Der Menschenräuber - Thiesler, Sabine

Sabine Thiesler 

Der Menschenräuber

Roman

Broschiertes Buch
 
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Der Menschenräuber

Wehe, wenn wir uns wiedersehen

Zuerst verliert er durch einen schrecklichen Unfall seine Tochter. Dann seinen Job und schließlich seine Frau. Als der erfolgreiche Medienmanager Jonathan in einem einsamen Bergdorf in der Toskana ankommt, scheint er am Ende zu sein. Doch dann trifft er die junge Sophia und beginnt mit ihr ein neues Leben, bis ihn die Vergangenheit einholt. Aus Rache wird er zum Mörder, aber das ist erst der Anfang ...


Produktinformation

  • Verlag: (Heyne)
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 463 S. 187 mm
  • Seitenzahl: 463
  • Heyne Bücher Nr.43525
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 120mm x 38mm
  • Gewicht: 389g
  • ISBN-13: 9783453435254
  • ISBN-10: 3453435257
  • Best.Nr.: 33334758
"Sabine Thiesler liest 'Der Menschenräuber' und sorgt selbst im Hochsommer für Gänsehaut."
Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf den Bestsellerlisten. Ebenso mit den folgenden Büchern Hexenkind, Die Totengräberin und Der Menschenräuber.

Leseprobe zu "Der Menschenräuber" von Sabine Thiesler

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Leseprobe zu "Der Menschenräuber" von Sabine Thiesler

Schwere Wolken hingen über der Heide, der Wetterbericht hatte Schneeregen und Graupelschauer angesagt.

Er stand am Fenster, blickte auf den trostlosen, grau gepflasterten Hotelparkplatz mit fünf armseligen Parkbuchten, von denen nur zwei besetzt waren, und wusste, dass er nur diese eine Chance hatte.

Heute war der Tag, auf den er Monate gewartet hatte, heute musste es passieren.

Nachdem er vor zehn Minuten das Telefonat beendet hatte, triumphierte er innerlich. Sie war einfach zu gutgläubig und hatte ihm die Adresse verraten. Die erste Hürde war genommen, und es war unproblematischer gewesen, als er gedacht hatte.

Er ging ins Bad, betrachtete ein paar Sekunden sein Gesicht im Spiegel eines altmodischen Allibert und begann sich sorgfältig zurechtzumachen.

Es war jetzt zwanzig vor elf. Zeit der Visite und daher viel zu gefährlich. Er wollte noch zwei Stunden warten, denn es erschien ihm günstiger, wenn auf den Stationen das Mittagessen gerade vorbei war und das Geschirr abgeräumt wurde.

In den letzten zwei Wochen hatte er sich einen Bart wachsen lassen, den er jetzt sorgfältig schnitt, so dass er gepflegt wirkte. Der schlohweiße Bart störte ihn maßlos, er kam sich verwahrlost und unsauber vor, geradezu verwildert. Aber es handelte sich ja nur noch um wenige Stunden. Wenn alles erledigt war, würde er ihn abrasieren.

Die Perücke hatte er schon vor Wochen in Florenz gekauft. Sie war aus Echthaar, handgeknüpft, und hatte über fünfhundert Euro gekostet. Das war es ihm wert. Graue, drei bis vier Zentimeter lange Haare, die sehr natürlich wirkten und gut zu seinem schmalen Gesicht passten. Er streifte sie über seine eigenen millimeterkurzen Haare, und damit die Perücke nicht verrutschte, fixierte er sie an den Schläfen und oberhalb der Stirn am Haaransatz mit Mastix. Ein Spezialklebstoff, der im Theater in der Maske verwendet wurde. Hinterher würde er die Perücke so bald wie möglich verbrennen.

Zum Schluss setzte er eine Brille mit Fensterglas und zartgoldenem Rand auf, die ihm einen intellektuellen, distinguierten Touch gab. Kein Problem, sie danach auf der Autobahn aus dem Fenster zu werfen.

Er wirkte wie ein Professor Anfang sechzig, dem man ohne weiteres Respekt zollte und Vertrauen schenkte. Perfekt. Er war zufrieden.

Das Zimmer hatte er bereits am Abend zuvor bezahlt. Er packte seine Sachen und verließ zwanzig Minuten später das Hotel vollkommen unbemerkt. Die Rezeption war in diesem kleinen Hotel nur selten besetzt.

Ideal für ihn, der ungesehen verschwinden wollte.

Es war jetzt kurz nach elf. Zu früh. In Gedanken ging er noch einmal die Liste durch, ob irgendetwas fehlte. Aber ihm fiel nichts ein. Er hatte an alles gedacht.

Also blieb ihm nur noch ein Waldspaziergang, um zwei weitere Stunden totzuschlagen.

Um dreizehn Uhr fünfundzwanzig hielt er vor der Klinik und parkte am Nebeneingang auf einem für Ärzte reservierten Parkplatz. Weiße Hosen, weißes Hemd und weißen Kittel hatte er bereits im Auto angezogen, Stethoskop und obligatorischer Kugelschreiber steckten in der Brusttasche.

So betrat er das Krankenhaus. Dem Pförtner nickte er kurz zu, und dieser grüßte automatisch zurück.

Als er nur fünfzehn Minuten später die Klinik durch einen Notausgang verließ, trug er ein Neugeborenes hinaus in die Kälte und die wenigen Meter bis zu seinem Auto, legte es in die Tragetasche auf dem Beifahrersitz und fuhr davon.

Die Mutter und die Mitarbeiter der Säuglingsstation würden frühestens in einer halben Stunde merken, dass das kleine Mädchen nicht mehr da war.

Er war so glücklich wie seit Jahren nicht mehr. Hatte keinerlei Schuldbewusstsein. Denn er hatte das Kind nicht entführt, sondern zu sich geholt. Und das war - verdammt nochmal - sein gutes Recht.

Toskana, 3. November 2001 Er hatte kein Ziel, keinen Plan, kein Dach überm Kopf und noch zweiundsiebzig Euro und dreiundzwanzig Cent in der Tasche. In seinem Koffer befanden sich zehn Unterhosen, ebenso viele Sockenpaare, vier T-Shirts, drei Pullover und zwei Jeans. Außerdem zwei Handtücher, sein Filofax und ein Kulturbeutel mit einer Haarbürste, einer Zahnbürste, einer fast leeren Tube Zahnpasta, einer Niveadose, einem Nageletui und einem Briefchen Aspirin. Auch ein Deostift und Creme gegen Herpes-Lippenbläschen. Gut eingebettet zwischen den Handtüchern und Pullovern, lagen sein Laptop, seine Kamera und eine Bilderrolle aus stabiler Pappe. In seiner Jackeninnentasche trug er seine Brieftasche mit der Krankenversicherungskarte, einer Kreditkarte, Ausweis, Führerschein und einem Foto seiner Tochter im Alter von fünf Jahren. Sie saß in einer Sandburg an der Ostsee und hielt triumphierend ihre Schippe in die Höhe. In der Jackenaußentasche steckte noch eine Lesebrille.

Das war alles, was von seinem Leben übrig geblieben war.

Es war jetzt knapp fünf Tage her, seit er nach einem Streit mit Jana das Haus verlassen hatte. Er fühlte sich als Verlierer, weil er gegangen war, aber das war nicht wichtig.

Auch wenn sie triumphierte - er hätte es in ihrer Nähe keine fünf Minuten länger ausgehalten.

Dass er vor der großen Anzeigetafel auf dem Flughafen Tegel gestanden hatte, wusste er noch. Paris, Brüssel, Kopenhagen, Athen, Rom, Lissabon. Zehn Minuten, vielleicht auch eine halbe Stunde hatte er auf die rauf- und runterklappernden Buchstaben gestarrt, aber die Orte bedeuteten ihm nichts. Zürich, Budapest, Mailand, Stockholm. Geflogen war er in seinem Leben genug.

Er wandte sich ab und fuhr mit dem nächsten Bus zurück in die Stadt.

Was er in den darauffolgenden drei Tagen und Nächten getan hatte, konnte er jetzt nicht mehr sagen. Er versuchte sich zu erinnern, aber vor seinen Augen tauchten nur vereinzelte Bilder von Wartehallen, U-Bahnhöfen und Kneipen auf. Von einem grellbunten Drogeriemarkt, in dem er Wodka kaufte, und von einem Kanal, an dessen Ufer er sich übergab. Er hatte keine Erinnerung mehr an Wärme oder Kälte und glaubte, weder irgendetwas gegessen noch mit einem Menschen gesprochen zu haben.Vor zwei Stunden war er in einer Toilette der Charité aufgewacht. Er lag in der engen Kabine auf dem klebrigen Fußboden, gekrümmt wie ein Embryo, den Kopf direkt neben der Toilettenschüssel, und mit seinen Armen umklammerte er den Fuß des Beckens wie ein Schiffbrüchiger den rettenden Baumstamm. Mühsam zog er sich hoch und versuchte aufrecht zu stehen. In seinen Haaren klebte Erbrochenes, und erst jetzt bemerkte er, dass er direkt in einer mittlerweile getrockneten Lache gelegen hatte.

Kundenbewertungen zu "Der Menschenräuber" von "Sabine Thiesler"

5 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.2 von 5 Sterne bei 5 Bewertungen **** sehr gut)
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Bewertung von dem Watzel am 23.10.2011 ***** ausgezeichnet
Das Buch ist super gut geschrieben, spannend von der erstem bis zur letzten Zeile.
Von Sabine Thiesler habe ich schon mehr gelesen, und immer wieder toll.

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Bewertung von Sabine aus Stendal am 24.04.2011 ***** gut
Ich möchte hier nicht wie meine Vorschreiber den Inhalt des Buches wiederholen.
Mir ist nur beim Lesen aufgefallen, dass ich die Story des Carabiniere Donate Neri - seine Frau aus Rom, seine Versetzung wegen Unfähigkeit, seine Schwiegermutter... -
bereits in einem der Romane von Helga Glaesener gelsen habe. Leider weiß ich den Titel nicht mehr.
Kann das ein Zufall sein? Oder handelt es sich - wie ja jetzt modern - um eine Plagiat, zumindestens der Idee?
Oder hat Frau Glaesener der Verwendung ihrer Idee zugestimmt, da es sich in beiden Fällen um die Toscana als Schauplatz handelt?
Das würde mich schon interessieren, ich weiß nur nicht, wie ich hierfür eine Antwort ehalten könnte.´
Zu dem Roman selbst : es ist halt eine Geschmackssache.

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Bewertung von sueorange am 06.08.2010 ***** ausgezeichnet
Die junge emporstrebende Kunststudentin Giselle wird durch einen Unfall aus ihrem Leben gerissen. Der Unfallverursacher, ein Abiturient, kommt trotz Trunkenheit am Steuer glimpflich davon, da sein Vater über Beziehungen verfügt. Dieses reißt Giselles Vater Jonathan komplett den Boden unter den Füßen weg. Stück für Stück entgleitet ihm sein Leben fortan. Wegen seinen Depressionen lässt er seine Arbeit als erfolgreicher Fotograf schleifen und seine Ehe zerbricht auch an seinem Unvermögen zu trauern. Zuerst betrinkt er sich maßlos und landet dann immer tiefer in der Gosse.

Eines Tages im November fährt er mit seinem letzten Geld einfach los, ohne ein genaues Ziel. Es zieht ihn nach Italien. Bei einer Bauernfamilie in der Toskana, die eine heruntergewirtschaftete Pension betreibt, bekommt er ein Zimmer. Sofia, die blinde Tochter der Wirtsleute, bremst seine Rastlosigkeit sofort, erkennt er doch an ihr eine große äußere Ähnlichkeit zu Giselle.

Da er sich weiterhin vorwirft seine Tochter nicht genügend beschützt zu haben, möchte er dieses nun an Sofia wieder gut machen. Er heiratet sie und baut mit ihr gemeinsam das familiäre Gehöft zu einem schicken Feriendomizil um, welches nun auch wieder auf Gäste anziehend wirkt. Doch schon bald wird Jonathans trügerische innere Ruhe gestört, deutsche Urlauber haben sich in einem der neuen Apartments ein gemietet und seine Vergangenheit, der er entfliehen wollte, holt in schlagartig wieder ein. Eine Welle von Hass treibt ihn nun, mit der Kenntnis der Identität seiner Gäste, wieder an... sein einziger Gedanke ist Vergeltung ... Rache für sein Kind...

Der Zufall spielt in diesem Roman eine sehr große Rolle, möglicherweise eine zu gewichtige, darunter leidet auch die Glaubwürdigkeit etwas. Jonathans innere Zerrissenheit wird sehr gut portraitiert. Auch als Leser wird man emotional hin und her geworfen, einerseits fühlt man mit Jonathan und kann auch ein Stück weit seinen ohnmächtigen Hass nachvollziehen, andererseits verstört seine Brutalität aber auch. Auch seine Doppelgesichtigkeit fand ich erschreckend, wie er Sofia immer mehr dahin lenkt, die Ähnlichkeit zu Giselle weiter zu unterstreichen, verborgen unter einem Deckmantel der Fürsorglichkeit und des Zuspruchs. Da lief es mir manchmal eiskalt den Rücken herunter. Es ist das Psychogramm eines schwer getroffenen Menschen, einer Marionette seiner eigenen inneren Stimme. Sabine Thiesler ist auch dieses Mal ein wahrer Pageturner gelungen, man kann einfach nicht anders als Seite um Seite durch das Buch zu hetzen. Der Aufbau ist interessant, Rückblenden schärfen den Blick auf die einzelnen Charaktere, die Gegenwart schraubt die Spannung immer weiter hoch, und die unterschiedlichen Perspektiven fügen alles zu einem Ganzen zusammen. Auch Thieslers Affinität zur Toskana kommt in diesem Buch wieder zur Geltung, so ist auch hier die Handlung in Deutschland und in Italien angesiedelt.

Der Blick in die Abgründe, die Zorn, Trauer und Rachegelüste schaffen, verspricht ein spannendes Lesevergnügen.

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Es gibt 1 Kommentar zu dieser Bewertung
  • jagger aus 79618 RHF. am 14.08.2010
    Fast ein eigener roman.!!!!!!
     (Inhalt anstößig?)

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Bewertung von Puschel aus Nähe Hannover am 04.07.2010 ***** sehr gut
Mit "Der Menschenräuber" ist Sabine Thiesler mal wieder ein sehr gutes Buch gelungen: spannend geschrieben, interessante Geschicht mit tollen Charakteren!
Also ich kann es nur empfehlen, also viel Spaß beim Lesen :o)

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Bewertung von Grumi aus München am 02.06.2010 ***** sehr gut
Giselle ist eine neunzehnjährige hochbegabte Kunststudentin. Am Geburtstag seines Vaters Jonathan wird sie auf der Strasse von einem betrunkenen Jungen an der Ampel überfahren. Das Leben verliert für Jonathan jeden Sinn, denn er verkraftet den Verlust gar nicht. Er zieht sich immer mehr zurück, verfällt dem Alkoholismus bis sogar die Ehe daran kaputt geht. Ziellos flüchtet er vom Leben und landet in der schönen Toskana, wo er ein neues Leben mit der blinde Sophia (bildlich eine Kopie Giselles) anfängt. Aus dem spärlichen Ferienwohnung macht er gemütliche Ferienhäuser und ist endlich wieder glücklich. Doch bis dieser idylischen Fleckchen Erde finden es zufällig das Ehepaar Kerner, und das führt zum kurzschluss Jonathans. Geführt von der Stimme der toten Giselles, rächt er sich an alle an den Unfall beteiligten Personen.
Sehr gut geschriebenes spannendes Buch. Tolle Charaktere, schöne Landschaften und Atmosphere! Genuss pur für den Sommer!
Vielseitiger Krimi über Trauer und Obsession.

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