Die deutschen Macken und Liebenswürdigkeiten augenzwinkernd
beschrieben
Gepflegter Reise-Talk auf einer britischen Dinnerparty: Wer da
punkten will, braucht in Zeiten der globalen Travel-Nomaden ein
ungewöhnliches Ziel. Ben Donald sorgt mit einem Wort für den
Überraschungscoup: Germany, das No-go-Reiseland schlechthin. Ben
Donald besichtigt das "Land der Hunnen" vom Badestrand im
Norden bis zu den schicken Lederhosen im Süden. Er macht sich mit
der deutschen Philosophie des Nacktbadens vertraut, folgt den
Spuren der deutschen Romantik durch Heidelberg und lässt sich -
natürlich - zum Weißwurst-Essen auf dem Oktoberfest verführen.
Klischees werden bedient - oder auch nicht. Nebenbei gibt's ein
bisschen Geschichte und Einblicke in den German Way der
Lebenskunst. Britischer Humor vom Feinsten, skurril und amüsant,
informativ und überraschend.
Für Leser von Bill Bryson und Roger Boyes.
"Das derzeit wohl euphorischste und witzigste
Deutschland-Buch" Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Unter Krauts
Ein britischer Journalist in Deutschland-Therapie
Drehbuchautoren nutzen eine simple Technik, mit der sie garantiert
zündende Gags produzieren: das Prinzip fish out of water. Dabei
nehmen sie eine Figur, reißen sie aus ihrem gewohnten Element und
werfen sie in eine fremde Umgebung. Die daraus folgenden
Konfrontationen, Missverständnisse und schrägen Betrachtungswinkel
funktionieren fast immer – egal, ob es sich wie in „Die
Glücksritter” um einen Penner handelt, der sich im Job eines
Börsenhändlers wiederfindet, um „Crocodile Dundee”, der sich als
australischer Buschbewohner in New York zurechtfinden muss, oder um
„Borat”, der nur vorgibt, ein hinterwäldlerischer Kasache in den
USA zu sein. Bei Ben Donald allerdings scheint die Strategie nicht
aufzugehen.
Der Londoner Journalist begibt sich auf eine „abenteuerliche Reise
ins Land von Weltschmerz und Sauerkraut”, wie der Untertitel seines
Berichts „Deutschland for Beginners” verheißt. Aber die Komik, die
diese Aufmachung erwarten lässt, bleibt zunächst aus. Es sei denn,
man findet es amüsant, mit den übelsten Deutschland-Klischees
konfrontiert zu werden, mit denen auch …
Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
Das Verfahren, bei der Darstellung kultureller Begegnungen, etwa in Reisebeschreibungen, alle gängigen bestehenden Stereotype der Fremdwahrnehmung zunächst auszureizen, um sie anschließend zu überwinden, findet Jochen Temsch nicht besonders originell. Der britische Reiseautor Ben Donald gebe sich in diesem Sinne "bornierter, als er ist", als er sich, mit allen einschlägigen englischen Deutschland-Klischees im Gepäck, "ins Land von Weltschmerz und Sauerkraut" aufmacht - was den Rezensenten ein wenig an die Figur des "Borat" erinnert. Auch der ("sehr deutsche") Kunstgriff, dem etwas nazifixierten Reisenden einen fiktiven Reisetherapeuten beizugeben, kann Temsch nicht überzeugen. Nichtsdestoweniger bescheinigt er dem Buch, das neben vielem anderen "Schlagworte wie Angst, Romantik, Kindergarten und Gemütlichkeit" auslote, durchaus fundierte Kenntnisse über regionale Besonderheiten auszubreiten und Wesentliches über die Deutschen zu sagen. Temsch kann jedoch dem durch das Spiel mit Klischees angestrebten komischen Effekt wenig abgewinnen. Und so lerne man bei der Lektüre womöglich mehr über die Briten als die Deutschen.
Leseprobe zu "Deutschland for Beginners" von Ben Donald
"Und du, Ben? Wo hast du dich in letzter Zeit rumgetrieben und dir diese tolle Sonnenbräune geholt?"
Folgende Szene: Ein Essen bei Freunden. Der Sancerre fließt in Strömen. Den Parmaschinken an einem Salat mit Balsamico-Dressing und die dazu gereichte Focaccia haben wir hinter uns, ebenso den Atkins-Diät-kompatiblen gegrillten Thunfisch. Jetzt, bei Tiramisu und Kaffee, wendet sich die Unterhaltung dem Thema Reisen zu, und plötzlich knistert die Atmosphäre geradezu vor Anspannung, als alle insgeheim die Kudos ihrer jeweiligen Urlaubsziele vergleichen. Eine Runde Reisepoker ist angesagt. Der Gastgeber eröffnet relativ bescheiden mit einem Klassiker, sagen wir Paris ("Uns bleibt immer Paris"), oder mit einer Villa in der Toscana respektive der Provence. Nicht gerade originell, aber selbst nach all den Jahren gut genug, um ihm einen Platz in der Runde zu sichern. Als alle ausreichend in Lavendelfeldern geschwelgt und ihre Eindrücke und Erfahrungen in genügend Extra-vergine-Plattitüden gepresst haben, wird das verlängerte Wochenende in Prag ausgespielt. Ach ja, Prag! Das hochgepriesene Paris Mitteleuropas. Einst so abseits aller Touristenpfade und vor allem so "unentdeckt", jetzt jedoch so passé wie ein Prada-Kostüm vom letzten Jahr; sein gesellschaftlicher Wert verwässert vom Bier allzu vieler Junggesellen-Wochenenden. Riga oder Montenegro, Darling, da solltest du hin! Je nachdem, was für Leute Sie kennen, kommt irgendjemand an dieser Stelle garantiert mit der China-Reise an, die er kürzlich unternommen hat. Hochachtung, Anerkennung und leise Missgunst allerseits. Ein Royal Flush der Ming-Klasse. Aber wie lange noch, bis alle Welt schanghait sein wird?
Zurück zu Ihnen. Wie fühlen Sie sich in diesem Augenblick? Sind Sie immer noch sicher, dass Ihr letztes Reiseziel cool und hip genug war für Ihre Mitgliedschaft in diesem illustren Reiseclub? Oder kommt Ihnen allmählich der Verdacht, dass Sie Ihren letzten Urlaub, den Sie bis jetzt für wundervoll hielten, an einem alles andere als angesagten Ort verbracht haben? Haben Sie nichts weiter zu bieten als ein jämmerliches Paar Zweien?
Ich sitze in so einer Runde und habe mir außer der Schilderung eines Patagonien-Trips Geschichten von Begegnungen mit Gorillas und obskuren Stammesangehörigen irgendwo in Afrika angehört. Schließlich werde ich ins Visier genommen.
"Deutschland", sage ich herausfordernd.
Entgeisterte Blicke, abfällig gekräuselte Lippen und verdattertes Stirnrunzeln ringsum.
"Ach so, klar!", kommt es dann. "Die Fußballweltmeisterschaft! Was für Spiele hast du dir denn angesehen?"
Ich schüttele den Kopf. "Nein, es war nicht wegen der WM", sage ich. "Ich bin einfach so hingefahren."
"Du hast Urlaub gemacht? In Deutschland? Hast du den Verstand verloren?"
"Ehrlich gesagt war ich in letzter Zeit sogar öfter da."
Jetzt geht es richtig los:
"Wo denn? In einem Ferienlager?"
"Dann kennst du dich jetzt ja mit Lederhosen und Schenkelklatschen aus."
"Hast du sie an den Küsten und Landeplätzen bekämpft, um einen Liegestuhl zu ergattern?"
"... oder hast du dich an ihre Sitten und Gebräuche angepasst, >Ich habe einen großen Pimmeh gerufen und bist nur noch splitterfasernackt rumgelaufen?"
"... versuchst du deshalb, dir diesen Schnurrbart wachsen zu lassen?"
Pause. Habe ich nur geblufft? Muss ich passen? Nein. Ich habe nämlich ein As im Ärmel.
"Genau so habe ich auch gedacht", sage ich. "Bis ich Manny traf, meinen Reise-Therapeuten."
Ich hatte Manny - wen wundert's? - natürlich am Flughafen kennen gelernt. In der Abflughalle herrschte ein Gedränge wie auf einer Einkaufsstraße zur Hauptgeschäftszeit. In hell erleuchteten Duty-free-Shops kämpften Luxusmarken um Aufmerksamkeit, während Reiseziele in aller Welt sanft über blässliche Monitore flackerten und Reklametafeln die Produkte lokaler Tochterfirmen multinationaler Konzerne anpriesen. Über allem, vernuschelt durch die niedrige Decke und den synthetischen Teppichboden, ein unaufhörliches babylonisches Gebrabbel geradebrechter Abflugsankündigungen, die durch die Lautsprecher gewispert wurden.
Wie sehr hatte ich es geliebt, auf Reisen zu gehen. Aber wo bitte war hier die Magie? Und was wollten all diese anderen Leute? Mit ihren Reiseführern und ihren nervtötenden Rucksäcken, die sie ständig auf- und zuklickten. Touristen! Billigtouristen! Chavellers! Garantiert unterwegs nach Thailand oder Australien. Ich dagegen war ein echter Pionier, ein wahrer Reisender! Wieso aber hatte ich so gar keine Lust, mich mit irgendwelchen Leuten zu unterhalten? Wieso kapselte ich mich ab und suchte mir einen Platz so weit wie möglich von allen anderen entfernt? Hatte ich etwa eine Reiseblockade?
Egal. An meinem Ziel angekommen, würde ich freudig mit Einheimischen und Fremden sprechen und neue Erfahrungen suchen. Aber nicht hier, nicht unter all diesen Lemmingen ...
Im nächsten Augenblick drang ein Amerikaner in meine private Schutzzone ein.
"Darf ich?", fragte er und ließ sich, ohne meine Antwort abzuwarten, auf den Sitz neben mir plumpsen.
"Manny", strahlte er mich an und streckte mir die Hand entgegen. Er war groß und schlaksig, Ende vierzig, hatte einen grau melierten Bart, ein markantes Gesicht, kurze, stoppelige, silbergraue Haare und trug einen unauffällig-lässigen Geschäftsanzug, war aber umgeben von der schwer zu erklärenden Aura eines dieser gebildeten, stillen Amerikaner, die unvermittelt an den merkwürdigsten Orten auftauchen.
"Wo soll's denn hingehen?", erkundigte er sich unverdrossen, nachdem ich seine ausgestreckte Hand kühl übersehen, mich aber dazu herabgelassen hatte, meinen Namen zu murmeln.
Ich sagte es ihm.
"Das erste Mal?"
Selbstverständlich nicht! Ich weiß nicht mehr, wo genau ich damals hinwollte, aber es war natürlich etwas hochgradig Einzigartiges und Vorzeigbares, ein Ort, den ich fast als mein persönliches Eigentum empfand. Immerhin war ich schon dort gewesen, bevor die unsäglichen Touristenhorden ihn "entdeckten".
"Alle Achtung", rief Manny. "Da würde ich auch gerne mal hinreisen."
Leseprobe zu "Deutschland for Beginners" von Ben Donald
"Und du, Ben? Wo hast du dich in letzter Zeit rumgetrieben und dir diese tolle Sonnenbräune geholt?"
Folgende Szene: Ein Essen bei Freunden. Der Sancerre fließt in Strömen. Den Parmaschinken an einem Salat mit Balsamico-Dressing und die dazu gereichte Focaccia haben wir hinter uns, ebenso den Atkins-Diät-kompatiblen gegrillten Thunfisch. Jetzt, bei Tiramisu und Kaffee, wendet sich die Unterhaltung dem Thema Reisen zu, und plötzlich knistert die Atmosphäre geradezu vor Anspannung, als alle insgeheim die Kudos ihrer jeweiligen Urlaubsziele vergleichen. Eine Runde Reisepoker ist angesagt. Der Gastgeber eröffnet relativ bescheiden mit einem Klassiker, sagen wir Paris ("Uns bleibt immer Paris"), oder mit einer Villa in der Toscana respektive der Provence. Nicht gerade originell, aber selbst nach all den Jahren gut genug, um ihm einen Platz in der Runde zu sichern. Als alle ausreichend in Lavendelfeldern geschwelgt und ihre Eindrücke und Erfahrungen in genügend Extra-vergine-Plattitüden gepresst haben, wird das verlängerte Wochenende in Prag ausgespielt. Ach ja, Prag! Das hochgepriesene Paris Mitteleuropas. Einst so abseits aller Touristenpfade und vor allem so "unentdeckt", jetzt jedoch so passé wie ein Prada-Kostüm vom letzten Jahr; sein gesellschaftlicher Wert verwässert vom Bier allzu vieler Junggesellen-Wochenenden. Riga oder Montenegro, Darling, da solltest du hin! Je nachdem, was für Leute Sie kennen, kommt irgendjemand an dieser Stelle garantiert mit der China-Reise an, die er kürzlich unternommen hat. Hochachtung, Anerkennung und leise Missgunst allerseits. Ein Royal Flush der Ming-Klasse. Aber wie lange noch, bis alle Welt schanghait sein wird?
Zurück zu Ihnen. Wie fühlen Sie sich in diesem Augenblick? Sind Sie immer noch sicher, dass Ihr letztes Reiseziel cool und hip genug war für Ihre Mitgliedschaft in diesem illustren Reiseclub? Oder kommt Ihnen allmählich der Verdacht, dass Sie Ihren letzten Urlaub, den Sie bis jetzt für wundervoll hielten, an einem alles andere als angesagten Ort verbracht haben? Haben Sie nichts weiter zu bieten als ein jämmerliches Paar Zweien?
Ich sitze in so einer Runde und habe mir außer der Schilderung eines Patagonien-Trips Geschichten von Begegnungen mit Gorillas und obskuren Stammesangehörigen irgendwo in Afrika angehört. Schließlich werde ich ins Visier genommen.
"Deutschland", sage ich herausfordernd.
Entgeisterte Blicke, abfällig gekräuselte Lippen und verdattertes Stirnrunzeln ringsum.
"Ach so, klar!", kommt es dann. "Die Fußballweltmeisterschaft! Was für Spiele hast du dir denn angesehen?"
Ich schüttele den Kopf. "Nein, es war nicht wegen der WM", sage ich. "Ich bin einfach so hingefahren."
"Du hast Urlaub gemacht? In Deutschland? Hast du den Verstand verloren?"
"Ehrlich gesagt war ich in letzter Zeit sogar öfter da."
Jetzt geht es richtig los:
"Wo denn? In einem Ferienlager?"
"Dann kennst du dich jetzt ja mit Lederhosen und Schenkelklatschen aus."
"Hast du sie an den Küsten und Landeplätzen bekämpft, um einen Liegestuhl zu ergattern?"
"... oder hast du dich an ihre Sitten und Gebräuche angepasst, >Ich habe einen großen Pimmeh gerufen und bist nur noch splitterfasernackt rumgelaufen?"
"... versuchst du deshalb, dir diesen Schnurrbart wachsen zu lassen?"
Pause. Habe ich nur geblufft? Muss ich passen? Nein. Ich habe nämlich ein As im Ärmel.
"Genau so habe ich auch gedacht", sage ich. "Bis ich Manny traf, meinen Reise-Therapeuten."
Ich hatte Manny - wen wundert's? - natürlich am Flughafen kennen gelernt. In der Abflughalle herrschte ein Gedränge wie auf einer Einkaufsstraße zur Hauptgeschäftszeit. In hell erleuchteten Duty-free-Shops kämpften Luxusmarken um Aufmerksamkeit, während Reiseziele in aller Welt sanft über blässliche Monitore flackerten und Reklametafeln die Produkte lokaler Tochterfirmen multinationaler Konzerne anpriesen. Über allem, vernuschelt durch die niedrige Decke und den synthetischen Teppichboden, ein unaufhörliches babylonisches Gebrabbel geradebrechter Abflugsankündigungen, die durch die Lautsprecher gewispert wurden.
Wie sehr hatte ich es geliebt, auf Reisen zu gehen. Aber wo bitte war hier die Magie? Und was wollten all diese anderen Leute? Mit ihren Reiseführern und ihren nervtötenden Rucksäcken, die sie ständig auf- und zuklickten. Touristen! Billigtouristen! Chavellers! Garantiert unterwegs nach Thailand oder Australien. Ich dagegen war ein echter Pionier, ein wahrer Reisender! Wieso aber hatte ich so gar keine Lust, mich mit irgendwelchen Leuten zu unterhalten? Wieso kapselte ich mich ab und suchte mir einen Platz so weit wie möglich von allen anderen entfernt? Hatte ich etwa eine Reiseblockade?
Egal. An meinem Ziel angekommen, würde ich freudig mit Einheimischen und Fremden sprechen und neue Erfahrungen suchen. Aber nicht hier, nicht unter all diesen Lemmingen ...
Im nächsten Augenblick drang ein Amerikaner in meine private Schutzzone ein.
"Darf ich?", fragte er und ließ sich, ohne meine Antwort abzuwarten, auf den Sitz neben mir plumpsen.
"Manny", strahlte er mich an und streckte mir die Hand entgegen. Er war groß und schlaksig, Ende vierzig, hatte einen grau melierten Bart, ein markantes Gesicht, kurze, stoppelige, silbergraue Haare und trug einen unauffällig-lässigen Geschäftsanzug, war aber umgeben von der schwer zu erklärenden Aura eines dieser gebildeten, stillen Amerikaner, die unvermittelt an den merkwürdigsten Orten auftauchen.
"Wo soll's denn hingehen?", erkundigte er sich unverdrossen, nachdem ich seine ausgestreckte Hand kühl übersehen, mich aber dazu herabgelassen hatte, meinen Namen zu murmeln.
Ich sagte es ihm.
"Das erste Mal?"
Selbstverständlich nicht! Ich weiß nicht mehr, wo genau ich damals hinwollte, aber es war natürlich etwas hochgradig Einzigartiges und Vorzeigbares, ein Ort, den ich fast als mein persönliches Eigentum empfand. Immerhin war ich schon dort gewesen, bevor die unsäglichen Touristenhorden ihn "entdeckten".
"Alle Achtung", rief Manny. "Da würde ich auch gerne mal hinreisen."
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