Die Entscheidung/Werkausgabe, 20 Bde. u. Registerbd.
Um drei ehemalige Spanienkämpfer, die sich seit ihrer Verwundung
aus den Augen verloren haben, verzweigt Anna Seghers ein breit
angelegtes Handlungsgefelcht mit unterschiedlichen Schauplätzen.
Alle ihre Figuren sind von der Tragödie der geteilten Weltin der
Nachkriegszeit erfaßt. Der Konflikt dringt in jedes private
Schicksal ein und fordert Entscheidungen. Wie Anna Seghers diese
inneren und äußeren Kämpfe in ihren menschlichen Dimensionen
beschreibt, gehört zu der zeitlosen Qualität dieses Romans.
Eigenen Angaben nach begann Anna Seghers 1954, diesen Roman zu
schreiben. Nach Unterbrechungen durch Krankheiten oder andere
literarische Projekte nahm sie die Arbeit 1957 wieder auf und
beendete sie Ende 1958. Als "Die Entscheidung" 1959
erschien, polarisierte das Buch die Rezeption im Osten und im
Westen, wenn sie das Ergebnis einer einseitigen, vom Kalten Krieg
diktierten Lesart war.
Diese Edition, die auf der Erstauflage des Aufbau-Verlages basiert,
bietet mit einem ausführlichen Anmerkungsapparat, der
zeitgeschichtliche Bezüge des Textes erläutert, die Basis für eine
Neubewertung. Dazu gibt der Kommentar aufschlußreiche Einblicke in
den Entstehungsprozeß des Romans, dessen erste Spuren auf die Zeit
der Rückkehr von Anna Seghers aus dem mexikanischen Exil verweisen.
Anders als bei ihren früheren Werken sind zu diesem ersten
Nachkriegsroman der Autorin zahlreiche Zeugnisse der
Manuskriptgeschichte erhalten: handschriftliche Notizen, Entwürfe,
Typoskripte, inhaltlich und stilistisch immer wieder überarbeitete
Manuskriptvarianten und Korrekturen. Es gibt interessante Belege
für die detaillierten historischen und regionalen Recherchen, mit
denen sich Anna Seghers in den ihr fremden Stoff einzuarbeiten
versucht. Die Intensität und Akribie dieser jahrelangen Arbeit
widerlegen die Behauptung zeitgenössischer Kritiker, daß Anna
Seghers diesen Roman als Auftragsarbeit oder Pflichterfüllung
abgetan habe.
Um drei ehemalige Spanienkämpfer, die sich seit ihrer Verwundung
aus den Augen verloren haben, verzweigt Anna Seghers ein breit
angelegtes Handlungsgeflecht mit unterschiedlichen Schauplätzen.
Alle ihre Figuren sind von der Tragödie der geteilten Welt in der
Nachkriegszeit erfaßt. Der Konflikt dringt in jedes private
Schicksal ein und fordert Entscheidungen. Wie Anna Seghers diese
inneren und äußeren Kämpfe in ihren menschlichen Dimensionen
beschreibt, gehört zu der zeitlosen Qualität dieses Romans. Als er
1959 erschien, wurde er im Westen heftig kritisiert und im Osten
hochgelobt. Den einen galt er als Staatsdichtung, den anderen als
gelungener Bericht über die Aufbau-Jahre der DDR. Befreit man den
Roman aus dem Kontext des Kalten Krieges, treten Motive in den
Vordergrund, die aus der gesamtdeutschen Trümmerliteratur bekannt
sind: Bilder von einem Land, das durch Nationalsozialismus und
Krieg schwer beschädigt wurde, von Menschen, die mit dem zähen Mut
der Verzweiflung nach einer neuen Lebensperspektive suchen.
Anna Seghers, geb.1900 als Netty Reiling 1900 in Mainz. Den Namen Anna Seghers führt sie als Schriftstellerin ab 1928. 1920-24 Studium in Heidelberg und Köln: Kunst- und Kulturgeschichte, Geschichte und Sinologie. Erste Veröffentlichung 1924: Die Toten auf der Insel Djal . 1925 Heirat mit dem Ungarn Laszlo Radvanyi. Umzug nach Berlin. Kleist-Preis. Eintritt in die KPD. 1929 Beitritt zum Bund proletarisch- revolutionärer Schriftsteller. 1933 Flucht über die Schweiz nach Paris, 1940 in den unbesetzten Teil Frankreichs. 1941 Flucht der Familie auf einem Dampfer von Marseille nach Mexiko. Dort Präsidentin des Heinrich-Heine-Klubs. Mitarbeit an der Zeitschrift Freies Deutschland . 1943 schwerer Verkehrsunfall. 1947 Rückkehr nach Berlin. Georg-Büchner-Preis. 1950 Mitglied des Weltfriedensrates. Von 1952-78 Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR. Ehrenbürgerin von Berlin und Mainz. 1978 Ehrenpräsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. 1983 in Berlin gestorben.
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