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Bewertung von MaWiOr aus Halle am 25.01.2012 |
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Rudolf Lorenzen (1922 in Lübeck geboren) arbeitete zunächst in der Werbebranche, ehe er sich als freier Schriftsteller in Berlin versuchte. Neben Romanen und Erzählungen schrieb er zahlreiche Arbeiten für Hörfunk und Fernsehen. In den letzten Jahren machte sich vor allem der Berliner Verbrecher Verlag mit einer umfangreichen Werkauswahl um die Veröffentlichungen seiner Romane, Erzählungen, Reportagen und Glossen verdient. Pünktlich zum 90. Geburtstag (5. Februar) des Romanciers und Reporters ist nun mit „Die Hustenmary“ ein schön gestalteter Band mit einigen seiner besten „Berliner Momente“ erschienen. E sind vierzehn Texte aus den letzten fünfzig Jahren über die Westberliner Boheme. Da erzählt im schnoddrigen Berliner Jargon die Wilmersdorfer Prostituierte Hustenmary von ihren drei Häusern, die sie allesamt versoffen hat. Rolf Eden, Kultfigur in Spreeathen, sucht in einer Art CastingShow der 60er Jahre Berlins letztes Talent. Humorvoll erzählt Lorenzen von den Dichterlesungen in Kreuzberg. In der „Galerie Zinke“ oder später in der „Kleinen Weltlaterne“ waren Poeten wie Günter Bruno Fuchs oder H.C. Artmann zu Gast. Günter Grass musste, im Fensterrahmen sitzend, gegen den „Babysitter-Boogie“ ankämpfen. Die beiden Künstler Johannes Grützke und Matthias Koeppel gründeten die „Neupreußische Empfindungsgesellschaft“ und bestiegen mit ihren Getreuen den Schöneberg. Auch Prominente hat Lorenzen begleitet: da bummelt Rudolf Platte durch Kreuzberg oder Horst Buchholz hat merkwürdige Filmideen. Und schließlich stolpert der Autor noch über die zahlreichen Straßenumbenennungen in Berlin. Die meisten der in diesem Band versammelten Texte erschienen in dem Magazin „Berliner Leben“, andere in der „Berliner Morgenpost“ oder in „Der Welt“. Zwei Glossen sind Erstveröffentlichungen. Rudolf Lorenzen entpuppt sich in diesen Texten als ein aufmerksamer und kritischer Beobachter, aber stets mit einem zwinkernden Auge. Mit Witz beschreibt er die wunderlichen Ereignisse in Berlin, die nun wieder Hauptstadt ist. Die 128 Seiten bescheren jedenfalls ein paar vergnügliche Stunden. Manfred Orlick |
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