Die Begnadigung - Grisham, John

John Grisham 

Die Begnadigung

Roman

Aus d. Amerikan. v. Bernhard Liesen, Bea Reiter, Kristina Ruhl u. a.
Broschiertes Buch
 
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Produktbeschreibung zu Die Begnadigung

"Eine brisante Geschichte aus den innersten Zirkeln der Macht." -- Focus

"Mit dem für ihn typischen Tempo schickt er den Leser durch eine Story, die zündet." -- Bild am Sonntag

"... intelligent konstruierte Hochspannung." -- Handelsblatt

Die letzte Amtshandlung des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist die Begnadigung eines berüchtigten Wirtschaftskriminellen. Joel Backman war bis zu seiner Verurteilung einer der skrupellosesten Lobbyisten in Washington. Niemand weiß, dass die umstrittene Entscheidung des Präsidenten erst auf großen Druck der CIA zustande kam. Eine brisante Geschichte aus dem Zentrum der Macht, die nicht vom Weißen Haus, sondern von einem unkontrollierbaren Staat im Staate ausgeht.

Produktinformation


  • Verlag: Heyne
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 478 S.
  • Seitenzahl: 480
  • Heyne Bücher Bd.43197
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 34mm
  • Gewicht: 395g
  • ISBN-13: 9783453431973
  • ISBN-10: 3453431979
  • Best.Nr.: 20762065
"Eine brisante Geschichte aus den innersten Zirkeln der Macht." (Focus)

"... intelligent konstruierte Hochspannung."

"Grisham bürgt für Hochspannung und Qualität, er ist die oberste Instanz des Thrillers." (Neue Zürcher Zeitung)

"Warum er so viel besser ist als die anderen, bleibt sein Geheimnis." (Süddeutsche Zeitung )

"Grisham war als Erzähler immer besser als das Thriller-Genre, das ihn zu Recht berühmt gemacht hat ... die Spannung bleibt." (The New York Times Book Review )

"Grisham bürgt für Hochspannung und Qualität, er ist die oberste Instanz des Thrillers." Neue Zürcher Zeitung

"Warum er so viel besser ist als die anderen, bleibt sein Geheimnis." Süddeutsche Zeitung

"Grisham war als Erzähler immer besser als das Thriller-Genre, das ihn zu Recht berühmt gemacht hat ... die Spannung bleibt." The New York Times Book Review


"... intelligent konstruierte Hochspannung."
John Grisham wurde am 8. Februar 1955 in Jonesboro, Arkansas, geboren, studierte in Mississippi und ließ sich 1981 als Anwalt nieder. Der Aufsehen erregende Fall einer vergewaltigten Minderjährigen beeindruckte ihn nachhaltig und brachte ihm zum Schreiben. In Früh- und Nachtschichten wurde daraus sein erster Thriller, "Die Jury", der in einem kleinen, unabhängigen Verlag erschien - der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Alle seine Romane sind bei Heyne erschienen, zuletzt: "Die Begnadigung".

Charles Brauer wurde in seiner Rolle als Tatort- Kommissar Brockmöller an der Seite von Manfred Krug alias Kommissar Stoever populär. In der ZDF-Serie "Samt und Seide", die im März 2005 nach 114 Folgen zum letzten Mal ausgestrahlt wurde, spielte er den Part des Wilhelm Althofers. Als Audiosprecher liest er u.a. die Erzählung Joseph Conrads "Freya von den Inseln" und sämtliche Grisham-Romane.

Leseprobe zu "Die Begnadigung" von John Grisham

Während der letzten Stunden seiner Präsidentschaft – die bei den Historikern weniger Interesse erregen würde als irgendeine andere seit der von William Henry Harrison (einunddreißig Tage von der Amtseinführung bis zum Tod) – saß Arthur Morgan mit dem einzigen ihm verbliebenen Freund im Oval Office und dachte über die noch anstehenden Entscheidungen nach. Er hatte den Eindruck, in seiner vierjährigen Amtszeit alles verpfuscht zu haben, und war wenig zuversichtlich, daran in letzter Minute noch etwas ändern zu können. Der Freund teilte seine Zweifel, doch er verhielt sich wie immer – wenn er überhaupt den Mund aufmachte, sagte er nur, was der Präsident zu hören wünschte.

Es ging um Straferlasse und Begnadigungen – verzweifelte Gesuche von Dieben, Betrügern und Lügnern, von denen einige noch im Gefängnis waren. Andere hatten nie hinter Gittern gesessen, waren aber erpicht darauf, ihren guten Namen von jeglichem Makel zu reinigen und ihre innig geliebten staatsbürgerlichen Rechte wieder zuerkannt zu bekommen. Alle behaupteten, sie wären Freunde oder Freunde von Freunden oder besonders fanatische Anhänger. Nun war es fünf Minuten vor zwölf, doch bisher hatten nur wenige von ihnen Gelegenheit gefunden, ihre Unterstützung auch öffentlich zu bekunden. Es war schon deprimierend. Nach vier turbulenten Jahren, in denen Morgan der wichtigste Politiker der freien Welt gewesen war, schrumpfte alles auf einen erbärmlichen Stapel Papiere zusammen – auf die Gnadengesuche eines Haufens von Gaunern. Welchen Dieben sollte man Gelegenheit geben, erneut zu stehlen? Das waren die weltbewegenden Fragen, die Morgan in den letzten Stunden seiner Amtszeit beschäftigten.

Der letzte Getreue, ein alter Kumpel aus der Studentenverbindung, hieß Critz. Während ihrer gemeinsamen Zeit an der Cornell-Universität war Morgan Vorsitzender der Studentenvertretung geworden, weil Critz die Wahlurnen mit gefälschten Stimmzetteln voll gestopft hatte. In den vergangenen vier Jahren hatte Critz mehrere Posten bekleidet. Er war Pressesekretär, Stabschef, nationaler Sicherheitsberater und schließlich sogar Außenminister gewesen – Letzteres allerdings nur für drei Monate, weil er durch seine eigenwillige Vorstellung von Diplomatie fast den Dritten Weltkrieg ausgelöst hätte und schleunigst abberufen werden musste. Seinen letzten Job hatte er im vergangenen Oktober übernommen, in der hektischen Schlussphase des Wahlkampfs, von dem Morgan sich die Bestätigung im Amt versprochen hatte. Als die Meinungsumfragen zeigten, dass der Präsident in mindestens vierzig Bundesstaaten weit abgeschlagen hinter seinem Konkurrenten lag, hatte Critz die Wahlkampfleitung an sich gerissen. Er hatte es geschafft, mit Ausnahme von Alaska auch noch den Rest des Landes zu vergraulen.

Es war eine historische Wahl gewesen. Nie zuvor hatte ein amtierender Präsident so wenige Wahlmännerstimmen erhalten – ganze drei, um genau zu sein. Sie kamen aus Alaska, dem einzigen Bundesstaat, dem Morgan auf Critz' Anraten keinen persönlichen Besuch abgestattet hatte. Fünfhundertfünfunddreißig Stimmen für den Herausforderer, drei für den Amtsinhaber. Das Wort "Erdrutschsieg" charakterisierte das Ausmaß des Debakels nicht einmal ansatzweise.

Als die Stimmen ausgezählt waren, folgte der Herausforderer zweifelhaften Ratschlägen und beschloss, das Ergebnis aus Alaska anzufechten. Warum nicht alle fünfhundertachtunddreißig Wahlmännerstimmen einsacken?, hatte er sich gefragt. Nie wieder würde ein Präsidentschaftskandidat die Chance bekommen, seinen Gegner zu null zu schlagen, ihm die ultimative Niederlage zuzufügen. Sechs Wochen lang wurde in Alaska erbittert prozessiert, und der Präsident musste noch mehr leiden. Als der Oberste Gerichtshof ihm die drei Wahlmännerstimmen des Bundesstaates schließlich offiziell zuerkannte, köpften er und Critz in aller Stille eine Flasche Champagner.

Obwohl ihm das amtliche Endergebnis nur eine hauchdünne Mehrheit von siebzehn Stimmen attestierte, war Präsident Morgan seitdem geradezu vernarrt in Alaska.

Er hätte mehr Bundesstaaten keinen Besuch abstatten sollen.

Selbst in seiner Heimat Delaware, wo ihm das einst so weise Stimmvolk acht wundervolle Jahre als Gouverneur beschert hatte, war er als Verlierer aus der Wahl hervorgegangen. So wie Morgan Alaska ignoriert hatte, ignorierte sein Gegner Delaware – keine erwähnenswerte Kampagne, keine Fernsehspots, nicht eine einzige Rede. Und trotzdem hatte er zweiundfünfzig Prozent der Stimmen eingefahren!

Critz saß in einem weich gepolsterten Ledersessel, bewaffnet mit einem Notizblock mit einer langen Namensliste, die abgearbeitet werden musste. Er schaute zu, wie der deprimierte und gedemütigte Präsident langsam von einem Fenster zum anderen wanderte, in die Finsternis spähte und darüber sinnierte, was aus seiner Amtszeit hätte werden können. Morgan war achtundfünfzig, hatte sein Leben aber schon hinter sich – seine Karriere war beendet, seine Ehe zerrüttet. Mrs Morgan war bereits nach Wilmington zurückgekehrt und amüsierte sich öffentlich über Morgans Idee, in ein Holzhaus in Alaska zu ziehen. Insgeheim bezweifelte Critz, dass es seinem Freund gefallen würde, sich für den Rest seiner Tage als Jäger und Angler zu betätigen, aber die Aussicht, Mrs Morgan dreitausend Kilometer entfernt zu wissen, musste sehr verlockend sein. Unter Umständen hätten sie in Nebraska gewinnen können, wenn die First Lady ein dortiges Footballteam nicht "Sooners" genannt hätte – der Spitzname für die Einwohner von Oklahoma

Die Nebraska Sooners!

Morgans Umfrageergebnisse gingen in Nebraska und Oklahoma über Nacht dermaßen in den Keller, dass er sich von dem Absturz nicht erholte.

In Texas hatte sie von einem nach einem preisgekrönten Rezept zubereiteten Chili probiert und sich anschließend übergeben. Auf dem Weg zum Krankenwagen hatte ein Mikrofon ihre mittlerweile legendären Worte übertragen: "Wie können diese Hinterwäldler nur so einen Fraß essen?"

Nebraska hatte fünf Wahlmännerstimmen, Texas vierunddreißig. Den Fauxpas mit dem Footballteam hätten sie noch wegstecken können, doch ein Kandidat, dessen Frau sich so despektierlich über texanisches Chili äußerte, war chancenlos.

Was für ein Wahlkampf! Critz war versucht, ein Buch darüber zu schreiben. Irgendjemand musste den Weg in die Katastrophe dokumentieren.

Eine fast vierzigjährige Partnerschaft neigte sich ihrem Ende zu. Zweihunderttausend Dollar Jahresgehalt hatten Critz bewogen, einen Job bei einem Unternehmen aus der Rüstungsindustrie anzunehmen. Außerdem wollte er sich als Vortragsreisender betätigen – falls sich Veranstalter fanden, die dumm genug waren, die von ihm geforderten fünfzigtausend Dollar pro Rede zu bezahlen. Er hatte sein Leben dem Dienst an der Öffentlichkeit gewidmet, doch auch er wurde nicht jünger und war außerdem pleite. Er musste Geld verdienen, und zwar schnell.

Der Präsident hatte sein stattliches Haus in Georgetown mit riesigem Gewinn verkauft und eine kleine Ranch in Alaska erstanden, wo die Menschen ihn offenbar bewunderten. Er hatte vor, den Rest seiner Tage dort zu verbringen und sich dem Jagen und Angeln zu widmen. Vielleicht würde er seine Memoiren schreiben. Was immer er tun würde, die Politik und Washington gehörten definitiv der Vergangenheit an. Er würde nicht den Elder Statesman oder den Ratgeber seiner Partei spielen, der die weise Stimme der Erfahrung sprechen ließ. Keine Abschiedsvorstellungen, keine Parteitagsreden, keine Vorlesungen vor Studenten der Politologie. Keine Präsidentenbibliothek. Die Stimme des Volkes hatte sich laut und überdeutlich Gehör verschafft. Wenn sie ihn nicht wollten, würde er zweifellos auch ohne sie auskommen.

"Wir müssen entscheiden, was mit Cuccinello passieren soll", sagte Critz.

Der Präsident starrte weiter aus einem Fenster in die Finsternis, noch immer in Gedanken an Delaware versunken. "Mit wem?"

"Mit Figgy Cuccinello, diesem Filmregisseur. Wurde wegen Sex mit einem minderjährigen Starlet verurteilt."

"Wie jung war sie?"

"Fünfzehn, glaube ich."

"Ziemlich jung."

"Ja. Er ist nach Argentinien geflohen, wo er mittlerweile seit zehn Jahren lebt. Jetzt hat er Heimweh. Er will zurückkommen und weitere grauenhafte Filme drehen. Angeblich ruft ihn die Kunst in die Heimat zurück."

"Oder die jungen Mädchen."

"Die auch."

"Es wäre mir egal, wenn sie siebzehn gewesen wäre, aber fünfzehn ist zu jung."

"Er hat sein Angebot auf fünf Millionen erhöht."

Der Präsident drehte sich um und schaute Critz an. "Er bietet fünf Millionen für einen Straferlass?"

"Ja, und er muss schnell Bescheid wissen. Das Geld muss telegrafisch aus der Schweiz überwiesen werden. Da drüben ist es jetzt drei Uhr morgens."

"Wohin würde er es überweisen?"

"Wir haben Offshore-Konten. Ist kein Problem."

"Wie würde die Presse reagieren?"

"Ziemlich eklig."

"Journalisten sind immer eklig."

"Diesmal würden sie besonders eklig werden."

"Eigentlich ist mir die Presse egal", sagte Morgan.

Warum fragst du dann?, hätte Critz am liebsten entgegnet.

"Könnte die Herkunft des Geldes zurückverfolgt werden?", fragte Morgan, während er sich wieder zum Fenster umdrehte.

"Nein."

Der Präsident kratzte sich mit der rechten Hand am Nacken, wie er es bei schwierigen Entscheidungen immer tat. Einmal, als er fast einen Atomschlag gegen Nordkorea angeordnet hätte, hatte er sich so lange gekratzt, bis Blut auf den Kragen seines weißen Hemdes getropft war. "Meine Antwort lautet nein", sagte er. "Fünfzehn ist zu jung."

Die Tür öffnete sich, ohne dass angeklopft worden wäre, und Artie Morgan trat ein, der Sohn des Präsidenten. In einer Hand hielte er eine Flasche Heineken, in der anderen ein paar Papiere. "Hab gerade mit der CIA telefoniert", sagte er beiläufig. Er trug zerschlissene Jeans und keine Socken. "Maynard ist auf dem Weg hierher." Nachdem er die Papiere auf den Schreibtisch geworfen hatte, verließ er den Raum, wobei er die Tür geräuschvoll ins Schloss warf.

Artie würde die fünf Millionen ohne jedes Zögern annehmen, unabhängig vom Alter des Mädchens, dachte Critz. Für ihn war fünfzehn mit Sicherheit nicht zu jung. Vielleicht hätten sie in Kansas gewinnen können, wenn Artie nicht in einem Motel in Topeka mit drei Cheerleaders geschnappt worden wäre, von denen die älteste siebzehn gewesen war. Der Staatsanwalt ließ die Anklage schließlich fallen – drei Tage nach der Wahl, und nachdem die Mädchen beeidete Erklärungen unterschrieben hatten, denen zufolge sie nie Sex mit Artie gehabt hatten. Viel hatte nicht gefehlt, tatsächlich nur ein paar Sekunden – dann hatte die Mutter eines der Mädchen an die Tür geklopft und eine Orgie vereitelt.

Der Präsident setzte sich in seinen mit Leder bezogenen Schaukelstuhl und tat so, als würde er ein paar unwichtige Unterlagen durchblättern. "Gibt es Neuigkeiten im Fall Backman?", fragte er.

In seinen achtzehn Jahren als Direktor der CIA war Teddy Maynard keine zehn Mal im Weißen Haus gewesen – nie zum Dinner (er ließ sich stets aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen) und kein einziges Mal, um einem ausländischen Spitzenpolitiker die Hand zu schütteln (nichts hätte ihm gleichgültiger sein können). Als er noch laufen konnte, schaute er gelegentlich vorbei, um mit dem jeweiligen Präsidenten oder einem oder zwei seiner Kabinettsmitglieder zu plaudern. Doch seit er im Rollstuhl saß, beschränkte sich seine Kommunikation mit dem Weißen Haus auf Telefonate. Zweimal wurde ein Vizepräsident für ein Treffen mit Mr Maynard zum Hauptquartier der CIA nach Langley chauffiert.

Das einzig Positive an dem Rollstuhl war, dass er einen wundervollen Vorwand bot, alle missliebigen Termine abzusagen und nur noch das zu tun, was einem gefiel. Ohnehin hatte niemand Interesse daran, einen greisen Krüppel durch die Gegend zu schieben.

Mittlerweile war Maynard seit fast fünfzig Jahren Geheimdienstler, und er genoss das Privileg, nicht mehr über die Schulter blicken zu müssen, wenn er sehen wollte, was sich hinter ihm abspielte. Er ließ sich in einem unauffälligen weißen Transporter durch die Gegend kutschieren – kugelsicheres Glas, gepanzerte Wände, zwei schwer bewaffnete Männer hinter dem schwer bewaffneten Fahrer –, und sein Rollstuhl war direkt vor der Hintertür rutschsicher am Boden befestigt, sodass er den Verkehr hinter ihnen beobachten konnte, ohne selbst gesehen zu werden. In einer gewissen Entfernung folgten zwei weitere Transporter, und falls jemand auf die unglückselige Idee kommen sollte, in die Nähe des CIA-Direktors gelangen zu wollen, wäre ihm sofort Einhalt geboten worden. Nicht dass jemand mit einem solchen Zwischenfall gerechnet hätte. Ein Großteil der interna­tionalen Öffentlichkeit glaubte, Teddy Maynard wäre tot oder in einem jener unauffälligen Altersheime, wo greise Spione ihrem Ende entgegendämmerten.

Und so war es ihm auch am liebsten.

Er war in eine dicke graue Decke gehüllt und wurde von Hoby begleitet, seinem treuen Berater. Während der Wagen mit neunzig Stundenkilometern über den Beltway fuhr, schlürfte Maynard grünen Tee, den Hoby ihm aus einer Thermoskanne eingeschenkt hatte, und beobachtete die Autos hinter ihnen. Hoby saß auf einem speziell für ihn angefertigten Lederstuhl neben ihm.

"Wo ist Backman im Augenblick?", fragte Maynard nach einem weiteren Schluck Tee.

"In seiner Zelle", antwortete Hoby.

"Und unsere Leute sind beim Gefängnisdirektor?"

"Sie warten in seinem Büro."

Maynard führte den Pappbecher vorsichtig mit beiden Händen an die Lippen. Seine Hände wirkten gebrechlich, hatten die Farbe von Magermilch, und die Adern traten stark hervor. Es schien, als wären sie bereits abgestorben und warteten geduldig darauf, dass auch aus dem Rest seines Körpers das Leben wich. "Wie lange werden wir brauchen, um ihn außer Landes zu schaffen?"

"Etwa vier Stunden."

"Ist alles vorbereitet?"

"Bis ins letzte Detail. Wir warten nur noch auf grünes Licht."

"Hoffentlich sieht der Trottel die Dinge genauso wie ich."

Der Trottel und Critz starrten die Wände des Oval Office an, und das schwer lastende Schweigen wurde nur gelegentlich durch eine Bemerkung über Joel Backman gebrochen. Sie mussten über irgendetwas reden, weil keiner der beiden die Absicht hatte, jenes Thema anzuschneiden, das sie wirklich beschäftigte.

Kann das wahr sein?

Ist das jetzt das Ende?

Vierzig Jahre. Von der Cornell-Universität bis ins Oval Office. Nun kam das Ende so plötzlich, dass keiner der beiden genügend Zeit gehabt hatte, sich angemessen darauf vorzubereiten. Sie hatten damit gerechnet, weitere vier Jahre im Amt zu bleiben. Vier ruhmreiche Jahre, in denen sie sorgfältig an ihrem politischen Vermächtnis gearbeitet hätten, bevor sie wie im Western heldenhaft in den Sonnenuntergang entschwunden wären.

Obwohl es schon später Abend war, schien es vor dem Fenster, das auf den Rosengarten ging, noch finsterer zu werden. Der Countdown lief, und sie glaubten, die Uhr über dem Kamin leise ticken zu hören.

"Wie wird die Presse reagieren, wenn ich Backman begnadige?", fragte der Präsident nicht zum ersten Mal.

"Sie wird verrückt spielen."

"Könnte lustig werden."

"Du wirst ja nicht mehr hier sein."

"Stimmt." Nach der Machtübergabe, die für den Mittag des nächsten Tages angesetzt war, hatte der Präsident vor, Washington fluchtartig zu verlassen. Er würde mit einem Privatjet (der einem Ölunternehmen gehörte) nach Barbados fliegen und dort einige Zeit in der Villa eines Freundes verbringen. Morgan hatte angeordnet, alle Fernseher wegzuschaffen, sämtliche Zeitungen und Illustrierten abzubestellen und alle Telefonkabel aus der Wand zu ziehen. Für mindestens einen Monat würde er jeden Kontakt zur Außenwelt meiden. Auch den zu Critz und besonders den zu Mrs Morgan. Selbst wenn Washington brannte, ihm würde es egal sein. Tatsächlich hoffte er insgeheim, dass es so kommen möge.

Von Barbados aus würde er dann nach Alaska fliegen, wo er die Welt auf seiner Ranch weiterhin ignorieren und auf den Frühling warten würde.

"Sollen wir ihn begnadigen?", fragte der Präsident.

"Vermutlich schon", antwortete Critz.

Wenn vermeintlich unpopuläre Entscheidungen anstanden, sagte der Präsident immer "wir", in unkomplizierten Fällen "ich". Benötigte er Hilfe – und jemanden, dem er den schwarzen Peter zuschieben konnte –, ließ er Critz an der Entscheidungsfindung teilhaben.

Vierzig Jahre lang hatte Critz den Sündenbock gespielt, und mittlerweile war er es leid. "Es ist gut möglich, dass wir jetzt nicht hier sitzen würden, wenn es Joel Backman nicht gegeben hätte", bemerkte er schließlich.

"Da könntest du Recht haben", erwiderte Morgan, der stets geglaubt hatte, sein Amt seinem brillanten Wahlkampf, seiner charismatischen Persönlichkeit, seiner Sachkompetenz und seiner klaren Vision hinsichtlich der Zukunft Amerikas zu verdanken. Dass er jetzt zugab, Joel Backman etwas zu verdanken, hatte fast etwas Schockierendes an sich.

Aber Critz war schon zu abgestumpft und müde, um sich noch schockieren zu lassen.

Vor sechs Jahren hatte der Backman-Skandal einen Großteil der Hauptstadt erschüttert und schließlich auch das Weiße Haus erreicht. Die dunkle Wolke über dem Haupt eines populären Präsidenten wollte sich nicht mehr verziehen, und dadurch war Arthur Morgan der Weg ins Oval Office geebnet worden.

Jetzt, wo er es verlassen musste, fand er Gefallen an der Vorstellung, sich mit einer Ohrfeige vom Washingtoner Establishment zu verabschieden, das ihm vier Jahre lang die kalte Schulter gezeigt hatte. Eine Begnadigung Joel Backmans würde in jedem Bürogebäude in Washington die Wände wackeln und diese Schwätzer von Journalisten förmlich durchdrehen lassen. Ja, die Idee war gut. Während er sich auf Barbados die Sonne auf den Bauch scheinen ließe, würde in Washington das Chaos ausbrechen – Kongressabgeordnete würden Anhörungen verlangen, Staatsanwälte vor den Kameras posieren und die unerträglichen Schwafelköpfe der TV-Sender ohne Punkt und Komma reden.

Der Präsident lächelte in die Dunkelheit.

Leseprobe zu "Die Begnadigung" von John Grisham

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Bewertung von Janssen aus Varel am 09.09.2008 ***** ausgezeichnet
Eine spannende und bis zum Schluß wirklich gute Story. Einfach super!!

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Bewertung von Marcel aus Wickert am 10.07.2008 ***** ausgezeichnet
gut wie immer... grisham ist einfach eien sensation

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Bewertung von Marshall am 03.01.2008 ***** gut
Dieses Werk von John Grisham wurde in diversen Rezensionen schon schlechter gemacht als es eigentlich ist. Wer jedoch einen Thriller im Stil von "Die Jury" oder "Die Akte" erwartet, bekommt ihn nicht. Stattdessen ist das ganze Buch mehr eine Liebeserklärung an Italien.
Teilweise ist das Buch gerade in der Mitte etwas langamtig, als Grisham hier den Sprachunterricht seines Protagonisten schildert. Auch die Charaktere bleiben recht blass, wenn man jedoch ebenfalls das Gefühl hat das sie eine Menge verbergen und viel mehr aus ihnen hätte herausgeholt werden können. Der innere Konflikt der Hauptperson Joel Backman wird meiner Meinung nach aber viel zu wenig geschildert. Man kann sich mit seiner höflichen Art, mit der er später durch Bologna streift, einfach nicht dieses Ekelpaket von reichem Lobbyisten vorstellen zu dem er von anderen Charakteren des Buchs gemacht wird.

Fazit:
Beileibe nicht so schlecht wie es immer gemacht wird, doch definitv von der ruhigeren Art als die andere Werke Grishams.

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Bewertung von andrea aus wolfen am 28.11.2007 ***** schlecht
bin sehr enttäuscht habe schon bessere von grisham gelesen die ersten 250 seiten hätte man kürzen können. manche handlungen spielen doppelt. das ist das erste buch welches ich leider mit schlecht bewerten muss. schade.

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Die letzte Amtshandlung des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist die Begnadigung eines berüchtigten Wirtschaftskriminellen. Joel Backman war bis zu seiner Verurteilung einer der skrupellosesten Lobbyisten in Washington. Niemand weiß, dass die umstrittene Entscheidung des Präsidenten erst auf großen Druck der CIA zustande kam. Eine brisante Geschichte aus dem Zentrum der Macht, die nicht vom Weißen Haus, sondern von einem unkontrollierbaren Staat im Staate ausgeht.

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Während der letzten Stunden seiner Präsidentschaft – die bei den Historikern weniger Interesse erregen würde als irgendeine andere seit der von William Henry Harrison (einunddreißig Tage von der Amtseinführung bis zum Tod) – saß Arthur Morgan mit dem einzigen ihm verbliebenen Freund im Oval Office und dachte über die noch anstehenden Entscheidungen nach. Er hatte den Eindruck, in seiner vierjährigen Amtszeit alles verpfuscht zu haben, und war wenig zuversichtlich, daran in letzter Minute noch etwas ändern zu können. Der Freund teilte seine Zweifel, doch er verhielt sich wie immer – wenn er überhaupt den Mund aufmachte, sagte er nur, was der Präsident zu hören wünschte.

Es ging um Straferlasse und Begnadigungen – verzweifelte Gesuche von Dieben, Betrügern und Lügnern, von denen einige noch im Gefängnis waren. Andere hatten nie hinter Gittern gesessen, waren aber erpicht darauf, ihren guten Namen von jeglichem Makel zu reinigen und ihre innig geliebten staatsbürgerlichen Rechte wieder zuerkannt zu bekommen. Alle behaupteten, sie wären Freunde oder Freunde von Freunden oder besonders fanatische Anhänger. Nun war es fünf Minuten vor zwölf, doch …

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Bewertung von Janssen aus Varel am 09.09.2008
*****
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Eine spannende und bis zum Schluß wirklich gute Story. Einfach super!!
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Bewertung von Marcel aus Wickert am 10.07.2008
*****
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*****
gut
Dieses Werk von John Grisham wurde in diversen Rezensionen schon schlechter gemacht als es eigentlich ist. Wer jedoch einen Thriller im Stil von "Die Jury" oder "Die Akte" erwartet, bekommt ihn nicht. Stattdessen ist das ganze Buch mehr eine Liebeserklärung an Italien.
Teilweise ist das Buch gerade in der Mitte etwas langamtig, als Grisham hier den Sprachunterricht seines Protagonisten schildert. Auch die Charaktere bleiben recht blass, wenn man jedoch ebenfalls das Gefühl hat das sie eine Menge verbergen und viel mehr aus ihnen hätte herausgeholt werden können. Der innere Konflikt der Hauptperson Joel Backman wird meiner Meinung nach aber viel zu wenig geschildert. Man kann sich mit seiner höflichen Art, mit der er später durch Bologna streift, einfach nicht dieses Ekelpaket von reichem Lobbyisten vorstellen zu dem er von anderen Charakteren des Buchs gemacht wird.

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Bewertung von andrea aus wolfen am 28.11.2007
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"... intelligent konstruierte Hochspannung."

Rezensionen und Kritik

"Grisham bürgt für Hochspannung und Qualität, er ist die oberste Instanz des Thrillers." (Neue Zürcher Zeitung)

"Warum er so viel besser ist als die anderen, bleibt sein Geheimnis." (Süddeutsche Zeitung )

"Grisham war als Erzähler immer besser als das Thriller-Genre, das ihn zu Recht berühmt gemacht hat ... die Spannung bleibt." (The New York Times Book Review )

Rezension

"Grisham bürgt für Hochspannung und Qualität, er ist die oberste Instanz des Thrillers." Neue Zürcher Zeitung

"Warum er so viel besser ist als die anderen, bleibt sein Geheimnis." Süddeutsche Zeitung

"Grisham war als Erzähler immer besser als das Thriller-Genre, das ihn zu Recht berühmt gemacht hat ... die Spannung bleibt." The New York Times Book Review

Rezensionen und Kritik

"... intelligent konstruierte Hochspannung."

Autorenporträt zu "John Grisham"

John Grisham wurde am 8. Februar 1955 in Jonesboro, Arkansas, geboren, studierte in Mississippi und ließ sich 1981 als Anwalt nieder. Der aufsehenerregende Fall einer vergewaltigten Minderjährigen brachte ihm zum Schreiben. In Früh- und Nachtschichten wurde daraus sein erster Thriller, 'Die Jury', der in einem kleinen, unabhängigen Verlag erschien, der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte.

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