Die Herzensbrecherin - Phillips, Susan E.

Susan E. Phillips 

Die Herzensbrecherin

Roman

Aus d. Amerikan. v. Eva Malsch
Broschiertes Buch
 
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Die Herzensbrecherin

Ihr ganzes Leben lang hat Susannah nur gemacht, was richtig war: Sie war die perfekte Tochter und die perfekte Braut für den perfekten Schwiegersohn ihres angesehen Stiefvaters. In letzter Sekunde vor dem Traualtar jedoch weiß sie, dass sie dieses fürsie geplante perfekte Leben nicht führen kann. Und als Sam Gamble auf seiner Harley Davidson die perfekte Hochzeitfeier stört, rennt sie davon - direkt in Sams Arme. Für ihn, den etwas verrückten, ein wenig unzuverlässigen, aber fantasievollen High-Tech-Spezialisten gibt Susannah alles auf: ihren Reichtum, ihre gesellschaftliche Stellung und, was sie am meisten schmerzt, die Zuneigung ihres Stiefvaters und ihrer Schwester. Mutig, energisch und voller Einfälle bauen sich Susannah und Sam ein eigenes Leben auf. Sie gründen zusammen mit ihren Freunden, dem Programmiergenie Yank Yankowski und dem Marketingfachmann Mitch Blaine, eine kleine Firma. Sam, Yank und nicht zuletzt Mitch werden nun zu Susannahs drei Musketieren - auch zu jenem Z


Produktinformation

  • Verlag: BLANVALET
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 606 S.
  • Seitenzahl: 608
  • Blanvalet Taschenbuch Bd.36290
  • Deutsch
  • Abmessung: 184mm x 116mm x 47mm
  • Gewicht: 460g
  • ISBN-13: 9783442362905
  • ISBN-10: 3442362903
  • Best.Nr.: 13381974
"Wunderbarer Lesespaß von der Spezialistin für freche Frauenunterhaltung. Bücherpick "Liebe, Mikrochips und Rock'n`Roll - dieses Buch ist der beste Lesespaß des Jahres!" Publishers Weekly "Witzig, warmherzig, wunderbar! Die Welt braucht mehr Bücher wie die von Susan Elizabeth Phillips." Booklist
Susan Elizabeth Phillips lebt mit Mann und zwei Söhnen in der Nähe von Chicago.

Leseprobe zu "Die Herzensbrecherin" von Susan E. Phillips

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Leseprobe zu "Die Herzensbrecherin" von Susan E. Phillips

1958 war die Braut drei schreckliche Tage lang das berühmteste Kind von Amerika.

Achtzehn Jahre später fühlte sich Susannah Faulconer wieder einmal wie jene Siebenjährige, die in panische Angst geraten war. Während sie an der Seite ihres Vaters über den weißen Teppich ging, den man schnurgerade, exakt in der Mitte des Faulconer-Gartens verlegt hatte, drohte ihr das kostbare Perlenhalsband, ein Familienerbstück, den Atem zu nehmen. Sie wusste, dass dieses Gefühl irrational war, denn das Halsband saß keineswegs zu eng, und sie hatte es oft genug getragen - zum ersten Mal mit achtzehn auf dem Debütantinnenball. Also gab es keinen Grund, warum sie ersticken sollte, und keine Erklärung für den fast überwältigenden Impuls, den Schmuck von ihrem Hals zu reißen und in die elegant gekleidete Gästeschar zu werfen.

Obwohl sie ein Rotschopf war, wurde sie nicht dafür gehalten, weil ihr Haar nicht im feurigen Rot einer schick gestylten Clairol-Reklame schimmerte, sondern in jenem edlen Kastanienrot, das Bilder aus einer vornehmeren Vergangenheit heraufbeschwor - von Fuchsjagden am frühen Morgen, klirrenden Teetassen und Damen, die Gainsborough porträtiert hatte. Unter einer Romeo-und-Julia-Kappe war Susannahs Haar straff aus dem Gesicht gekämmt und im Nacken zu einem schlichten Knoten geschlungen. Für eine Braut sah dieser Stil etwas zu streng aus, passte aber zu ihr. Statt einer pompösen Brautrobe hatte sie ein wadenlanges Kleid aus antiker Spitze gewählt. Der offene Mandarin-Kragen enthüllte einen schlanken aristokratischen Hals, von den fünfreihigen Perlen umgeben, die ihr solche Schwierigkeiten bereiteten. An ihrer Erscheinung kündete alles von Reichtum, guter Kinderstube und einer altmodischen Zurückhaltung, die bei einer modernen Fünfundzwanzigjährigen deplatziert erschien.

Hundert Jahre früher hätte man Susannah Faulconer als vollkommene Schönheit bezeichnet. Doch ihre fein gezeichneten Züge waren nicht so spektakulär, um mit den extravaganten Cover-Girl-Gesichtern der siebziger Jahre zu konkurrieren. Sie besaß eine dünne, lange, gerade Nase und schmale, aber schön geschwungene Lippen. Nur die hellgrauen, weit auseinander stehenden, exquisit geformten Augen wirkten modern. Und weil sie so unergründlich schimmerten, gewannen Susannahs Gesprächspartner manchmal den verwirrenden Eindruck, sie wäre mit ihren Gedanken ganz woanders und hätte sich an einen Ort zurückgezogen, den niemand außer ihr aufsuchen durfte.

Seit einer Stunde traf die kalifornische Oberschicht ein, die zur Hochzeit eingeladen war. Eine Limousine nach der anderen rollte die dreispurige Zufahrt herauf. Vor Falcon Hill, dem Familiensitz der Faulconers, hielten die Autos in einem halbmondförmigen Hof mit Kopfsteinpflaster. Das Gebäude erweckte den Eindruck, es würde schon jahrhundertelang zwischen den Hügeln südlich von San Francisco emporragen. In Wirklichkeit war es knapp zwanzig Jahre alt - von Susannahs Vater, Joel Faulconer, in der distinguierten Gemeinde Atherton errichtet, kurz nachdem er von ihrem Großvater die Leitung der Falconer Business Technologies übernommen hatte.

Trotz der Unterschiede im Alter und Geschlecht glichen sich die Gäste, die in den akkurat postierten Reihen der zierlichen, schmiedeeisernen weißen Stühle saßen. Alle sahen wohlhabend und konservativ aus, eindeutig Persönlichkeiten, die eher Befehle erteilten als befolgten - alle außer der schönen jungen Frau, die im Hintergrund Platz nahm. Von einem Meer aus Halston und Saint Laurent umgeben, fiel Paige Faulconer, die jüngere Schwester der Braut, in einem rötlich braunen Kleid aus einem Discountladen auf, dem Stil der dreißiger Jahre nachempfunden, mit einer exzentrischen rosa Marabu-Boa um die Schultern.

Als die Musik feierlich anschwoll, wandte Susannah den Kopf zur Seite und entdeckte das zynische Lächeln, das den Schmollmund ihrer Schwester umspielte. Doch die alten Konflikte mit Paige sollten ihr den Hochzeitstag nicht verderben.

Wenigstens hatte sich ihre Schwester dazu durchgerungen, an der Zeremonie teilzunehmen. Mehr durfte Susannah nach allem, was geschehen war, nicht erwarten. Jetzt irritierten sie die Perlen schon wieder. Sie zwang sich, Paige zu vergessen und den schönen Garten zu bewundern.

Dank der Marmorstatuen, in Vicenza gemeißelt, und der funkelnden Brunnen, die aus dem Park eines Loire-Schlosses stammten, verbreitete der Garten die Atmosphäre der Alten Welt. In zahlreichen steinernen Gefäßen, effektvoll zwischen Grünpflanzen platziert, wuchsen Rosenbüsche mit üppigen weißen Blüten. Gardenien schwammen in den Brunnenbecken. Von der sanften Junibrise bewegt, flatterten Girlanden aus weißen Bändern durch die Luft. Alles war perfekt - genauso, wie sie es arrangiert hatte.

Nun musterte sie den Bräutigam. Cal Theroux erwartete sie unter dem schneeweißen Baldachin, der sich über dem größten Brunnen wölbte. Wegen seiner gediegenen äußeren Erscheinung erinnerte er sie an die Männer in der Zeitschriftenwerbung für teuren Scotch. Zweiundvierzig Jahre alt, gehörte er zu den einflussreichsten Managern im Faulconer-Konzern. Trotz des Altersunterschieds von siebzehn Jahren galten Susannah und Cal als ideales Paar, und sie hatten tatsächlich viel gemeinsam. Beide waren im Luxus aufgewachsen - sie in San Francisco, er in Philadelphia -, hatten exklusive Privatschulen besucht und sich in den besten Gesellschaftskreisen bewegt. Natürlich war Cal nicht mit sieben Jahren gekidnappt worden. Aber dieses Schicksal hatten nur wenige Menschen erlitten.

Immer enger schienen sich die fünf Perlenreihen um Susannahs Hals zu schließen. Aus der Ferne klang das Geräusch eines Rasenmähers heran. Sie stellte sich vor, wie erbost ihr Vater reagieren würde, wenn er herausfand, dass der Gärtner des benachbarten Anwesens diese besondere Stunde an einem Samstagnachmittag ausgesucht hatte, um den Rasen zu mähen. Zweifellos würde er ihr vorwerfen, dass sie die Nachbarn nicht über den Zeitpunkt der Trauung informiert hatte.

Als sie den Altar erreichte, berührte Cal ihren Arm. "Wie zauberhaft du aussiehst ...", flüsterte er, und ein Lächeln vertiefte die sonnengebräunten Fältchen in seinen Augenwinkeln.

Der Priester räusperte sich. "Nun, meine Lieben ..."

Sicher war es richtig, Cal zu heiraten. Das wusste Susannah, denn sie tat stets genau das Richtige. Er liebte sie, hatte sich als reif, rücksichtsvoll und charakterstark erwiesen, und er würde einen untadeligen Ehemann abgeben. Aber das Unbehagen, das sie schon seit einer ganzen Weile quälte, verflog nicht.

"Wer vertraut die Braut dem Bräutigam an?"

"Ich." Väterlicher Stolz milderte Joel Faulconers harte, markante Züge, als er Susannahs Hand von seinem auf Cals Arm legte. Dann trat er zurück, und sie hörte, wie er sich in die zweite Stuhlreihe setzte.

Allmählich surrte der Rasenmäher immer lauter.

Die Brautjungfer übernahm den Brautstrauß, und Susannah griff sich diskret an die Kehle. Verstohlen schob sie ihren Zeigefinger unter das Bennett-Erbstück und zog es von ihrer Haut weg.

Davon bemerkte Cal nichts. Konzentriert hörte er dem Priester zu. "Ich, Calvin James Theroux, nehme dich, Susannah Bennett Faulconer ..."

Jetzt dröhnte der Rasenmäher so laut, dass es auch den anderen Anwesenden auffiel. Cals Nasenflügel bebten, als würde ihn ein unangenehmer Geruch stören. Reglos stand Susannah neben ihm und schaute geradeaus, von wachsender innerer Unrast erfüllt.

Und dann erkannte sie, dass der Lärm gar nicht von einem Rasenmäher verursacht wurde.

Sie holte tief Atem. Aus ihren Wangen wich alles Blut. Inzwischen sprach der Geistliche mit ihr. Doch sie achtete nicht mehr auf seine Worte. Der Krach näherte sich, brauste am Haus vorbei und steuerte den Garten an. Irritiert drehte sich Cal um, der Priester verstummte, und Susannah spürte, wie sie unter ihren Brüsten zu schwitzen begann.

Plötzlich geschah es - die festliche Idylle des Faulconer-Gartens wurde vom ohrenbetäubenden, vulgären Rattern einer großen, schwarzen Harley-Davidson mit Zwillingsmotor verscheucht, die ins Blickfeld raste.

Die Maschine überquerte den gepflegten Rasen. Beinahe streifte sie eine Andromeda-Statue. Der Schrei des Fahrers übertönte den Motorenlärm - ein wilder Urschrei.

"Suzie!"

Mühsam schluckte sie, wandte sich vom Altar ab und starrte den ungebetenen Gast an. In ihrem Hals pochte ein viel zu heftiger Puls.

Ihr Vater sprang auf und warf seinen Stuhl um. Fürsorglich umfasste Cal ihr Handgelenk. Das Motorrad stoppte abrupt am anderen Ende des Teppichs, über den sie vorhin gegangen war, und das Vorderrad beschmutzte den weißen Rand.

Nein, dachte sie, das geschieht nicht wirklich. Es ist ein Albtraum. Einfach nur ein weiterer Albtraum ...

"Suzie!"

Er trug eine schwarze Lederjacke und Blue Jeans, die seine Schenkel eng umspannten, während er rittlings auf der Harley-Davidson saß. Mit seinen durchdringenden dunklen Augen und den hohen, flachen Wangenknochen glich er einem Vollblut-Komantschen, obwohl nicht nur amerikanisches Blut in seinen Adern zu fließen schien. Vielleicht entstammte ein Elternteil dem Mittelmeerraum. Seine Haut war olivfarben, seine schmalen Lippen wirkten fast grausam. Von der San Francisco Bay wehte eine Brise herauf und strich das schulterlange Haar aus seinem Gesicht. Wie eine Fahne flatterte es hinter seinem Kopf.

"Was ist los, Suzie? Hast du vergessen, mir eine Einladung zu schicken?" Seine hypnotisierenden Augen schienen sie zu durchbohren.

Aufgeregt begannen die Gäste zu tuscheln - teils empört und verblüfft, teils in wohliger Sensationslust, weil sie eine so ungeheuerliche Szene miterlebten. Zählte dieses Individuum zu Susannahs Freundeskreis? Das konnte sich niemand vorstellen. Vielleicht hatte sich Paige mit ihm eingelassen. Aber Susannah? Niemals!

Nur vage hörte Susannah die Brautjungfer hinter sich murmeln: "O Gott! O Gott! O Gott ..." Immer wieder. Wie ein Mantra. Und sie selbst klammerte sich an Cals Arm, als wäre er ein Rettungsanker. Sie versuchte zu sprechen. Aber ihre Stimme versagte. Mit ihren schmalen, aristokratischen Fingern zerrte sie an den Perlen und versuchte, sie von ihrem Hals zu lösen.

"Tu das nicht, Suzie!", warnte der Biker.

"Moment mal!", stieß Joel Faulconer hervor und drängte sich zwischen den schmiedeeisernen Stühlen hindurch, zu dem weißen Seil, das die Sitzreihen absperrte.

In ihrem Entsetzen vermochte Susannah gar nicht an die Blamage zu denken, die sie vor den Gästen erlitt, und die Demütigung wurde ihr kaum bewusst. Was immer auch passiert, du musst deine Fassung bewahren, ermahnte sie sich.

Der Mann, der auf dem Motorrad saß, streckte ihr eine Hand entgegen. "Komm mit mir!"

"Wer ist das, Susannah?", fragte Cal.

"Rufen wir die Polizei!", kreischte irgendjemand.

Der Harley-Fahrer hielt ihr nach wie vor die Hand hin.

"Komm, Suzie, steig auf meine Maschine!"

Unter ihren Fingern gab das Bennett-Erbstück nach, die kostbaren Perlen rieselten am weißen Brautkleid hinab und kullerten ins Gras. Mein Hochzeitstag, dachte sie verzweifelt. Wie konnte ein so grauenhafter Zwischenfall diesen wichtigen Tag verderben? Ihre Großmutter würde sich im Grab umdrehen.

Verächtlich wies er auf die Gästeschar. "Willst du für den Rest deines Lebens Partys geben? Oder begleitest du mich und steckst die Welt in Brand?"

Da riss sie sich von Cal los und presste ihre Hände auf die Ohren - eine schockierende, peinliche Geste, einer Faulconer unwürdig. "Verschwinde! Ich höre dir nicht zu!" Und dann entfernte sie sich vom Altar, von ihrem entgeisterten Publikum.

"Komm mit mir, Baby", bat er. "Lass das alles hinter dir zurück." Die dunklen Augen schienen sie in einen magischen Bann zu ziehen. "Spring auf meinen Feuerstuhl, und wir fahren davon!"

"Nein", würgte sie hervor. "Nein ..."

Er war ein Rüpel, ein Chaot. Jahrelang hatte sie mit klarem Verstand ihre Entscheidungen getroffen, zuverlässig nur richtig gehandelt und sämtliche Regeln befolgt. Kein einziges Mal war sie ein Risiko eingegangen. Wieso geriet sie jetzt in eine so unerträgliche Situation? Warum entglitt ihr die Kontrolle über ihr eigenes Leben?

Neben ihr stand Cal, der seriöse, ehrbare Cal, ihr Seelenverwandter, der Mann, der alle Dämonen vertreiben konnte. Und vor ihr saß ein abgebrühter Schurke auf einer Harley. Instinktiv wandte sie sich von beiden ab und schaute zu ihrer Schwester hinüber, die wie versteinert dasaß, das Gesicht eine schreckensbleiche Maske. Nein, Paige würde ihr nicht helfen. Weil Paige ihr niemals half.

Susannah griff sich wieder an die Kehle. Aber das Perlenhalsband war verschwunden. Die alte Panik krampfte ihr das Herz zusammen. Wie schon so oft fühlte sie sich in das Grauen jenes Frühlingstags im Jahr 1958 zurückversetzt.

An jenem Tag war sie das berühmteste Kind von Amerika geworden. Die Erinnerung drohte sie zu lähmen.

Doch da sah sie ihren Vater, der das Ende der Stuhlreihe erreichte. Und endlich bot sie ihre ganze innere Kraft auf, um die Vergangenheit abzuschütteln.

Nur ein kurzer Augenblick blieb ihr, ein winziges Fragment der Ewigkeit, um etwas zu tun, bevor ihr Vater die Kontrolle übernahm.

Neben ihr stand Calvin Theroux, der ihr Liebe, Sicherheit und Luxus versprach. Und da drüben saß ein Messias auf einem Motorrad und versprach ihr gar nichts. Mit einem leisen Schrei wählte die vernünftige, korrekte Susannah Faulconer ihr Schicksal.

Die Vision

1

Susannahs leiblicher Vater war nicht Joel Faulconer, sondern ein Engländer namens Charles Lydiard, der ihre Mutter 1949 während eines Besuchs in New York City kennen gelernt hatte. Kurz zuvor war Katherine "Kay" Bennetts Vater, ein reicher Financier, gestorben. Die bildschöne junge Schickeria-Lady entdeckte Lydiard auf der Yacht eines Freundes. Lässig lehnte er an der Mahagonireling des Achterdecks, rauchte eine türkische Zigarette und nippte an einem Gibson. Stets auf der Suche nach attraktiven ungebundenen Männern, ließ sich Kay sofort mit ihm bekannt machen. Noch vor dem Ende des Abends verliebte sie sich in seine fein gemeißelten aristokratischen Züge und sein zynisches, melancholisches Wesen.

Besonders scharfsinnig war sie nicht. Deshalb fand sie erst ein Jahr nach der Hochzeit heraus, dass sich ihr eleganter Ehemann eher zu künstlerisch veranlagten jungen Männern hingezogen fühlte als zu ihrem eigenen verführerischen Körper. Unverzüglich zog sie mit ihrer zwei Monate alten Tochter in das Penthouse ihrer verwitweten Mutter in der Park Avenue. Um den ganzen unerfreulichen Zwischenfall zu vergessen, stürzte sie sich hektisch in gesellschaftliche Aktivitäten. Außerdem tat sie ihr Bestes, um auch das kleine Mädchen mit dem ernsten Gesicht zu vergessen, das sie so schmerzlich an ihr mangelndes Urteilsvermögen erinnerte.

Charles Lydiard starb 1954 bei einem Bootsunfall. Um diese Zeit lebte Kay bereits in San Francisco. Kurz davor hatte sie Joel Faulconer geheiratet, einen kalifornischen Industriellen. Vollauf damit beschäftigt, ihren virilen jungen Gatten zu beglücken, verschwendete sie keinen Gedanken an das Schicksal ihres enttäuschenden ersten Ehemanns. Sie dachte auch nicht an ihre dreijährige Tochter, die sie ihrer alten Mutter anvertraut hatte.

Und so wuchs Susannah Bennett Lydiard auf der anderen Seite des Kontinents zu einem ernsthaften Mädchen mit grauen Augen, schmaler Nase und kastanienrotem, zu zwei strammen Zöpfen geflochtenem Haar heran. Als sie vier Jahre alt war, brachte sie sich die Kunst des Lesens bei und lernte die hohen Räume im Penthouse ihrer Großmutter möglichst lautlos zu durchqueren. Wie ein Schatten huschte sie an den großen Fenstern vorbei, deren schwere Samtvorhänge stets geschlossen blieben, um die vulgären Geräusche des großstädtischen Straßenverkehrs zu dämpfen. Ihre Schritte auf den dicken alten Teppichen glichen einem Flüstern, und sie führte ein ebenso stilles Leben wie die ausgestopften Singvögel, die unter Glaskuppeln auf polierten Tischen prangten.

Allmählich verlor Großmutter Bennett den Verstand. Zu jung, um das zu begreifen, wusste Susannah nur, dass die alte Dame strikte Regeln aufgestellt hatte. Wenn man dagegen verstieß, wurde man streng bestraft. Ein frivoles Kind habe sie bereits großgezogen, betonte die Witwe, und sie würde sich nicht mit einem zweiten belasten.

Die Mutter des kleinen Mädchens kam zweimal im Jahr zu Besuch. An solchen Tagen ging Susannah nicht wie üblich mit einem der älteren Dienstboten ihrer Großmutter einmal um den Häuserblock, sondern trank mit Kay Tee im Plaza. Die Mutter war sehr schön. Fasziniert beobachtete das Kind, wie sie eine Zigarette nach der anderen rauchte und alle paar Minuten auf ihre funkelnde, mit Diamanten besetzte Armbanduhr schaute.

Sobald die Teekanne leer war, wurde Susannah nach Hause gebracht. Pflichtbewusst küsste Kay die Stirn ihrer Tochter und verschwand für weitere sechs Monate. Die Großmutter erklärte, weil Susannah so unartig sei, dürfe sie nicht bei ihrer Mutter leben.

Sicher, Susannah war furchtbar unartig. Manchmal berührte sie an der Dinnertafel ihre Nase. Oder sie saß nicht kerzengerade. Gelegentlich vergaß sie, "bitte" und "danke" zu sagen. Für jedes dieser Vergehen wurde sie bestraft und für eine ganze Stunde in einem Schrank eingesperrt. Das würde zu ihrem eigenen Wohl geschehen, behauptete die Großmutter. Aber das Mädchen fragte sich, warum etwas so Grausames gut sein sollte.

Der Schrank war klein und stickig. Noch schlimmer - Großmutter Bennetts alte Pelzmäntel hingen darin. Für ein Kind mit reger Fantasie verwandelte sich die beengte Finsternis in einen Albtraum voller Leben. Hässliche schwarze Nerze streiften Susannahs blasse Wangen, eklige geschorene Biberfelle rieben sich an ihren dünnen Armen. Am unheimlichsten fand sie die Fuchsstola mit dem echten Kopf, der die gespenstische Schließe bildete. Sogar im Dunkeln spürte sie den Blick der schlauen Glasaugen des Tiers. Stocksteif vor Entsetzen kauerte sie am Holzboden, den Rücken an die Schranktür gepresst, und erwartete, die scharfen Fuchszähne würden sie jeden Moment auffressen.

Für ein so kleines Kind verlief das Leben in düsteren, beängstigenden Bahnen. Mit fünf Jahren hatte Susannah die weltfremden Gepflogenheiten eines älteren Menschen entwickelt. Kein einziges Mal erhob sie ihre Stimme, lachte nur selten und weinte nie. Um der gruseligen Pelzhölle zu entrinnen, tat sie alles, was in ihrer begrenzten Macht stand. Sie bemühte sich so eifrig, brav zu sein, dass sie wahrscheinlich gewisse Erfolge erzielt hätte. Doch eines Nachts, im Tiefschlaf, ließ sie ihr eigener Körper schmählich im Stich.

Sie begann ins Bett zu machen.

Wann es passieren würde, wusste sie niemals im Voraus. Manchmal verging ein ganzer Monat ohne peinliche Zwischenfälle. Und dann erwachte sie eines Morgens und lag wieder in ihrem Urin. Großmutter Bennetts papierdünne Nasenflügel bebten angewidert, wann immer die Enkelin nach solchen Nächten zu ihr gebracht wurde. Nicht einmal Susannahs unmanierliche Mutter Katherine hatte sich jemals so abscheulich benommen.Susannah versuchte ihr nasses Bettzeug zu verstecken.

Kundenbewertungen zu "Die Herzensbrecherin" von "Susan E. Phillips"

8 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.6 von 5 Sterne bei 8 Bewertungen **** ausgezeichnet)
***** ausgezeichnet
 
(6)
***** sehr gut
 
(1)
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(1)
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Bewertung von Helmut aus Wiesbaden am 25.05.2012 ***** gut
Ich lese gewöhnlich keine Bücher mit Titel wie "Die Herzensbrecherin". Klingt mir wie billige Romanhefte frühere Zeiten. Nur auf Empfehlung habe ich in obiges Buch reingeschaut und war überrascht und eingenommen von Stil und Thema des Buches,das allerdings mit dem Titel des Buches nichts zu tun hatte.Wer den Titel gefunden hat,hat das buch bestimmt nicht gelesen. Nicht zutreffende Titel findet jeder noch so Dumme.Mich wundert,daß die Verfasserin damit einverstanden war. Oder hat sie nicht mitzureden.Ich schwanke jetzt zwischen Titelverachtung und Anerkennung gegenüber der Verfasserin. Dazu zwei Bewertungen: Sehr gut und schlecht.

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Bewertung von bLond-girl002 aus Halle am 28.05.2010 ***** sehr gut
Ihr Leben lang war Susannah Faulconer die perfekte Tochter, Schwester und Verlobte. Bis sie eines Tages den unzuverlässigen, High-Tech spezialisierten Sam Gamble kennen lernt. Und als dieser auch noch auf ihrer Hochzeit auf seiner Harley Davidson auftaucht, traut sie sich endlich auszubrechen, aus dieser perfekten Welt. Obwohl sie weiß, dass ihr Vater, ihre Schwester und ihr Ex-Verlobter sie von jetzt an verachten, kehrt sie nicht zurück. Sondern sie gründet mit ihrem neuen Ehemann Sam und seinem verrückten Freund Yank Yankowski eine neue Firma, die bald der Firma der Faulconers Konkurrenz macht. Und als auch noch der Marketingfachmann Mitch Blain in die Firma einsteigt, sind sie nicht mehr aufzuhalten. Doch dann folgt überraschend die Scheidung von Sam. Was nun aus der Firma wird, warum sich Mitch plötzlich so komisch verhält und wie es mit ihrer anderen Familie -den Faulconers- weitergeht, erfährt man hier.
Eine aufregende, spannende aber auch amüsante Geschichte liefert uns wieder einmal Susan E. Phillips. Und auch der geschichtliche Ausflüg in das Silicon Valley der 1960er Jahre passt genau zum Geschehen um Susannah und ihre "drei Musketiere". Eine einfache Lektüre, die man gerne weiterempfiehlt!

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Bewertung von Michaela aus Bob. am 22.04.2008 ***** ausgezeichnet
Ich muss zu allererst mal sagen, dass ich SEP Romane liebe und sie meistens innerhalb von spätestens 2 Tagen regelrecht verschlungen habe.

Bei diesem allerdings ging es mir leider, leider nicht so! Ich war anfangs vom Klappentext begeistert und habe mich gefreut als ich das Buch in Händen hielt, aber nach wenigen Seiten war die Euphorie verflogen, die Geschichte erschien mir seeeehr zäh und wurde erst im zweiten Teil etwas interessanter. Man muss allerdings dazu sagen, das auch wenn die Handlung eine Weile braucht um warm zu werden, doch eine gewisse Spannung mit sich bringt (allerdings noch mehr wenn man sich für Technik und Computer interessiert). Ich hatte aber nicht das Bedürfnis das Buch sehr schnell fertig zu lesen.
Ich halte es daher für eins der schlechteren SEP Bücher.

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Bewertung von M. T. aus Münster am 08.08.2007 ***** ausgezeichnet
Das Buch "Die Herzensbrecherin" von Susan Elizabeth Phillips ist einfach nur4 spitze. Zu diesem Buch: Sie beschreibt gut die Gefühle anderer, und dabei gibt es nicht immer nur um gute Tage, es wechselt zwischen dem Glück und Trauer von Susannah, der Hauptakteurin und ihren Mitmenschen. Ich kann dieses Buch nur empfehlen, denn mich hat es überzeugt! Die Autorin schreibt von einer Frau, die ganz durcheinander ist in ihrem Leben, und es bewältigen muss. Dabei kommen ihr immer wieder neue Steine in den Weg. Geschildert wird die Frau durch ihre Stimmungsschwankungen...
Das Buch ist sehr spannend und interessant geschrieben. Obwohl es 600 Seiten ungefähr hat, legt man es nicht aus der Hand. Das Buch ist sehr fesselnd und auf jedenfall empfehlenswert!

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Bewertung von HelFi aus Bayern am 23.07.2006 ***** ausgezeichnet
Die Anzahl der Seiten schrecken einen doch vorerst ab. Aber das Buch ist von Anfang bis zum Ende spannend mit immer neuen Überraschungen. Mein Lieblingsbuch von S.E.P. ist nachwievor Träum weiter Liebling, doch dieses Buch kann ich dennoch empfehlen.

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Bewertung von Katharina aus Bremen am 08.07.2006 ***** ausgezeichnet
das buch ist sehr gut, ich habe jede seite verschlungen. es war eine atemberaubende geschichte und ich werde dieses buch bestimmt noch öfter lesen.

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Bewertung von Angela aus Rügen am 24.03.2006 ***** ausgezeichnet
Ich fand dieses Buch auch wunderbar,habe es fast verschlungen.Sehr lesenswert ,gute Ablenkung im Alltagsstress.

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Bewertung von Marianne aus Westerwald am 06.03.2006 ***** ausgezeichnet
Habe das Buch von einer Freundin geschenkt bekommen. Da ich in den letzten Jahren kaum zum lesen kam, schreckten mich die vielen Seiten erst ab. Doch von der ersten Seite bis zur letzten war das Buch kurzweilig, amüsant und erotisch geschrieben.

Das wird nicht das letzte Buch gewesen sein, dass ich von dieser Autorin gelesen habe.

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