"Loretta ist Mitte 20, von ihrer Empfindsamkeit überfordert, erschöpft davon, dass sie allmählich erwachsen werden müsste und es auf gar keinen Fall sein will. Sie lebt das Leben, das Mädchen ihresgleichen so führen, wenn sie gesegnet und geplagt sind mit einem viel zu fein kalibrierten Sensorium: Boheme, Kunst, Mode, mädchenhafte Lieblichkeit, Sexyness, ewig unerfüllte Sehnsucht über einem Grundton von Depression. Julia Zange, selbst erst 25, hat sich diese Heldin ausgedacht, und ihr Debütroman Die Anstalt der besseren Mädchen ist eine Entdeckung: Je weiter man sich in ihre hypnotische Prosa hineinbegibt, desto bodenloser fühlt man sich. Ein furios genaues Buch über ein schwieriges Lebensgefühl." Jenny Hoch Vanity Fair
Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
Nicht erwärmen kann sich Florian Kessler für Julia Zanges Debütroman über Loretta, eine ziemlich infantile junge Frau, die sich im szenigen Berlin zwischen Parties, Fashion und ein wenig Kunst bewegt und sich dabei vor allem um sich selbst dreht. Die "monomanen Irrungen und Wirrungen" Lorettas bilden zu seinem Bedauern dann auch vornehmlich den Inhalt des Romans. Den Stil des Buchs findet er mal "pampig", mal "zuckrig" und "manchmal auch einfach nur auf anmutige Weise vollkommen ungelenk". Mit den Nebenfiguren, die auftreten und "sentenzenhafte Parabeln" oder Liedtexte aufsagen, kann Kessler erst recht nichts anfangen. Auch dass Loretta dann ein Kind bekommt und mit ihr in einem seltsamen Mädchencamp landet, bevor sie von ihrem Freund wieder nach Berlin zurück geholt wird, macht das Buch in seinen Augen nicht besser.
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 | Besprechung |
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Der Klappentext verspricht einen weiteren überflüssigen Roman aus der Welt gelangweilter und markenbewusster Großstädter: "Loretta steckt in einem Kokon aus Mode und Verführungskraft, Realitätsflucht und Kindlichkeit fest." Doch Julia Zanges Roman "Die Anstalt der besseren Mädchen" hat Widerhaken. Die Gewinnerin des Berliner Open Mike 2006 lullt die Leser mit den ersten zwei Dritteln ihres Debüts ein. Zwar spielt sie ideenreich mit der Sprache der oberflächlichen Konsumwelt, doch eigentlich sind die Möglichkeiten hier längst durchgespielt und überstrapaziert. Okay, die kleine, blonde Loretta kommt nicht so richtig in den Alltag, aber sie hat ja den angehenden Arzt Male zum Freund und ihre Tabletten. Doch die Problemchen werden mehr und mehr zur Psychose, plötzlich ist da ein Kind - und Julia Zange wagt den surrealen Dreh: Loretta und ihre Tochter landen in einem Mädchencamp auf dem Land, in dem das natürliche Leben gelernt werden soll. Eine Utopie oder die rosarote Übersteigerung einer ganz und gar nicht glaubwürdigen Protagonistin? (cs)
 | Besprechung von 28.11.2008 |
Die Raubtierkontur des BackenknochensAlle Barbies warten auf Ken: Julia Zange entwirft in ihrem Roman "Die Anstalt der besseren Mädchen" eine Berliner Lolita.
Von Julia Bähr
Bücher, die in Berliner Pseudo-Künstler-Szenen spielen, gibt es wahrhaftig genug. Ein Teil davon ist bemüht provokativ, ein anderer bemüht intellektuell, der größte unbemüht langweilig. Über die Schnittmenge soll an dieser Stelle der Mantel gnädigen Schweigens gebreitet sein. Es ist eine nette Überraschung, dass eine rühmliche Ausnahme von einer fünfundzwanzigjährigen Debütantin stammt. Julia Zange hat beim "open mike Berlin" 2006 mit einer Kurzgeschichte den ersten Platz belegt, 2005 den Hildesheimer Prosanova-Wettbewerb gewonnen.
Jetzt ist sie Suhrkamp-Autorin. Mit "Die Anstalt der besseren Mädchen" hat sie ein Psychogramm einer jungen Frau geschaffen, das zugleich hochkomplex und fast banal ist: In Loretta vereinigen sich Kind und Erwachsene, intellektuelle Fähigkeit mit kindlicher Verantwortungslosigkeit. Loretta denkt nicht, sie handelt auch nicht, sie lässt sich einfach treiben. Wenn ihr Freund Malte ihr nicht einen Zettel mit Aufgaben für …
"Loretta ist Mitte 20, von ihrer Empfindsamkeit überfordert, erschöpft davon, dass sie allmählich erwachsen werden müsste und es auf gar keinen Fall sein will. Sie lebt das Leben, das Mädchen ihresgleichen so führen, wenn sie gesegnet und geplagt sind mit einem viel zu fein kalibrierten Sensorium: Boheme, Kunst, Mode, mädchenhafte Lieblichkeit, Sexyness, ewig unerfüllte Sehnsucht über einem Grundton von Depression. Julia Zange, selbst erst 25, hat sich diese Heldin ausgedacht, und ihr Debütroman Die Anstalt der besseren Mädchen ist eine Entdeckung: Je weiter man sich in ihre hypnotische Prosa hineinbegibt, desto bodenloser fühlt man sich. Ein furios genaues Buch über ein schwieriges Lebensgefühl." Jenny Hoch Vanity Fair