Der kleine Dämonenberater - Moore, Christopher

Christopher Moore 

Der kleine Dämonenberater

Roman

Dtsch. v. Christoph Hahn
Broschiertes Buch
 
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Der kleine Dämonenberater

Vom Autor von "Die Bibel nach Biff": Eine skurrile Komödie über den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse.

Travis O´Hearn hat ein Problem: Seit er vor siebzig Jahren eher aus Zufall einen Dämon geweckt hat, weicht ihm dieser nicht mehr von seiner Seite. Und Catch ist beileibe kein angenehmer Zeitgenosse, denn er hat einen unstillbaren Appetit auf menschliches Fleisch. Um dem dämonischen Treiben endlich ein Ende zu setzen, macht sich Travis auf den Weg zum König der Dschinn - er Einzige, der Catch in die Hölle verbannen kann, aus deren Staub er einst gekrochen kam ...



Produktinformation

  • Verlag: GOLDMANN
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 315 S.
  • Seitenzahl: 320
  • Goldmann Taschenbücher Bd.54217
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 119mm x 21mm
  • Gewicht: 243g
  • ISBN-13: 9783442542178
  • ISBN-10: 3442542170
  • Best.Nr.: 13383537
"Wer so was gotteslästerlich findet, dem fehlt der Humor - zumal Moore schon mit Werken wie ,Der Lustmolch' bewies, wie witzig er ist."
Der ehemalige Journalist Christopher Moore arbeitete als Dachdecker, Kellner, Fotograf und Versicherungsvertreter, bevor er anfing, Romane zu schreiben. Seine Bücher haben in Amerika längst Kultstatus, und auch im deutschsprachigen Raum wächst die Fangemeinde beständig. Christopher Moore liebt - nach eigenen Angaben - den Ozean, Elefanten-Polo, Käsecracker, Acid Jazz und das Kraulen von Fischottern. Er mag aber weder Salmonellen noch Autoverkehr und erst recht nicht gemeine Menschen. Der Autor lebt in San Francisco, Kalifornien.

Leseprobe zu "Der kleine Dämonenberater" von Christopher Moore

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Leseprobe zu "Der kleine Dämonenberater" von Christopher Moore

Samstagnacht

1 - THE BREEZE

The Breeze rauschte auf dem Schleudersitz von Billy Winstons Pinto nach San Junipero. Der Pinto beschrieb eine abenteuerliche Schlangenlinie und driftete auf den Mittelstreifen zu, was daran lag, daß Billy versuchte, mit einer Hand einen Joint zu drehen, während er gleichzeitig eine Halbliterdose Coors in der anderen Hand hielt und zu einem Bob Marley Song, der aus der billigen Stereoanlage schepperte, im Takt wippte.

"Jetzt geht die Post ab, Mon!" sagte Billy und prostete The Breeze so enthusiastisch zu, daß diesem das Bier aufs Hemd schwappte.

The Breeze schüttelte entnervt den Kopf. "Halt die Dose runter, paß auf, wo du hinfährst, und laß mich den Joint bauen", sagte er.

Billys Bewunderung für The Breeze kannte keine Grenzen. The Breeze war cool, ein Partyhecht der alten Schule. Er verbrachte seine Tage am Strand und die Nächte eingehüllt in eine Wolke von Sinsemilla. The Breeze konnte die ganze Nacht durchkiffen und dazu eine Flasche Tequila niedermachen, ohne daß man ihm das Geringste anmerkte. Anschließend fuhr er dann die vierzig Meilen nach Pine Cove zurück, ohne auch nur den Funken eines Verdachts oder das geringste Mißtrauen eines Cops auf sich zu ziehen, um am nächsten Morgen Punkt neun wieder am Strand auf der Matte zu stehen und den Anschein zu erwecken, als sei der Begriff "Kater" in seinem Vokabular inexistent. In Billy Winstons Hitliste der größten Helden aller Zeiten rangierte The Breeze auf Platz zwei unmittelbar hinter David Bowie.

The Breeze rollte den Joint, steckte ihn an und reichte ihn Billy zum Anrauchen.

"Was feiern wir denn?" krächzte Billy in dem verzweifelten Versuch, den Rauch unten zu halten.

The Breeze streckte den Zeigefinger in die Luft, um ihm zu bedeuten, daß er der Frage auf den Grund gehen würde, und kramte in der Tasche seines Hawaiihemdes nach dem Dionysischen Kalender: Gelegenheiten und Anlässe für Parties an allen Tagen des Jahres. Er blätterte so lange, bis er das aktuelle Datum gefunden hatte, und verkündete dann: "Unabhängigkeitstag in Namibia."

"Astrein", sagte Billy. "Ein dreifaches Hoch auf die namibische Unabhängigkeit."

"Hier steht", fuhr The Breeze fort, "daß die Namibier ihre Unabhängigkeit feiern, indem sie eine ganze Giraffe am Stück grillen und verspeisen und dazu eine Mixtur aus fermentiertem Guavensaft und dem Extrakt bestimmter Baumfrösche trinken, denen magische Kräfte nachgesagt werden. Auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten werden alle Jungen, die ein bestimmtes Alter erreicht haben, beschnitten, und zwar mit einem scharfen Stein."

"Vielleicht können wir ja 'n paar Techies beschneiden, wenn's uns zu langweilig wird", sagte Billy.

Mit Techies bezeichnete The Breeze im allgemeinen die männlichen Studenten des San Junipero Technical College - zum größten Teil ultrakonservative Grünschnäbel mit Bürstenhaarschnitten, deren höchstes Ziel offenbar darin bestand, in der gesichtslosen Masse der Erfüllungsgehilfen der amerikanischen Industrie aufzugehen, nachdem sie in der Tretmühle des San Junipero Tech durch die Mangel gedreht, zurechtgebogen und wieder ausgespuckt worden waren.

Das Denken der Techies war The Breeze so fern und fremd, daß er noch nicht einmal Verachtung für sie aufbrachte. Sie waren einfach Nichtexistenzen. Andererseits gab es auch weibliche Studenten am S. J. Tech, und diese lagen The Breeze erheblich mehr am Herzen. Die Aussicht darauf, zwischen den weichen Schenkeln einer jungfräulichen Ingenieurstudentin abtauchen zu können, und sei es auch nur für kurze Zeit, war der einzige Grund, warum The Breeze sich überhaupt auf das zweifelhafte Vergnügen einer vierzig Meilen langen Fahrt mit Billy Winston eingelassen hatte.

Billy Winston war groß und so spindeldürr, daß einem sein Anblick schon fast weh tat. Darüber hinaus war er häßlich und übelriechend, und er hatte das Talent, in nahezu jeder Situation genau das Falsche zu sagen. Zu allem Überfluß hatte The Breeze ihn auch noch im Verdacht, daß er schwul war. Dieser Gedanke hatte eines Abends neue Nahrung bekommen, als er Billy Winston auf seiner Arbeitsstelle als Nachtportier in einem Hotel besucht und ihn dabei überrascht hatte, wie er eine Ausgabe des Playgirl durchblätterte. Bei den Geschäften, die The Breeze betrieb, war es nichts Ungewöhnliches, wenn man gelegentlich über die Leichen im Keller anderer Leute stolperte, und so machte es ihm auch nichts weiter aus, wenn die Leichen in Billy Winstons Keller Damenunterwäsche trugen. Sollte Billy Winston tatsächlich homosexuell sein, so war das etwa so schlimm wie Akne bei einem Leprakranken.

Was für Billy Winston sprach, war die Tatsache, daß er einen Wagen hatte, der lief, und daß er The Breeze überall hinfahren würde, wo er nur wollte. The Breeze hatte zwar einen eigenen VW-Bus, doch den hatte er bei ein paar Marijuanapflanzern in Big Sur als Sicherheit für die vierzig Pfund Sinsemillablüten abstellen müssen, die in einem Koffer in seinem Trailer versteckt waren.

"Ich denke mir folgendes", sagte Billy. "Wir laufen erst mal im Mad Bull ein, dann machen wir bei José 'nen Pitcher Margeritas nieder und gehen danach in den Nuked Whale 'n bißchen tanzen. Und wenn sich da nix abspielt, fahr'n wir nach Hause und schlucken noch einen im Slug."

"Laß uns lieber zuerst zum Whale fahren und sehen, was da so abgeht", erwiderte The Breeze.

Der Nuked Whale war die erste Disco am Platz in San Junipero. Dort hingen all die Studenten ab, und wenn es für The Breeze überhaupt was zum Ankuscheln gab, dann würde er es dort finden. Er hatte nicht die geringste Absicht, mit Billy Winston wieder vierzig Meilen nach Pine Cove zurückzufahren und sich im Head of the Slug noch einen letzten Drink zu genehmigen. Das war gleichbedeutend mit einem Offenbarungseid, ein Eingeständnis des Losertums, und davon hatte The Breeze die Nase voll - das lag nun endgültig hinter ihm. Morgen würde er die vierzig Pfund verkaufen, dafür zwanzig Riesen kassieren, und das war's dann. Er hatte zwanzig Jahre damit zugebracht, mickrige Grammdeals abzuziehen, nur damit er die Miete bezahlen konnte. Ab morgen hatte er diesen ganzen Kleinschiß nicht mehr nötig, dann war er endlich eine große Nummer, und als solche würde er sich mit so kümmerlichen Gestalten wie Billy Winston nicht mehr abgeben.

Billy parkte den Pinto einen Block entfernt vom Nuked Whale. Der pumpende Sound der Technomusik drang hinaus auf die Straße.

Das ungleiche Paar brauchte nur ein paar Sekunden, bis sie vor dem Laden angekommen waren. Billy eilte mit großen Schritten voran, während The Breeze, den Rücken durchgedrückt, hinterhertrottete. Billy duckte sich schon unter der Neonröhre in Form einer Schwanzflosse hindurch in den Club, als der Türsteher - ein milchgesichtiges Muskelpaket mit Bürstenhaarschnitt - ihn am Arm packte.

"Erst mal den Ausweis."

Billy zeigte ihm gerade seinen abgelaufenen Führerschein, als auch The Breeze angetrottet kam und in den Taschen seiner neongrünen Surfshorts nach seiner Brieftasche kramte.

Der Türsteher winkte ab. "Schon in Ordnung, Kumpel, wer so wenig Haare auf dem Kopf hat, braucht keinen Ausweis."

The Breeze strich sich selbstsicher über die hohe Stirn. Letzten Monat war er vierzig geworden, eine etwas dubiose Errungenschaft für jemanden, der einmal geschworen hatte, niemandem über dreißig zu trauen.

Billy, der hinter ihm stand, streckte den Arm aus und klatschte dem Türsteher zwei Dollarscheine in die Hand. "Hier Kumpel, kauf dir 'n Blowjob bei 'ner aufblasbaren Puppe."

"Was!" Der Türsteher schoß von seinem Hocker herunter und baute sich auf wie ein Bullterrier, doch Billy war schon im Gewimmel im Inneren des Clubs verschwunden.

"Nicht aufregen, Mann. Der Junge hat Probleme."

"Der hat gleich wirklich welche", schnaubte der Türsteher.

"Nee, wirklich", fuhr The Breeze fort und wünschte sich, Billy hätte ihn nicht zu dieser Geste der Loyalität gezwungen und ihm die peinliche Notwendigkeit erspart, auf einen Höhlenmenschen mit College-Halbbildung beschwichtigend einwirken zu müssen. "Das liegt an den Pillen, die er schlucken muß. Wegen seiner Psychokiste."

Der Türsteher war verunsichert. "Wenn der Kerl gefährlich ist, schaff ihn hier raus."

"Er ist nicht gefährlich, nur 'n bißchen überdreht - er leidet unter bipolar ödipaler Traumatisierung", sagte The Breeze mit einer für ihn eigentlich ganz untypisch gravitätischen Stimme.

"Oh", erwiderte der Türsteher, als ob ihm jetzt alles klar sei. "Sieh zu, daß er sich benimmt, oder ihr fliegt beide raus."

"Geht in Ordnung, mach dir keinen Kopf." The Breeze wandte sich zum Gehen. An der Bar traf er Billy inmitten einer Ansammlung biertrinkender Studenten. Billy reichte ihm ein Heineken.

Dann fragte er: "Was hast du zu dem Arsch gesagt, damit er sich wieder beruhigt?"

"Ich hab ihm erzählt, du willst deine Mutter ficken und deinen Vater umbringen."

"Cool. Danke, Breeze."

"Keine Ursache." The Breeze prostete ihm zu.

Das lief ja alles ganz und gar nicht so wie geplant. Eigentlich hatte er vorgehabt, Billy schnellstens loszuwerden und sich was zum Vögeln zu suchen, und jetzt stand er mit diesem Kerl an der Bar und machte einen auf Männerfreundschaft!

The Breeze drehte sich um und lehnte sich zurück, um sich einen Überblick zu verschaffen, was alles an brauchbarem Material am Start war. Gerade hatte er eine etwas hausbacken wirkende Blondine ins Auge gefaßt, deren Arsch in ihren Lederhosen allerdings ganz knackig wirkte, als Billy seine Konzentration zunichte machte.

"Hast du was für die Nase dabei?" brüllte Billy, um sich über die dröhnende Musik Gehör zu verschaffen, doch er hatte den falschen Moment gewählt; just in diesem Augenblick war der Song zu Ende, absolut jeder an der Bar drehte sich um und starrte The Breeze an, als ob er mit den nächsten Worten nun endlich den wahren und wirklichen Sinn des Lebens, die Lottozahlen des nächsten Wochenendes oder Gottes geheime Telefonnummer verkünden würde.

The Breeze packte Billy vorn am Hemd und zerrte ihn in einen der hinteren Winkel des Clubs, wo eine Gruppe von Techies sich derartig an einem Flipper abrackerten, daß sie außer Bumpers und Klingeln nichts mitbekamen. Billy sah aus wie ein verängstigtes Kind, das man aus dem Kino rausgeschmissen hatte, weil es das Ende des Films lauthals ausposaunt hatte.

"Erstens", zischte The Breeze ihn an und fuchtelte mit dem Zeigefinger unter Billys Nase herum, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, "erstens, was Kokain angeht, ich nehme es nicht, und ich verkaufe es auch nicht." Das stimmte nur zur Hälfte. Er verkaufte keines, nachdem er in Soledad wegen Kokainhandel ein halbes Jahr abgerissen hatte - und ihm weitere fünf Jahre blühten, wenn er wieder erwischt wurde. Er nahm Kokain nur, wenn es ihm angeboten wurde oder er es brauchte, um irgendwelche Weiber abzuschleppen. An diesem Abend hatte er ein Gramm dabei.

"Zweitens, wenn ich es nehmen würde, hätte ich keine Lust drauf, daß es jeder in San Junipero erfährt, weil es so laut in der Gegend herumposaunt wird."

"Tut mir leid, Breeze." Billy machte sich ganz klein. Er versuchte die Mitleidsmasche.

"Drittens", sagte The Breeze und fuchtelte Billy mit drei ausgestreckten Fingern vor der Nase herum, "haben wir eine Abmachung. Wenn einer von uns einen Treffer landet, macht der andere sich vom Acker. Na ja, und ich denke, ich habe einen Treffer gelandet, also mach dich vom Acker."

Gesenkten Kopfs schlich Billy zur Tür. Seine Unterlippe hing nach unten wie das unglückliche Opfer eines Lynchmobs. Nach ein paar Schritten drehte er sich um. "Wenn du nachher irgendwie heimkommen mußt - falls es doch nicht klappt -, ich bin jedenfalls im Mad Bull."

Als er Billy so fortschleichen sah, zutiefst in seinen Gefühlen verletzt, versetzte es The Breeze doch einen kleinen Stich.

Schwamm drüber, dachte er. Billy wäre sowieso reif gewesen. Nach dem Deal morgen würde er sich mit den ganzen Kleinkrautern, die ihm vielleicht gerade mal zehn Gramm pro Woche abkauften, nicht mehr abgeben müssen. Er konnte es gar nicht erwarten, bis er es sich endlich leisten konnte, auf Freunde ganz und gar zu verzichten. Er glitt über die Tanzfläche auf die Blondine mit den Lederhosen zu.

Die langen Jahre des Singledaseins hatten The Breeze gelehrt, daß der erste Satz bei einer Anmache der entscheidende war. Man brauchte einen richtig guten Spruch, der aus dem Rahmen fiel und durch sein ausgewogenes Verhältnis von Bestimmtheit und Poesie in der so Angesprochenen Neugierde und Begierde gleichermaßen weckte. Um diese Feinheiten wissend, steuerte er das Ziel seiner Begierde mit der Gelassenheit eines Mannes an, der über ein gut ausgestattetes Waffenarsenal verfügt.

"Yo, Baby", sagte er. "Ich hab ein Gramm kolumbianisches Wunderpulver dabei, und zwar vom Besten. Sollen wir mal kurz rausgehen?"

"Wie bitte?" fragte das Mädchen mit einer Mischung aus Erstaunen und Ekel. The Breeze fielen ihre großen Augen auf - fast wie bei einem Reh. Bambi mit zu dick aufgetragenem Lidschatten.

Er setzte sein bestes Surferboy-Lächeln auf. "Ich dachte, du hättest vielleicht Lust, dir ein bißchen die Nase zu pudern."

"Du könntest glatt mein Vater sein", sagte sie.

The Breeze war wie vor den Kopf geschlagen von der Abfuhr. Während das Mädchen sich dünne machte, sackte er an die Bar und überlegte seine weiteren Schritte.

Einfach weiter zur Nächsten. Jeder erwischt mal 'ne fiese Welle, es kommt nur drauf an, wieder aufs Brett zu klettern und die nächste besser zu erwischen. Er ließ seinen Blick über die Tanzfläche schweifen, um zu sehen, was es da noch zu ernten gab. Nur absolut perfekt frisierte Mädchen aus irgendwelchen Studentenvereinigungen. Sicher, auch er hatte einmal davon geträumt, eine von diesen steifen Tussen zu bespringen und sie so lange durchzurammeln, bis von ihrer Frisur nur noch ein einziger wirrer Knoten übrig war, doch dieser Traum war ihm schon vor langer Zeit abhanden gekommen - schließlich glaubte er ja auch nicht mehr an Mädchen oder an Geld, das vom Himmel fiel.

In San Junipero stimmten die Vibrationen einfach nicht. Das war nicht weiter tragisch - morgen würde er ein reicher Mann sein. Es war wohl am besten, zurück nach Pine Cove zu trampen. Mit ein bißchen Glück konnte er im Head of the Slug Saloon sein, bevor die letzte Runde eingeläutet wurde und sich bei dieser Gelegenheit noch eine von den Schlampen abgreifen, die dort immer rumstanden und gute Gesellschaft zu schätzen wußten, auch ohne daß man ihnen für hundert Dollar Pulver unter die Nase strich, damit sie mit einem in den Clinch gingen.

Als er auf die Straße hinaustrat, wehte ihm ein frischer Wind um die nackten Beine und machte ihn fröstelnd. Sein dünnes Hemd war auch nicht unbedingt die ideale Kleidung für dieses Wetter - die vierzig Meilen bis Pine Cove per Anhalter hinter sich zu bringen würde eine ziemlich ätzende Angelegenheit werden. Vielleicht war Billy ja noch im Mad Bull? Nein, sagte sich The Breeze, es gibt Schlimmeres, als sich den Arsch abzufrieren.

Er schüttelte die Kälte ab und trottete in Richtung Highway. Seine neuen neongelben Segelschuhe quietschten bei jedem Schritt. Sie scheuerten ein wenig am kleinen Zeh. Nachdem er fünf Blocks weit gelaufen war, spürte er, wie eine Blase platzte und darunter das rohe Fleisch zum Vorschein kam. Er verfluchte sich dafür, daß auch er sich dem Diktat der Mode unterworfen hatte.

Eine halbe Meile außerhalb von San Junipero gab es keine Straßenbeleuchtung mehr. The Breeze war schwer genervt, und die Dunkelheit setzte dem noch eins drauf. Nun, da keine Bäume oder Häuser mehr im Weg standen, fegte der Wind ungehemmt vom Pazifik herauf und zerrte an seinen dünnen Klamotten wie an den zerfetzten Fahnen einer geschlagenen Armee. Mittlerweile hatte sein Zeh angefangen zu bluten und das Leinen seines Schuhs dunkelrot eingefärbt.

Eine Meile außerhalb der Stadt hatte The Breeze aufgehört, irgendwelche Faxen zu machen und zu lächeln, wenn ein Auto vorbeifuhr. Er tippte auch nicht länger an einen imaginären Hut, um irgendwelche Autofahrer dazu zu bewegen, einen armen, gestrandeten Surfer mitzunehmen, sondern trottete nur noch mit gesenktem Kopf und erhobenem Daumen die Straße entlang und streckte den Mittelfinger heraus, wenn wieder einmal ein Wagen mit unverminderter Geschwindigkeit an ihm vorbeizog.

"Fickt euch! Ihr herzlosen Arschlöcher!" Er war schon ganz heiser vor Schreien.

Er versuchte, an das Geld zu denken - jenes wunderbare knisternde grüne Material, das ihm die Freiheit bringen würde, alles zu tun, worauf er Lust hatte - doch er wurde immer wieder eingeholt von der im wahrsten Sinne des Wortes kalten und schmerzhaften Realität und der Einsicht, daß seine Chancen darauf, mitgenommen zu werden, sich zunehmend verflüchtigten. Es war schon spät, und mittlerweile kam nur noch etwa alle fünf Minuten ein Auto vorbei.

Die Hoffnungslosigkeit kreiste über seinem Haupt wie ein Geier.

Er überlegte sich, ob er vielleicht das Kokain hochziehen sollte, aber er fand den Gedanken doch etwas schwachsinnig. Was hatte er davon, völlig aufgedreht eine einsame, dunkle Straße entlangzuhumpeln, um schließlich von Paranoia-Attakken geplagt in zähneklapperndes Zittern zu verfallen?

Denk an das Geld. Das Geld.

An all dem war nur Billy Winston schuld. Und die Kerle in Big Sur; warum mußten die auch seinen VW-Bus nehmen? Es gab nicht den geringsten Grund für so was. Er hatte noch nie jemanden bei einem großen Deal reingelegt. Er war ja schließlich kein schlechter Kerl. Hatte er Robert nicht in seinen Trailer einziehen lassen, nachdem seine Alte ihn an die Luft gesetzt hatte, und zwar ohne daß er dafür was zahlen mußte? Er half ihm sogar, eine neue Zylinderkopfdichtung in seinen Truck einzubauen. War er nicht immer fair gewesen - niemand mußte bei ihm die Katze im Sack kaufen, jeder konnte erst mal probieren, was er am Start hatte. Außerdem, wer gab denn seinen Stammkunden schon mal bis zum Zahltag eine Unze auf Kredit? In diesem Business, wo es angeblich so rauh und heftig zuging, war er da nicht ein Musterbeispiel von Rechtschaffenheit? Ein wahrer Fels in der Brandung?

Kundenbewertungen zu "Der kleine Dämonenberater" von "Christopher Moore"

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Bewertung von Enrico aus Zamonien am 09.04.2006 ***** ausgezeichnet
Eine geniale Horrorkomödie.
Erinnert etwas an Walther Moers,D.Adams und T.Pratchett.
Wer also lustiges teilweise auch zynisches und sarkastisches Buch sucht hat es hier gefunden.

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