Die Zeit des Entstehens und der Wirksamkeit des Templer-Ordens ist
eine der interessantesten Epochen mitteleuropäischer Geschichte.
1118 in Jerusalem von neun französischen Rittern begründet, breitet
sich der Orden schnell über Frankreich und ganz Europa aus. Neben
die selbstgestellte Aufgabe, die Pilgerwege nach Jerusalem zu
schützen, treten bald weitere Bereiche wie die Organisation des
Nachschubs für die Kreuzzüge, die Sicherung des Geldverkehrs und
die Verwaltung der Ländereien, die dem Orden durch Schenkungen und
Kauf zuflossen. Ganz neue Sozialformen entstehen, denen aber die
volle Entfaltung und Wirksamkeit versagt bleibt, weil die Zeit
dafür noch nicht reif ist. In den annähernd zweihundert Jahren bis
hin zu dem schmählichen Prozeß, durch den Philipp IV. (der Schöne)
von Frankreich den Orden vernichtete, erlebte Europa eine
Blütezeit, wie sie in dieser Dichte kaum je wieder aufleuchtete.