Der Nachbar - Walters, Minette

Minette Walters 

Der Nachbar

Roman

Dtsch. v. Mechtild Sandberg-Ciletti
Broschiertes Buch
 
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Der Nachbar

In einer Sozialsiedlung nahe bei Southampton herrscht helle Aufregung: Ein Sexualstraftäter soll in dem Viertel einquartiert worden sein ? in den Augen der Anwohner ein Skandal. Als dann auch noch ein kleines Mädchen spurlos verschwindet, kippt die Erregung in Hass um. Aufgebrachte Bürger toben auf den Straßen und verwandeln die Gegend in einen wahren Hexenkessel. Die Bilanz: drei Tote und zahllose Verletzte. Unversehens werden auch die junge Ärztin Sophie Morrison und Polizeiinspektor Tyler in die Ereignisse hineingezogen ? und noch immer tappt die Polizei über den Verbleib des Kindes im Dunklen ...


Produktinformation

  • Verlag: GOLDMANN
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 413 S., 2 Pln.
  • Seitenzahl: 416
  • Goldmann Taschenbücher Bd.45715
  • Deutsch
  • Abmessung: 182mm x 116mm x 29mm
  • Gewicht: 360g
  • ISBN-13: 9783442457151
  • ISBN-10: 3442457157
  • Best.Nr.: 12432678
"'Der Nachbar' ist Krimiunterhaltung ersten Ranges: Minette Walters führt die Fäden ihrer Handlung mit meisterhaft sicherer Hand und in einem Tempo, das einem den Atem nimmt!" (Daily Mail)

kulturnews - RezensionBesprechung
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(c) bunkverlag
Bassindale ist ein Problemviertel, ein Getto, wo die Loser und Nicht-Gesellschaftsfähigen zu Hause sind. Irgendwann sickert die Nachricht durch, ein Pädophiler habe sich nach der Verbüßung seiner Gefängnisstrafe in der Nachbarschaft angesiedelt - eine beunruhigende Vorstellung für die Bewohner. Als zur gleichen Zeit im Viertel ein 10-jähriges Mädchen vermisst wird, beginnt eine gnadenlose Hetzjagd auf den Mann. Die Angelegenheit bekommt eine Eigendynamik, die katastrophal endet. Einmal mehr wühlt die englische Bestsellerautorin Minette Walters in den Untiefen der Gesellschaft und bringt Ungeheuerliches ans Tageslicht. Der Aufbau ihres neuen Romans gleicht seinen Vorgängern: Die aus mehreren Perspektiven erzählte komplexe Handlung wird durch - scheinbare - Fakten wie Zeitungsmeldungen, amtliche Faxe etc. unterbrochen und erhält dadurch hohen Authentizitätscharakter. Das Fazit, das sie zieht, ist verstörend und nur allzu bekannt: Die Menschen - egal, ob sie in Problemvierteln leben oder anderswo - sind nur allzu bereit, das Naheliegende zu glauben, wobei man den Scharfmachern eher Gehör schenkt als den Friedensstiftern. (gks)

Menschen am Rande der Gesellschaft<br /> In der Siedlung Bassindale Row, genannt Acid Row, wohnen Menschen, die nicht mehr viel zu verlieren haben: Sozialhilfeempfänger, Drogenabhängige, Kriminelle, verarmte Senioren, ledige Mütter mit ihren Kindern. Als bekannt wird, dass im Zuge von Resozialisierungs-Maßnahmen der pädophile Milosz Zelowski in der Humbert Street Nr. 23 einquartiert wurde, ist die Empörung groß. Die engagierte Melanie und ihre Mutter Gaynor beschließen, eine friedliche Demonstration von Müttern mit ihren Kindern zu organisieren. Doch dann verschwindet die zehnjährige Amy und nun gibt es kein Halten mehr: eine Gruppe drogenabhängiger Jugendlicher verbarrikadiert alle Zufahrtswege ins Viertel und putscht die Demonstranten auf, den angeblichen Täter Zelowski zu lynchen. Ein wutentbrannter Mob versammelt sich vor seinem Haus.<br /> Die Wut eskaliert<br /> Im Haus befindet sich außer Milosz Zelowski noch sein asthmakranker und psychisch gestörter Vater Franek, der die Ärztin Sophie Morrison als Geisel genommen hat. Es gelingt ihr, per Handy ihre Kollegen zu verständigen, doch die Polizei ist machtlos - wegen der Barrikaden kommt niemand in das Viertel hinein oder heraus. Gleichzeitig läuft die Suche nach Amy auf Hochtouren und schnell stellt sich heraus, dass Zelowski mit ihrem Verschwinden nichts zu tun hat - aber das wissen die aufgebrachten Menschen vor dem Haus Nr. 23 nicht. Bald fliegen die ersten Molotowcocktails und unter den eingekeilten Menschen bricht Panik aus. Melanie, ihr Freund Jimmy und ihr Bruder Colin führen einen aussichtslosen Kampf, ihre Kinder und die anderen Menschen aus diesem Hexenkessel der Gewalt zu befreien.<br /> Ein spannender Roman über Vorurteile und Gewalt<br /> Die "Queen of Crime" Minette Walters hat mit "Der Nachbar" wieder einen preisverdächtigen Titel vorgelegt. Die dichtgedrängte Handlung verläuft in drei Strängen - die Krawalle in Acid Row, die Kommentare des Polizeifunks, die Suche nach Amy - und schlägt den Leser sofort in den Bann. Ein spannender Roman über Vorurteile, Gewalt und menschliche Verhaltensweisen in Extremsituationen. (Dr. Erika Weigele-Ismael)<br/><br/>"<em>Der Nachbar</em> ist Krimiunterhaltung ersten Ranges: Minette Walters führt die Fäden ihrer Handlung mit meisterhaft sicherer Hand und in einem Tempo, das einem den Atem nimmt!" (Daily Mail)<br/><br/>

»Minette Walters treibt ihre Geschichte mit gnadenloser Präzision voran - ein aufwühlendes und mutiges Buch!«

"Minette Walters treibt ihre Geschichte mit gnadenloser Präzision voran - ein aufwühlendes und mutiges Buch!"
Minette Walters arbeitete lange als Redakteurin in London, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit ihrem Debüt "Im Eishaus", das 1994 auf Deutsch veröffentlicht wurde, zählt sie zu den Lieblingsautoren von Millionen Leserinnen und Lesern in aller Welt. Alle ihre bisher erschienenen Romane wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Minette Walters lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Dorset, England.

Leseprobe zu "Der Nachbar" von Minette Walters

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Leseprobe zu "Der Nachbar" von Minette Walters

27 (S. 300-301)

Im Haus Humbert Street 23

Wie Sophie wurde Gaynor später immer wieder von blutigen Träumen heimgesucht. Jimmy auch. Traumatisiert von den Geschehnissen jenes Tages, pflegten sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf hochzufahren, schweißgebadet, die weit aufgerissenen Augen mit starrem Blick in die Dunkelheit gerichtet, mit zitternden Fingern nach dem Lichtschalter tastend. Alle lehnten sie eine Therapie ab; Sophie, weil sie Bob hatte, der ihr mit viel Geduld beistand; Gaynor, weil sie es nicht ausgehalten hätte, Schmerz und Schuldgefühle jenes Tages noch einmal zu durchleben; und Jimmy, weil er sie immer wieder von neuem durchleben musste, um die verlorenen Menschenleben nicht zu vergessen. Ihrem Unbehagen zum Trotz wagte Gaynor es schließlich, sich an das Haus Nummer 23 heranzupirschen.

Es irritierte sie, dass die Hintertür zur Küche mit Gewalt aufgebrochen worden war, aber Jimmy wäre da sicher nicht rausgekommen, sagte sie sich, wenn dies nicht einer der Notausgänge wäre, und sie suchte ja nichts weiter als einen Durchgang nach vorn. Wie vorher Jimmy, als er zu ihr gekommen war. Im Vorbeigehen warf sie einen schnellen Blick durchs Fenster des hinteren Zimmers und sah, dass niemand dort war, genau wie in der Küche. Sie tappte durch Wasser, das auf dem Fußboden stand, und blieb an der Tür stehen.

»Hallo? Ist hier jemand?«, rief sie laut. »Ich möchte zur Humbert Street durch. Ich suche meine Kinder.« Totenstille antwortete ihr. Wenn sich jemand im Haus aufhielt, war er offenbar darauf bedacht, sich nicht bemerkbar zu machen. Sie versuchte ihr Glück an der Tür zum hinteren Zimmer, aber es war abgesperrt; sie blickte die Treppe hinauf, machte dann vor der offenen Tür des Wohnzimmers halt. Mit einem einzigen Blick registrierte sie alles: das eingeschlagene Fenster; die wehenden Vorhänge; zertrümmerte Möbel; umgestoßene Lampen; Ziegel und Steine auf dem Boden. Gleichzeitig nahm sie den beißenden Qualm eines mit Wasser gelöschten Feuers wahr.

Ihr erster Impuls trieb sie zur Flucht, aber vor dem Fenster erkannte sie, unverwechselbar, die hochgewachsene Gestalt ihrer Tochter, die mit dem Rücken zum Haus stand. An ihrer Seite war Colin. Und während sie hinausblickte, löste sich das Geschrei der Menge in einzelne höhnische Stimmen auf. Die erste kannte sie, konnte aber nicht sagen, wem sie gehörte. »Hey, lang warten wir nicht mehr, du Kuh!« »Was macht dein Typ da drinnen, Mel? Treibt er's vielleicht mit Perversen? «

»Kann ja sein, dass er für Tussen mit dicken Bäuchen nichts übrig hat. Kneif nächstes Mal lieber die Beine zusammen.« Dieselbe Stimme, lauter und hemmungsloser. Die Stimme eines Schwarzen. »Wenn der denen hilft, Zicke, reiß ich euch den Arsch auf, dir und deinem beschissenen Bruder, das schwör ich. Wie wir die Bomben gemacht haben, hast du große Reden geschwungen, Col, und jetzt traust du dich nicht, damit zu werfen, du feige Sau.« Wesley Barber, dachte Gaynor erschrocken. Der Verrückte, der auf Methedrin war - und allem Anschein nach bis obenhin damit vollgepumpt. O Gott, was sollte sie tun? Rauslaufen und sich zu Melanie und Colin stellen? Den Leuten sagen, dass Jimmy gar nicht mehr da war? Sie würden ihr nicht glauben. Und wo war er überhaupt hin? Was tat er? Wer waren die Leute, die er bei sich hatte? Sie suchte krampfhaft nach Antworten. Waren es die Kinderschänder?

Aber wer war die Frau? Und was würden die Leute mit Mel und Col machen, wenn sie glaubten, Jimmy hätte den Perversen zur Flucht verholfen? Mit Gewalt zügelte sie ihre Gedanken. Das Einzige, was sie zu interessieren hatte, war eine Lösung. Es war unsinnig, wenn Mel und Col ein leeres Haus bewachten. Da wäre es das Gescheiteste, sie - Gaynor - stiege durchs Fenster raus und sagte ihnen, sie sollten sich zurückziehen und Wesley ins Haus lassen. Den Brandgeruch nahm sie nicht als bedrohlich wahr. Das Feuer war aus, und die Konsequenzen für die Nachbarhäuser, wenn Nummer 23 in Flammen aufginge, interessierten Gaynor im Augenblick so wenig, dass sie diese Gefahr nicht einmal in Erwägung zog. Sie lief in Windeseile die Treppe hinauf, um einen Blick in die oberen Räume zu werfen.

Kundenbewertungen zu "Der Nachbar" von "Minette Walters"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 4 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** sehr gut)
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Bewertung von Alexander aus Böblingen am 29.04.2006 ***** sehr gut
Der Roman von Minette Walters geht auf Themen ein, die nicht in vielen Romanen vorkommen. Soziale Brennpunkte gibt es aber in vielen Ländern, und auch Sexualstraftaten sind leider Alltag.
Darum rüttelt das Buch wach und macht den Leser nachdenklich. Aber in vielen Situation wirkt die Geschichte sehr realitätsfremd: Z.B kann ich mir zwar vorstellen daß die Polizei bei Straßenschlachen mal den Überblick verliert, aber sicher nicht daß es über Stunden nicht möglich ist, wenigstens eine Spezialeinheit in ein Stadtviertel zu schleusen, um den Verletzten zu helfen.

Aber ich kann das Buch trotzdem empfehlen - es ist auf jeden Fall sein Geld wert !

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