Der verliebte Gefangene - Nooteboom, Cees

Cees Nooteboom 

Der verliebte Gefangene

Tropische Erzählungen

Aus d. Niederländ. v. Helga van Beuningen
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Der verliebte Gefangene

Im Juni 1957 heuert ein magerer Vierundzwanzigjähriger auf der Gran Río an. Von Amsterdam soll die Reise über Lissabon in die Tropen führen, nach Trinidad, Britisch-Guyana und Surinam. Im Reisegepäck des ungewöhnlichen Matrosen: Bücher, Notizhefte und die Neugier eines angehenden Schriftstellers, der gerade mit großem Erfolg Philip und die anderen veröffentlicht hat und entdecken wird, daß es in der Welt nicht immer so träumerisch zugeht wie in seinem Romanerstling.

Cees Nootebooms erste große Reise hat ihren Niederschlag gefunden in den Tropischen Erzählungen, die auf niederländisch bereits 1958 veröffentlicht wurden und nun, ergänzt um eine spätere Erzählung, erstmals vollständig auf deutsch vorliegen. Das Gefühl der Fremdheit angesichts der anderen Matrosen, die unbekannten Laute und Düfte, der Reichtum der Natur, die Armut der Menschen - all diese Eindrücke hat Nooteboom einfließen lassen in Geschichten, die von Sonderlingen handeln, von verirrten Existenzen, seltsamen Begegnungen und grausamen Verfehlungen. Ob in den Tropen angesiedelt oder auf dem europäischen Kontinent, den Erzählungen eignet ein unergründlich somnambules, schwüles Moment, eine "tropische" Aura, die fasziniert und in Bann schlägt.

Der verliebte Gefangene gibt Einblick in eine verwunschene und verschwundene Welt - und in die Anfänge eines vor beinahe fünfzig Jahren schon kraftvollen und reifen Erzählers.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 108 S.
  • Seitenzahl: 108
  • Best.Nr. des Verlages: 41746
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 126mm x 14mm
  • Gewicht: 214g
  • ISBN-13: 9783518417461
  • ISBN-10: 3518417460
  • Best.Nr.: 20774426
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.06.2006

Kerben des Kummers
Tropisches Frühwerk: Cees Nootebooms faszinierende Erzählungen

Der Kolonialismus, eine politische Sünde, hat die Literatur zweifellos bereichert. Und sei es nur um den Exotismus des Tropenkollers. In der "lähmenden Hitze" löst sich das kompakte abendländische Individuum auf in Sturzbächen von Schweiß, und mit ihm vergehen die Begriffe von Raum und Zeit. "Es kommt mir vor, als wären wir schon einen Monat hier, dabei sind es nur zwei Tage", berichtet der junge Surinam-Reisende in Cees Nootebooms Erzählung "Der verliebte Gefangene". Die Verstörung in den wuchernden Wäldern mag den an leere Landschaften und weite Himmel gewöhnten Niederländer verstärkt befallen haben. Wo man hinspuckt, keimt es. Geier hocken auf eingefallenen Dächern und starren hinüber zum "aufgeblähten Kadaver eines Hundes, der verlassen in einer kleinen Schlammpfütze" liegt. Namenlose Angst packt den Reisenden, seine Nächte unter Moskitonetzen sind schlaflos oder beherbergen Albträume "voller Sonnen und Schlangen".

Es ließe sich einwenden, dergleichen gehöre zum geläufigen Repertoire der Kolonialliteratur. Sei wieder einmal gegrüßt, du …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Der späte Cees Nooteboom, weiß Dorothea Dieckmann, kann mit dem frühen Nooteboom nichts anfangen. Er muss sich wohl selbst als junger Wilder erscheinen, mutmaßt die Rezensentin, der "Schweiß, Schmutz, Schmerz" einer Welt empfunden hat, die ihm sinnlich nahe gerückt war und sich nicht durch "philosophische Sentenzen besänftigen" ließ. Nootebooms "Tropische Erzählungen" sind bereits 1958 erschienen, damals reiste der umtriebige Holländer nach Surinam, Guyana und Trinidad; ergänzt wird die tropische Sammlung um zwei weitere Erzählungen: "Phantasma" aus dem Jahr 1972 und "Kinderspiele" von 1968. Vor allem den frühen Erzählungen fehlt die Gelehrsamkeit des späten Nooteboom, was Dieckmann zu gefallen scheint. Sie machten das Grauen erfahrbar, das einen in der Fremde, in den Tropen, in dieser Schweiß treibenden Gleichgültigkeit alles Physischen packen könnte.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Man erkennt die frühen Prägungen des Schriftstellers, bemerkt seine Empfänglichkeit für schicksalhafte Begegnungen und Zufälle und vernimmt bereits Nootebooms charakteristischen Erzählton. [...] Durch seine ersten Reisen und die literarische Erkundung des Fremden entkommt Nooteboom einer Versiegelung und erschließt neue Räume des Erzählens." Deutschlandradio Kultur
Cees Nooteboom wurde 1933 in Den Haag geboren. Der Romanautor, Lyriker und Reiseschriftsteller zählt heute zu den international renommiertesten europäischen Schriftstellern. Sein vielbeachtetes, preisgekröntes Werk umfasst zahlreiche Bücher, die wiederholt auf den Besten- und Bestsellerlisten auftauchen. 2010 wird ihm der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung verliehen. Mit der Auszeichnung wird die politisch und kulturell europäische Dimension in seinem Gesamtwerk gewürdigt.
Cees Nooteboom lebt in Amsterdam und auf Menorca.

Inhaltsangabe

Der verliebte Gefangene Der Zwerg von Huelva Stockholm; Barcelona; Stockholm Hula Der Matrose ohne Lippen Pozuelo de Alarcón Strafe für Boelie Sneeuw Kinderspiele Phantasma Nachwort

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