Die Fliegenfängerfabrik - Bart, Andrzej

Andrzej Bart 

Die Fliegenfängerfabrik

Roman

Übersetzung: Lempp, Albrecht
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Die Fliegenfängerfabrik

Ein geheimnisvoller Gast fordert einen polnischen Schriftsteller auf, in seine Heimatstadt Lodz zu fahren und als Beobachter an einem Gerichtsprozess teilzunehmen. Ein Teufelspakt?
Es beginnt eine Wanderung zu einem Ort, an dem historische Gestalten in eine phantastische Welt treten. Angeklagt in einem fiktiven Prozess ist der Vorsitzende des Judenrats im Lodzer Ghetto, Chaim Rumkowski. Ein manischer Organisator, der im Glauben, die Lodzer Juden vor Auschwitz retten zu können, aus dem Ghetto ein prosperierendes Unternehmen machte, das nun zum Wohl des Dritten Reichs arbeitete - noch ein Teufelspakt?
Der Stimmenchor der Zeugen und Opfer kreist um die Fragen nach historischer Schuld - denn letztlich bewahrte der selbst ernannte Retter niemanden, nicht einmal sich selbst, vor dem Tod: Was war Rumkowskis Motiv? Die Sorge um das Schicksal der Gemeinschaft oder Machtgier? Darf man Menschenleben gegeneinander aufrechnen?
Ein intelligentes Spiel mit literarischen Stilen und Motiven in einer kafkaesken Atmosphäre und mit einer gehörigen Portion Selbstironie.


Produktinformation

  • Verlag: Schöffling
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 259 S.
  • Seitenzahl: 259
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 139mm x 25mm
  • Gewicht: 405g
  • ISBN-13: 9783895612954
  • ISBN-10: 3895612952
  • Best.Nr.: 32603029
"Andrzej Bart schreibt mit magischer Kraft und unwiderstehlichem Sog." Gazeta Wyborcza

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.02.2011

Anklage des Gettokönigs

Andrzej Bart gibt mit "Die Fliegenfängerfabrik" sein spätes deutsches Debüt. Zu entdecken ist ein Zeitroman, der das historische Trauma des Holocaust mit postmodernen Mitteln umkreist - und zentrale Fragen nach Schuld und Sühne stellt.

Die Vergangenheit hat uns fest im Griff. Der Mann, der solche Sätze sagt, weiß genau, wovon er spricht: Seine Bücher spielen immer in der Vergangenheit - selbst dann, wenn sie in der Gegenwart angesiedelt sind. Dieses Paradox scheint weniger dem literarischen Kalkül als dem natürlichen Zeitgefühl des polnischen Autors Andrzej Bart geschuldet: Die Gegenwart, so eine seiner Selbstauskünfte, bedeute nur einen kurzen Moment, die Zukunft etwas, was man lediglich ahnen könne. Einzig die Vergangenheit sei das, was man wirklich kenne. So könnte man ihn für einen historischen Schriftsteller halten, doch nichts falscher als das: Die Geschichte dient ihm nur als Folie, als Kostüm, als Spiegel, den er gern dem heutigen Leser vorhält.

Schon sein preisgekrönter Debütroman "Rien ne va plus" (1991) war eine eindrucksvolle Demonstration dieser Zeitauffassung: Bart erzählte von einem …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Rezensentin Katrin Hillgruber stellt wohlwollend diesen Roman des polnischen Autors Andrzej Bart vor, ohne aber ein explizites Urteil zu fällen. Er erzählt die dramatisch-tragische Geschichte Chaim Rumkowskis, des einstigen Königs des Ghetto von Lodz. Rumkowski gebärdete sich offenbar so herrisch, dass er - nach der Deportation aller Ghetto-Bewohenr nach Auschwitz - von seinen eigenen Leuten in den Verbrennungsofen gestoßen wurde. Bart inszeniert gegen Rumkowski nun einen Schauprozess, wobei er die schrecklichsten Gräuel immer wieder mit heiteren Episoden bricht und seinen aus der Rolle fallenden Portagonisten eine "Bunuelsche Eleganz" gewährt. An einen "dunkel oszillierenden Moire-Stoff" fühlt sich die Rezensentin erinnert, aber ob er ihr passt, das sagt sie nicht.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Andrzej Bart schreibt mit magischer Kraft und unwiderstehlichem Sog." Gazeta Wyborcza

Rezensentin Katrin Hillgruber stellt wohlwollend diesen Roman des polnischen Autors Andrzej Bart vor, ohne aber ein explizites Urteil zu fällen. Er erzählt die dramatisch-tragische Geschichte Chaim Rumkowskis, des einstigen Königs des Ghetto von Lodz. Rumkowski gebärdete sich offenbar so herrisch, dass er - nach der Deportation aller Ghetto-Bewohenr nach Auschwitz - von seinen eigenen Leuten in den Verbrennungsofen gestoßen wurde. Bart inszeniert gegen Rumkowski nun einen Schauprozess, wobei er die schrecklichsten Gräuel immer wieder mit heiteren Episoden bricht und seinen aus der Rolle fallenden Portagonisten eine "Bunuelsche Eleganz" gewährt. An einen "dunkel oszillierenden Moire-Stoff" fühlt sich die Rezensentin erinnert, aber ob er ihr passt, das sagt sie nicht.

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Andrzej Bart, geboren 1951, ist Filmschaffender und einer der bedeutendsten polnischen Schriftsteller der Gegenwart. 2012 wurde ihm der Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis der Partnerstädte Thorn (Toruñ) und Göttingen verliehen.

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