Die Befreiung - Goldschmidt, Georges-Arthur

Georges-Arthur Goldschmidt 

Die Befreiung

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  • ISBN-10: 3250105082
  • Best.Nr.: 22812289
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.11.2007

Hoch oben trieben Wolken schiffartig dahin
Mit der Erzählung „Die Befreiung” vollendet Georges-Arthur Goldschmidt die autobiographische Trilogie seiner Jugendjahre
Am 17. September 1944, die französischen Alpen sind gerade von den deutschen Besatzern befreit, verlässt ein junger Mann den Bauernhof, auf dem er sich ein gutes Jahr versteckt gehalten hatte. Er kehrt ins nahe gelegene Internat zurück, wohin ihn seine Familie 1938 in Sicherheit gebracht hatte, denn auch als getaufter Jude wäre er in seiner deutschen Heimat seines Lebens nicht mehr sicher gewesen. Der junge Mann heißt Arthur Kellerlicht – das literarische Alter Ego George-Arthur Goldschmidts, der nun mit der Erzählung „Die Befreiung” die autobiographische Trilogie seiner Jugendjahre abschließt. 1991 war „Die Absonderung”, 1996 „Die Aussetzung” erschienen. Goldschmidt blieb nach dem Krieg in Frankreich. Den größten Teil seiner Bücher schrieb er auf Französisch, die Jugendgeschichten auf Deutsch.
Goldschmidt hat in Frankreich einen ganz eigenen, etwas altertümlichen Erzählton bewahrt und kultiviert. „Mit jedem Schritt erweiterte sich die Talsicht; hoch oben, über dem, …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.11.2007

Alle Lust will Ewigkeit
Georges-Arthur Goldschmidts Selbsterforschung

Eine seltsame Befreiung: Die Soldaten des Dritten Reichs ziehen im September 1944 aus den Bergen von Hoch-Savoyen ab, der Junge jüdischer Herkunft kann sich aus dem entlegenen Bauernhof hervortrauen und ins Internat zurückkehren - ein Albdruck scheint zu weichen. Tatsächlich aber muss Arthur Kellerlicht an den Ort seiner Karzerhaft zurückkehren, an den Ort, wo ihm beim kleinsten Vergehen das bloße Hinterteil versohlt wird. "Die Befreiung", so der Titel der neuesten Erzählung von Georges-Arthur Goldschmidt, ist vorerst nur scheinbar eine. So zögert der Jüngling; fast schleicht er sich ins Internat, aus dem er vor einem Jahr fliehen musste, um nicht verhaftet und deportiert zu werden.

Aber auch die Angst vor der strengen Internatsleiterin ist vordergründig - die munter wuchernde Sexualität des Burschen lässt die Lage vollends paradox werden. Im Grunde gefallen ihm die Haselrutenschläge von Fräulein Lucas, unter denen er sich pathetisch dreht und windet, sie befeuern scham- wie lustvolle Phantasien. Mit ähnlicher Hingabe akzeptiert er erniedrigende homosexuelle …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Georges-Arthur Goldschmidts neueste Erzählung versteht Niklas Bender als intensivierte Fortführung älterer Texte des Autors. Wieder, schreibt Bender, geht es um eine autobiografisch grundierte Selbsterforschung, um Sexualität, Angst und Schuldgefühle. Die im Frankreich des Jahres 1944 angesiedelte Geschichte eines Jungen jüdischer Herkunft sieht Bender als bislang intimsten und explizitesten Teil von Goldschmidts "einzigartiger" Verbindung von jugendlicher "Sexualverwirrung" und "historischer Katastrophe". Zu bedenken gibt Bender, dass diese psychologisierende Erkundung von Abgründen einen weniger talentierten Autor sicher aufs Glatteis geführt hätte. Bei Goldschmidts Text hingegen befällt den Rezensenten ein Unwohlsein angesichts der "Wiederholung bekannter Ereignisse" und der Selbstgenügsamkeit einer wenn auch "sprachmächtig" erschriebenen "Selbstbefreiung des Autors".

© Perlentaucher Medien GmbH

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  • ISBN-10: 3250105082
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26.11.2007

Alle Lust will Ewigkeit
Georges-Arthur Goldschmidts Selbsterforschung

Eine seltsame Befreiung: Die Soldaten des Dritten Reichs ziehen im September 1944 aus den Bergen von Hoch-Savoyen ab, der Junge jüdischer Herkunft kann sich aus dem entlegenen Bauernhof hervortrauen und ins Internat zurückkehren - ein Albdruck scheint zu weichen. Tatsächlich aber muss Arthur Kellerlicht an den Ort seiner Karzerhaft zurückkehren, an den Ort, wo ihm beim kleinsten Vergehen das bloße Hinterteil versohlt wird. "Die Befreiung", so der Titel der neuesten Erzählung von Georges-Arthur Goldschmidt, ist vorerst nur scheinbar eine. So zögert der Jüngling; fast schleicht er sich ins Internat, aus dem er vor einem Jahr fliehen musste, um nicht verhaftet und deportiert zu werden.

Aber auch die Angst vor der strengen Internatsleiterin ist vordergründig - die munter wuchernde Sexualität des Burschen lässt die Lage vollends paradox werden. Im Grunde gefallen ihm die Haselrutenschläge von Fräulein Lucas, unter denen er sich pathetisch dreht und windet, sie befeuern scham- wie lustvolle Phantasien. Mit ähnlicher Hingabe akzeptiert er erniedrigende homosexuelle …

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22.11.2007

Hoch oben trieben Wolken schiffartig dahin
Mit der Erzählung „Die Befreiung” vollendet Georges-Arthur Goldschmidt die autobiographische Trilogie seiner Jugendjahre
Am 17. September 1944, die französischen Alpen sind gerade von den deutschen Besatzern befreit, verlässt ein junger Mann den Bauernhof, auf dem er sich ein gutes Jahr versteckt gehalten hatte. Er kehrt ins nahe gelegene Internat zurück, wohin ihn seine Familie 1938 in Sicherheit gebracht hatte, denn auch als getaufter Jude wäre er in seiner deutschen Heimat seines Lebens nicht mehr sicher gewesen. Der junge Mann heißt Arthur Kellerlicht – das literarische Alter Ego George-Arthur Goldschmidts, der nun mit der Erzählung „Die Befreiung” die autobiographische Trilogie seiner Jugendjahre abschließt. 1991 war „Die Absonderung”, 1996 „Die Aussetzung” erschienen. Goldschmidt blieb nach dem Krieg in Frankreich. Den größten Teil seiner Bücher schrieb er auf Französisch, die Jugendgeschichten auf Deutsch.
Goldschmidt hat in Frankreich einen ganz eigenen, etwas altertümlichen Erzählton bewahrt und kultiviert. „Mit jedem Schritt erweiterte sich die Talsicht; hoch oben, …

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Perlentaucher-Notiz zur FAZ-Rezension

26.11.2007

Georges-Arthur Goldschmidts neueste Erzählung versteht Niklas Bender als intensivierte Fortführung älterer Texte des Autors. Wieder, schreibt Bender, geht es um eine autobiografisch grundierte Selbsterforschung, um Sexualität, Angst und Schuldgefühle. Die im Frankreich des Jahres 1944 angesiedelte Geschichte eines Jungen jüdischer Herkunft sieht Bender als bislang intimsten und explizitesten Teil von Goldschmidts "einzigartiger" Verbindung von jugendlicher "Sexualverwirrung" und "historischer Katastrophe". Zu bedenken gibt Bender, dass diese psychologisierende Erkundung von Abgründen einen weniger talentierten Autor sicher aufs Glatteis geführt hätte. Bei Goldschmidts Text hingegen befällt den Rezensenten ein Unwohlsein angesichts der "Wiederholung bekannter Ereignisse" und der Selbstgenügsamkeit einer wenn auch "sprachmächtig" erschriebenen "Selbstbefreiung des Autors".

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