Die Insel der Verlorenen - Restrepo, Laura

Laura Restrepo 

Die Insel der Verlorenen

Roman

Übersetzung: Müller, Elisabeth
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Die Insel der Verlorenen

Ein abenteuerlicher Roman vom Überleben. Eine wahre Geschichte
Im Jahr 1908 setzen der mexikanische Hauptmann Ramón Arnaud, seine junge Braut Alicia und elf weitere Soldaten mit ihren Familien die Segel, um zur Clipperton-Insel, einem winzigen pazifischen Atoll, aufzubrechen. Sie haben den Auftrag, das abgeschiedene aber strategisch wichtige Eiland vor einer eher unwahrscheinlichen Invasion seitens der Franzosen zu schützen. Aber dann werden die Bewohner auf Clipperton wegen der politischen Wirren in der Heimat und dem Nahen des Ersten Weltkriegs einfach vergessen. Und das Überleben aller hängt auf einmal von Alicias Mut und List ab.
Mit ihrem reichen Korallenriff rund um das Atoll und der stehenden Lagune ist die Clipperton-Insel kein einladender Ort für ihre neuen Bewohner. Aber diese machen das Beste daraus: Die starre militärische Ordnung weicht bald einem eher informellen Inselleben; die Gruppe errichtet ein Lebensmittelgeschäft, eine Apotheke, einen Leuchtturm, sie feiern Dinnerpartys. Aber dann bleiben plötzlich die Versorgungsschiffe aus. Sich selbst und der unwirtlichen Natur ausgeliefert, sieht sich das Grüppchen mannigfaltigen Gefahren gegenüber: Skorbut, Hunger, Verzweiflung, Eifersucht, Gewalt. In dieser Situation wird die unerschütterliche und einfallsreiche Alicia zur letzten Hoffnung der Bewohner auf der Insel der Verlorenen.


Produktinformation

  • Abmessung: 221mm x 135mm x 41mm
  • Gewicht: 626g
  • ISBN-13: 9783630873589
  • ISBN-10: 3630873588
  • Best.Nr.: 33335626

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Laura Restrepos neues Buch "Die Insel der Verlorenen" ist nicht nur ein mitreißender Abenteuerroman, sondern auch ein tragikomisches, politisches Dokument über die historischen Ereignisse auf der kleinen Pazifikinsel Clipperton, meint Rezensentin Andrea Kaden. Mit "emphatischer Direktheit" schildere die kolumbianische Autorin das Schicksal von knapp vierzig Menschen, die sich von 1908 an aus militärisch-patriotischem Pflichtbewusstsein zu Zeiten der mexikanischen Revolution auf jenem Atoll ansiedelten, um die Insel im Auftrag des Präsidenten Porfirio Diaz gegen die Eroberungsversuche der Franzosen zu verteidigen. Die Inselbewohner fallen jedoch Tsunamis und Unterernährung zum Opfer und so werden neun Jahre später nur wenige Frauen und Kinder gerettet. Restrepo erzähle die Geschichte aus der Sicht einer Journalistin, die im Jahre 1988 den Ereignissen nachspüre. Unter Einbeziehung von Zeitzeugenberichten und historischen Dokumenten ist ein feinsinniger, multiperspektivischer Roman entstanden, lobt die Rezensentin.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Mit feinem Gespür und tragikomischen Ton geht Restrepo menschlichen Stärken und Schwächen nach und bietet mit ihrem historischen Abenteuerroman ganz nebenbei auch eine mitreißende Lektüre."

"Ein ungeheuer fesselnder, farbig und furios geschriebener Roman." Freundin

"Mit feinem Gespür und tragikomischen Ton geht Restrepo menschlichen Stärken und Schwächen nach und bietet mit ihrem historischen Abenteuerroman ganz nebenbei auch eine mitreißende Lektüre."
Laura Restrepo wurde 1950 in Kolumbien geboren. Ihre berufliche Laufbahn begann sie als Literaturdozentin an der Universität von Bogota. Sie arbeitete für verschiedene Menschenrechtsorganisationen und mußte aufgrund ihres politischen Engagements für mehrere Jahre das Land verlassen. Später arbeitete sie als Journalistin und schrieb Sachbücher und Romane. Die Kenntnisse, die Laura Restrepo während ihrer journalistischen Tätigkeit über die Drogenmafia erwarb, führten 1993 zu ihrem Roman "Der Leopard in der Sonne".

Leseprobe zu "Die Insel der Verlorenen" von Laura Restrepo

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Leseprobe zu "Die Insel der Verlorenen" von Laura Restrepo

"Colima – heute – (S. 226-227)

Colima ist eine kleine Stadt, weiß, ruhig, mit Palmen und derselben Stimmung, demselben Rhythmus und der gleichen Ausstrahlung wie viele Städte in Meeresnähe. Nur liegt Colima weit weg vom Meer: zwei Stunden landeinwärts vom Hafen Manzanillo am Pazifik. Ich befinde mich in den Außenbezirken, genauer im Busbahnhof. Es ist sehr heiß und ich habe keine Adresse, wo ich hinkönnte. Ich bin hergekommen, um nach der Vergangenheit von Victoriano Álvarez, dem Schwarzen, zu forschen, und weiß nur wenig über sein Leben außerhalb Clippertons: dass er hier geboren ist, dass er früh von zu Hause wegging, um nie zurückzukehren, und dass er keine Kinder hinterlassen hat. Sonst nichts.

Ich nehme ein Taxi und gebe als Ziel den Zócalo an, weil Städte im Zentrum ihre alten Geschichten konservieren wie in Formol. Ich streife durch die Straßen rund um den Platz und stelle fest, dass er sich seit Beginn des Jahrhunderts kaum verändert hat. Es herrscht eine sirrende Hitze, und es wäre einfacher, eine Nadel im Heuhaufen zu finden, denke ich. Einundsiebzig Jahre nach seinem Tod, wer wird da noch etwas über den unbekannten Soldaten sagen können?

Wer sollte sich dieses der Erinnerung Unwürdigsten unter den Mexikanern entsinnen? Am Stadttor von Medellín gibt es einen Ort, an dem Colimas Bewohner seit mehreren Generationen ein- und ausgegangen sein müssen. Es ist ein Laden mit einer riesigen, alten Theke aus dunklem Holz. Draußen hängt ein Schild mit der Aufschrift: »Dies ist das altehrwürdige und hoch geschätzte Haus Ceballos, 1893.« Innen wird alles verkauft, vom Werkzeug bis zur Unterhose. Der Inhaber, Don Carlos Ceballos, hat das Geschäft vor über fünfzig Jahren als Erbe übernommen.

Er ist ein zuvorkommender Herr aus besseren Zeiten. Ich erzähle ihm, was ich suche, und bitte ihn um seine Mithilfe, worauf er mich auf den Nachmittag vertröstet, da soll ich wiederkommen, er werde eine Gruppe von Leuten zusammentrommeln, die über die gewünschten Auskünfte verfügen könnten. Stunden später hat Don Carlos im unmittelbar neben seinem Laden gelegenen Hotel Ceballos mehrere Freunde und persönliche Zeitgenossen versammelt. Es sind Honoratioren, Historiker und Journalisten der Stadt. »Sein Nachname war Álvarez, er stammte aus Colima und war schwarz?«, will er wissen.

»Es gibt nur eine Familie mit diesen Merkmalen: die unehelichen Nachkommen unseres hoch geachteten Generals Manuel Álvarez, dem ersten Gouverneur des Staates.« »Aber die Álvarez von Colima«, klären sie mich auf, »sind nicht reinrassig schwarz, es sind Mulatten.« Mitten auf dem Platz von Villa Álvarez kann man den Großvater väterlicherseits von Soldat Victoriano Álvarez bestaunen: General Manuel Álvarez, in Bronze gegossen, thront da als Herr und Gebieter der Stadt auf einem Sockel. Im Sitzungssaal des Rathauses von Colima ist er noch einmal auf einem Ölbild zu sehen, darunter prangt sein Name in Goldlettern.

Er ist ein korpulenter Mann mit spitzen Zügen. Weiß wie Milch. An der Straßenecke 5 de Mayo und Venustiano Carranza befinden sich die Überreste seines Hauses, eines eingeschossigen Kolonialbaus. Die Fassade steht noch, das dahinterliegende Gebäude ist jedoch bei den Erschütterungen der letzten Erdbeben von Colima teilweise eingebrochen. Die Grundmauern sind erhalten geblieben und lassen, wie auf einem Bauplan erkennen, wo die Patios lagen, die Küche, die Zimmer und die Salons. Im ganzen vorderen Bereich, zur Straße, lebte die Familie: der General mit seinen aufeinanderfolgenden Ehefrauen – er wurde dreimal Witwer und heiratete viermal – und seinen vielen Kindern. Im hinteren Teil wohnte, um den letzten Patio herum, das Personal: Burschen, Dienstmädchen, Köchinnen, Reitknechte."

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