Der Rezensionsautomat - Krass, Stephan

Stephan Krass 

Der Rezensionsautomat

Kleine Betriebsanleitung für Kritiker und Leser

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Der Rezensionsautomat

Mit dem Rezensionsautomaten CENSEO, der im Literaturseminar der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe unter der Leitung von Stephan Krass entwickelt wurde, steht erstmals ein Modus der Literaturkritik zur Verfügung, der allein auf dem Verfahren automatisierter Texterzeugung beruht.
Folgt man den Instruktionen des Bord-Monitors dieser physisch präsenten und begehbaren Installation, erhält man zunächst eine Rezension und dann das zugehörige Gedicht. Die Umstellung der Literaturkritik auf ein generatives Verfahren ist Anlass genug, das Rezensionswesen in Geschichte und Gegenwart anhand einiger signifikanter Fälle etwas genauer zu betrachten.


Produktinformation

  • Verlag: Fink (Wilhelm
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 120 S.
  • Seitenzahl: 151
  • Schriftenreihe der HFG. Neue Folge Bd.7
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 136mm x 15mm
  • Gewicht: 225g
  • ISBN-13: 9783770550845
  • ISBN-10: 3770550846
  • Best.Nr.: 30206029
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.06.2012

Gegenpapst
Stephan Krass baut uns den Rezensionsautomaten

"Schlag ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent." Als Goethe 1796 den Plan ausheckte, mit seinem Freund Schiller die satirische Schmäh-Schrift Xenien zu verfassen, dann hatte er als Zielscheibe vor allem den stumpfsinnigen Typus des Kritikers im Sinn. Schließlich sei genau dieser fiese Intellektuelle für das "allgemeine und revoltante Glück der Mittelmäßigkeit" verantwortlich, für die Verrohung und den Ekel im Literaturbetrieb. Wenn Goethe die Entwicklung der Kritikkultur im digitalen Zeitalter miterleben könnte, dann würde er sich in seiner Meinung vermutlich bestätigt sehen: Däumchen hoch, Däumchen runter; die Sternchenskala im Netz geht von eins bis fünf.

Diesen Umstand, den Verlust der Kritikerhoheit, haben nun einige Studenten der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe durch den Bau eines Rezensionsautomaten zu überwinden versucht. Die Maschine "Censeo", die in Karlsruhe steht, stellt über einen Zufallsgenerator syntaktisch korrekte, inhaltlich jedoch unverständliche Kritiken her. Sie sollen das demokratische Prinzip der Schwarm-Intelligenz spiegeln und gleichzeitig …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Tomasz Kurianowicz sieht die "kleine Betriebsanleitung", die Stephan Krass zu dem von ihm an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe betreuten Projekt eines Rezensionsautomaten verfasst hat, auch als Ausdruck einer "Enttäuschung". Indem der "Censeo" genannte Automat nämlich mittels eines textautomatischen Verfahrens eine Kritik schon vor dem Primärtext ausspuckt, wird nicht zuletzt über das eingefahrene Rezeptionsverhalten des Publikums reflektiert, erfahren wir. Das ist aber in den Augen des Rezensenten vielleicht etwas zu schwarzgesehen, weil er doch zu erkennen meint, dass die Literatur trotz des konstatierten "Tod des Kritikers" nicht sterben wird.

© Perlentaucher Medien GmbH
Stephan Krass, geboren 1951, ist Autor, Literaturredakteur (SWR) sowie Lehrbeauftragter für Literatur an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Sein Werk umfasst u.a. Textinstallationen und Performances. Für den Poesieautomaten im Literaturmuseum Marbach schuf er das Anagramm-Poem. Zuletzt erschien Lichtbesen aus Blei. Gewichtete Gedichte . Stephan Krass lebt in Freiburg und New York.

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