Die deutsche Krankheit - Willms, Johannes

Johannes Willms 

Die deutsche Krankheit

Eine kurze Geschichte der Gegenwart

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Die deutsche Krankheit

Auch Staaten und Völker haben ihre Gebrechen. Die deutsche Krankheit diagnostiziert eine kranke deutsche Normalität - und die Ursachen des Leidens reichen weit zurück. Johannes Willms erklärt sie in fünf Kapiteln - Morphologie (Dreißigjähriger Krieg), Infektion (Ausformung der Kleinstädte, zählebige Biotope kleinbürgerlicher Werterhaltung), Inkubation (Ausbildung des neuen Mittelstands als Folge der industriellen Revolution), der Nationalsozialismus als Vollbild der "deutschen Krankheit" und schließlich die Mutation: eine angeblich abgeschlossene Genesungsphase der deutschen Gesellschaft.

Wie voreilig diese Einschätzung war, zeigt Willms' provozierende historische Diagnose, er stellt die positive deutsche Selbstwahrnehmung, die vermeintliche Normalität des heutigen Deutschland radikal in Frage.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 176 Seiten
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783446200784
  • ISBN-10: 3446200789
  • Best.Nr.: 09813140

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Einen "skeptischen Beobachter des Heute" nennt Wilhelm von Sternburg den Autor. Und wenn der in seinem Essay auch "nichts wirklich Neues" zu berichten weiß, wie es in der Besprechung heißt, so zollt der Rezensent doch einem Mut Respekt, der "in diesen Zeiten der Anpassung ... von der selbst verschuldeten Unmündigkeit" spricht. Angetan zeigt sich Sternburg auch von der lakonischen und interessanten Art, mit der der Autor "die deutsche Krankheit" als die "Herrschaft des unbesiegbaren Kleinbürgertums" entlarvt. Von gelegentlichen "überflüssigen Details" abgesehen, findet es Sternburg "hübsch zu lesen", dass der "kleine Mann" nicht nur Opfer, "sondern in erheblichem Maße auch Täter" ist.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.11.2001

Messerscharf
Von SZ-Autoren: Johannes Willms
untersucht die deutsche Krankheit
Wer geglaubt hat, dass die in diesem Lande alltäglichen rechtsradikalen und neonazistischen Ausschreitungen, Übergriffe und Mordtaten nur Ergebnis jüngerer und jüngster Geschichte in Deutschland seien, der wird durch den Essay von Johannes Willms eines Anderen belehrt. In fünf Kapiteln – Morphologie, Infektion, Inkubation, Vollbild und Mutation – wird quer durch die deutsche Historie jene spezifisch „deutsche Krankheit” diagnostiziert, die sich schließlich im „Vollbild” des Nationalsozialismus austobte und auch nach der deutsch-deutschen Vereinigung in „Mutation” virulent bleibt. Die Spuren der „Infektion” aber reichen bis in die Zeit der Pestepedemien im 14. und 15. Jahrhundert zurück, in deren Umfeld sich Judenpogrome häuften. Die Reformation und ihre Folgen führten Habgier- und Gewaltorgien im Großen vor bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges mit dem Ergebnis eines Gleichgewichts der Ohnmacht für das Reich. Im Kleinen der Städte erwiesen sich die Fremde abweisenden Zunftordnungen und die sich daraus entwickelnde Mittelstandsideologie als jener …

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