Der Begründer des Dada, Hugo Ball, erkennt in dem Namen für die
radikale Avantgarde-Kunst, DADA, bekanntlich eine magische
Lebens-Chiffre, die die eigene Biographie als doppelten Anruf
definiert, zuerst durch Nietzsches Dionysos und dann durch den
frühchristlichen Mystiker Dionysos Areopagita. Die magische
Lebenschiffre definiert so die beiden extremen Pole des eigenen
Lebenswerks und dessen Etappen als eine Transformation, in der der
Anspruch der radikalen ästhetischen Subjektivität auf absolute
Emanzipation von der Tradition und ihrer normativen Verfassung zu
deren Suspension führt, um von hier allerdings die wahre Revolution
dieses Subjekts als ethisch-theologisches Subjekt einzuleiten. Die
Logik dieses Lebenswegs von der radikal-anarchischen
Avantgardekunst zu einer "mystischen Politik" auf der
Grundlage des Katholizismus entspricht einem Chiasmus: es ist der
Weg von Nietzsches Gott des dionysischen Seins - jenseits von Gut
und Böse - zu Areopagitas Gott des Guten und der Liebe - jenseits
des Seins.
Inhalt:
Ekstase & Askese. Versuch über die Aktualität von Hugo
Ball
I. Coelestographie - Balls Poesie der alphabetischen
Sternbilder
II. Die Explosion der Normaluhr
III. Die Flucht aus dem Paradies oder: die Entführung der
Erzengel
lV. Das Reich der Freiheit als Operette. Balls Roman Flametti oder
der Dandysmus der Armen
V. Genietheorie als umgekehrte Christologie. Balls Weg vom
ästhetischen Anarchismus zur politischen Theologie
VI. Die evangelische Republik oder: eine Syntax der neuen Gottes
und Menschenrechte. Balls Kritik der deutschen Intelligenz
VII. Satanopolis oder: die Apokalypse des Ichs Balls Roman
Tenderenda der Phantast
a. Vorspiel zum Inferno
b. Ein neuer Gott wird erwartet
c. Das Steckenpferd der Phantasie
d. Prügel für die Erzengel
e. Das Lied vom Ende
f. Der metaphorische Leerlauf der Bilder
g. Koko - der grüne Gott der Verzauberung
VIII. Genie, Souverän oder Asket. Balls Kritik an Carl Schmitts
Politischer Theologie
IX. Die himmlische Polis der Engel - jenseits des Seins
Christoph Schmidt, geboren 1956 in Helsinki, lehrt an den Abteilungen für Deutsche Literatur und Kulturwissenschaft an der Hebräischen Universität Jerusalem. Veröffentlichungen zur ästhetischen Theorie und zur politischen Theologie.
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