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| Bewertung von erckenschwicker aus Tussenhausen am 02.02.2010 | |
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Nie und nimmer Heinrich von Kleist, dafür “nur” Dagmar Leupold ... Wer Kleist schätzt, seine wuchtige und klare Sprache liebt, wer seine poetischen Bilder kennt, und nur aus diesen und anderen auf Kleist bezogenen Gründen das Buch lesen möchte, dem dürfte Enttäuschung garantiert sein. Will man sich jedoch von einer fiktiven Idee (eben des Gedankenaustausches zweier imaginärer Personen, im Buch als Kleist und Meinhof benannt) geleitet auf eine Auseinandersetzung über Sinnfragen, Lebensgestaltung, Verantwortlichkeit, und persönliche Schwerpunktsetzung einlassen, dann kann das Buch durchaus mit Gewinn gelesen werden. Klar dürfte jedenfalls werden: Man liest Dagmar Leupold, sowohl in allem, was sie Kleist in den Mund (in die Schrift) legt als auch in den Repliken einer erfundenen Meinhof. Hier wurden überwiegend wohl eigene Gedanken und Überlegungen in U. Meinhof, vor allem aber (allein schon wegen der Quantität der Äußerungen!) in Kleist hineinprojiziert. Übrigens neu ist die Idee, derartige historische Bezogenheit zu konstruieren nicht, insofern übertreibt der Klappentext oder auch Leupold selbst, wenn sie sagen läßt: “Auf die Idee muss man erst einmal kommen! Während die anderen arbeiten und schlafen, ergeben sich Verbindungen, die ihnen Albträume bescherten, wüssten sie davon.” Wenn Leupold in einem Interview im BR sagt, es handele sich hier um “exotische Ideen”, wenn sie feststellt “Sprachräume tun sich auf” und die Konzeption von Gestalt sei Aufgabe der Phantasie der Leser, dann weist sie schon in die Richtung, wie mit “Die Helligkeit der Nacht. Ein Journal. Roman” umgegangen werden kann: Auseinandersetzung mit Kontexten (persönlich, sozial und politisch – so auftrennbar wohl nur aus vereinfachender analytischer Untersuchungsperspektive) und ein Bemühen um die jeweils subjektive Verortung in jenen Vernetzungen. Sprachlich ist das Buch stellenweise anstrengend zu lesen. Dies liegt einerseits daran, daß immer wieder wenig in die Tiefe gehende, stellenweise penetrante, pädagogische Zeigefinger den Weg zu weisen sich bemühen (aber für besseren Tiefgang kann man ja durch diesen kognitive Dissonanz erzeugenden Sachverhalt dann gut selbst sorgen), stellenweise Sprache sich in vagen Andeutungen ergeht (und so ihren Mitteilungscharakter stark einbüßt – was freilich wieder anregend sein kann, aber die Frage aufwirft, ob diese so ausgelöste Beliebigkeit im Sinn eines Autors sein kann), teilweise gleichsam “professorale Gescheitheit” suggeriert (was den ansonsten doch recht klug gewählten Duktus stört, ohne dies aus dem geschilderten Geschehen zwingend werden zu lassen). Geradezu hinterfragwürdig sind viele Sprachbilder (die vor allem alles andere bewirken dürften als Assoziationen zu Kleist herzustellen). Dem sonstigen Niveau des Buches sind Aussagen wie “das eisschleckende Städtchen” (Schilderung eines Aufenthaltes in Naumburg an der Saale), “die Flüsterpost der Ungeflügelten” (wohl eher eine Pseudo-Kleistsche Imitationsakrobatik), “Die Flanken der Hügel atmeten verhalten”, “Die Felder liegen in satter Starre”, “vor mir schlief die Tischtennisplatte” u.v.m. wohl eher abträglich. Daß es auch sprachlich (wohl auch authentischer) durchgängig, stringent, besser geht, hat Christa Wolf in ihrem literarischen Konstrukt der Begegnung von Heinrich von Kleist mit Karoline von Günderrode (Kein Ort. Nirgends) bewiesen. So kann man sehr leicht auch zu dem Schluß kommen, daß die für das Buch gewählten Personen austauschbar sind, daß vereinfacht gesagt, irgendwelche zwei gescheite und zweifelnde und ringende, um Fragen und Antworten gleichermaßen bemühte Charaktere, jedoch dann “namenlose” (also ohne jegliche spektakuläre Berühmtheit aufweisende) ebenso den Zweck erfüllt hätten. Warum also zum jetzigen Zeitpunkt dieses größtenteils zu Unrecht mit Kleist-Bezug “werbende” Buch? Drängt sich der Verdacht auf, es könnte mit dem “Jubiläumsjahr” (200. Todestag am 21. November 2011) zusammenhängen? Erscheint die Autorin nicht selbst am Schl |
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