd Rust, ein alter Freund und Arbeitskollege von Henry, diesen über die Entdeckung informiert. Das Gros der wiederentdeckten Dokumente war der Deutschen Bundesregierung übergeben worden. Doch im Wissen um die Interessen der Wildes hatte Rust - unter beträchtlichem Berufsrisiko - insgeheim einige spezielle Seiten zurückgehalten, die sich mit Atlantis befassten. Obwohl ein Freund sie besorgt hatte, waren sie nicht billig gewesen, aber Henry wusste, dass sie jeden Cent wert waren.Einerseits empfand er tiefes Unbehagen darüber, sich bei seiner Suche auf nationalsozialistisches Material zu stützen. Dies ging so weit, dass er nicht einmal seiner eigenen Tochter davon berichtet hatte, sondern nur Laura und dem anderen amerikanischen Mitglied der Gruppe. Andererseits wusste er, dass er ohne dieses Material Atlantis niemals finden würde. Irgendwie hatten die Nazis vor einem halben Jahrhundert etwas entdeckt, das sie in die Lage versetzt hatte, fast bis an ihr Ziel zu gelangen.
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