Deutsche Zustände - Bruyn, Günter de

Günter de Bruyn 

Deutsche Zustände

Über Erinnerungen und Tatsachen, Heimat und Literatur

Buch mit Leinen-Einband
 
Vergriffen, keine Neuauflage
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Deutsche Zustände

"Die Nation hat schlechte Laune. Sie ist wiedervereint, aber nicht glücklich." So beschreibt Günter de Bruyn die Bewusstseinslage seiner Zeitgenossen, zehn Jahre nach der Wende. In diesem Essay-Band geht er mit den Landsleuten in Ost und West scharf ins Gericht. Er entlarvt ihr Verhältnis zur Geschichte als allzu bequem und oberflächlich. Engagiert bezieht er Stellung gegen fortschreitenden Werteverfall und Entchristianisierung.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt
  • 1999
  • 1999.
  • Ausstattung/Bilder: 277 S. m. Fotos v. Barbara Klemm.
  • Seitenzahl: 277
  • Deutsch
  • Abmessung: 20, 5 cm
  • Gewicht: 670g
  • ISBN-13: 9783100096319
  • ISBN-10: 3100096312
  • Best.Nr.: 08133653
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.01.2000

Engel statt Sputniks
Günter de Bruyn erklärt, weshalb er die deutsche Einheit immer noch gut findet · Von Mark Siemons

Man wird unter deutschen Schriftstellern schwerlich einen ernsthafteren, wahrheitsliebenderen und gerechteren Menschen finden als Günter de Bruyn. Seinem neuen Essay-Band "Deutsche Zustände" merkt man an, wie skrupulös der Autor vorgeht; jedes Urteil ist jahrelang durchlebt, erwogen, hin- und hergewendet worden. So ist die Freude über die deutsche Einheit, die das übergreifende Thema dieses Buches bildet, alles andere als leichtfertigem Optimismus, geschweige denn politischem Opportunismus geschuldet. Sie ist ein hochreflektierter, sehr persönlicher Akt, der den durchaus abweichenden Gefühlen der Umgebung hartnäckig abgerungen ist.

Doch leider entspringen dieser Freude Sätze wie der folgende, eine Mahnung an die ostdeutschen Landsleute, die stilistisch, dramaturgisch und inhaltlich für das Buch typisch ist: "Nur wir selbst können uns aus der Zufriedenheit einer kaschierten und geklitterten Erinnerung reißen, indem wir der Neigung, es uns leicht zu machen, entgegenarbeiten, uns auch der Leidenszeiten entsinnen, uns …

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Günter de Bruyn wurde am 1. November 1926 in Berlin geboren. Über seine Kindheit schrieb er später einmal: "Nie mehr habe ich so isoliert gelebt wie als Kind. Eine Familie, die sich als Insel im Meer des Unglaubens und der Unmenschlichkeit verstand, hatte Gefühl und Verstand geprägt und sich dann aufgelöst. Das Kind blieb in der Diaspora allein, ein Katholik unter Protestanten, ein zum Nationalismus Unfähiger unter Nationalisten, ein Träumer unter Anpassern."

1943 wurde de Bruyn als Luftwaffenhelfer zum Kriegsdienst einberufen und war noch einige Monate Soldat. Eine Kopfverletzung durch Granatsplitter führte zeitweise zur Lähmung seines Sprachzentrums.

Nach Kriegsgefangenschaft und einem kurzen Intermezzo als Landarbeiter absolvierte er 1946 einen Neulehrerkursus in Potsdam und war dann bis 1949 Lehrer in einem märkischen Dorf, bevor er eine Ausbildung an der Bibliotheksschule in Ost-Berlin machte. Von 1953 bis 1961 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentralinstitut für Bibliothekswesen in Ost-Berlin.

Parallel dazu verlief de Bruyns schriftstellerische Entwicklung: Die ersten Erzählungen, während der fünfziger Jahre entstanden, hatten vor allem seine traumatischen Kriegserfahrungen zum Inhalt. 1963 erschien de Bruyns erster Roman "Der Hohlweg", der noch ganz an den propagandistischen Vorgaben des sozialistischen Realismus orientiert war. 17 Jahre hatte de Bruyn an diesem ersten Buch gearbeitet, das zwar offiziell als Erfolg galt und mit dem "Heinrich-Mann-Preis" ausgezeichnet wurde, von dem sich der Schriftsteller aber schon bald distanzierte.

In der Folgezeit befreite sich de Bruyn weitgehend von der Bevormundung durch die Kulturfunktionäre.

Er schrieb Parodien auf die DDR-Schriftsteller jener Jahre. Vor allem aber durch seine Romane "Buridans Esel" von 1968 und "Preisverleihung" von 1972 wurde de Bruyn auch im Westen bekannt.

1975 folgte seine Neuerzählung von Gottfried von Straßburgs "Tristan und Isolde".

Große Beachtung fand de Bruyn auch mit Essays über die deutsche Romantik und mit der ebenfalls 1975 erschienenen Jean-Paul-Biographie: "Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter".

Obwohl de Bruyn 1976 den offenen Brief in Sachen Wolf Biermann mit unterschrieben hatte, fand er sich nicht auf der Liste der Schriftsteller, die mit einem Visum abgeschoben wurden. Statt dessen konnte er die Erzählung "Märkische Forschungen" (1978) und den Roman "Neue Herrlichkeit" (1984) veröffentlichen, mit denen er sich erneut als skeptischer Beobachter der DDR-Gesellschaft erwies.

Es folgten die Essays "Lesefreuden" (1986), der Band "Jubelschreie, Trauergesänge. Deutsche Befindlichkeiten" (1991), in dem sich der Autor u.a. in vier großen Aufsätzen dem Umbruch des Jahres 1989 widmet, danach die beiden Bände seiner Autobiographie, "Zwischenbilanz. Eine Jugend in Berlin" (1992) und "Vierzig Jahre. Ein Lebensbericht" (1996), schließlich "Mein Brandenburg", in dem er Kultur und Landschaft seiner märkischen Heimat schildert (der Band ist mit großartigen Fotos von Barbara Klemm ausgestattet).

Im S. Fischer Verlag sind zuletzt erschienen "Deutsche Zustände" (1999) und "Unzeitgemäßes" (2001).

Günter de Bruyn lebt heute in einem märkischen Dorf.

"Wenn man unter den deutschsprachigen Schriftstellern unserer Jahrzehnte denjenigen auszeichnen wollte, der die Arroganz bis zum letzten Hauch aus seiner Sprache getilgt und die Fairneß zur Arbeitsmoral erhoben hat, gehört Günter de Bruyn der Preis."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Dieser Essayist ist ein großer Zauberer."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Heinrich-Mann-Preis (1964) Lion-Feuchtwanger-Preis (1982) Ehrengabe des Kulturkreises des Bundesverbandes der deutschen Industrie (1987) Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck (1989) Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (1990) Ehrendoktor der Universität Freiburg (1990) Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der schönen Künste (1993) Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (1996) Brandenburgischer Literaturpreis (1996) Jean-Paul-Preis (1997) Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität, Berlin (1998) Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik (2000) Friedrich-Schiedel-Literaturpreis (2000) Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung (2002)

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