Die Hintergründe zu den Helsinki-Roccamatios - Martel, Yann

Yann Martel 

Die Hintergründe zu den Helsinki-Roccamatios

Stories

Aus d. Engl. v. Manfred Allie
Gebundenes Buch
 
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Die Hintergründe zu den Helsinki-Roccamatios

Einer der Helden erfindet gemeinsam mit seinem an Aids erkrankten Freund die Geschichte der Roccamatios in Helsinki und hält ihn so am Leben: Erzählen heißt Atmen. Der Vietnam-Veteran John Morton schrubbt nachts Büros und schreibt ein Konzert für Streicher, in der seine "dissonante" Violine den Heldenpart übernimmt, denn er weiß, wie die Geige ihm half, den Krieg zu überstehen. Der Leser lernt die Alchemie der Spiegel kennen und erfährt, wie erst das Ende den wahren Charakter einer Biographie enthüllt. Immer geht es in den Geschichten um den schmalen Spalt des Möglichen, den nur ein Erzähler entdeckt, der seine Figuren liebt und die zarte Farbe der Humanität versteht.


Produktinformation

  • Abmessung: 211mm x 134mm x 19mm
  • Gewicht: 295g
  • ISBN-13: 9783100478269
  • ISBN-10: 3100478266
  • Best.Nr.: 13227772
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.07.2005

Scheherazade-Trick
Yann Martel packt Fleisch aufs Erzählskelett
2003 konnte man von Yann Martel den Roman „Schiffbruch mit Tiger” lesen. Schiffbruch mit was? Tiger? Nicht im Ernst, oder? Die gewagte Konstellation des Romans klingt wie eine übermütige Wette des Autors. Nun verdankt die Literaturgeschichte ihre schönsten Bücher übermütigen Autorenwetten. Wetten, ich interessiere meinen Leser für einen hypersensiblen Pädophilen? „Lolita”. Wetten, ich stopfe einen gut Teil der abendländischen Kultur in einen einzigen Dubliner Werktag? „Ulysses”. Wetten, ich bekomme zwischen Zeugung und Geburt meines Helden mehr als zweihundert Abschweifungen? „Tristram Shandy”.
Es empfiehlt sich, nur sehr gut vorbereitet in solche unmöglichen Wetten zu gehen. In dem kleinen Erzählungsband „Die Hintergründe zu den Helsinki-Roccamatios” finden sich vier Beispiele für Martels Vorbereitungen für seine erste große Prosawette. In einem Vorwort berichtet der Autor von seinen literarischen Anfängen. Beherzt erzählt er, wie schlecht seine ersten Texte waren. Und wie sehr ihn alles andere als Schreiben langweilt. Die Schlusslektion dieser kurzen …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Paul stirbt. "Haie hätten mehr von seinem Körper übriggelassen. Flammen könnten ihn nicht schlimmer entstellen", sagt sein Freund, der Erzähler, der in seiner Hilflosigkeit nur gegen das Sterben des AIDS-kranken Kumpels andichten kann. Er erfindet die Geschichte der Roccamatios, einer in Helsinki lebenden Familie, deren Schicksal er anhand von geschichtlichen Begebenheiten der vergangenen 100 Jahre berichtet. Je mehr sich der kranke Paul dem Tod nähert, desto düsterer, brutaler, kriegerischer werden die ausgewählten historischen Ereignisse. Wer erzählt, der lebt und atmet. Diese Botschaft scheint "Schiffbruch mit Tiger"-Autor Martel in jede dieser vier großartigen Stories gesteckt zu haben. In die Briefe, die ein Gefängnisleiter einer Mutter schreibt, nachdem ihr zum Tode verurteilter Sohn gehängt wurde. In der Beschreibung eines Geigenstücks, komponiert von einem Putzmann. Und in die symbolischste Geschichte dieses literarischen Quartettes, in der es um Spiegel geht, die durch Erinnerungen hergestellt werden. Am Ende bleiben Melancholie und Trauer, um den sterbenden Paul, um die verlorene Erinnerung - und darüber, dass dieser wünderschöne Erzählungsband schon ausgelesen ist. (bl)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.03.2005

Die schrille Geige in der Putzkolonne
"Die Hintergründe zu den Helsinki-Roccamatios": Erzählungen von Yann Martel als Vorabdruck in der F.A.Z.

Was wissen wir schon voneinander, und was sagt das, was wir zu wissen meinen, tatsächlich aus? Über den kanadischen Schriftsteller Yann Martel, geboren 1963, vermerkt das Munzinger-Biographie-Archiv unter anderem: "M. lebt und arbeitet in Montreal. Er ist sozial engagiert und macht Yoga." Wer Martels Erzählungen und Romane liest, der glaubt, noch etwas anderes über ihn zu erfahren: daß dieser Autor das Erzählen für eine existentialistische Beschäftigung hält, die er mit seinen Figuren auch uns verordnet. Warum sonst würde jemand zusammen mit einem todkranken Freund die Geschichte einer gewissen Familie Roccamatio aus Helsinki erfinden und sie Tag für Tag, an den Ereignissen des zwanzigsten Jahrhunderts entlang, weiterspinnen?

Womöglich tut er dies aus denselben Gründen, aus denen ein indischer Junge namens Pi Patel in Martels Roman "Schiffbruch mit Tiger" ein hungriges Raubtier dressiert, mit dem er 227 Tage auf hoher See verbringen muß. Was für den einen die wundersame Rettung bedeutet, …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Es sind "sichtlich Jugendwerke", schreibt Martin Halter über die vier Erzählungen, die sich Martel nach dem Erfolg von "Schiffbruch mit Tiger" aus der Schublade zu holen traute. Soll heißen: Der Enthusiasmus und die Ideen waren da, das Vermögen war vielleicht noch nicht ganz auf derselben Höhe, und das Ergebnis sind "Kreuzungen aus jugendfrischem Sturm und Drang, Orientierungssuche und konzeptualistischen Abstraktionen". Trotzdem ist der Ton der Besprechung nicht abkanzelnd, sondern lobend. Denn was Martels Erzählen nach Ansicht des Rezensenten so lohnenswert macht, ist seine innere Dringlichkeit: Martel schreibt, um "menschliche Erinnerungen" - Menschlichkeit - zu erhalten. Er will ansprechen, unterhalten, berühren und bewegen - Erzählen als "praktizierter Humanismus". Und dafür sind die frühen Erzählungen dann wieder sehr schöne Beispiele.

© Perlentaucher Medien GmbH
Yann Martel wurde 1963 in Spanien geboren. Seine Eltern sind Diplomaten. Er wuchs in Costa Rica, Frankreich, Mexiko, Alaska und Kanada auf und lebte später im Iran, in der Türkei und in Indien. Er war nominiert für den Governor General Award und den Commonwealth Writers Prize und gewann den Booker Prize 2002. Yann Martel lebt mit seiner Familie in Saskatchewan.

Kundenbewertungen zu "Die Hintergründe zu den Helsinki-Roccamatios"

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Bewertung von huschkatz aus Tegernsee am 09.06.2010 ***** ausgezeichnet
Eine eher verrückte Ansammlung von Kurzgeschichten, würde man Yann Martel gar nicht zu trauen, sollte man "Schiffbruch mit Tiger" gelesen haben, was ja nun doch ein sehr ernsthaftes, gläubiges und tragisches Buch war.
Yann beschreibt in diesem Kurzgeschichtenbuch Lebensabschnitte, und Schicksale, wie sie unter uns allen geschehen, und die sich ruckartig aus schönen Szenen des Lebens in traurige und abgrundtife verwandeln können, genauso andersrum.
Wie gesagt ein etwas verrücktes Buch, welches trotzdem seinen Sinn trägt, und auch heute noch in meiner kleinen Biliothek steht.
Lesenswert, unbedingt, wer es etwas anderst mag!

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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