Der Mann aus dem Fegefeuer - Leake, John
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John Leake 

Der Mann aus dem Fegefeuer

Das Doppelleben des Serienkillers Jack Unterweger

Übersetzung: Setz, Clemens J.
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Der Mann aus dem Fegefeuer

Er war Schriftsteller und Serienmörder, ein Monster und Gentleman. Als "Knastliterat" wurde Jack Unterweger gefeiert, als "Hurenmörder" verdammt und verteufelt. Neun Prostituierte soll er umgebracht haben, von Prag über Wien bis Los Angeles. John Leake gelingt die packend erzählte Dokumentation eines einzigartigen Kriminalfalls.

"Ein Buch, das es an Spannung mit jedem Thriller aufnehmen kann." -- Vanity Fair

"Ein Psychopath, der einer Patricia Highsmith würdig wäre - ein talentierter Mr. Ripley." -- Playboy

"Die rasanten Orts- und Zeitwechsel, authentischen Milieuschilderungen, die persönlichen Stimmungen und Motive ungezählter Betroffener fügen sich zu atemlosen Bildern, wie man sie sonst nur aus spannenden Thrillern kennt." -- Die Presse


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 455 S., 16 Fototaf.
  • Seitenzahl: 464
  • Heyne Bücher Nr.43473
  • Deutsch
  • Abmessung: 186mm x 118mm x 38mm
  • Gewicht: 390g
  • ISBN-13: 9783453434738
  • ISBN-10: 3453434730
  • Best.Nr.: 26316996
"Ein Psychopath, der einer Patricia Highsmith würdig wäre - ein talentierter Mr. Ripley." Playboy

"Die rasanten Orts- und Zeitwechsel, authentischen Milieuschilderungen, die persönlichen Stimmungen und Motive ungezählter Betroffener fügen sich zu atemlosen Bildern, wie man sie sonst nur aus spannenden Thrillern kennt."

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.03.2009

Der Dichter als Serienmörder
John Leake hat eine Biographie über den Fall des Österreichers Jack Unterweger geschrieben

Der Serienmörder ist der König unter den Kriminellen. Das Monströse und Unverstehbare seiner Taten übertrifft alles. Er hat keinen Chef wie der Mafiakiller. Es geht ihm nicht ums Geld. Er killt nicht im Affekt, für keine Religion. Er hat eine Tonne Literatur hervorgerufen. Er tritt als Bürger oder komischer Vogel auf. Er ist ein Rätsel.

Es gibt mehr Gründe, die den Vergleich mit dem Künstler provozieren. Viele Serienkiller sind Intelligenzbestien, mit Hang zur Inszenierung, mit eigener Handschrift, einem persönlichen Profil. "Will man den Künstler verstehen, muss man sich sein Werk ansehen", zitiert Klaus Bartels im Standardwerk "Serienmord" den FBI-Spezialisten John Douglas. "Die erfolgreichen Serienmörder planen ihr Werk so sorgsam wie ein Maler sein Gemälde. Sie betrachten das, was sie tun, als ihre ,Kunst' und verfeinern sie im Laufe der Zeit."

Die Sichtweise, den Killer als Künstler zu verstehen, um ihn fassen zu können, hat im Fall des Jack Unterweger (1950-1994) einen einzigartig realen Boden: …

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Clemens J. Setz wurde 1982 in Graz geboren. Seit 2001 studiert er an der dortigen Universität Mathematik und Germanistik. Er ist Obertonsänger, Übersetzer und Gründungsmitglied der Literaturgruppe Plattform. Zahlreiche seiner Gedichte und Erzählungen wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. 2008 wurde er beim Bachmann-Wettbewerb mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet.

Leseprobe zu "Der Mann aus dem Fegefeuer" von John Leake

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Leseprobe zu "Der Mann aus dem Fegefeuer" von John Leake

Ein Rätsel

Am 11. Juli 1991 sah der Himmel über Los Angeles eine Sonnenfinsternis. Um 10 Uhr 12 begann sich der Mond vor die Sonne zu schieben und um 11 Uhr 28 bedeckte er bereits 69 Prozent ihrer Fläche. An diesem Morgen fuhren ein paar Männer mit ihren Kindern die Corral Canyon Road in Malibu hinauf, um das Ereignis zu beobachten.

Die Hügel von Malibu, nordwestlich der Stadt, bilden eine Landschaft von zerklüfteter Schönheit, die sich gegen alle Bemühungen menschlicher Besiedelung feindselig verhält. Die harzhaltigen Büsche, vom Santa-Ana-Wind ausgedörrt, entzünden sich leicht während der trockenen Jahreszeit, die Feuer brennen alles nieder, was ihnen in den Weg kommt. Zwei Meilen landeinwärts zweigt eine alte Feuerwehr-Zufahrtsstraße von der Corral Canyon Road ab und führt einen steilen Hügel hinauf. Der Panoramablick und die Abgeschiedenheit machen das grasige Plateau zu einem beliebten Treffpunkt für Liebespärchen, die den Kitzel von Sex unter freiem Himmel suchen. Ein paar leere Weinflaschen und herumliegende Unterwäsche zeugen davon.

Die Männer und ihre Kinder wollten zum höchsten Punkt des Plateaus, um die Sonnenfinsternis zu sehen, aber als sie die Spitze erreichten, waren sie von dem, was sie vor sich auf dem Boden liegen sahen, so entsetzt, dass sie nicht mehr in den Himmel schauen konnten. Um 11 Uhr 15, als sie das Büro des L.A. County Sheriffs anriefen, sprach zuerst einer der Männer, dass sie eine Leiche gefunden hätten, aber als er eine Wegbeschreibung geben sollte, verlor er die Fassung und begann zu fluchen. Einer der anderen Männer übernahm das Telefon und beschrieb den genauen Fundort der Leiche. Einige Stunden später war Deputy Sheriff Ronnie Lancaster am Tatort.

Erschossene oder erstochene Menschen gehörten zu seinem beruflichen Alltag, und wie alle guten Detectives hatte er seinen Verstand darauf trainiert, sie als Beweismittel zu sehen und nicht als die, die sie einmal gewesen waren. Das Einzige, an das er sich nicht gewöhnen konnte, war Verwesung. Als ihn die Nachricht von der ermordeten Frau in der Nähe der Corral Canyon Road erreichte, fragte Lancaster nicht nach einer Beschreibung des Tatorts, er zog es vor, ihn ohne eine vorgefasste Meinung zu betreten. Aber eine Frage hatte er: "Ist die Verwesung schon eingetreten?" "Ja."

"Ach, verdammt", sagte er zu seinem Partner. "Sie verwest bereits. Bestimmt sind die Würmer schon dran, und das bedeutet, dass ich Albträume haben werde." Sie kamen an der Zufahrtsstraße um 14 Uhr 45 an - die heißeste Zeit am heißesten Tag, an den er sich erinnern konnte. Schweißüberströmt erreichte er die Spitze des Plateaus. Das gesamte Areal war abgesperrt worden, Deputy Sheriffs und Park Rangers standen herum. Deputy Knudson, der als Erster am Tatort eingetroffen war, erstattete Bericht: "Ich habe den Anruf um 11 Uhr 51 erhalten und bin sofort losgefahren. Eine Hubschraubereinheit ist voraus geflogen und hat mir die Richtung angezeigt. Die Männer, die die Leiche gefunden haben, haben das Polizeirevier in Malibu angerufen, aber sie haben nicht gesagt, wer sie sind, und sie haben auch nicht auf mich gewartet. Der Verwesungsprozess ist fortgeschritten, aber an den Brüsten kann man erkennen, dass es eine Frau ist."

Die übergewichtige Leiche lag auf dem Rücken, etwa zwanzig Meter westlich der Landstraße unter einem Lorbeer-Sumachstrauch. Ihr Gesicht war von Würmern bedeckt, die aus Nase, Mund, Augen und Ohren quollen. Ihr T-Shirt war bis zu den Schultern hochgezogen, ihr gedunsener Bauch und ihre Brüste lagen frei: um ihren Hals ein eng verknoteter Büstenhalter. Sonst war sie normal bekleidet. Die Taschen ihrer Jeans waren nach außen gestülpt. Keine Ausweise.

Lancaster war zuversichtlich, dass sie den Fall lösen würden. "Das ist das Werk eines Geliebten oder des Ehemanns. Wenn wir den finden, ist der Fall erledigt."

"Was, wenn sie eine Nutte ist?", fragte sein Partner.

"Was soll eine Nutte hier oben? Die entfernen sich höchstens ein paar Blocks von dort, wo sie aufgelesen werden, bevor sie zur Sache kommen. Aber wir sind hier mindestens fünfundzwanzig Meilen vom nächsten Straßenstrich entfernt." Die Ermittler untersuchten den Tatort weiter, und um 17 Uhr 20 kam der Leichenwagen, um die tote Frau mitzunehmen.

Lancaster war froh, dass die Arbeit erledigt war. Er wusste, dass er noch lange nicht fertig war - er würde die ganze Angelegenheit noch einmal mit einem Gerichtsmediziner durchgehen müssen, aber fürs Erste konnte er durchatmen. Er trat bis an den Rand des Hügels, wo die Zufahrtsstraße zur Corral Canyon Road hinabführte. Die Aussicht auf die Santa Monica Bay war atemberaubend, und zum ersten Mal an diesem Tag wurde ihm die Schönheit dieser Landschaft bewusst. Der Anblick hatte für ihn etwas Friedvolles. Es erschien ihm pervers, an einem solchen Ort ein derart entsetzliches Verbrechen zu verüben.

In dieser Nacht plagten ihn Albträume und am Tag darauf, immer noch etwas mitgenommen, traf er Lieutenant Christianson vom Morddezernat.

"Ich habe eben mit dem Leichenbeschauer gesprochen. Sie haben die Fingerabdrücke des Mädchens von der Corral Canyon Road untersucht und rate mal - sie ist eine Prostituierte. Gut gemacht, Lancaster."

"Du machst Witze!"

"Sie ist mehrmals vorbestraft."

"Aber was hat sie da oben auf dem Hügel gemacht?"

"Das ist dein Job. Fang am besten in der Gerichtsmedizin an. Die Autopsie ist morgen Früh um elf."

Autopsien machten ihm nicht allzu viel aus, obwohl es ihm manchmal unangenehm war, wenn ein Opfer ihn anstarrte. Die Augen eines Toten schließen sich nicht und sie können einen mit ihrem starren Blick gefangen nehmen. Aber Sherri Long hatte keine Augen mehr, mit denen sie ihn hätte anstarren können, sie waren von den Würmern weggefressen worden. An ihrer Stelle befanden sich zwei leere Höhlen. Lancaster spürte, wie seine Knie weich wurden, als Dr. Ribe ihren Schädel aufschnitt, um "eine große, schwärmende Masse aus mehreren tausend Würmern, die meisten davon ziemlich groß", freizulegen. Sie hatten den größten Teil ihres Gehirns aufgefressen, bis auf "50 ml fahlgraue Suppe", die für die Toxikologie abgezapft wurde, zusammen mit einigen Proben von lebenden Würmerlarven. Anhand der Spezies und der Länge der Würmer konnte ein Gerichtsmediziner ablesen, wie lange das Opfer schon an seinem Fundort lag und ob es sich zuerst irgendwo anders befunden hatte.

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