Der Pygmalion-Effekt - Stoichita, Victor I.

Victor I. Stoichita 

Der Pygmalion-Effekt

Trugbilder von Ovid bis Hitchcock

Übers. v. Ruth Herzmann
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Produktbeschreibung zu Der Pygmalion-Effekt

Die Geschichte Pygmalions, des Bildhauers aus Zypern, der sich in die von ihm geschaffene Statue verliebt, die die Götter großherzig zum Leben erwecken, ist eine der großen Erzählungen über das Verhältnis von Kunst und Illusion. Ihre Bedeutung ist jedoch eine ganz andere als die von anderen "Ursprungsmythen", wie etwa dem über die "Trauben des Zeuxis", an denen die Vögel picken, oder dem vom "Schattenporträt", das die Tochter von Dibutades anfertigte, ehe ihr Geliebter sie verließ. Die Besonderheit der Geschichte von Pygmalion liegt darin, dass seine Statue nichts (und niemanden) imitiert, sie ist vielmehr ein Ergebnis der Imagination und "Kunst" des Bildhauers. Die Frauengestalt, die er von den Göttern zur Gemahlin erhält, ist ein seltsames Geschöpf, das zwar mit Körper und Seele versehen wird, aber dennoch ein Simulacrum oder Trugbild bleibt.

Basierend auf einem breiten Spektrum von Texten, Gemälden, Skulpturen und Filmen, untersucht Stoichita unser Zusammenleben mit Simulacren von der Zeit des Gründungsmythos bis hin zur Illusion im Kino. Einen besonderen Platz nimmt die Analyse der erotischen Ursprünge der Simulacren ein. Transgression, perverse Begierde und Strategien der Verkörperung sind wesentliche Bestandteile des Pygmalion-Effekts.

Produktinformation

  • Verlag: Fink (Wilhelm
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 256 S.
  • Seitenzahl: 267
  • Bild und Text
  • Deutsch
  • Abmessung: 279mm x 211mm x 20mm
  • Gewicht: 1095g
  • ISBN-13: 9783770550241
  • ISBN-10: 3770550242
  • Best.Nr.: 32657061
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.11.2011

Kalt ist der Marmor, doch bald pulst das Blut

Wer Trugbilder von Frauen entwirft, der muss damit rechnen, dass sie ihm ganz real werden: Victor Stoichita widmet sich Pygmalion und dessen vielen Nachfahren in der Kunst.

Der Wunsch nach einem Trugbild ist immer auch eine Flucht vor den allzu aufdringlichen Originalen. So schnitzte Ovids Pygmalion seine berühmte Skulptur aus "Abscheu vor den Gebrechen, mit denen die Natur das weibliche Gemüt so überreich bedacht hat". Venus erhörte denn auch nicht seine Bitte nach einer Gefährtin, die dieser Elfenbeinstatuette ähnlich sehe, sondern verwandelte das Abwehrbild in eine Frau, die der Bildhauer ehelichen und die ihm einen Sohn gebären sollte. Mit diesem Happy End kam Pygmalion allerdings nicht zur Ruhe, sondern entfaltete eine Wirkungsgeschichte, die über den Rosenroman, die Künstlerbiographik der Renaissance und die Kunsttheorie der Aufklärung bis in die Gegenwart anhält und auch die aktuelle Faszination für Simulakren nährt. In seinem neuesten Buch über den "Pygmalion-Effekt" unternimmt der in Fribourg lehrende Kunsthistoriker Victor I. Stoichita eine erneute Sichtung dieses vielkommentierten Mythos …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ralph Ubl zieht eine wichtige Lehre aus dieser Studie zum Pygmalion-Mythos von Victor I. Stoichita: Wie geübt der Mensch ist im Umgang mit Trugbildern und welchen Nutzen er daraus zieht, lehrt ihn der Kunsthistoriker anhand von Einzelinterpretationen, die Ubl allesamt für gut beobachtet hält. Angenehm erscheint ihm, dass Stoichita sich seinem Thema entspannt nähert, ohne die Simulation und ihre Mittel zu verteidigen oder zu verdammen. Seine genauen Analysen historischer Verwandlungsmomente, wenn die Frau sich in das Objekt der Begierde eines männlichen Betrachters verwandelt, lassen für Ubl zwar nur eine begrenzte Anzahl immer wiederkehrender Kunstgriffe (angenehme Zimmertemperatur, effektives Betatschen) zutage treten, die Wirkung war jedoch stets magisch.

© Perlentaucher Medien GmbH
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