Die Champagner-Diät - Lind, Hera

Hera Lind 

Die Champagner-Diät

Roman

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Die Champagner-Diät

Als Eva von ihrem Mann verlassen wird, erwacht sie aus ihrem Dornröschenschlaf, ohne je eine Prinzessin gewesen zu sein. Mit ihren dreißig Kilo Übergewicht kämpft sie sich aus dem Sessel und tut zum ersten Mal im Leben etwas nur für sich.

Der Käsekuchen ist noch warm, als Evas Mann die Tür hinter sich schließt. Gerade noch freute sich Eva auf einen gemütlichen Abend, jetzt bricht ihre Welt zusammen. Womit hat sie das verdient, nach all den Jahren? Zugegeben, mit fast 100 Kilo sieht sie nicht mehr ganz so toll aus, aber zählen nach 13 Jahren Ehe nicht auch die inneren Werte? Eva braucht nicht lange, um zu begreifen, dass Männer innere Werte nur bis Kleidergröße 36 spannend finden. Aber zum Glück sind Computer genauso blind wie die Männer. So testet Eva im Chatroom ihre Marktchancen und schlüpft erst aus Verzweiflung und dann aus purer Lebenslust in eine andere Haut.

Mit unvergleichlichem Witz und voller Zuneigung für jedes Gramm Hüftgold an den Frauen erzählt Hera Lind von einer Dicken, die endlich richtig anfängt zu leben.

"So leicht und unterhaltsam geschrieben, wie man es von Hera Lind gewohnt ist." -- Freundin

"Das Leben schreibt eben auch schöne Geschichten!" -- Woman

"Mit ihrem neuen Roman beschert Hera Lind ihren Fans wieder vergnügliche Stunden." -- Echo der Frau


Produktinformation

  • Verlag: Diana
  • 2007
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 351 S.
  • Seitenzahl: 352
  • Diana-Taschenbücher Nr.35191
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 28mm
  • Gewicht: 333g
  • ISBN-13: 9783453351912
  • ISBN-10: 3453351916
  • Best.Nr.: 20948009
-So leicht und unterhaltsam geschrieben, wie man es von Hera Lind gewohnt ist." Freundin Tolles Beispiel, wie man sich neu erfinden kann. Neue Woche

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.08.2006

Powerfrauen zu Keksen
Es gibt Gründe, sie zu lesen: Hera Linds neueste Romanlieferung

Die Bücher von Hera Lind sind millionenfach verkauft worden. Wer liest sie? "Das Superweib", "Die Zauberfrau", den "Mann für jede Tonart"? Zum Beispiel die Mutter der Friseurin Sabine. Fünf Kinder. Als die noch klein waren, Groschenromanleserin. Das zerfledderte Heftchen im Kittel. Um drei Uhr nachmittags noch am Herd. Danach kurze Zeit für das Glück auf der Alm oder in der Klinik. Seit die Kinder aus dem Haus sind, haben mit Hera Linds Romanen "richtige Bücher" bei ihr Einzug gehalten.

Das neueste dieser Bücher beginnt, wie alle anderen, mitten im Leben: Eine üppige Enddreißigerin hat es sich in ihrer Hausfrauenwelt so bequem gemacht, daß sie über den nächsten Apfelkuchen nicht hinaus denkt. Sie fällt in die Tiefen des Sofasessels, als sie von ihrem Ehemann wegen des ranken schwedischen Kindermädchens verlassen wird. Heftige Heißhungerattacken folgen, bevor sie den steinigen Weg zu einem leichteren Dasein beschreitet und sich einer Gruppe abnehmwilliger Schwergewichte anschließt, in Anlehnung an den Erfolgsratgeber einer Kollegin humorig …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die Gründe, die Sandra Kerschbaumer letztlich gelten lässt, Hera Linds Hausfrauen-Roman über Leid, Therapie und neues Glück in die Hand zu nehmen, sind eher bescheiden. In Sachen Humor, Ästhetik und Figurenkonzeption sollte der Leser lieber nicht zu viel erwarten. Als gewisse Vorzüge nennt die Rezensentin dagegen: handwerkliche Solidität, Heiter- und Kurzweiligkeit und einen quasi therapeutischen Effekt, den diese Prosa bewirken kann. Ein kritisches Bewusstsein wünscht Kerschbaumer dem Leser und der Leserin allerdings schon. Die ein oder andere im Buch auftauchende "nicht unproblematische Rollenerwartung" könnte andernfalls übersehen werden.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Das Leben schreibt eben auch schöne Geschichten!" (Woman)

"Das Leben schreibt eben auch schöne Geschichten!"
Hera Lind studierte Germanistik, Musik und Theologie und war Sängerin, bevor sie mit ihren zahlreichen Romanen von "Das Superweib" bis "Die Champagner-Diät" sensationellen Erfolg hatte. Im Diana Verlag erschien zuletzt "Der Überraschungsmann". Auch mit ihren Tatsachenromanen "Wenn nur dein Lächeln bleibt", "Der Mann, der wirklich liebte" und "Himmel und Hölle" eroberte sie wieder die SPIEGEL-Bestsellerliste. Hera Lind lebt mit ihrer Familie in Salzburg.

Leseprobe zu "Die Champagner-Diät" von Hera Lind

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Leseprobe zu "Die Champagner-Diät" von Hera Lind

Nebenan duftete der Käsekuchen im Backofen. Ein frischer Beweis ehelicher Treue und Beständigkeit. Ich sollte ihn rausholen, dachte Eva Fährmann, er ist genau richtig. Der Sahnequark ist so goldgelb und locker, wie er sein muss, und die Vanillestreusel sind kross und warm. Jetzt muss nur noch Leo kommen, das wäre perfekt.

"Liebe geht durch den Magen", grunzte ihr innerer Schweinehund zufrieden. Er war ein riesiger, fetter Bursche von Furcht erregender Massigkeit. Natürlich konnte ihn nur Eva Fährmann sehen und hören. Wie bei allen Moppeln dieser Welt war ihr innerer Schweinehund ihr dickster Freund und gleichzeitig ihr ärgster Feind.

Er sprach ständig mit ihr, ließ sie nie in Ruhe.

"Probier doch schon mal ein Stückchen!", drängte er gierig.

"Sitz, Fährmann! Ich warte auf Leo."

Das massige Tier setzte sich so unwillig, dass es platschte.

"Wenn dein Alter nicht bald nach Hause kommt, fällt die ganze Pracht in sich zusammen", maulte es. "Außerdem schmeckt der Käsesahnestreuselkuchen kalt nur halb so gut, und aufwärmen kann man ihn nicht, das wissen wir beide ganz genau."

"Fährmann, ich kann mich beherrschen!"

"Schade", sagte Fährmann und verzog sich unter die Küchenbank.

Eva schüttete Puderzucker in ein feines Sieb und streute ihn vorsichtig über die duftende Köstlichkeit. Genau in diesem Moment hörte sie das ersehnte Motorengeräusch in der Auffahrt. Eva seufzte erleichtert auf.

"Na also! Da ist er ja!"

Fast schon hätte sie sich Sorgen um ihren Mann gemacht. Er sah unverschämt gut aus für sein Alter und war in letzter Zeit verdächtig viel auf Achse ... Doch ihre Sorgen waren überflüssig, denn da war er, und ihre gemütliche Teestunde konnte beginnen.

Hastig putzte Eva ihre Brille und zog die Kittelschürze aus. So. Nun konnte sie Leo gegenübertreten.

Eva starrte durch das Fenster. Leo stand unter der Kastanie und telefonierte. Warum kam er denn nicht herein bei der Kälte?

"Irgendetwas ist anders als sonst", murmelte sie düster.

Draußen türmten sich dichte Wolken, wie vor einem Gewitter, da braute sich irgendetwas Unheimliches zusammen. Heftige Januarwinde bogen die kahlen Kastanien, die die Auffahrt säumten. Schneeregen tanzte auf den Marmorplatten der Terrasse.

Leo schlug den Kragen seiner karamellfarbenen Kaschmirjacke hoch, als er endlich sein Telefonat beendete und leichtfüßig die Treppenstufen heraufeilte.

"Da bist du ja", rief Eva erfreut, während sie die Wintergartentür vorsichtig öffnete.

Eiskalter Wind schlug ihr entgegen. Sofort beschlug ihre Brille. Die Palmen und tropischen Gewächse im Wintergarten mit Fußbodenheizung zitterten im plötzlichen ungemütlichen Durchzug. Das Kaminfeuer drohte auszugehen. Hier drinnen war es mollig warm, gemütlich, häuslich und geschmackvoll eingerichtet bis ins letzte Detail.

"Das, liebe Eva, das ist es, was er braucht", flüsterte ihr innerer Schweinehund ihr freundlich zu. "Es macht nichts, dass du rundlich bist. Nur die inneren Werte zählen! Er weiß genau, was er an dir hat!"

Eva, die Leos Pantoffeln bereits vor seinen Lieblingssessel gestellt hatte, streifte ihrem Mann mütterlich mit dem rechten Handrücken über die Wange.

"Seit wann rasierst du dich zweimal am Tag?", fragte sie neckisch und spitzte die Lippen zum üblichen Begrüßungskuss. Doch dieser ging überraschenderweise ins Leere.

Von fern ertönte ein leichtes Donnergrollen.

"Ist was passiert?"

Vielleicht hatte Leo wieder ein paar Leute entlassen müssen, und dann war die Stimmung in der Kleinstadt gegen sie hochgekocht. Die Zeiten sind schlecht, dachte Eva. Leo hat mehr Sorgen, als er sich anmerken lässt. Unsicher lächelte sie ihn an.

"Leo, vielleicht willst du dich erst mal ein bisschen ausruhen. Wir können auch später Tee trinken, das macht mir nichts aus!"

Leo sah auf merkwürdige Weise an ihr vorbei. Er durchquerte entschlossenen Schrittes den Wintergarten, ohne der blühenden Pflanzenpracht wie sonst einen Blick zu schenken, und ließ sich auf das schlichte schwarze Biedermeiersofa aus Ebenholz fallen.

Draußen bogen sich die dürren, kahlen Kastanienäste, als wollten sie dem Unvermeidlichen ausweichen.

Ratlos blieb Eva mitten im Raum stehen.

"Doch lieber sofort Tee? Der Kuchen ist noch warm!"

"Eva, ich ... Lass doch das Hausfrauengeschwätz einmal sein!"

Leo verknotete, wie Eva verwundert beobachtete, hilflos die Hände. Schließlich öffnete er mit einer fahrigen Bewegung seinen obersten Hemdknopf und lockerte die Krawatte.

"Leo, wenn du Sorgen hast, dann reden wir darüber."

Mit plötzlicher Entschlossenheit drehte Leo sich weg und sagte, zur Fensterfront gewandt:

"Ich habe eine andere Frau ... kennen gelernt. Um es genau zu sagen: näher kennen gelernt."

"Leo ...", flüsterte Eva, während ihr der Schreck in die Glieder fuhr.

"Ich will ja gar nicht lange drum herumreden: Es ist Svenja."

"Svenja?! Unser ... Kindermädchen?"

Eva griff Halt suchend ins Leere.

"Unser früheres Kindermädchen. Inzwischen ist sie eine erwachsene Frau."

Eva hatte immer so etwas geahnt, wollte es aber nicht wahrhaben. Wie alle Moppel war sie eine Meisterin im Verdrängen.

Svenja, das hübsche blonde Mädchen mit dem drolligen Akzent, war vor zehn Jahren aus Schweden zu den Fährmanns gekommen, als Leonie noch klein war und Eva halbtags in Leos Firma als Fremdsprachenkorrespondentin gearbeitet hatte. Svenja gehörte zur Familie, fuhr mit in Urlaub, lernte Skifahren und Tischmanieren, wie man sich kleidet, benimmt und spricht. Eva brachte ihr bei, wie man einen Tisch dekoriert, wenn Gäste kommen, sie weihte sie in die Geheimnisse des Kochens und Backens ein. Aber vor zwei Jahren war Svenja dann durch verschiedene Model-Jobs in die Modebranche gekommen und schließlich nach Hamburg gezogen. Leonie war inzwischen vierzehn und brauchte kein Kindermädchen mehr.

Hamburg. Wo Leo seine Filiale aufgebaut hatte.

Ich hätte es wissen müssen, dachte Eva. Ich hätte es wissen müssen.

Unfähig, irgendetwas zu spüren, zu denken, geschweige denn zu sagen, schleppte sich Eva in die Küche, wo der nach Vanille duftende Käsestreuselkuchen kross auf der Gaggenau-Warmhalteplatte stand.

Eva schnitt den Kuchen vorsichtig an, ganz automatisch, wie sie das immer tat, wenn Leo nachmittags im Wintergarten saß und seine Schuhe ausgezogen hatte. Wenn er ihr Zeitung lesend seinen Teller hinhielt.

Der Kuchen war genau richtig, saftig-mürbe von innen und goldgelb-knusprig von außen. Eva war eine perfekte Hausfrau, was Leo bisher immer zu schätzen gewusst hatte. Aber das war jetzt wohl alles nichts mehr wert. Automatisch kehrte sie in den Wintergarten zurück.

Svenja. Die Schlange, die sie am Busen genährt hatte.

Leo und Svenja. In Hamburg. Wusste Leonie davon?

Seit wann lief das schon? Wochen? Monate? Jahre? Hatte es womöglich schon angefangen, als Svenja noch bei ihnen im Haus wohnte?

Die Offenbarung ihres Mannes tat Eva körperlich weh. Es war, als hätte er ihr ein Messer in den Magen gerammt.

Schockiert sank sie auf die Armlehne des Sessels, der Leo gegenüberstand. Der Sessel knarrte bedrohlich, und Eva ließ ihren Hintern, von dem sie auf einmal wusste, dass er so breit war wie die Startbahn West des Frankfurter Flughafens, mitten hineinsinken. Der Sessel war mit sonnenblumenfarbenen Hussen überzogen. Er gab dem Raum einen sonnigen Akzent. In "Schöner Wohnen" hatte Eva gelesen, dass sonnige Akzente einen Raum freundlicher machen, Trost spenden, Wärme und Geborgenheit schenken. Doch das war jetzt alles nichts mehr wert.

Der Raum um Eva wurde zu einer finsteren engen Zelle. Sie war darin gefangen. Vorsichtig holte sie Luft. Sie durfte jetzt nichts Unüberlegtes tun. Nicht schreien, nicht weinen, nicht aufspringen, nicht toben. Nur ganz ruhig sitzen bleiben.

"Bitte ... Leo, sag, dass das nicht wahr ist ..."

Leo ließ die Zeitung sinken. "Es ist wahr, Eva. Ich hätte es dir schon längst sagen müssen. Svenja und ich, wir ... lieben uns schon seit längerem, und es ist nicht fair, dich auf Dauer wie eine Haushälterin zu behandeln."

"Nein", flüsterte Eva matt. Mechanisch quälte sie sich aus dem Sessel, griff zur silbernen Teekanne und füllte Leos hauchdünne Royal Dulton mit Darjeeling Black Moon, Leos Lieblingssorte um diese Uhrzeit.

Sie wunderte sich, dass ihre Hand kaum zitterte, als sie die Tasse mitsamt Untertasse und kleinem Silberlöffel vor ihm abstellte.

Da Leo keinen Zucker nahm, schüttete sie ihm automatisch etwas Milch in den Tee. So als hätte er gar nichts Besonderes gesagt, als hätte er sie nicht aus ihrer stoischen Ruhe gebracht, als wäre ihr Herz nicht gerade in tausend Scherben zerborsten, schob sie den silbernen Tortenheber unter den bereits angeschnittenen Streuselkuchen und servierte ihn ihrem Mann. Selbst den kleinen Klecks süßer Sahne tupfte sie mit der gleichen sorgfältigen Art wie immer auf den Kristallteller, mit dem gleichen Silberlöffel wie immer. Dann hielt sie ratlos inne. Sie war tatsächlich seine Haushälterin, erkannte sie jetzt plötzlich. Seine Geliebte war sie schon lange nicht mehr.

"Bitte setz dich wieder, Eva. Das nervt, wenn du stehst."

Leo rieb sich gereizt den Nacken, so wie er das oft tat, wenn er verspannt und abgearbeitet war.

Eva ließ sich in den Sessel plumpsen - sie war unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Als draußen mitten im klatschenden Schneeregen ein plötzlicher Donner niederkrachte, zuckte sie zusammen. Merkwürdigerweise kam erst jetzt der Blitz.

Ganz so, als könne auch der Himmel nicht begreifen, dass er gerade über mir eingestürzt ist, dachte Eva. Ein Gewitter am zweiten Januar.

Eva versuchte, nicht mehr zu atmen. Sie sank in sich zusammen und lauschte ihrem letzten Atemzug, aber der Körper nahm sich, was er brauchte, und Evas Lungen füllten sich nach einem verzweifelten Aufseufzen wieder mit Luft.

Leo aß den Käsestreuselkuchen mit großem Appetit. "Ich bin froh, dass es endlich raus ist", murmelte er kauend, "mir hat es schon gar nicht mehr richtig geschmeckt in letzter Zeit."

Er grinste schief. "Aber dir umso mehr, nicht wahr? Sei mal ehrlich, Eva. Warum futterst du so viel? Da musst du dich gar nicht wundern, wenn sich ein Mann in den besten Jahren lieber nach was Schlankem, Hübschem umsieht!"

Nein, dachte Eva. Genau dasselbe hätte jetzt auch meine Mutter gesagt. Wenn mein Mann fremdgeht, bin ich ja wohl selbst schuld.

"Wir führen doch schon lange keine aufregende Beziehung mehr", hieb Leo weiter auf sie ein. "Du bist so ... träge und ... langweilig, und seit du so fett geworden bist, kann man sich mit dir ja auch nirgendwo mehr sehen lassen!"

Eva sagte nichts. Sie war so fassungslos, dass ihr kein einziges Wort über die Lippen kam. Das tat so weh, dass sie nur noch sterben wollte.

"Tja, und dass ich ein sportlicher und aktiver Mensch bin, hast du immer gewusst", sprach Leo in die schmerzende Stille hinein.

Er machte eine fahrige Handbewegung, "Aber dir reicht es ja, Servietten zu falten, Rosen in Vasen anzuordnen und Tischdecken zu bügeln. Dir reicht dein bescheidener Wirkungskreis um Heim und Herd. Ist ja auch alles ganz nett so weit..."

Er stellte den Kuchenteller auf dem Glastisch ab und pickte mit dem Finger die übrig gebliebenen Butterstreusel auf. Gedankenlos steckte er sie in den Mund und seufzte satt. "Wie gesagt: Kochen kannst du. Und backen. Und das Haus nett herrichten. Aber ein Mann wie ich braucht auch noch etwas anderes."

Eva spürte einen pochenden Schmerz zwischen den Schläfen.

"Aber du hast doch immer gesagt, dass du keine Selbstverwirklichungs-Emanze haben willst."

"Nein, eine Emanze brauche ich nicht. Aber auch kein Hausmütterchen. Ich brauche eine unternehmungslustige, sportliche, vorzeigbare Frau. Guck dich doch mal an! Du hast ja gar nichts mehr anzuziehen!"

"Ich werde abnehmen!", rief Eva verzweifelt aus. "Gib uns doch noch eine Chance!"

Leo zuckte mit den Schultern. "Du hast doch gar nicht den Durchhaltewillen! Wie willst du denn da zwanzig oder dreißig Kilo abnehmen?"

"Ein Model war ich nie, das weißt du. Als wir vor fünfzehn Jahren geheiratet haben, hatte ich auch schon meine siebzig Kilo. Das fandest du immer weiblich..."

"Aber jetzt wiegst du fast zwei Zentner!", unterbrach Leo sie lieblos. "Du gehst ja gar nicht mehr aus dem Haus! Svenja geht mit mir in die Berge, mountainbiken und skifahren ... Mit der Frau kann man was anfangen!"

Leo hielt inne, weil er verschnaufen musste. Wie zum Hohn nahm er sich ein zweites Kuchenstück, bestrich es extradick mit Sahne und schob es sich heißhungrig in den Mund.

Danach kratzte er die Krümel auf dem Teller zusammen und zerquetschte sie zwischen den Zinken seiner Kuchengabel. Wie erbarmungslos er die Krümel zerdrückt, dachte Eva, genau so, wie er gerade unsere fünfzehnjährige Ehe zerdrückt.

Stoisch schenkte sie ihm Tee nach. Ihr kam gar nicht in den Sinn, wie aberwitzig es war, ihn während seiner Ausführungen über die Vorzüge der anderen weiter zu bedienen.

Das Unwetter draußen schien sich noch steigern zu wollen. Dicke Hagelkörner tanzten wie Irrwische vor dem Wintergarten herum. Sie waren in Form und Größe nicht mehr von den weißen Kieselsteinen zu unterscheiden, die die hochherrschaftliche Auffahrt bedeckten.

Das ist der Weltuntergang, dachte Eva. Mein ganz persönlicher Weltuntergang.

Leos Stimme erreichte Eva wie aus weiter Ferne:

"Svenja ist wach und wissbegierig und kreativ. Sie reist, sie will was erreichen, sie hat sich hohe Ziele gesteckt, sie lebt nicht einfach so planlos in den Tag hinein wie du ..."

"Aber ich sorge seit fünfzehn Jahren für dich und unsere Tochter! Das ist doch nicht planlos!"

"Sie trägt hohe Absätze, knappe Kostüme und schöne Unterwäsche. Das braucht ein Mann! Meinst du, deine Leberwurstkorsetts machen mich noch an?"

Eva fühlte sich plötzlich so klein, als steckte sie in einem Schuhkarton, der nun auch noch zusammengedrückt wurde. Zertreten wie jene Kartons, die man in den Altpapiercontainer stopft, damit sie auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Er will mich entsorgen, dachte sie, unauffällig und umweltfreundlich, weil ich für ihn Altpapier bin, wertlos, für ihn nicht mehr wieder verwertbar. Es reicht, dachte sie. Ich muss mich jetzt wehren, sonst wird er immer ausfallender. Wo ist mein letztes bisschen Würde?

"Leo, du solltest jetzt gehen!"

Leo erhob sich sofort. "Ja. Jetzt habe ich mehr gesagt, als ich wollte. Ich hab mich in Rage geredet, tut mir Leid."

"Ja."

"Ich wollte dir nicht wehtun."

"Nein."

"Du hast mich aber auch provoziert!" Das schlechte Gewissen stand ihm auf die Stirn geschrieben. "Ich werde fürs Erste bei Svenja in Hamburg wohnen."

"In der Wohnung, die wir für sie eingerichtet haben ...?"

Eva schlug das Herz bis zum Hals. Konnte das Schicksal so grausam sein? Sie sah sich noch für Svenja die Gardinen nähen.

"Die Firma in Kerpen-Horrem muss ich über kurz oder lang sowieso schließen", unterbrach Leo ihre schmerzlichen Gedanken. "Es läuft einfach nicht mehr."

"Und was wird aus mir?"

"Du kannst hier mit Leonie wohnen bleiben, bis sie ihr Abitur hat. Ich werde alles unverändert lassen. Finanziell soll es dir vorerst an nichts fehlen."

Eva starrte Leo fassungslos an. War das hier alles vielleicht nur ein Albtraum?

Und wenn ja, wann würde sie endlich daraus erwachen?

"Aber dafür erwarte ich, dass du dich ruhig verhältst. Kein Scheidungsstress, keine üble Nachrede." Er grinste schief. "Aber dafür fehlt dir sowieso die Energie, wie ich dich kenne."

"Du bist so gemein ..." Eva kamen die Tränen. "Das habe ich wirklich nicht verdient!"

Leo streckte ihr die Hand hin: "Ist das ein Angebot? Du kannst dein sorgenfreies Leben behalten. So leicht haben es andere Frauen nicht!"

Eva nahm mechanisch seine Hand. "Ja. Wahrscheinlich hast du Recht."

"Brav", sagte Leo. "Ich wusste, dass du nicht aus der Ruhe zu bringen bist. Im Grunde ändert sich für dich ja gar nichts. Du hast Leonie, du hast die Villa, den Garten mit Swimmingpool, und wenn du Zeit und Lust hast, kannst du dich ja ein bisschen weiterbilden und schauen, was du beruflich machen könntest. Besuch doch mal einen Computerkurs oder so was. Den Computer lass ich dir hier, ich habe in Hamburg einen moderneren."

Leo riss seine Jacke aus dem Garderobenschrank und grinste sie noch einmal verlegen an. "Mann, bin ich froh, dass ich es dir endlich gesagt habe! Ich hatte schon Angst, du würdest es von Leonie erfahren ... Grüß sie schön. Ich hol sie am Freitag ab!"

Eva zupfte ihm mechanisch ein blondes Haar von der Jacke, während sie ihm die Tür aufhielt.

Dann war Leo weg. Für immer.

"Mama, was ist los? Warum darf ich nicht reinkommen?" Leonie klopfte an die Tür zum Bad, in das sich ihre Mutter seit Stunden eingeschlossen hatte. Eva saß auf dem Badewannenrand und starrte fassungslos in den Spiegel. Die Frau, die ihr da aus rot verweinten Augen entgegensah, war fett, hässlich und verquollen. Sie sah genauso aus wie ihr innerer Schweinehund, mit dem sie seit Stunden Zwiegespräche hielt: ein abstoßendes Doppelkinn, über das nun auch noch Tränen des Selbstmitleids rannen. Im Nacken befand sich eine Speckrolle, und ihre Oberarme schwabbelten. Sie war sich noch nie so hässlich vorgekommen. Leos Worte hallten unbarmherzig in ihren Ohren nach. "Ich werde eine radikale Diät machen", versprach Eva ihrem verheulten Spiegelbild. "Leo wird sich noch wundern!" Ihr innerer Schweinehund badete in Selbstmitleid. "Nein, das kannst du uns unmöglich antun!" "Und ob ich das tue! Neun hart gekochte Eier am Tag, und das über ein halbes Jahr. Du wirst noch staunen, wie schlank ich werde und wie klein du sein wirst!" "Nie im Leben hältst du das durch", begehrte Fährmann auf. "Außerdem habe ich mal gelesen, dass man davon Blähungen bekommt!" "Dann eben Ananasdiät", trumpfte Eva auf. "Das ist eine sehr appetitliche Angelegenheit. Entwässern tut es auch noch. Sehr praktisch." "Weißt du, wie fürchterlich man davon unterzuckert?", widersetzte sich Fährmann. "Diese Hungerattacken wirst du nie und nimmer ertragen!"

"Kohlsuppe", überlegte Eva. "Füllt den Magen und schmeckt bestimmt total lecker."

"Das schaffst du nicht mal zwei Tage."

"Aber die ganzen Schauspielerinnen schwören drauf ..."

"Die müssen ja auch nur zweihundert Gramm abnehmen, wenn sie mal auf einer Party ein kleines Bier getrunken haben", widersprach Fährmann. "Aber du hast dreißig Kilo zu viel! Guck dich doch bloß mal an!"

"Dann faste ich eben. Ich esse einfach gar nichts. Trinke nur Wasser. Bis ich aussehe wie Svenja.""Und was wird dann aus mir?", fragte der innere Schweinehund. "Hast du mich etwa nicht mehr lieb?"

Leseprobe zu "Die Champagner-Diät" von Hera Lind

25 Claudia! Geliebtes Herz! (S. 324-325)

Deine wunderbare Nachricht lässt mich jubeln und tanzen! Wenn ich mir vorstelle, dass ich dich in ein paar Tagen sehen darf, dann wird mit ganz schwindelig. Ich habe eine Sehnsucht danach, dich anzuschauen, zu berühren, deinen Duft zu riechen ... O Gott! Ich darf gar nicht länger darüber nachdenken! Ich werde dich liebkosen, dich festhalten und dir tausend Dinge ins Ohr flüstern, die ich mich nicht zu schreiben traue.

Ich musste so alt werden, wie ich jetzt bin, um so etwas erleben zu dürfen. Ich kann es kaum noch erwarten und werde fast ohnmächtig bei dem Gedanken, dich im Arm halten, dich umfangen zu dürfen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber die Freude, einem Menschen zu begegnen, nach dem man sich so lange gesehnt hat, ist ein Rausch der besonderen Art. Es gibt kein Glückshormon mehr in meinem Körper, das nicht wie verrückt aus der Reihe tanzt ... Ich bin genauso aufgeregt wie du, fühle mich wie ein kleiner Junge an Weihnachten ... Die große Überraschung, sie naht ... O Claudia, wann darf ich sie auspacken????

Claudia, du hast einen zweiundvierzigjährigen Mann, der mitten im Leben steht, in einen Glückszustand gebracht, den ich nie im Leben für möglich gehalten hätte. Wie immer unser Treffen auch ausgehen mag, du hast einen Menschen sehr glücklich gemacht, und ich hoffe, dass ich dasselbe für dich tun kann. Ich liebe dich und freue mich auf dich, ich zähle die Sekunden, bis ich dich anfassen und küssen darf ... jedes Haar, jede Falte an dir werde ich erkunden und dich dabei festhalten. Du kommst mir nicht mehr 25 davon! Ich will dich, und ich habe dich, und ich lasse dich nie wieder allein! Ich warte auf der Freiheitsstatue auf dich. Am Freitag um zwölf, wie du es vorgeschlagen hast. Du wirst es schaffen, zu kommen. Allein. Ich werde da sein. Mark. O Gott! Eva saß senkrecht im Bett und raufte sich die Haare.

»Es ist ein Albtraum!« Ihr Herz hämmerte in unregelmäßigen Abständen. Ihr war, als hätte jemand einen riesigen Stein daran gebunden. Schon öfter hatte sie den Verdacht gehabt, Mark könnte Joachim sein. Der Verdacht hatte sich ihr ja regelrecht aufgedrängt. Dass sie das nicht früher erkannt hatte! Nein, dachte Eva, ich wollte es nicht erkennen. Dieser Mistkerl! Wie konnte dieser ungehobelte Prolet ihr solche Liebesbriefe schreiben? Mark, dachte sie, Mark, bitte gib mir doch ein Zeichen, dass du nicht Joachim bist! Das kann doch gar nicht möglich sein! O Gott, hilf mir. Ich habe mich noch nie im Leben so einsam und beschissen und verarscht gefühlt. »Möchtest du ein ganz kleines bisschen essen?«, wisperte Fährmann, der sich vor Angst unter ihrem Bett zusammengeringelt hatte.

»Das würde uns beiden ein bisschen Kraft geben, und wir könnten in Ruhe über die ganze Sache nachdenken ...« »Essen? Jetzt? Ich bin kurz davor, mich zu übergeben ...« »Gerade deshalb solltest du deinem armen geknechteten Magen ein ganz kleines Fitzchen anbieten«, wisperte Fährmann. »Ein winziges Stückchen mageren Putenschinken mit Vollkorntoast ... vielleicht?« Sein Röcheln erstarb. »Dann war das also Joachim, den Oliver vorgestern im Garten verprügelt hat?!« Eva brach der kalte Schweiß aus. Hastig setzte sie sich auf. Ihr Spiegelbild im Schlafzimmerschrank sah ihr fahl entgegen.

Kundenbewertungen zu "Die Champagner-Diät" von "Hera Lind"

4 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.3 von 5 Sterne bei 4 Bewertungen **** sehr gut)
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Bewertung von Leseratte aus Stralsund am 06.05.2012 ***** sehr gut
Eva ist verzweifelt: Sie wurde gerade von ihrem Mann für das schwedische Kindermädchen verlassen. Mit einer pupertären Tochter und 30 Kg Übergewicht scheint das Leben aussichtlos. Nur Fährmann, der große Schweinehund, hält noch zu Eva. Doch dann geschehen Wunder. Eva verliebt sich Hals über Kopf in ihre Emailbekanntschaft und lernt in einer Moppelgruppe sich endlich gegen ihren Schweinehund zu wehren...

Hera Lind spricht mit ihrem Roman "Die Champagner Diät" wohl vielen Frauen aus dem Herzen. Vor allem die amüsanten Dialoge zwischen Eva und Fährmann bilden die Höhepunkte des Buches. Auf jeden Fall lesenswert, wenn man selbst des öfteren mit dem eignen Schweinehund zu kämpfen hat.

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 25.09.2007 ***** gut
Sehr nett geschrieben, vor allem für Frauen die auch mit zuviel Weiblichkeit kämpfen :-). Die "Heldin" und der "Schweinehund" ein voller Treffer. Nettes Buch für ein paar nette Stunden zum Entspannen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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Bewertung von N.S. am 20.08.2007 ***** ausgezeichnet
Zum Totlachen - Die Autorin spricht einem förmlich aus der Seele!

Durch und durch ein gelungenes Hörbuch.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD

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Bewertung von K. Floth aus Eschershausen am 04.06.2007 ***** ausgezeichnet
Klasse Hörbuch! Die unterschiedlichen Stimmen vom "Inneren Schweinehund" werden gut von der Sprecherin umgesetzt.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD

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