Der langsame Tod der Luciana B. - Martínez, Guillermo

Guillermo Martínez 

Der langsame Tod der Luciana B.

Roman

Übersetzung: Ammar, Angelica
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Der langsame Tod der Luciana B.

Luciana B. ist eine schöne und intelligente Studentin. Nebenbei arbeitet sie als Sekretärin bei dem berühmten Krimiautor Kloster. Als dieser ihr eindeutige erotische Avancen macht, zeigt Luciana ihn an und zerstört damit seine Ehe. Als dann innerhalb weniger Jahre ihr Verlobter auf rätselhafte Weise ertrinkt, ihre Eltern an einer Pilzvergiftung sterben und ihr Bruder brutal ermordet wird, steht für Luciana fest: Hinter all ihrem Unglück steht Kloster, der ihr nie verzeihen hat und sich grausam rächt . Brillant komponiert - fesselnd bis zur letzten Seite.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 199 S.
  • Seitenzahl: 208
  • Fischer Taschenbücher Bd.18264
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 125mm x 20mm
  • Gewicht: 161g
  • ISBN-13: 9783596182640
  • ISBN-10: 3596182646
  • Best.Nr.: 26369305
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.05.2008

Das lange Halsgericht
Guillermo Martínez quält eine Sekretärin zu Tode

Literarischer Erfolg mag sich an vielem messen lassen, vielleicht auch daran, ob ein Schriftsteller es sich leisten kann, eine Sekretärin zu beschäftigen, die mitdenkt, korrigiert und kommentiert. Ein derart mit Erfolg gesegneter Künstler ist der Kriminalschriftsteller Kloster. Tag für Tag diktiert er Luciana B. seine Sätze. Dass sie ihm so leicht von der Zunge gehen, liegt auch daran, dass ihn während der Arbeit keine erotischen Begierden plagen - das hatte er bei der Bewerbung vorsorglich zu verhindern gewusst. Nur einmal, ein einziges Mal, irritiert ihn der schlanke, lange Hals der Frau, und als er dem Impuls nachgibt, ist alles zu spät: Luciana kündigt umgehend. Und ein paar Tage später flattert Kloster eine Anzeige wegen sexueller Belästigung ins Haus.

Vielleicht hätte Luciana besser nicht geklagt. Auf jeden Fall wird es fortan ziemlich ungemütlich in ihrem Leben - um nicht zu sagen, es steht ab sofort unter dem Zeichen rabenschwarzen Unglücks: Ihr Freund ertrinkt im Meer, nur wenige hundert Meter vom Strand entfernt; die Eltern sterben an Pilzvergiftung; …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Angetan zeigt sich Rezensent Uwe Stolzmann von diesem argentinischen Kriminalroman von Guillermo Martinez. Die in Buenos Aires spielende Geschichte um eine Reihe von Todesfällen, in die ein berühmter Krimiautor, ein kaum bekannter Schriftsteller und eine einst schöne Frau, die für beide kurze Zeit als Sekretärin gearbeitet hat, verwickelt sind, hat seines Erachtens zwar einige Schwächen. Er moniert etwa die Konstruktion des Romans als willkürlich, die Stränge der Erzählung als verknotet. Zudem wird für seinen Geschmack ein wenig zu viel dramatisiert. Andererseits aber punktet Martinez bei Stolzmann mit durchgängig hoher Spannung. Der Autor überrasche, schockiere und wechsle immer wieder den Blickwinkel. Zudem sieht Stolzmann in "Der langsame Tod der Luciana B.” mehr als einen einfachen Krimi: einen "Dialog über die Grenzen unserer Wahrnehmung” und einen Essay über "Phantasie und Schuld”.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Immer, wenn man denkt, seine Finten durchschaut zu haben, zieht er einem wieder den Teppich unter den Füßen weg. (...) Ein raffiniertes, elegantes Gedankenspiel, ein psychologisches Ping-Pong."(Frankfurter Rundschau, 17. April 2008) "Martínez zelebriert ein kunstvolles literarisches Vexierspiel, in dem die Wahrheit nichts weiter ist als eine, so scheint es schließlich, ziemlich irrelevante außerliterarische Kategorie."(die tageszeitung, 3./4. Mai 2008) "...einer der innovativsten und zugleich perfidesten Autoren der Branche (...) grandios konstruierten Thriller, der mit überraschenden Wendungen aufwartet, ..."(Die Welt 26. April 2008) "Große Literatur im Krimigenre."(Playboy April 2008) "Der Autor sorgt für Spannung, von der buchstäblich ersten bis zur letzten Seite. Er überrascht, schockiert, verblüfft, immer wieder ändert er den Blickwinkel."(DeutschlandRadio, 30. Mai 2008) "Der argentinische Autor Guillermo Martínez hat seinen neuen Roman (...) mehrfach doppelbödig angelegt."(Hamburger Abendblatt, 15. März 2008) "Außergewöhnlich, intelligent, fesselnd"(Bild am Sonntag, 20. April 2008)

'Der Autor sorgt für Spannung, von der buchstäblich ersten bis zur letzten Seite. Er überrascht, schockiert, immer wieder ändert er den Blickwinkel.“ (Uwe Stolzmann, Neue Zürcher Zeitung, 24. Februar 2009) "...erweist sich Guillermo Martínez auch in diesem Roman als kunstvoller Erzähler." (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Mai 2008) "Wie die großen Romane der Moderne (...) ist Der langsame Tod der Luciana B. zugleich Erzählung und Theorie, Literaturtheorie." (Literaturen, Juni 2008) "Immer, wenn man denkt, seine Finten durchschaut zu haben, zieht er einem wieder den Teppich unter den Füßen weg. (...) Ein raffiniertes, elegantes Gedankenspiel, ein psychologisches Ping-Pong." (Frankfurter Rundschau, 17. April 2008) "Martínez zelebriert ein kunstvolles literarisches Vexierspiel, in dem die Wahrheit nichts weiter ist als eine, so scheint es schließlich, ziemlich irrelevante außerliterarische Kategorie." (die tageszeitung, 3./4. Mai 2008) "...einer der innovativsten und zugleich perfidesten Autoren der Branche (...) grandios konstruierten Thriller, der mit überraschenden Wendungen aufwartet, ..." (Die Welt 26. April 2008) "Große Literatur im Krimigenre." (Playboy April 2008) "Der Autor sorgt für Spannung, von der buchstäblich ersten bis zur letzten Seite. Er überrascht, schockiert, verblüfft, immer wieder ändert er den Blickwinkel." (DeutschlandRadio, 30. Mai 2008) "Der argentinische Autor Guillermo Martínez hat seinen neuen Roman (...) mehrfach doppelbödig angelegt." (Hamburger Abendblatt, 15. März 2008) "Außergewöhnlich, intelligent, fesselnd" (Bild am Sonntag, 20. April 2008) "Atmosphärisch dicht komponiert er eine spannende Geschichte, die zum Vexierspiel wird. Der Leser weiß schließlich nicht mehr, wer gut und böse ist. Realität und Fiktion bleiben offen - bis zur letzten Seite." (Nordkurier, 7. März 2008) "-eine Geschichte von tödlicher Präzision. (...) Ein Spannungsbogen, der zielsicher im Grauen endet. Eine Entdeckung." (Lesart, Frühling 2008) "Ein unglaublicher Fall, dem man bis zum Schluss atemlos hinterherrätselt - große Krimiliteratur." (Echo, Mai 2008) "Ein intelligenter Krimi über die trügerische Wahrnehmungskraft zweier Menschen, der an der Grenze zwischen Fiktion und Realität zu zerfließen droht." (Subway, März 2008) 'Der langsame Tod der Luciana B. ist eine Geschichte über Wahrnehmung und Wirklichkeit, hochspannend bis zum Schluss.“ (Stern, Nr. 26/2008) Ausländische Presse: "Das ist ein Roman, den man mit Bedacht lesen muss, nicht nur, weil er mehr, sehr viel mehr ist als nur die Erzählung von Ereignissen, sondern weil er außergewöhnlich und präzise gebaut ist, wobei jedes Element dieses Bauwerks seine augenscheinliche Bedeutung transzendiert und verborgene unerwartete Zusammenhänge enthüllt." (El Mundo, 2007) "Aber eigentlich ist all das nebensächlich, weil das Wichtige ist, dass der Leser ausreichend Material in seinen Händen hält, um über die Macht der Fiktion im Sinne Henry James nachzudenken, über die erzählerische Wahrscheinlichkeit, über die unsichere Natur unserer Wahrnehmung der Realität und über das Verhältnis von Literatur und Leben." (El Mundo, 2007) "...dieses exzellenten Romans, präzise wie ein Uhrwerk und von schlichter, wirkungsvoller Sprache." (El Mundo, 2007) "Der Spannungsbogen, der aufrecht erhalten wird, zwingt den Leser, den Roman in einem Stück zu lesen." (El Pais, 2007) "Das ist kein gewöhnlicher Krimi: zwar gibt es eine Art polizeiliche Ermittlung, aber die Spannung entsteht vor allem auf der psychologischen Ebene." (El Pais, 2007)
Guillermo Martínez wurde 1962 in Bahia Blanca geboren und lebt seit 1985 in Buenos Aires. Er ist ein argentinischer Schriftsteller und promovierter Mathematiker.

Leseprobe zu "Der langsame Tod der Luciana B." von Guillermo Martínez

Das Telefon riss mich an einem Sonntagmorgen aus dem Tiefschlaf. Eine dünne Stimme wisperte ängstlich Luciana , als müßte das genügen, um mich an sie zu erinnern. Verunsichert wiederholte ich den Namen, und sie fügte ihren Nachnamen hinzu, der eine ferne, vage Reminiszenz in mir wachrief, bis sie mich in einem beklommenen Tonfall daran erinnerte, wer sie war. Luciana B. Das Mädchen, das zum Diktat kam. Natürlich erinnerte ich mich an sie. Waren seitdem tatsächlich zehn Jahre vergangen? Ja, fast zehn Jahre, bestätigte sie, und sie sei froh, daß ich immer noch in derselben Wohnung wohne. Dabei hörte sie sich alles andere als froh an. Sie verstummte kurz. Ob sie mich treffen könnte? Sie müsse mich treffen, verbesserte sie sich mit einem verzweifelten Unterton, der mich erst gar nicht auf falsche Gedanken kommen ließ. Ja, natürlich, sagte ich, etwas alarmiert, wann? Sobald du kannst, so schnell wie möglich. Ich überblickte die Unordnung meiner den schleichenden Kräften der Entropie ausgesetzten Wohnung und schaute auf die Uhr neben dem Bett. Wenn es um Leben und Tod geht, sagte ich, wie wäre es denn mit heute Nachmittag, hier, um vier Uhr zum Beispiel? Ich hörte ein gepresstes, stockendes Atmen am anderen Ende der Leitung, als unterdrücke sie ein Schluchzen. Entschuldige, murmelte sie beschämt, aber ja, es geht um Leben oder Tod. Du weißt nichts, oder? Niemand weiß irgendwas. Niemand bekommt es mit . Wieder schien sie fast in Tränen auszubrechen. Es folgte ein Schweigen, in dem sie sich einigermaßen fasste. Noch leiser, als fiele es ihr schwer, den Namen auszusprechen, fuhr sie fort: Es hat mit Kloster zu tun. Und bevor ich noch irgend etwas hinzufügen konnte, sagte sie rasch, als befürchtete sie, ich könnte es mir anders überlegen: Um vier bin ich bei dir.

Zehn Jahre zuvor hatte ich mir bei einem dummen Unfall das rechte Handgelenk gebrochen, und ein unerbittlicher Gips machte meine Hand bis zum letzten Fingerknöchel bewegungsunfähig. Ich sollte zu der Zeit meinen zweiten Roman abgeben, hatte jedoch nur ein in meiner Krakelschrift geschriebenes Manuskript davon, zwei dicke Spiralblöcke voller Durchstreichungen, Pfeile und Korrekturen, die niemand anders hätte entziffern können. Campari, mein Verleger, hatte mir nach kurzem Überlegen eine Lösung für mein Problem vorgeschlagen: Seit einiger Zeit, erinnerte er sich, sei Kloster dazu übergegangen, seine Romane zu diktieren, er habe dafür ein junges Mädchen engagiert, das offenbar in jeder Hinsicht so perfekt sei, dass Kloster es inzwischen als einen seiner größten Schätze betrachte.

"Aber warum sollte er sie mir dann leihen wollen?" fragte ich, noch ungläubig über diesen Glücksfall. Klosters Name, von Campari so selbstverständlich erwähnt und aus seinen Höhen geholt, hatte mich gegen meinen Willen ein wenig beeindruckt. Wir befanden uns in Camparis großem Büro, in dem ein Druck der Titelseite von Klosters erstem Roman an einer Wand das einzige dekorative Zugeständnis des Verlegers war, unübersehbar.

"Nein, ich bin mir sicher, dass er sie dir nicht leihen würde. Aber Kloster kommt erst Ende des Monats nach Argentinien zurück, er ist in einer dieser Künstlerresidenzen, in die er sich für die letzten Korrekturen an seinen Romanen vor der Veröffentlichung zurückzieht. Seine Frau hat er nicht mitgenommen, insofern glaube ich nicht", Campari zwinkerte mir zu, "dass sie seine Sekretärin mitfahren ließ."

In meinem Beisein rief er bei Kloster zu Hause an, grüßte überschwänglich offenbar Klosters soeben erwähnte Frau und hörte sich mit resignierter Miene eine Reihe von Klagen an, die sie anscheinend vorbrachte, wartete geduldig, bis sie den Namen im Adressbuch gefunden hatte, und notierte schließlich die Telefonnummer auf einen Zettel.

"Sie heißt Luciana", sagte er, "aber Vorsicht. Du weißt, Kloster ist unsere heilige Kuh. Du musst ihm das Mädchen am Ende des Monats heil zurückgeben."

Dieses kurze Gespräch hatte mir wie durch eine kleine Luke einen unverhofften Einblick in das zurückgezogene und öffentlichkeitsscheue Leben des einzig wirklich schweigsamen Schriftstellers eines Landes gegeben, in dem sich Autoren vor allem durch Redseligkeit auszeichnen. Diese Unterhaltung mit meinem Verleger bescherte mir eine Überraschung nach der anderen, und unwillkürlich machte ich meinen Gedanken laut Luft. Kloster, der fürchterliche Kloster, hatte also eine Frau? Und sogar etwas so Unvorstellbares, so unglaublich Bürgerliches wie eine Sekretärin?"Und eine kleine Tochter, die er anbetet", ergänzte Campari. "Ich habe ihn ein paarmal getroffen, als er mit ihr in den Park ging. Ja, er ist ein liebevoller Familienvater, wer hätte das gedacht, nicht wahr?"

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