Die Brandmauer / Kurt Wallander Bd.9 - Mankell, Henning

Henning Mankell 

Die Brandmauer / Kurt Wallander Bd.9

Kriminalroman

Aus d. Schwe. v. Butt, Wolfgang
Broschiertes Buch
 
9 Kundenbewertungen
**** ausgezeichnet
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Die Brandmauer / Kurt Wallander Bd.9

Hacker haben es auf die Datennetze der Weltbank abgesehen, die Weltwirtschaft soll ins Chaos gestürzt werden: Kommissar Wallander steht vor einer neuen Dimension des Verbrechens, einem Computerverbrechen von internationalem Format. Doch obwohl er mehr als einmal an seine Grenzen stößt und auch sein Liebesleben in die Turbulenzen der Ermittlung verwickelt wird, bringt er diesen Fall zu einem erfolgreichen Abschluß...

Hacker planen den globalen Crash: die Weltwirtschaft soll ins Chaos gestürzt werden. Wallanders neunter Fall

Zwei junge Mädchen überfallen einen Taxifahrer, betäuben ihn mit einem Hammer und töten ihn mit einem Küchenmesser. Als die Polizei sie verhört, zeigen sie keinerlei Schuldgefühl. Wallander kann es kaum fassen. Finden junge Menschen heutzutage wirklich nichts dabei, jemanden hinterrücks zu ermorden?

Kurz darauf geschehen die merkwürdigsten Dinge: ein Mann fällt vor einem Bankautomaten tot um. Seine Leiche wird aus der Pathologie gestohlen und wieder an den ursprünglichen Fundort transportiert. In ganz Schonen geht das Licht aus. In der Transformatorstation liegt eine verkohlte Leiche. Wallander ist sich sicher, daß etwas anderes, Größeres, hinter all dem steckt ...

Die Kurt-Wallander-Krimis in der Übersicht

1. Fall: Wallanders erster Fall und andere Erzählungen Zsolnay 2001/dtv 21211

2. Fall: Mörder ohne Gesicht Zsolnay 2001/dtv 21212

3. Fall: Hunde von Riga Zsolnay 2000/dtv 21213

4. Fall: Die weiße Löwin Zsolnay 2002/dtv 21214

5. Fall: Der Mann, der lächelte Zsolnay 2001/dtv 21215

6. Fall: Die falsche Fährte Zsolnay 1999/dtv 21216

7. Fall: Die fünfte Frau Zsolnay 1998/dtv 21217

8. Falll: Mittsommermord Zsolnay 2000/dtv 21218

9. Fall: Die Brandmauer Zsolnay 2001/dtv 21219

10. Fall: Der Feind im Schatten Zsolnay 2010


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 576 S.
  • Seitenzahl: 570
  • dtv Taschenbücher Bd.21219
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 123mm x 32mm
  • Gewicht: 409g
  • ISBN-13: 9783423212199
  • ISBN-10: 3423212195
  • Best.Nr.: 28020762
»Einer der besten Wallander-Romane: spannend, düster, gesellschaftskritisch.« Stiftung Lesen Januar 2011

Zwei jugendliche Mörderinnen<br /> Merkwürdige Dinge geschehen Anfang Oktober 1997 in Ystad: Ein Mann fällt eines Nachts vor einem Geldautomat tot um. In der Pathologie tippt man zunächst auf Herzinfarkt. In der folgenden Nacht überfallen zwei junge Mädchen einen Taxifahrer und traktieren ihn so schwer mit Hammer und Messer, dass er wenig später an seinen Verletzungen stirbt. Beim Verhör zeigen die neunzehnjährige Sonja Hökberg und ihre vierzehnjährige Freundin Eva Persson keinerlei Gemütsregungen. "Wir brauchten Geld" ist ihre einzige Begründung. Durch Zufall gelingt Sonja die Flucht, doch wenig später wird ihre verkohlte Leiche in der Transformatorstation gefunden. Wallander ist mehr den je überzeugt, dass hinter dem Taxiüberfall mehr steckt, als nur die Geldgier zweier Jugendlicher. Da wird der angebliche Herzinfarkt aus der Pathologie gestohlen und mit verstümmelten Fingern wieder vor dem Geldautomaten abgelegt, zusammen mit einem Starkstromrelais. Starb der Mann doch keines natürlichen Todes? Hängen die beiden Fälle am Ende zusammen?<br /> Tödliche Gefahr aus dem Internet<br /> Bei seinen Recherchen wird Wallander sehr schnell klar: der Computerexperte Tynnes Falk war nie herzkrank gewesen. Und er führte ein Doppelleben. In seiner Zweitwohnung stehen ein leistungsstarken Computer und ein Altar, auf dem er sich offensichtlich selbst anbetete - sonst nichts. Mit Hilfe des talentierten jungen Hackers Robert Modin macht sich Wallander daran, den durch unzählige Firewalls gesicherten Computer zu knacken und merkt bald, dass er einer Bande von Computer-Terroristen auf der Spur ist, die die gesamte internationale Finanzwelt durch einen globalen Crash lahm legen wollen. Doch die Gejagten schlagen zurück und Wallender entgeht zweimal nur knapp dem Tode. Und dann gerät durch seine Schuld Modin in die Hände der Terroristen ...<br /> Über 570 Seiten Spannung pur!<br /> <em>Die Brandmauer</em> von Henning Mankell führt diesmal in die Welt der Hacker und des Internets, eine Welt, die dem inzwischen 50jährigen Kommissar Wallander alles andere als vertraut ist. Gleichzeitig muss er sich gegen die Intrigen seines alten Kollegen Martinsson zur Wehr setzen, man wirft ihm Brutalität im Verhör vor und eine neue Liebesbeziehung endet im Fiasko. Doch Wallander lässt sich nicht unterkriegen und meistert in gewohnt hartnäckiger Weise auch diesen Fall. Bleibt zu hoffen, dass die Ankündigung seiner Tochter Linda, ebenfalls Polizistin zu werden, nicht zu seinem endgültigen Abschied aus dem Berufsleben führt. (Dr. Erika Weigele-Ismael)<br />

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Warum liest man so etwas" fragt Dirk Knipphals zu Beginn seiner Besprechung, und gibt einige Zeilen später die Antwort: Weil sich beim Lesen ein "behagliches Schmökergefühl" einstellt. Der Leser wolle aus einer "bequemen Halbdistanz" zuschauen, wie der beschriebene Kommissar Kurt Wallander "an sich und der Welt" leidet, mutmaßt Knipphals. Der Autor lasse die Hauptperson dann auch Sätze sagen wie "Ich sehe eine Gesellschaft, die um mich her zerfällt". Im vorliegenden Roman scheint das Weltfinanzsystem zu zerfallen - es wird von Computerviren bedroht. Henning Mankell hat es mit seiner "Alles-wird-immer-schlimmer-Gesellschaftskritik" diesmal auf die Globalisierung abgesehen, schreibt der Rezensent. Dabei dürfe der Leser keine überraschenden Dialoge oder raffinierte Plots erwarten. Wenigstens "Benutzerfreundlichkeit" spricht der Rezensent dem Roman zu: Der Leser überblicke das Geschehen immer besser als die Figuren. Insgesamt wohl ein typischer Mankell.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.06.2000

Mauer im Wald
Eine Mauer, die spazieren geht: Für den Landart-Künstler Andy Goldsworthy bilden die steinernen Gebilde keine starren Grenzen, die Grundstücke trennen oder gar Frontlinien zwischen verfeindeten Nachbarn bilden. Goldsworthy macht die Mauern beweglich und lebendig – er schickt sie auf Wanderschaft. Sie laufen über Hügel und Täler, tauchen in Seen ein und legen sich in üppigen Kurven um die Baumstämme eines Waldes. Aus der Schlangenform von Goldworthys Mauern spricht „Respekt vor der Priorität der Bäume, die vor ihnen da waren”, meint der Kunstkritiker Kenneth Baker. Goldworthys 760 Meter lange Steinmauer im Skulpturenpark des Storm King Art Center im Staat New York ist die Hauptattraktion seines Buches mit dem einfachen Titel Mauer, das bei Zweitausendeins erschien (60 Farbfotos, 94 S. , 33 Mark).
ajh/Foto: Verlag
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de

"Auch der letzte Fall des Kommissars Kurt Wallander, "Die Brandmauer", ist verzwickt und hochspannend. Wir werden ihn vermissen, den mürrischen, eigenbrötlerischen Ermittler und seine Gedanken über Gott und die Welt." Brigitte, 16.11.01 "Wie immer ist Mankell virtuos im Schildern von Details, seine Figuren sind perfekt ausgearbeitet." Ingeborg Sperl, Der Standard, 27.10.01 "Aber viel Spannung und Atmosphäre bietet Mankell noch immer - ganz zu schweigen von der düsteren Aktualität des Plots." Der Spiegel, 12.11.01 ""Brandmauer" ist spannend erzählt - im melancholischen Mankell-Sound. Ein Buch, das man bis zum Schluss nicht aus der Hand legt. Wieder ein großartiger Mankell - einer der besten." Michael Kluger, Frankfurter Neue Presse, 1.11.01 "Wir wünschen ihm das Beste. Wir werden ihn vermissen." Elmar Krekeler, Die Welt, 27.10.01 "Ganz aktuell fesseln mich die Romane des schwedischen Autors Henning Mankell ... Seine Bücher sind spannend und sozialkritisch, sie packen und machen gleichzeitig nachdenklich. Mankell ist ein sehr scharfer Beobachter der Realität...Mankell steht für mich in bester Tradition großer schwedischer Krimiautoren wie Maj Sjöwall und Per Wahlöö." Hans Eichel, Financial Times, 19.04.02

»Einer der besten Wallander-Romane: spannend, düster, gesellschaftskritisch.« Stiftung Lesen Januar 2011
Henning Mankell, geboren 1948 in Härjedalen, ist einer der angesehensten und meistgelesenen schwedischen Schriftsteller. Er lebt als Theaterregisseur und Autor abwechselnd in Schweden und in Maputo/Mosambik. Mit Kurt Wallander schuf er einen der weltweit beliebtesten Kommissare. Seine Taschenbücher erscheinen bei dtv.

Leseprobe zu "Die Brandmauer / Kurt Wallander Bd.9"

Am Abend flaute der Wind plötzlich ab und schlief dann völlig ein. Er war auf den Balkon getreten. Am Tage konnte er zwischen den gegenüberliegenden Häusern das Meer erkennen. Aber jetzt war es dunkel. Manchmal nahm er sein altes englisches Miniaturfernglas mit hinaus und schaute in die erleuchteten Fenster des Hauses auf der anderen Straßenseite. Aber es endete immer damit, daß ihn das Gefühl beschlich, jemand habe ihn entdeckt. Der Himmel war sternenklar.

Schon Herbst, dachte er. Vielleicht bekommen wir heute nacht Frost. Obwohl es für Schonen ziemlich früh ist.

Irgendwo in der Nähe fuhr ein Auto. Ihn fröstelte, und er ging wieder hinein. Die Balkontür klemmte. Auf dem Block neben dem Telefon auf dem Küchentisch notierte er sich, daß er am nächsten Tag die Tür reparieren mußte.

Dann ging er ins Wohnzimmer. Einen Augenblick blieb er in der Tür stehen und ließ seinen Blick durch das Zimmer wandern. Weil Sonntag war, hatte er geputzt. Es gab ihm stets ein Gefühl von Zufriedenheit, sich in einem vollkommen sauberen Zimmer zu befinden.

An der einen Schmalseite stand ein Schreibtisch. Er zog den Stuhl vor, knipste die Arbeitslampe an und holte das dicke Logbuch heraus, das er in einer der Schubladen aufbewahrte. Wie üblich begann er damit, das am Abend zuvor Geschriebene durchzulesen.

Samstag, der 4. Oktober 1997. Der Wind war den ganzen Tag böig. Laut Wetterdienst 8-10 Meter pro Sekunde. Wolkenfetzen jagten über den Himmel. Temperatur um sechs Uhr früh sieben Grad. Um zwei Uhr war sie auf acht Grad gestiegen. Am Abend auf fünf gesunken.

Danach hatte er nur noch vier Sätze geschrieben.

Der Weltraum ist heute leer und öde. Keine Nachrichten. C antwortet nicht. Alles ist ruhig.

Er schraubte den Deckel vom Tintenfaß und tauchte die Stahlfeder behutsam ein. Er hatte sie von seinem Vater geerbt, der sie seit seinem ersten Tag als Assistent des Geschäftsführers in einer kleinen Bankfiliale in Tomelilla aufbewahrt hatte. In sein Logbuch schrieb er nie mit einer anderen Feder.

Er schrieb, daß der Wind abgenommen hatte und dann völlig eingeschlafen war. Auf dem Thermometer am Küchenfenster hatte er gesehen, daß die Temperatur drei Grad betrug. Der Himmel war klar. Er notierte außerdem, daß er die Wohnung geputzt und dafür drei Stunden und fünfundzwanzig Minuten gebraucht hatte. Zehn Minuten weniger als am Sonntag davor.

Außerdem hatte er einen Spaziergang zum Sportboothafen gemacht und eine halbe Stunde in der Kirche Sankta Maria gesessen und meditiert.

Er überlegte, bevor er fortfuhr. Dann schrieb er eine weitere Zeile ins Logbuch. Am Abend kurzer Spaziergang. Er drückte das Löschpapier vorsichtig auf das Geschriebene, wischte die Feder ab und schraubte den Deckel des Tintenfasses wieder auf.

Bevor er das Logbuch zuklappte, blickte er auf die alte Schiffsuhr, die neben ihm auf dem Schreibtisch stand. Sie zeigte zwanzig Minuten nach elf.

Er ging in den Flur, zog seine alte Lederjacke an und stieg in ein Paar Gummistiefel. Bevor er die Wohnung verließ, fühlte er nach, ob er die Schlüssel und die Brieftasche eingesteckt hatte.

Als er auf die Straße hinaustrat, blieb er reglos im Schatten stehen und blickte um sich. Es war niemand zu sehen. Das hatte er auch nicht erwartet. Dann fing er an zu gehen. Er bog wie gewöhnlich nach links ab, überquerte die Straße nach Malmö und ging hinunter zu den Kaufhäusern und dem roten Backsteingebäude, in dem das Finanzamt untergebracht war. Er beschleunigte seine Schritte, bis er seinen üblichen ruhigen Abendrhythmus gefunden hatte. Tagsüber ging er schneller, weil er sich anstrengen und ins Schwitzen geraten wollte. Doch die Abendspaziergänge waren etwas anderes. Da versuchte er, die Gedanken des Tages abzuschütteln und sich auf den Schlaf und den kommenden Tag vorzubereiten.

Vor dem Baumarkt führte eine Frau ihren Hund aus. Einen Schäferhund. Er begegnete ihr fast jedesmal, wenn er seinen Abendspaziergang machte. Ein Wagen fuhr in hohem Tempo vorüber. Am Steuer erkannte er einen jungen Mann und hörte Musik, obwohl die Wagenfenster geschlossen waren.

Sie wissen nicht, was sie erwartet, dachte er. Alle diese Jugendlichen, die in ihren Autos herumfahren und so laute Musik hören, daß ihre Ohren in absehbarer Zeit geschädigt sind.

Sie wissen nicht, was sie erwartet. Ebensowenig wie die alleinstehenden Damen, die mit ihren Hunden Gassi gehen.

Der Gedanke belebte ihn. Er dachte an all die Macht, an der er teilhatte. Das Gefühl, einer der Auserwählten zu sein. Die über die Kraft verfügten, alte versteinerte Wahrheiten zu Fall zu bringen und ganz neue und unerwartete zu erschaffen.

Er blieb stehen und schaute zum Sternenhimmel auf. Nichts ist wirklich faßbar, dachte er. Mein eigenes Leben ebensowenig wie die Tatsache, daß das Licht der Sterne, die ich jetzt sehe, schon eine unendliche Zeitspanne hierher unterwegs gewesen ist. Das einzige, was dem Ganzen eine Spur von Sinn geben kann, ist das, was ich tue. Das Angebot, das ich vor fast zwanzig Jahren bekommen und angenommen habe, ohne zu zögern.

Er ging weiter, jetzt schneller, weil ihn die Gedanken erregten, die sich in seinem Kopf entwickelten. Er merkte, daß er ungeduldig geworden war. Sie hatten so lange gewartet. Endlich näherten sie sich dem Augenblick, wo sie ihre unsichtbaren Visiere herunterklappen und ihre große Flutwelle über die Erde hinwegrollen sehen würden.

Doch noch war der Augenblick nicht gekommen. Noch war die Zeit nicht reif. Ungeduld war eine Schwäche, die er sich nicht erlauben durfte.

Er hielt inne. Er befand sich schon mitten im Villenviertel. Weiter wollte er nicht gehen. Kurz nach Mitternacht wollte er im Bett liegen.

Er machte kehrt und ging langsam zurück. Als er das Finanzamt hinter sich gelassen hatte, entschloß er sich, zum Bankomat an einem der Kaufhäuser hinüberzugehen. Er tastete mit der Hand nach seiner Brieftasche. Er wollte kein Geld abheben. Aber er wollte sich einen Kontoauszug ausdrucken lassen, um sicherzugehen, daß alles seine Ordnung hatte.

Er blieb im Licht vor dem Geldautomaten stehen und zog seine blaue Scheckkarte hervor. Die Frau mit dem Schäferhund war jetzt verschwunden. Aus Richtung Malmö kommend, donnerte ein Laster vorbei. Wahrscheinlich wollte er mit einer der Fähren nach Polen. Dem Lärm nach zu urteilen war der Auspuff defekt.

Er gab seine Geheimnummer ein und drückte anschließend auf die Taste Kontoauszug. Die Karte kam wieder heraus, und er steckte sie zurück in die Brieftasche. Im Innern des Geldautomaten ratterte es. Er lächelte, als er daran dachte, kicherte.

Wenn die Menschen wüßten, dachte er. Wenn die Menschen wüßten, was sie erwartet.

Der weiße Zettel mit dem Kontoauszug wurde durch den Spalt herausgeschoben. Er suchte nach seiner Brille, doch ihm fiel ein, daß sie in dem Jackett steckte, das er getragen hatte, als er zum Sportboothafen gegangen war. Einen Moment lang ärgerte er sich darüber, daß er sie vergessen hatte. Er suchte die Stelle, wo das Licht der Straßenlaterne am hellsten war, und betrachtete blinzelnd den Kontoauszug.

Die automatische Überweisung vom Freitag war verbucht. Ebenso die Barauszahlung vom Tag zuvor. Sein Guthaben betrug 9765 Kronen. Alles in bester Ordnung.

Was dann geschah, kam ohne jede Vorwarnung. Ihm war, als habe ein Pferd ihn getreten. Ein ungeheurer Schmerz durchfuhr ihn.

Er fiel vornüber, die Hand krampfte sich um den Zettel mit den Zahlen.

Als sein Kopf auf dem kalten Asphalt aufschlug, erlebte er einen Augenblick der Klarheit.

Sein letzter Gedanke war, daß er nichts begriff.

Dann wurde er von einem Dunkel umschlossen, das von allen Seiten gleichzeitig kam.

Mitternacht war gerade vorüber. Es war Montag, der 6. Oktober 1997.

Ein weiterer Lastzug fuhr auf dem Weg zur Nachtfähre vorüber. Dann war alles wieder still.

Leseprobe zu "Die Brandmauer / Kurt Wallander Bd.9"

21 (S. 267-268)

Im Morgengrauen erwachte Carter davon, daß die Ventilation der Klimaanlage plötzlich aussetzte. Er lag reglos unter dem Laken und horchte ins Dunkel. In einiger Entfernung bellte ein Hund. Wieder einmal Stromausfall. Es passierte hier in Luanda so gut wie jede Nacht. Savimbis Banditen waren ständig auf der Jagd nach Möglichkeiten, die Stromversorgung der Hauptstadt durch einen Kurzschluß lahmzulegen. Und dann fielen die Ventilatoren aus. Es würde nur wenige Minuten dauern, bis es im Raum stickig heiß war. Aber die Frage war, ob er sich aufraffen konnte aufzustehen und in den an die Küche angrenzenden Raum hinunterzugehen, um den Generator zu starten. Er wußte auch nicht, was schlimmerwar: der Lärm des Generators oder die drückende Hitze im Schlafzimmer.

Er wandte den Kopf und schaute auf die Uhr. Viertel nach fünf. Vor dem Haus hörte er eine der Nachtwachen schnarchen. Es war bestimmt José. Aber solange der zweite Mann sich wachhielt, war es nicht problematisch. Er legte den Kopf so, daß er den Kolben der Pistole fühlte, die ständig unter dem Kopfkissen lag. Ungeachtet aller Nachtwachen und Zäune war sie am Ende die einzige Sicherheit, die er hatte. Für den Fall, daß einer der zahllosen Räuber, die sich in der Dunkelheit verbargen, zuzuschlagen beschloß. Er hatte volles Verständnis dafür, daß sie es auf ihn abgesehen hatten. Er war weiß, er war wohlhabend. In einem armen und heruntergekommenen Land wie Angola war Kriminalität eine Selbstverständlichkeit. Wäre er einer der Armen, würde er sich auch berauben.

Plötzlich sprang die Klimaanlage wieder an. Manchmal waren die Ausfälle kurz. Dann lag es nicht an den Banditen, sondern an einem technischen Problem. Die Leitungen waren alt. Sie waren von den Portugiesen in der Kolonialzeit installiert worden. Wie viele Jahre sie seitdem ohne Wartung waren, wußte er nicht.

Carter blieb wach im Dunkeln liegen. Er dachte daran, daß er bald sechzig würde. Eigentlich war es bemerkenswert, daß er so alt geworden war, wenn man bedachte, was für ein Leben er geführt hatte. Inhalts- und abwechslungsreich. Aber auch gefährlich.

Er schlug das Laken zur Seite und ließ die kühle Luft direkt auf die Haut treffen. Er liebte es nicht, in der Morgendämmerung aufzuwachen. In den Stunden vor Sonnenaufgang war er ganz und gar ungeschützt. Da gab es nur ihn und das Dunkel und alle Erinnerungen. Dann konnte er sich in eine rasende Wut über alle Ungerechtigkeiten hineinsteigern. Erst wenn er seine Gedanken auf die Rache konzentrierte, die nahe bevorstand, beruhigte er sich wieder. Aber dann waren meistens schon mehrere Stunden vergangen. Die Sonne würde schon am Horizont stehen. Die Nachtwachen hatten angefangen zu schwatzen, und bald würde es am Vorhängeschloß klappern, wenn Celina aufschloß, um in die Küche zu gelangen und ihm sein Frühstück zuzubereiten.

Er zog das Laken wieder über sich. Wenn seine Nase zu jucken begann, wußte er, daß er bald niesen mußte. Er haßte es zu niesen. Er verabscheute alle Allergien. Sie waren eine Schwäche, die er verachtete. Besonders wenn er zur Unzeit nieste. Es war vorgekommen, daß er einen Vortrag abbrechen mußte, weil das Niesen ihm das Weitersprechen unmöglich machte. Andere Male bekam er juckenden Ausschlag. Oder seine Augen tränten.

Er zog das Laken über den Mund. Diesmal blieb er Sieger. Das Bedürfnis zu niesen verschwand. Statt dessen blieb er liegen und dachte an die Jahre, die vergangen waren. An all das, was passiert war und dazu beigetragen hatte, daß er jetzt in einem Bett in einem Haus in Luanda lag, der Hauptstadt von Angola.

Kundenbewertungen zu "Die Brandmauer / Kurt Wallander Bd.9"

9 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.6 von 5 Sterne bei 9 Bewertungen **** ausgezeichnet)
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Bewertung von Steffi von http://meinelesewelt.blogspot.com/ aus bei Trier am 01.02.2012 ***** sehr gut
Kurt Wallander
Dies war mein erster Roman von Henning Mankell mit dem Kommissar Kurt Wallander. Der Roman ist temporeich und sehr spannend. Der Autor versteht es den Leser in seinen Bann zu ziehen. Stellenweise kam mir das Buch sehr langatmig vor, was aber überwiegend an den Beschreibungen Computer und Technikscenen lag.
Alles in allem ein sehr spannender Krimi für alle die Kommissare aus dem kalten Norden mögen. Ich liebe Mankells Krimis um Kurt Wallander gerade wegen des Flairs der Landschaft und der Darstellung des Kommissares.

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Bewertung von loser6577@gmx.net am 05.10.2010 ***** sehr gut
Das Buch ist sehr kurzweilig gesschrieben. Aufkommende Langeweile wird mit wohlgesetzten Spannungsmomenten sofort wieder vertrieben.

Mankell beleuchtet nicht nur den aktuellen Fall und dessen Aufklärung, sondern entwickelt auch die handelnden Figuren in ihrer Persönlichkeit weiter. Dies ist ein weiterer Gesichtspunkt, der das Buch interessanter macht. Punktuelle Rückblenden in die persönliche Historie der Hauptakteure erleichtern auch "Quereinsteigern" das Verstehen der Handlung.

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Bewertung von Lola aus Gebesee am 21.05.2010 ***** sehr gut
Es geht um einen Komissar namens Kurt Wallander, der schon viele Fälle erfolgreich bearbeitet hat. Wallander hat es diesmal mit einer völlig neuen Bedrohung zu tun: Computerterrorismus.
Spannend erzählt und interessant. Empfehle es weiter.

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Bewertung von pau aus Bad Honnef am 20.05.2010 ***** ausgezeichnet
Was wie ein lokales Drama um fehlgeleitete Jugendliche in Südschweden beginnt, entwickelt sich zu einem globalen Verbrechen, das über PC-Manipulationen eine weltweite Wirtschaftskatastrophe auslösen soll. Kommissar Wallander ist der negative Held in Henning Mankells Kriminalromanen, so auch in "Die Brandmauer" , er ist der gesundheitlich ramponierte und privat angeschlagene Chefermittler der Mordkommission und hat es mit einem brutalen Taximord zu tun. Verdächtig sind zwei junge Mädchen, die aus scheinbar nichtigem Grund zugeschlagen haben. Schlimm genug! Doch die abstrusesten Dinge geschehen in Ystad und Umgebung, ein Mann fällt vor einem Bankautomaten tot um, seine Leiche verschwindet und taucht wieder auf. Er hatte eine geheime Wohnung, in der er per PC mit einem Netzwerk in Afrika verbunden war. Wallander steht vor Rätseln, doch ihm gelingt es, die globale Bedrohung zu stoppen, aber wie lange noch?
Henning Mankell schafft es, den Leser mit einer spannenden und intelligenten Story zu binden. Im Zentrum steht Kurt Wallander, dem man die Aufdeckung des Falls zunächst nicht zutraut. Aber mit seiner Logik und Akribie taucht der Leser in die Bekämpfung des organisierten internationalen Verbrechens ein - und liest bis zum Schluss durch. Mankell bedeutet immer: kurzweilige Unterhaltung und spannender Nervenkitzel. Leute, unbedingt lesen!

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Bewertung von Silke aus Erfurt am 24.09.2008 ***** ausgezeichnet
Ich bin ein irre großer Fan von Henning Mankell, seit meinem ersten Buch „Mittsommermord“ von ihm. Schade in meinen Augen ist nur, dass die Übersetzungen nicht in der richtigen Reihenfolge, dass heißt wie sie geschrieben wurden sind, kamen. Wichtig zu sagen ist aber, dass dies nicht ganz so schlimm ist, denn für alle die es noch nicht wissen: Jedes Buch ist ein Fall aber trotzdem gehören sie irgendwie zusammen. Deshalb kann es passieren, das in einem Buch ein Ermittler stirb und im nächsten ist er wieder da.

Diese Krimi Serie ist in meinen Augen das Beste was Henning Mankell geschrieben hat. Aber auch andere Bücher von ihm sind gut, nur eben anders…

Henning Mankells Bücher sind wie eine Sucht, eins gelesen und man kommt nie wieder davon los. Außerdem kann man sich in seinem Schreibstil super die Landschaften und alles drum herum vorstellen. Man könnte denken selber dabei zu sein.


Alle Fälle Kurt Wallanders in der richtigen Reihenfolge:

1. Fall
Mörder ohne Gesicht (Originalausgabe 1991: Mördare utan ansikte)
Paul Zsolnay Verlag 2001
dtv 20232; 4/99

2. Fall
Hunde von Riga
(Originalausgabe 1992: Hundarna i Riga)
Paul Zsolnay Verlag 2000
dtv 20294; 1/00

3. Fall
Die weiße Löwin
(Originalausgabe 1993: Den vita lejonninan)
Deutscher Taschenbuch Verlag 1998
dtv 20150; 7/98

4. Fall
Der Mann, der lächelte
(Originalausgabe 1994: Mannen som log)
Paul Zsolnay Verlag 2001
dtv 20590

5. Fall
Die falsche Fährte
(Originalausgabe 1995: Villospår)
Paul Zsolnay Verlag 1999
dtv 20420; 4/01

6. Fall
Die fünfte Frau
(Originalausgabe 1996: Den femte kvinnan)
Paul Zsolnay Verlag 1998
dtv 20366; 10/00

7. Fall
Mittsommermord
(Originalausgabe 1997: Steget efter)
Paul Zsolnay Verlag 2000
dtv 20520; 5/02

8. Fall
Die Brandmauer
(Originalausgabe 1998: Brandvägg)
Paul Zsolnay Verlag 2001
dtv 20661; 10/03


Dieses Buch ist fast wie Kinderschokolade: Spannung, Spaß, na ja die Schokolade fehlt aber die kann man sich ja noch besorgen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Silke aus Erfurt am 24.09.2008 ***** ausgezeichnet
Ich bin ein irre großer Fan von Henning Mankell, seit meinem ersten Buch „Mittsommermord“ von ihm. Schade in meinen Augen ist nur, dass die Übersetzungen nicht in der richtigen Reihenfolge, dass heißt wie sie geschrieben wurden sind, kamen. Wichtig zu sagen ist aber, dass dies nicht ganz so schlimm ist, denn für alle die es noch nicht wissen: Jedes Buch ist ein Fall aber trotzdem gehören sie irgendwie zusammen. Deshalb kann es passieren, das in einem Buch ein Ermittler stirb und im nächsten ist er wieder da.

Diese Krimi Serie ist in meinen Augen das Beste was Henning Mankell geschrieben hat. Aber auch andere Bücher von ihm sind gut, nur eben anders…

Henning Mankells Bücher sind wie eine Sucht, eins gelesen und man kommt nie wieder davon los. Außerdem kann man sich in seinem Schreibstil super die Landschaften und alles drum herum vorstellen. Man könnte denken selber dabei zu sein.


Alle Fälle Kurt Wallanders in der richtigen Reihenfolge:

1. Fall
Mörder ohne Gesicht (Originalausgabe 1991: Mördare utan ansikte)
Paul Zsolnay Verlag 2001
dtv 20232; 4/99

2. Fall
Hunde von Riga
(Originalausgabe 1992: Hundarna i Riga)
Paul Zsolnay Verlag 2000
dtv 20294; 1/00

3. Fall
Die weiße Löwin
(Originalausgabe 1993: Den vita lejonninan)
Deutscher Taschenbuch Verlag 1998
dtv 20150; 7/98

4. Fall
Der Mann, der lächelte
(Originalausgabe 1994: Mannen som log)
Paul Zsolnay Verlag 2001
dtv 20590

5. Fall
Die falsche Fährte
(Originalausgabe 1995: Villospår)
Paul Zsolnay Verlag 1999
dtv 20420; 4/01

6. Fall
Die fünfte Frau
(Originalausgabe 1996: Den femte kvinnan)
Paul Zsolnay Verlag 1998
dtv 20366; 10/00

7. Fall
Mittsommermord
(Originalausgabe 1997: Steget efter)
Paul Zsolnay Verlag 2000
dtv 20520; 5/02

8. Fall
Die Brandmauer
(Originalausgabe 1998: Brandvägg)
Paul Zsolnay Verlag 2001
dtv 20661; 10/03


Dieses Buch ist fast wie Kinderschokolade: Spannung, Spaß, na ja die Schokolade fehlt aber die kann man sich ja noch besorgen.

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Bewertung von Pete aus Berlin am 19.04.2008 ***** ausgezeichnet
Schade, schade, schade...

Henning Mankell hat es bis dato immer geschafft, mich mit seinen Büchern in den Bann zu ziehen. Spannung pur. Aber diesmal weiß ich nicht, was ich sagen soll. Wahrscheinlich kann er noch nicht mal was dafür. Die ganze Geschichte wird bereits im Klappentext verraten und in der Handlung kommt den ganzen Roman über keine neue Erkenntnis hinzu, so dass sich niemals eine Spannung bei mir aufgebaut hat, denn ich wusste ja schon im Voraus, um was es geht, während Wallander aber immer noch froh und munter im Dunkeln getappt hat. Wer Romane lesen will, bei denen es um Spannung pur geht und der Klappentext nichts verrät, eher einen noch tiefer in die Dunkelheit gleiten lässt, sollte sich Darja Behnsch' Diagnose: Schizophasie oder Mariposa zur Hand nehmen. Dort fiebert man wirklich von der ersten bis zur letzten Seite mit, ohne zu wissen, was auf einen zukommt. Aber hier? Ich bin wirklich sehr enttäuscht von Mankells Werk, obwohl er wohl wirklich nichts dafür kann. Dass er schreiben kann, weiß jeder, aber hier hat der Verlag eindeutig Mist gebaut. Daher gibt's von mir eindeutig nur 1 Stern. Mankell, es tut mir leid, aber ich kann dir diesmal nicht mehr Sterne geben. Hoffe, du kannst einen enttäuschten Leser verstehen. Pete, Berlin
;(

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

Es gibt 1 Kommentar zu dieser Bewertung
  • Albert Weilbach aus Rosenheim am 31.08.2011
    Hier hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen: im Text wird ein (1) Stern vergeben, die Bewertung lautet auf ausgezeichnet mit 5 Sternen.
     (Inhalt anstößig?)

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Bewertung von Claudia am 18.12.2005 ***** sehr gut
Die "Geschichte" ist super-spannend und sehr realistisch. Was den Spaß am Lesen aber sehr erheblich trübt sind die kurzen abgehackten Sätze und die unendlichen Besprechungen die Wallender mit seinen Leuten führt. Das Buch hätte locker um die 100 Seiten kürzer sein können, es wurde zum Teil einfach nur in die Länge gezogen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Bauer, Isolde aus 69245 Bammental am 14.12.2002 ***** ausgezeichnet
Den ersten Wallander-Krimi, den ich gelesen habe. Danach war ich süchtig und habe gleich noch drei weitere verschlungen: Nicht so spannend (trotzdem fesselnd) wie die Fünfte Frau, Mittsommermord oder Die falsche Fährte, aber dafür ist in Die Brandmauer der Schreibstil humorvoller. Sehr empfehlenswert!

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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