Der Mann schläft - Berg, Sibylle

Sibylle Berg 

Der Mann schläft

Roman

Broschiertes Buch
 
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Der Mann schläft

Eine Frau liebt einen Mann, weil der die Frau liebt. Was kann man sich Besseres wünschen? Doch die Welt kennt kein Pardon: Auf einer Reise nach China kommt der Mann gleich wieder abhanden, und man fragt sich, ob das mit rechten Dingen zugeht. Warum sucht man nach Veränderung, wenn man das Glück gefunden hat? Warum bleibt man nicht dort, wo man glücklich ist? Sibylle Berg erzählt eine moderne Liebesgeschichte und zeigt mit so melancholischen wie bösartigen Bildern eine Welt, in der man höchstens zu zweit überleben kann


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 308 S. 191 mm
  • Seitenzahl: 308
  • dtv Taschenbücher Bd.14002
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 118mm x 27mm
  • Gewicht: 302g
  • ISBN-13: 9783423140027
  • ISBN-10: 342314002X
  • Best.Nr.: 32578946
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.08.2011

Kassandra
des Klamauks
Ein Kollege hat behauptet, Sibylle Berg sei die einzige deutschsprachige Gegen-wartsautorin, wegen der es sich lohne, eine Buchhandlung zu überfallen. Seitdem atmen Buchhändler auf, wenn ein Berg-Roman im erschwinglichen Taschenformat erscheint. Erst recht dieser, ihr bislang niedlich-ster – um ein Lieblingswort von Frau Berg zu verwenden, der Kassandra des Klamaukzeitalters, deren skalpellscharfe, schwarzgallige Zeitdiagnosen nur ihre Sehnsucht nach dem Guten, Wahren und Freundlichen kaschieren. Hier erzählt sie von einer traurig endenden Liebe, die schön begann und „ruhig und still“ verlief. Die Frau aber ist so kaputt, dass sie das kleine Glück zerstört. Und der Mann? „Der Mann schläft“, bis er auf einer
chinesischen Insel spurlos verschwindet. Eine schräge Vanitas-Geschichte, ein Strandroman vom Feinsten.
Kristina Maidt-Zinke
Sibylle Berg:
Der Mann schläft.
Roman.
dtv München 2011.
320 Seiten,
9, 90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de

"Gekonnt sarkastisch erzählt Sibylle Berg von den Einsamkeiten des Lebens."
Charlotte Melde, Emotion 06/2011

»Gekonnt sarkastisch erzählt Sibylle Berg von den Einsamkeiten des Lebens.« Charlotte Melde, Emotion 06/2011

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.09.2009

Zu zweit ist es angenehmer
Glück gehabt: Sibylle Berg mit neuen, leisen Tönen

Von Kolja Mensing

Ein Mann und eine Frau machen Urlaub auf einer kleinen Insel im Südchinesischen Meer. Nach einigen Tagen fährt der Mann mit der Fähre aufs Festland, um Zeitungen zu kaufen. Er kehrt nicht zurück. Anfragen bei der Polizei und in den Krankenhäusern bleiben ohne Erfolg. Er ist einfach verschwunden. Nach drei Monaten ist die Frau immer noch auf der Insel: "Abreisen, das wäre eine gezielte Aktion, das hieße Ticket buchen, ein Flugzeug besteigen, zurück in mein Leben und akzeptieren, dass ich wieder allein bin." Also läuft sie Tag für Tag über die mit Betonquadern ausgelegten Wege und starrt auf das graue Meer, während die Wellen die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit dem Mann wie Treibholz an den Strand spülen.

Der neue Roman von Sibylle Berg hebt sich deutlich ab von dem, was sie bisher geschrieben hat. Mit ihren zynischen Episodenromanen "Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot" (1997) und "Sex 2" (1998) lieferte die leidenschaftliche Kulturpessimistin einen krassen Gegenentwurf zur Euphorie der späten Neunziger: …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Einen Liebesroman hätte man von niemandem weniger erwartet als ausgerechnet von Sibylle Berg. Dabei ist ihre Heldin eigentlich typisch Berg: "Ich misstraute der Liebe zutiefst. Ein Marketinginstrument, um Waschmittel zu verkaufen." Erst mit Mitte 40 hat ihr verzweifeltes Singledasein ein Ende, und sie trifft den einen, den sie einfach nur den Mann nennt. Doch das Glück ist nicht von Dauer. Irgendwo in China verschwindet der Mann beim gemeinsamen Inselurlaub plötzlich spurlos. Sibylle Berg lässt ihre Ich-Erzählerin auf verschiedenen Zeitebenen berichten, die sie gegen- und ineinander laufen lässt: vor der Liebe, verliebt, nach der Katastrophe. So kann die Heldin wunderbar mit der ganzen Welt granteln und schon ein paar Absätze weiter erklären, warum Liebe denn nun plötzlich doch funktioniert, in ihrem Fall aber nichts mit dem so verhassten Paarungsgekreische zu tun hat. "Der Mann schläft" hat also alle Pluspunkte der bisherigen Berg-Bücher zu bieten. Und zusätzlich darf man bei dem bewährten Gemisch aus Melancholie und Boshaftigkeit zum allerersten Mal auf ein Happy End foffen. Theoretisch zumindest. (cs)

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Dies Buch könnte ein kleines Meisterwerk sein, wenn man dem Rezensenten Kolja Mensing glaubt. Er ist jedenfalls tief beeindruckt von dem Widerstreit zwischen der fast zynischen, trocken benennenden Sprache der Ich-Erzählerin und der unerfüllten Sehnsucht nach etwas, an das sie gar nicht geglaubt, das sie dann fand und wieder verlor - nämlich: Liebe. In Passagen scheint sich Sibylle Bergs Roman wie ein heiterer Liebesroman zu lesen, aber letztlich, so Mensing, war Berg noch nie so schwarz und unversöhnt wie in diesem Buch, in dem sie ausmalt, dass "Leben Demütigung heißt".

© Perlentaucher Medien GmbH
Sibylle Berg, geboren vor nicht allzu langer Zeit in Weimar, gilt seit ihrem Debüt-Roman "Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot" als Übermutter der jungen deutschen Literatur. Darauf könnte sie verzichten. Neben Büchern schrieb die überzeugte Kettenraucherin Theaterstücke und Texte für verschiedene Magazine in Deutschland und der Schweiz, darunter "Das Magazin" (Zürich), "Allegra" (Hamburg) und das "Zeit-Magazin". 2008 erhält sie den Wolfgang-Koeppen-Preis.Sibylle Berg lebt in Zürich.

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Bewertung von Lisega am 19.01.2011 ***** sehr gut
Ein Liebesroman von Sybille Berg? Keine Sorge, „Der Mann schläft“ ist natürlich keine romantische Schmonzette, sondern enthält auch viel von Bergs gewohntem Zynismus und Weltekel. Vor allem wenn die Ich-Erzählerin, eine Frau Mitte 40, auf ihr Leben und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zurückschaut, werden ihre Erkenntnisse knochentrocken, böse, aber durchaus zutreffend in Berg-typischen Bonmots zum Besten gegeben. Aber auch diese desillusionierte Protagonistin hat ihn schließlich gefunden, den EINEN Mann, mit dem sie ihr Leben verbringen möchte. Und wie Berg dieses Paar völlig unspektakulär beschreibt, ist erstaunlich ehrlich und einfühlsam: Kein großes Gefühlsdrama, sondern was diese Beziehung zum größten Teil wirklich ausmacht, wird erzählt – nebeneinander gehen und liegen, miteinander reden, aber auch schweigen können, einander annehmen, wie man ist. Als der Mann dann auf einer Reise verschwindet, ist die Frau entsprechend aufgelöst – Ausgangspunkt des Romans, der in zwei gegenläufigen Zeitebenen erzählt ist, die am (doch hoffnungsvollen) Schluss zusammenfinden. Insgesamt fand ich „Der Mann schläft“ klasse geschrieben und konstruiert, doch die seltsamen Nebenfiguren, auf welche die Frau im Laufe des Romans trifft und die in völlig unwahrscheinlichen Monologen ihre Weltsicht zum Besten geben, haben mich etwas genervt. Deshalb nur vier Sterne.

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