Neue Untersuchungen zum zählebigsten Dokument des modernen
Antisemitismus.
Unter dem Titel "Protokolle der Weisen von Zion" ist eine
Schrift bekannt, die die Juden bezichtigt, auf
konspirativ-subversive Weise nach der Weltherrschaft zu streben.
Entstanden um 1900, dürften die "Protokolle" das noch
immer am weitesten verbreitete Dokument des modernen Antisemitismus
sein. Bis heute sind die genauen Umstände ihrer Entstehung
ungeklärt. Vor allem die Fragen, wer an der Abfassung beteiligt war
und welche Absichten dabei verfolgt wurden, sind noch immer offen
und Gegenstand weitreichender, oft phantastischer Spekulationen.
Aktuell erzählt Umberto Eco in seinem Roman "Der Friedhof in
Prag" eine fiktive Version der Fälschungsgeschichte. Die hier
versammelten Essays präsentieren neue Erkenntnisse zur Herkunft und
Verbreitung der "Protokolle". Es werden bislang
vernachlässigte Aspekte des ominösen Textes untersucht: seine
Resonanzen mit politischen Utopien, aber auch mit den
Verschwörungstheorien des 19. Jahrhunderts; die Verwendung der
plagiierten Quellen und sein Status als Plagiat; und nicht zuletzt
die Struktur eines Textes, der zwar viel zitiert, aber selten
gelesen wurde.
Mit Beiträgen u.a. von:
Alfred Bodenheimer, Carlo Ginzburg, Richard S. Levy, Cesare G. De
Michelis, Ulrich Raulff
Dr. Eva Horn hat Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik, Romanistik und Philosophie in Bielefeld, Konstanz und Paris studiert. Im Rahmen des Konstanzer Sonderforschungsbereichs 511 'Literatur und Anthropologie' arbeitet sie z. Z. an einem Forschungsprojekt zur Anthropologie des Krieges zwischen 1914 und 1933.
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