Der Zuckerkreml - Sorokin, Vladimir

Vladimir Sorokin 

Der Zuckerkreml

Übersetzung: Andreas Tretner
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Der Zuckerkreml

Ein furioses Sittengemälde von Russlands Starautor: ein literarischer Extrakt aus Wodka, Schnee und Blut - mit sechs Löffeln Zucker.

Russland im Jahr 2028: ein neues Mittelalter, geprägt von Informationstechnologie und Massenarmut. Körperliche Züchtigung ist an der Tagesordnung. In einem gewaltigen Stimmenchor führt Sorokin den Leser durch die dunklen Seitengassen des Lebens in einem utopischen Russland, das er dem heutigen wie einen Zerrspiegel vorhält.

In fünfzehn virtuosen Kurzerzählungen lernen wir Hofnarren, Henker, Zwangsarbeiter, Bettler und Dissidenten kennen - und die anrührende Marfuscha, die wie Tausende anderer Kinder am Weihnachtstag auf dem Roten Platz ein Kremlmodell mit Mauern, Türmen und Toren ganz aus Zucker geschenkt bekommt. Weil alle Brennstoffe ins Ausland verkauft werden, heizen auch wohlsituierte Moskauer mit Holzscheiten, und die Aufzüge der Wohnhäuser stehen am Wochenende still. Der Alltag ist geprägt von Angst und Gewalt, versüßt wird er höchstens aus der Zuckerdose oder eben mit den fabrikmäßig hergestellten Zuckerkremln, die mal als Devotionalie, mal als Ersatzbefriedigung fürs Volk dienen: ein Trost, den man lutschen kann. Wie auch Sorokins anti-utopischer Roman "Der Tag des Opritschniks" besticht "Der Zuckerkreml" durch große sprachliche Kraft, stilistischen Reichtum und die literarische Könnerschaft des Autors, der uns eine Welt vorführt, in der die ärgsten Albträume, die zu träumen das Russland von heute Anlass gibt, Wirklichkeit geworden sind.

Lesereise im September u.a. beim Harbourfront Festival Hamburg, beim Internationalen Literaturfest Berlin und beim Festival Klangspuren/ Nordtirol-Österreich und Transart / Südtirol-Italien.


Produktinformation

  • Abmessung: 217mm x 135mm x 28mm
  • Gewicht: 357g
  • ISBN-13: 9783462042269
  • ISBN-10: 3462042262
  • Best.Nr.: 29738014
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Vladimir Sorokin legt nach: War er mit "Die Tage des Opritschniks" im Jahr 2008 als Autor erstmals dezidiert politisch geworden, so liegt jetzt mit "Der Zuckerkreml" Teil zwei seiner russischen Antiutopie vor. Im Zentrum stehen diesmal nicht die Opritschniks, die Geheimpolizisten, die im Auftrag des diktatorischen Gossudaren morden, brandschatzen und vergewaltigen und die Sorokin sich bei Iwan dem Schrecklichen aus dem 16. Jahrhundert ausgeliehen hat. Im Zentrum steht die Ideologie der Diktatur: Der weiße Kreml als Symbol der unschuldigen Herrschaft im Dienste der Bevölkerung zieht sich durch dieses Buch, das der Verlag nicht als Roman verkauft, obwohl die Episoden durchaus ein Ganzes ergeben. Ob Kinder, Obdachlose, Landwirte, Henker oder Gaukler: Sie alle kommen in ihren kurzen Geschichten kulinarisch mit dem System in Kontakt. Durch den Zuckerkreml, eine essbare Devotionalie, die einmal im Jahr zu Weihnachten an alle Kinder Russlands verteilt und von ihnen in kleinen Stücken an die Erwachsenen weitergegeben wird. "Der Zuckerkreml" ist weniger brutal als von Sorokin gewohnt. Er ist das Sittengemälde einer Gesellschaft aus dem Jahr 2028, die sich mit der Diktatur arrangiert hat. (jw)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.10.2010

Henker lieben Süßigkeiten

Entweder man hat Angst oder man schreibt. Vladimir Sorokin hat sich fürs Schreiben entschieden und wagt mit seinem neuen Erzählungsband "Zuckerkreml" einen düster-satirischen Blick ins Jahr 2028: Russland erliegt dem dumpfen Kollektivrausch.

Vladimir Sorokin ist nicht ein Schriftsteller, sondern viele: Unzählige Stile und Gattungen hat er ausprobiert, hat Idyllen und Mafiageschichten geschrieben, Allegorien auf die russische Mangelwirtschaft und Dekonstruktionen von Familienepen nach Turgenjewschem Muster. Man merkt seinem Schreiben die strenge, klassische Schule an und spürt an jedem zweiten Satz, dass er den russischen Romanfundus des neunzehnten Jahrhunderts durchgekaut und verdaut hat. Allerdings hat er ihn um die genaue Beobachtung der Gesellschaft angereichert und in sexuellen Dingen kein Blatt vor den Mund genommen, genauso wenig bei der Beschreibung von Gewalt - denn er war sich immer bewusst, dass er in einem der gewalttätigsten Länder dieser Welt lebt.

Er selbst behauptete im Jahrzehnt vor und nach der Wende, ein "apolitischer" Schriftsteller zu sein, was in seinem Fall vor allem hieß, dass er zu …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Vladimir Sorokins "Der Zuckerkreml" liest sich für Rezensent Tobias Schwarz wie eine "Art dickflüssiges Konzentrat seines Gesamtwerks". So findet er in dem Band, der Kurzgeschichten, Dialogsequenzen, Briefe und Lyrisches versammelt, viele Anspielungen auf andere Werke des Autors, z.B. auf "Der Tag des Opritschniks" (2007), "Der himmelblaue Speck" (2000) oder auch "Die Schlange" (1990). Darüber hinaus bietet Sorokins literarisches Pandämonium von Hofnarren, Henkern, Zwangsarbeitern, Bettlern und Dissidenten zu seiner Freude auch zahlreiche Bezüge zur russischen Literaturgeschichte überhaupt, die "liebevoll-ironisch" eingeflochten würden. Sorokin, so das Resümee des Rezensenten, erweist sich auch in vorliegendem Band als ein "postmoderner Autor, der sein Metier virtuos und kraftvoll beherrscht".

© Perlentaucher Medien GmbH
Vladimir Sorokin, geb. 1955, gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Russlands. Er ist einer der schärfsten Kritiker der politischen Eliten Russlands und sieht sich regelmäßig heftigen Angriffen regimetreuer Gruppen ausgesetzt.

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