Leseprobe zu "Der kleine Seestern" von Sergio Bambaren
Sergio Bambaren
Der kleine Seestern
Die Geschichte einer besonderen Mission
Vorwort
Nur diejenigen, die es wagen, weiter zu gehen als sehr weit fort, können herausfinden, wie weit sie wirklich gehen können. Wenn deine Träume sich aufschwingen und dich davontragen, schließe die Augen vor der Realität und laß deinen Geist losgelöst wandern, frei von allen Fesseln und jeder Furcht.
Ich habe gesehen, wie die Welt sich verändert. Ich habe gesehen, wie das Böse erneut den Horizont verschwimmen läßt, nicht anders als seit Tausenden von Jahren. Und die Worte, die heute, zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts, im Westen wie im Osten gebraucht werden, um die Morde und den Haß zu rechtfertigen, sind noch immer dieselben: "Im Namen Gottes ..."
Ich bin es leid, diese Worte zu hören. Ich bin es leid, zu sehen, wie Menschen den wichtigsten Begriff der Welt gebrauchen, um ihre aus Haß geborenen Taten zu rechtfertigen.
Laßt ihn in Frieden! Wie auch immer eure Vorstellung von einem höchsten Wesen aussieht, gebraucht nicht Seinen Namen, um eure Morde zu rechtfertigen.
Als jemand, der im katholischen Glauben erzogen wurde und nach all der Zeit noch immer ein spirituelles Wesen ist, werde ich mich stets dagegen wehren, daß man Gottes Namen mißbraucht, um solche Greueltaten zu begehen.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich die Schlechtigkeit der Welt nicht mehr ertrage, dann ist es die Natur, in die ich mich erst einmal flüchten kann. Vor vielen, vielen Jahren erzählte meine Mutter mir, für jeden Menschen gäbe es einen Engel. Der Trick dabei sei, zu wissen, wo man seine Hilfe suchen muß. Wenn du deinen Engel nicht in deiner Nähe siehst, versuch ihn woanders zu finden.
Ich fand meinen Engel also in der Natur. Ich entschloß mich, einem Delphin, ja sogar einer Biene voller Ehrfurcht zuzusehen. In der Natur kann man viel leichter Gutes finden, sich wahrhaftig lebendig fühlen, die Möglichkeit spüren, in seinem Leben aus nichts etwas zu machen. Und dann reinigt mein Geist sich von all dem Schmerz, und ich begreife wieder: Das Wesentliche an der Wahrheit ist, daß es nichts weiter bedarf. Daß der, der sie entdeckt, ob in der Natur oder anderswo, und sei es nur für eine Sekunde, von niemandem mehr überzeugt werden muß.
Dann füllt meine Seele sich wieder mit Kraft, und ich entschließe mich, daran zu glauben, daß die Welt gut ist. Statt mich zu sorgen und Angst zu haben, entschließe ich mich zu handeln. Und ich hoffe, daß meine kleine Geschichte wenigstens eine Menschenseele an das Gute in der Welt erinnert. Das Gute, das allen Religionen innewohnt, egal, an welche man glaubt - was wir zuweilen vergessen.
Weil ich das Leben liebe, werde ich stets darum kämpfen, der Welt und mir selbst in Erinnerung zu rufen, daß wir im Grunde gut sind. Wir stiften zwar immer wieder Unheil, doch die meisten von uns sind bemüht, diese Welt zu verbessern, jeder an seinem kleinen, aber entscheidenden Platz. Und ich muß immer wieder an die Geschichten denken, die ich auf der ganzen Welt gehört habe, Geschichten von guten Menschen und - warum nicht - guten Tieren, die uns die eine oder andere Lehre erteilt haben, wie wir in Frieden miteinander leben können.
Dieses Vorwort mag für Kinder ein wenig zu schwergewichtig sein. Es sei den Eltern überlassen, ob sie es mit ihren Kindern lesen wollen. Doch das Folgende, die kleine Geschichte, die ich nun erzählen will, ist, glaube ich, etwas für uns alle.
Für uns Kinder von fünf bis hundert Jahren.
Möge Ihnen das Leben die Chance geben, Ihren ganz persönlichen Engel zu finden.
1
In der Bibel, im ersten Buch Mose, wird uns von einem guten Mann namens Noah erzählt. Noah hatte drei Söhne, die hießen Sem, Ham und Japhet.
Noah lebte zu einer Zeit, als alle Menschen auf der Erde schlecht waren. Gott war zornig auf die Menschen, weil sie nicht so lebten, wie Gott es ihnen gesagt hatte. Er war so wütend, daß es ihm leid tat, die Menschen überhaupt erschaffen zu haben.
Und so beschloß er, eine große Flut kommen zu lassen, um all die schlechten Menschen zu töten, alle bis auf Noah und seine Familie und zwei Tiere von jeder Art, die auf der Erde lebte.
Gott befahl Noah, aus Tannenholz ein sehr großes Boot zu bauen, das er die Arche nannte. Es mußte groß genug sein für Noah und seine Frau, seine drei Söhne und deren Frauen und zwei Tiere von jeder Art, ein Männchen und ein Weibchen.
Nach rund hundertzwanzig Jahren hatte Noah die Arche fertiggebaut. Dann gingen all die Tiere mit Noah und seiner Familie in die Arche, und Gott schloß sie dort sicher ein.
Und Gott schickte einen großen Regen, der vierzig Tage dauerte! Das Wasser stieg höher und höher, bis selbst der höchste Berg nicht mehr zu sehen war. Nur Noah, seine Familie und all die Tiere, die in der Arche waren, wurden gerettet.
Hundertundfünfzig Tage trieb die Arche auf dem Wasser, bis sie auf einem Berg landete, der Ararat hieß. Dort blieb sie drei Monate liegen, bis das Wasser zurückging und die Erde allmählich trocken wurde. Schließlich sandte Noah eine Taube aus, auf daß sie sich einen Platz suche, wo sie sich niederlassen konnte. Doch die Taube fand keinen Platz zum Landen und kam zurück. Nach sieben Tagen schickte Noah die Taube noch einmal aus, und sie kehrte mit einem Ölzweig im Schnabel wieder. Da nahm Noah das Dach der Arche ab und sah trockenen Boden. Und so verließen Noah, seine Familie und all die Tiere die Arche. Und Noah baute Gott einen Altar.
Als Gott das sah, sandte er ein buntes Band, das sich über den Himmel spannte, zum Zeichen, daß er nie wieder eine Flut kommen lassen würde, um alle Menschen und Tiere auf der Erde zu töten.
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