Die große Beleidigung - Wondratschek, Wolf

Wolf Wondratschek 

Die große Beleidigung

Vier Erzählungen

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Die große Beleidigung

Eine alte Dame vor einem Geschäft mit Seidenstrümpfen auf dem Graben in Wien; ein Schriftsteller, der an der "Erfindung eines glücklichen Menschen" arbeitet; ein Regisseur, der sein Zimmer nicht mehr verlässt; eine Ballerina, die nicht mehr tanzen kann. Die Personen in den vier rätselhaften Geschichten des Buches haben alle einen Traum von der Schönheit und sind davon überzeugt, dass "das Richtige zuletzt ohne unser (wie auch immer geschicktes) Zutun geschieht."

"Ich war eine kleine Hure. Ich war eine Trophäe für jeden, der sich einbildete, mich bändigen zu können", erzählt die russische Emigrantin. Männerkleider trug sie, um bei Duellen anwesend sein zu können. "Und dem, mit dem ich dann zu einem Rendezvous verschwand, gefiel es, dass er am Ende doch bekam, was er wollte." In diesen vier rätselhaften, melancholischen Künstlernovellen ist vom Scheitern die Rede und von der Schönheit. Die Personen sind davon überzeugt, dass "das Richtige zuletzt ohne unser (wie auch immer geschicktes) Zutun geschieht". Sie lassen es zu, dass andere die Archäologie ihrer Seele erforschen, und behalten dabei doch ihr Geheimnis.


Produktinformation

  • Verlag: DTV
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 142 S.
  • Seitenzahl: 142
  • dtv Taschenbücher Bd.13059
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 120mm x 11mm
  • Gewicht: 160g
  • ISBN-13: 9783423130592
  • ISBN-10: 3423130598
  • Best.Nr.: 10869888
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.03.2001

Vier Schüsse in den Ofen
Wolf Wondratschek verbiedert

Ganz am Anfang, also anno dazumal 1969, da schrieb Wolf Wondratschek eine Prosa, die sich noch gewaschen hatte. Nun, dreißig Jahre, viele, viele unnötige und ein paar wenige notwendige und schöne Worte später, schreibt Wolf Wondratschek leider nur noch eine Prosa, die sich gepudert hat, bis es staubt. "Die große Beleidigung" heißen die "Vier Erzählungen", die der nunmehr fast sechzigjährige Autor in diesem Frühjahr vorlegt. Und schon der Titel zeigt, wie Wondratschek, der zu Zeiten, als das Beleidigen noch geholfen hat, andere und sich selbst wortreich zum "Arschloch" erklärte, inzwischen, müde geworden, den Vorgang nur noch akademisch benennt, um sich wenigstens ein klein wenig am Echo des brachialen Wortes aufzurichten. "Die große Beleidigung" - so könnte der Titel einer Hauptseminararbeit der Neueren Germanistik lauten, Untertitel "Die frühen Prosawerke und Gedichte Wolf Wondratschek als lyrische Protestform gegen die gesellschaftliche Situation in der Bundesrepublik in den siebziger und achtziger Jahren." Leider lautet so aber nun Wolf Wondratscheks neuestes Buch.

Statt für …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.05.2001

Der Ruhm ist die Sonne des Todes
Wolf Wondratschek legt vier reife Künstlernovellen vor, in denen aus Musenjüngern Krieger werden: „Die große Beleidigung”
Ein Titel soll den Farbton eines Buches wiedergeben, nicht seinen Inhalt. Das beherzigt der Schriftsteller Wrenkh in einer von Wolf Wondratscheks neuen vier Erzählungen. „Die große Beleidigung” heißt das Buch, und wollte man nach der passenden Farbe für diese sich selbstironisch antizipierende Altersprosa suchen, so käme nur ein tiefes Ebereschenrot in Frage. „Wo aber fülltest, färbtest, reiftest du –?” möchte man mit Benns Gedicht „Ebereschen” Wolf Wondratschek als bewährten Meister der Trivialmythen, als selbststilisierten Steppenwolf der Gegenwartsliteratur fragen.
Mit dieser Prosa gibt er eine souveräne Antwort. Er widerlegt so manches hartnäckige, jahrzehntealte Vorurteil, von denen nur eines zitiert sei, weil es so kauzig formuliert ist: Fritz Schönborn alias Herbert Heckmann meinte in seiner „Deutschen Dichterflora” von 1978, eine botanische Sensation ausgemacht zu haben: „Die Wondratscheke fühlt sich am wohlsten in Schlagermüll und in Frauenhänden und bevorzugt …

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Wolf Wondratschek ist freier Schriftsteller und lebt in München und Wien.
Er wurde 1943 in Rudolstadt/Thüringen geboren; aufgewachsen in Karlsruhe. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie in Heidelberg, Göttingen und Frankfurt am Main war Wondratschek 1964-65 Redakteur der Zeitschrift "Text + Kritik". Die erste Buchveröffentlichung "Früher begann der Tag mit einer Schusswunde" folgte 1969. Neben Gedichten, Liedern und Romanen veröffentlichte Wondratschek zahlreiche Hörspiele, Filme und Schallplatten und schrieb kontinuierlich für Zeitschriften und Anthologien.

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